Sven und Marie Teil 11

Autor: adamina
veröffentlicht am: 13.12.2008




Entschuldigt es hat etwas gedauert, ich hatte nicht viel Zeit. Ich freue mich über jede Kritik, Anregungen, und Ideen, vielen Dank fürs Lesen!!

Immer noch keine Behandlung in Sicht. Die Heilungsdauer wurde von den Ärzten einmal mehr verlängert. Meine Migräneanfälle sind zum Glück endlich verschwunden und meine Testergebnisse sind ausgezeichnet. Welche Ergebnisse denn? Unbekannt. Ich tappe einmal mehr im Dunkeln. 'Versuchen sie Emotionen zu meiden.' Hat Doktor Millaud geraten. Doch ich bin deprimiert, so etwas kann man leider nicht abstellen. Cathy scheint erschöpf, was eigentlich nicht zu ihr passt.
Nachts höre ich sie im Flur umherschleichen, sie hält vor meiner Türe an und wartet, als ob sie meinem Atem lauschen wollte. Was weiß sie ,was man mir verheimlicht? Alles was sie sagt um mich zu 'trösten' ist dass sie einen neuen Lehrer für mich gefunden hat. 'Es ist der Letzte!' verspricht sie mir, weil ich wohl nicht sehr begeistert aussehe. Dabei weiß sie doch dass es unnötig ist. Dennoch merke ich dass sie langsam mehr zu leiden scheint als ich, schweren Herzens nehme ich an. 'Er ist Engländer und hat schon in Deutschland , Frankreich und in seiner Heimat unterrichtet. Er ist sehr jung, ich hoffe ihr werdet euch verstehen. Wenn er dir nicht gefällt, verspreche ich dir dass ich dich nicht mehr drängen werde und dann wiederholst du eben, das macht doch nichts. Du wirst nicht dran sterben!' Nein Cathy, daran sterbe ich nicht. Ich sterbe daran dass ich weder Blumen noch Bäume jemals wieder sehen könnte wenn das so weitergeht. Ich sterbe daran, keine Bücher lesen zu können, ich sterbe daran den Frühling nicht sehen zu können, ich sterbe daran niemals Svens Gesicht wiederzusehen, niemals mehr lieben zu können. Doch das kann ich dir nicht sagen, das kannst du nicht verstehen, du klammerst dich so sehr an die Hoffnung, dass du so etwas nicht einmal bedenkst. Ich darf keine Emotionen haben ,keinen Liebeskummer, deshalb soll ich nicht an so etwas denken, ich muss hoffen.
Am nächsten Morgen, tritt der Engländer ein ohne zu klopfen. Er begrüßt mich freundlich, locker, aber sein Akzent ist schrecklich!
'Für den Anfang schlage ich Shakespeare vor!' fängt er sofort an. Oh Nein! Alles nur das nicht! Ich antworte unfreundlich: 'Für den Anfang schlage ich aber etwas Besseres vor: meine Mutter möchte dass Sie mich unterrichten, nicht ich. Was ich brauche ist Ruhe und Einsamkeit, aber ich will Cathy nicht unglücklich machen, vor allem jetzt nicht. Ich schlage also vor, Sie machen mit Shakespeare was Ihnen, während ich weiterlebe, oder überlebe, wie es mir gefällt, Ok? Sie werden bezahlt, ich habe meine Ruhe und Cathy ist beruhigt, so haben alle was davon!' Daraufhin setze ich die Kopfhörer auf und drehe Twenty One, von den Cranberries, laut auf. Ich glaube das Problem gelöst zu haben, bis er mir brutal die Hörer vom Kopf reißt. 'Not OK!' brummt er. 'Hey was ist los mit dir?! Wirst du immer gleich gewalttätig?' Vor Empörung, fange ich zu stottern an. Mit aller Kraft versuche ich meinen Player wiederzubekommen, doch er stößt mich weg. 'Wenn du ihn nimmst, dann werfe ich ihn raus!' Das traue ich ihm sogar zu! Ich schäume vor Wut! 'Du grober Kerl, es macht dir wohl Spaß Blinde zu misshandeln was?!' Ich höre wie er tief durchatmet. 'Nein, ich liebe es verwöhnte kleine Zicken von ihrem Pferd runter zu holen.' Ich beiße mir auf die Lippen um ihn nicht anzuspringen, ich könnte ihn verfehlen und mich verletzen, also muss ich es erst mal aushalten. Ich hätte zu gerne Lust, Yves zu bitten, dieses Tier herauszuwerfen, aber ich fürchte wenn ich aufstehe wird er wütend und tut mir weh. 'Also? Bist du endlich beruhigt?' Ich drehe den Kopf weg, damit er die Tränen der Erniedrigung nicht sieht. Er merkt nichts, oder es ist ihm egal. Er fängt an von Shakespeare zu sprechen, sein Akzent tut fast weh. Sofort fange ich an von Sven als Romeo zu träumen. Das ist so furchtbar lange her, wieder steigen mir die Tränen hoch. Es war so wunderschön, ich sehe seine zärtlichen Bewegungen wieder vor mir, ich höre wie er Julia zuflüstert 'Ich liebe dich.'
Während dessen, spricht der Engländer weiter ohne sich um mich zu kümmern, ich könnte genauso gut woanders sein. Genervt unterbreche ich ihn. 'Wie heißt du überhaupt?' Er klingt überrascht 'Bill, Bill Hanson.' Und schon spricht er weiter von Shakespeare. 'Also Bill, auf Deutsch sagt man 'Vom hohen Ross herunterholen' nicht 'vom Pferd' es sei denn es geht ums Reiten.' Unterbreche ich noch mal 'Sorry' murmelt er. 'Wenn du es schaffst mir richtiges Englisch beizubringen, dann verbessere ich dich auf Deutsch, in Ordnung?' schlage ich vor. Anstatt beleidigt zu sein, scheint er eher zufrieden, er glaubt er hat mich für sich gewonnen, dabei will ich nur dass er endlich aufhört mich mit seinem schrecklichen Akzent zu quälen. 'das ist nett.' Meint er dann. Nett? Von wegen, ich bin gerade der fieseste Mensch aller Zeiten, unausstehlich, verletzlich, und ihm leider absolut ausgeliefert, da muss man eben Frieden schließen. Während dem Rest der Stunde höre ich ihm gar nicht mehr zu, mehrere Male versucht er mich abzufragen, ohne eine Antwort zu erhalten. Inzwischen hat er sogar das Fach gewechselt ohne dass ich Notiz davon genommen hätte. Allerdings scheint mein Schweigen ihn nicht zu stören oder zu entmutigen. Nach dem Unterricht setzt er mir die Hörer auf den Kopf und sagt 'See you later!' Oh nein, britische Sturheit!
'Und? Wie lautet das Urteil?' fragt Cathy nach zwei Minuten. ' Ist er eingebildet? Ignorant? Penetrant? Nervtötend? Riecht er schlecht?' Ich lege die Hörer ab und denke kurz nach. 'Ein bisschen alles auf einmal.' 'Ich habe keinen besonderen Geruch bemerkt' lacht Cathy. 'Er hat ein Lavendelparfüm, das ist abstoßend!' 'Also nicht?' seufzt Cathy. 'Doch. Behalten wir ihn erst mal. Es war schön wie ein normaler Mensch behandelt zu werden, nicht wie eine Behinderte.' Ich grinse 'Mit ihm konnte ich sogar streiten.'







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