Sven und Marie Teil 1

Autor: adamina
veröffentlicht am: 21.09.2008




'Marie, könntest du dich bitte etwas beeilen? Oh, und geh bitte noch Brot holen. Zwei Baguette bitte!'
Ich tue so als sei ich taub. Mit Cathy ist es immer das selbe: gibt man ihr den kleinen Finger, verlangt sie gleich den ganzen Arm und ist wie ein Packesel mit Arbeit beladen. Ich beende also seelenruhig mein Make-up, vor dem Spiegel. Helles Rosa für die Lippen, Schwarz für die Wimpern und ein dunkles Grün für die Lider. Immer nur ein Hauch von einem Schatten, im Gymi ist Schminken verboten. Zum Glück ist das bald vorbei. Ich sehe mir das Ergebnis prüfend an. Gar nicht mal so übel. Ein hübsches Gesicht, atemberaubend vielleicht, aber der Rest! Viel zu dünn! Ich sollte zwei Jahre und eine Körpchengrösse mehr drauflegen, dann wäre ich perfekt, aber leider bin ich erst 18 und trage B.
'Hey, du hast dich ja geschminkt!' Cathys Gesicht taucht in der Türspalte auf. Sie, ist wunderschön, sie braucht kein Lidschatten um perfekt zu sein. Sie ist klein und schlanker als die meisten Jugendlichen, zarte Haut, im Winter wie im Sommer gebräunt. Riesige schwarze Augen, die entweder träumerisch schmelzen, oder aber feurig glänzen. Meistens glänzen sie feurig. Ich bin stolz auf meine Mutter, aber ich ertrage sie nicht. 'Gut durch die Baguette, vergiss das nicht.' bestellt sie und verschwindet.Doch ich protestiere.' Oh bitte nicht heute!' Doch sie ist nicht auf den Kopf gefallen. 'Heute essen wir aber Brot, wie so oft. Also muss jemand Brot kaufen.' entgegnet sie in der überheblichen Ruhe die mich umbringt.'Warum fragst du nicht den Herrn Bruder? Der hat wenigstens ein Auto!' Plötzlich hört man laut aus dem Nebenzimmer: 'Ein Auto, aber kein Lieferwagen!' Das ist Yves.Sein Zimmer liegt nebendran, oder sollte ich lieber Garage dazu sagen? Denn es liegen lauter mechanische Geräte darin, Ölspuren beflecken seinen Boden und täglich hört man sein Schrauben und Bohren im ganzen Haus.
' Das Auto ist sowieso schon in Gebrauch ' murrt er. Cathy grinst 'Er begleitet mich zu Oma!' Aha, schon wieder haben die zwei etwas ohne mich ausgemacht. Sie verziehen sich und ich soll für sie Einkaufen gehen, typisch! Mit den Beiden kommt man zu nichts, vor allem mit Cathy. Ich habe kaum Zeit zu leben, geschweige denn zu lieben.
Ja, ich bin verliebt, über beide Ohren und unsterblich. Doch leider auch absolut hoffnungslos! Sven ist schöner als jeder Mann den ich je gesehen habe. Alle Mädchen sind verrückt nach ihm. Sein Vater, ein schwedischer Diplomat, ist niemals zuhause, seine Mutter auch. Sven lebt allein und absolut unabhängig in einem kleinen Haus in der Nähe der Uni, die er mit meinem Bruder besucht. Diese Unabhängigkeit macht ihn auch noch anziehender.
'Hast du dich als Schwarze Königin verkleidet?' Dieses Mal stört Yves meine Privatsphäre. Er mustert meine schwarze Jeans und meinen schwarzen Schal mit einem spöttischem Blick. Intimsphäre ist in dieser Bude echt ein Fremdwort! Ich schlage ihm die Tür vor der Nase zu , doch anstatt sich über mich aufzuregen lacht er sich schlapp!! Eigentlich ist er ganz lieb. Nervtötend, indiskret, einnehmend und er behandelt mich wie ein Kind, aber er ist lieb. Sven ist seit Jahren sein bester Freund, und obwohl ich ihm nie mein Geheimnis verraten habe, hat er es wahrscheinlich erraten.
'Die Schwarze Königin' ist ein Theaterstück das ich in einem alten Theater dass sein Inventar verkauft, ergattert habe. Eine tragische Liebesgeschichte, und ich bin mir sicher dass sie Sven gefallen würde. Er ist der Leiter der Theatergruppe an der Universität. Letztes Jahr hat er dort Romeo und Julia aufgeführt. Er spielte den Romeo, ich hätte alles dafür getan Julia zu sein. Doch diese Schlange mit dem Engelslächeln Alissa spielte diesen Part.
Ich lege das Skript der Schwarzen Königin in meine Tasche, und renne los. Ich hab grade die Zeit in die Schule zu kommen. Im Garten kommt Yves auf mich zu und will sich von mir verabschieden. Doch er ist noch voller Motoröl deshalb flüchte ich kreischend, als er versucht mich an sich zu drücken. Idiot!
Nach der Schule renne ich zum Bäcker und bringe die Fracht nach hause, drehe mich um und laufe schon wieder los. Ich treffe mich mit Sven um ihm das Skript zu zeigen. Ich habe 7 Minuten Verspätung, als ich völlig aufgelöst im Café erscheine, Sven ist noch nicht da. Ich atme erleichtert auf, ich habe noch Zeit um mir zu überlegen was ich ihm sagen könnte. Wenn ich überhaupt den Mund aufbekomme, ich konnte nie viel sprechen wenn er bei uns war. Ich bin schrecklich nervös! Ich nehme das Skript heraus und lese noch mal alles durch, ich erneuere einige Notizen und sehe so wohl aus, als würde ich für die Schule pauken.Sven hat Verspätung, und das Café ist übervoll. Ich erkenne einige Mädchen aus der Uni, sie flüstern ,sehen mich an und kichern schliesslich. Man könnte meinen sie kennen mein Geheimnis und wissen von dem Treffen. Die Zeit vergeht immer langsamer, ich sehe auf die Uhr. 45 Minuten zu spät!! Was wenn er nicht kommt? Das wäre ja so peinlich! Er könnte nicht besser zeigen wie egal ich ihm bin! Ich glaube diese Mädchen machen sich über mich lustig, deshalb vertiefe ich mich in die Schwarze Königin.
Nach einer Stunde, halte ich es nicht mehr aus, ich stehe auf und gehe zu Simon den Chef des Cafés und frage ob eine Nachricht für mich hinterlassen wurde. 'Sorry Kleine, nichts.' Sven hat mich ganz einfach vergessen. Ich war eben noch ein Kind für ihn, zu jung und zu unscheinbar um aufzufallen. Aber er hätte doch wenigstens so tun können als ob er mich ernst nähme.
Nein! Bloß nicht, mir ist Gleichgültigkeit lieber als Mitleid, jetzt weiß ich wenigstens wie die Dinge zwischen uns stehen. Ich gehe mit hängendem Kopf nach hause, inzwischen ist es dunkel. So sieht wenigstens niemand meine Tränen. Ich hasse ihn! Seinen Schönheit macht ihn noch lange nicht zu etwas Besserem. Von seiner Bescheidenheit, seiner Ehrlichkeit, seiner Sänfte und seiner Besonderheit will ich gar nicht erst anfangen! Alles nur gespielt!







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