Sven und Marie Teil 6

Autor: adamina
veröffentlicht am: 07.11.2008




Es ist dunkel.
Um mich herum, höre ich Stimmen, ich erkenne Cathy, und Papa. Was suchen sie alle in meinem Zimmer um diese Tageszeit, und was soll dieses verschwörerische Flüstern? Auf einmal erinnere ich mich an den Unfall. Es braucht Minuten bis ich es schaffe meinen Mund zu öffnen und zu sprechen, ich erkenne meine eigene Stimme nicht.
'Papa? Bist du da?' eine schnelle Bewegung in meine Richtung erschrickt mich erst, zeigt aber dass er jetzt neben mir sitzt. 'Meine kleine Fee, endlich bist du wach!' Ich erkenne dass er Tränen in den Augen hat. 'Wie geht es dir? Hast du Schmerzen? Wie fühlst du dich?' Das ist Cathy, immer in ihrer direkten Art. 'Wie eine Mumie.' Ich fühle Verbände um mein Gesicht. Eine namenlose Angst packt mich. Ich sehe den LKW wieder, den riesigen Baum. Meine Stimme zittert. 'Yves?' 'Es geht ihm gut, ein paar Brüche aber sonst geht es ihm gut. Keine Sorge.' Ich erkenne an Papa überglücklichen Ton dass er versucht irgendetwas vor mir zu verheimlichen. 'Ganz sicher?' Er seufzt 'Ein gebrochenes Schienbein, eine Ausgekugelte Schulter und drei geprellte Rippen.' Erklärt die nüchterne Cathy. Das klingt wie ein medizinischer Bericht, allerdings beruhigt mich der mürrische Ton mehr als Papas Fröhlichkeit. Ich befühle mein Gesicht, es ist unter den Verbänden nicht mehr zu erkennen. 'Was habt ihr mit mir gemacht?' frage ich panisch. 'Nichts schlimmes, kleine Fee, das ist nur zur Sicherheit. Ein paar Test.' Ich höre dass er lügt, seine Erklärung klingt zu banal. Ein schrecklicher Gedanke durchfährt mich. 'Bin ich entstellt?' Cathy fängt an zu lachen. 'Keine einzige Schramme, ein Wunder wenn man den Zustand des Autos bedenkt! Ihr hattet mehr Glück als Verstand!' 'Und wofür sind dann die Verbände?' frage ich , immer besorgter. 'Es geht um deine Augen.' Seufzt Papa, das klingt zwar sehr ehrlich, doch leider nicht gut. 'Du hattest einen schlimmen Zusammenstoss mit der Frontscheibe.' Erklärt Cathy leise. 'Bin ich blind?' ich versuche nicht zu zittern, es wie einen Witz klingen zu lassen, doch meine Stimme verrät mich. 'Nur eine vorläufige Erblindung.' Sagt eine sorglose Stimme. 'Wir mussten einige kleinere Blutungen eindämmen, nichts Ernstes. Es werden keine Narben zurückbleiben.' 'Das ist Professor Millaud, der Chirurg der dich behandelt hat' erklärt Papa. In meinem Kopf dreht sich alles, es sind zu viele Informationen auf einmal. 'Kann man die Verbände jetzt abnehmen?' 'Erst in ein paar Tagen.' Erklärt er neutral, doch ich bin nicht dumm. 'Wie viele Tage?' 'Das weiß ich noch nicht.' Oh, das ist ja mal sehr ehrlich. Immerhin einer der Zugibt dass etwas nicht stimmt. Bis dahin bleibe ich in meiner Nacht. Ein scharfer Schmerz durchfährt meinen Kopf. Ich kenne diesen Schmerz, ich habe ihn schon einige Male gespürt während ich geschlafen habe. Sehr oft. 'Wie lange bin ich schon hier?' Papa will sich vor der Antwort drücken, 'Ein paar Tage.' 'Wie lange??' Wieder mal antwortet Cathy auf die schlimmen Fragen. 'Seit elf Tagen.' Gesteht sie. Ich zittere, sage aber nichts. 'Sie lagen im Koma, das passiert häufig bei Unfällen ihrer Art.' Schliesslich bringe ich ein leises 'Elf Tage?' Heraus. 'Einige Komata dauern sehr viel länger, Monate, vielleicht sogar Jahre.' Versucht Millaud zu erklären. 'Das beruhigt mich leider nur mäßig, beeilen sie sich mir dieses Ding vom Kopf zu nehmen!' Und es stimmt ich bin mit den Nerven am Ende. Millaud versucht mir einen väterlichen Rat zu geben: 'Da müssen Sie sich eben Mühe geben.' Doch ich habe wirklich keine Lust mich von ihm bevormunden zu lassen. 'Ich würde sie gerne an meiner Stelle sehen!!' Sein Lachen klingt falsch, genauso wie seine Erklärungen es tun, irgendetwas in seinem Ton, in Cathys und Paps Ton, klingt seltsam.
Glücklicherweise, öffnet sich die Türe und eine ehrlich fröhliche Stimme kommt mir entgegen. 'Hey, Schwesterherz!' 'Yves!!!! Wie geht es dir?' Ich höre wie er aufstöhnt. 'Wie ein alter Mann. Ich laufe mit Krücken und esse mit einem Strohhalm. Du allerdings sieht gut aus, vor allem der nette Hut, aber ich glaube mit dem Schleier hast du es etwas übertrieben.' Yves lacht laut auf 'Den hab ich dir ja geschenkt, das nächste mal suche ich einen diskreteren aus versprochen!' Papa räuspert sich: 'Wir müssen los. Ihr habt euch bestimmt viel zu sagen , und du meine Kleine Fee ruhst dich bitte aus!' er versucht streng zu klingen, doch so ganz gelingt es ihm nie. 'Soll ich dir etwas von Zuhause mitbringen?' fragt Cathy. 'Meinen CD-Player und die irischen CDs, bitte.'
Sobald wir alleine sind, setzt sich Yves umständlich neben mich und flüstert 'Ich habe eine Überraschung für dich. Hinter dieser Türe steht ein Zweibeiner der, vor Ungeduld, dich zu sehen, bald platzt.' 'Ich will niemanden sehen.' Er hebt überrascht die Augenbrauen. 'Nicht mal Sven?' 'Vor allem nicht Sven!' Jetzt klappt ihm die Kinnlade herunter, aber er versucht nicht mich zu überzeugen, dafür bin ich ihm sehr dankbar. Ob er sich schuldig fühlt wegen dem Unfall, oder ob er meine Scham und meine Angst so gesehen zu werden erkennt? Ich werde es nie erfahren, den schon steht er auf und verlässt den Raum.
Ich will nicht mit einer Behinderung geliebt werden, und schon gar nicht wegen einer Behinderung bemitleidet werden. Ich möchte das Sven mich liebt, ohne Mitleid sondern aus freien Stücken. Aber ich will dass er mich liebt.







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