Sven und Marie Teil 15

Autor: adamina
veröffentlicht am: 28.12.2008




Cathy weckt mich. 'Sag mal weißt du wie spät es schon ist?!' Unberührt strecke ich mich genüsslich. 'Es ist fast 11 Uhr, dürfte ich mal wissen, was du im Bett deines Bruders verloren hast?' Ich grinse, antworte aber nur 'Ich konnte in meinem Eigenen nicht schlafen.' 'Das hast du ja jetzt geschafft, aber deine armer Bruder hat die ganze Nacht kein Auge zu bekommen.' Ich kann mich nicht mehr halten vor lachen. 'Das glaube ich dir gerne!' Cathy lacht auch leicht. 'Böses Mädchen.' Sie zieht mich an sich. 'Ich habe eine wichtige Neuigkeit. Professor Millaud hat angerufen, er will dich in Behandlung nehmen. Nächste Woche soll's losgehen.' Ich schließe die Augen, ich kann es nicht aufhalten. 'Freut dich das denn nicht?!' 'Doch, doch.' Lüge ich. Sie ahnt meine Angst und versucht mich zu beruhigen. 'Es ist nichts gefährliches, weißt du. Er hat mir versichert dass du nicht leiden wirst.' Ich habe schon wieder Tränen in den Augen. 'Ich dachte alles spiele sich in meinem Kopf ab.''Anscheinend nicht, sonst wäre es doch schon vorbei. Und es wird Zeit dass es ein Ende findet.' Ich versuche locker zu klingen. 'Und wie!' Innerlich sterbe ich jedoch tausend Tode. Ich habe bis jetzt in der Hoffnung gelebt dass ich wieder sehen werde, und wenn diese Behandlung scheitern sollte, bin ich sicher dass es keine mehr gibt. Diese Behandlung ist der letzte Wendepunkt. Ungeduldig warte ich auf Bill, ich muss mit ihm sprechen. Ich glaube seine Gelassenheit wird mich beruhigen. Doch, wie um mich zu ärgern, hat er Verspätung. Ich verlasse mein Zimmer und gehe in den Garten. 'Soll ich dir helfen?' ruft Cathy aus der Küche und ich schüttele nur den Kopf. Ich höre meine Schritte auf dem Kies, den Wind in den Blättern der Eiche neben mir, darunter befinden sich drei Gartenstühle die im Sommer als Zuflucht vor der Hitze bieten. Ich verfehle sie und lande in der Hecke. Ich gehe ein Stück zurück, in dem Wissen dass Cathy mich bestimmt beobachtet, doch sie kommt nicht um mir zu helfen. Das ist gut. Nein ist es nicht, ich taumele und falle , ganz eindeutig bin ich kein Naturtalent im Blindsein. 'Du gartnerst?' höre ich Bills ironische Stimme hinter mir. Ich hebe meinen Kopf in seine Richtung, er scheint zu verstehen : 'Geht's nicht, Marie?' wäre die Situation nicht so ernst hätte ich gelacht, wegen seinem schrecklichen Akzent. 'Ich komme ins Krankenhaus.' erkläre ich so ruhig es geht, doch ich zittere. 'Wonderfull!' ruft er aus und drückt mich. 'Ich habe Angst.' Er nimmt meine Hände und zieht mich nach oben, dann nimmt er mich wieder ganz fest in die Arme, diesmal anders. Er flüstert jetzt 'Ich weiß, aber so kann es nicht weiter gehen. Deine Qualen dauern schon zu lange, es wird Zeit dass du wieder normal leben kannst. Medizin hat große Fortschritte gemacht, Behandlungen wie deine werden jetzt dauernd gemacht und sie verfehlen nie.' Ich höre ihm zu, und genieße seine Worte, auch wenn sie furchtbar klingen, sie tun so gut. 'Woher weißt du das?' frage ich noch etwas benebelt. 'Was denkst du denn? Wir sind doch Freunde! Nach denn allen Stunden die wir zusammen verbracht haben... Ich bin für dich da, und ich bin zu deinen Doktor gegangen. Er hat mir erklärt was sie tun werden.' Ich korrigiere ihn schon gar nicht mehr, so froh machen mich seine Worte, es ist schön jemandem Vertrauen zu können. 'Sie werden deine Augen nicht anfassen, es wird nur die Psychologie beeinflusst, Hypnose und solche Dinger.' Ich sage nichts, ich wüsste nicht was. 'Du wunderst mich, willst du denn nicht diesen Garten wieder sehen, Bücher lesen, Jungs treffen oder mein Gesicht entdecken?' Ich grinse 'Nach dem was Cathy gesagt hat, eigentlich nicht ,nein.' Wir setzen uns in die Sessel, die Sonne scheint herrlich warm auf meine nackten Arme, ich denke zurück an unseren Strandausflug. Ich bin ungerecht mit ihm gewesen indem ich ihn von mir entfernt habe, er ist ein treuer Freund und er hat mich vor der Verzweiflung gerettet. Ich wüsste nicht was ich ohne ihn tun würde. 'Du musst Vertrauen haben.' Sagt er mir, und ich weiß nicht ob er seine Freundschaft meint oder den Erfolg der Behandlung. Seit Monaten ersetzt er meine Augen, er beschreibt meine Umgebung, liest mir meine Bücher vor, schreibt meine Gedanken auf. Er wurde fast zu meinem früheren Ich, an meiner Stelle. Ich bin so begierig darauf ihn endlich sehen zu können. Doch eines Tages, wenn alles wieder wie früher ist, wird er mir fehlen, denn diese Vertrautheit wird es dann nicht mehr geben. Man könnte fast meinen ich wäre inzwischen lieber weiterhin blind. Verrückt!!!







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