Sven und Marie Teil 8

Autor: adamina
veröffentlicht am: 15.11.2008




Mehrere Freundinnen sind gekommen um mich zu besuchen, ich wollte sie nicht sehen. Cathy ist wirklich wütend Sie rufen beinahe jeden Tag an, du könntest wenigstens so höflich sein und mal antworten.? Ich antworte ihr nicht Was soll ich ihnen sagen? Wenn die das Leben einer Wilden so gefällt, dann ohne mich!? regt sie sich auf. Leise verbessere ich sie. Das Leben einer Blinden.? Cathy schreit Du gibst dir nicht die geringste Mühe, so wirst du niemals gesund!? Genervt verdrehe ich die Augen. Und deiner Meinung nach heile ich schneller wenn ich freundlichst mit ein paar Klatschweibern plaudere, die mich in allen Details an andere beschreiben?? Doch sie gibt nicht auf Deine Einsamkeit bringt dir nichts!? Das ist zuviel, ich explodiere ebenfalls und fange an zu schreien. Was weißt du von meiner Einsamkeit? Von meiner Nacht, oder auch nur von meiner Angst? Ich fühle mich einsamer in einer Menschenmenge, wenn du es unbedingt wissen willst!? Cathy lässt sich auf mein Bett fallen, sie sagt kein Wort, bewegt sich keinen Millimeter. Ich betaste ihr Gesicht, es ist nassgeweint. Cathy, die sturste unbändigste und aggressivste Frau die ich kenne sitzt auf meinem Bett und weint. Ich lege die Arme um sie, sie lässt sich fallen und weint. Ich bin die Starke und tröste sie, welche Ironie. Ich spiele die Stolze, die Harte, Starke, doch innerlich zittere ich, ich sterbe vor Angst. Cathys Kummer zeigt mir dass es keine Hoffnung mehr gibt. Ich werde blind bleiben, nicht wahr?? frage ich leise. Spinnst du?? Cathy schubst mich von sich, sie erklärt mir das mein Trauma rein psychisch ist, dass meine Augen intakt sind und alles von mir abhängt. Dass ich, wenn ich es wirklich wollte, sehen könnte.
Diese Geschichte kenne ich auswendig, ich habe mir niemals gewünscht blind zu sein, und auch jetzt wünsche ich mir nichts sehnlicher als sehen zu können. Das alles klingelt nach einem Märchen dass man kleinen Kindern erzählt damit sie einschlafen. Arme Cathy, sie kann mir erzählen was sie will, sie hat mich schon zu oft belogen, ich glaube ihr kein Wort, ich höre schon gar nicht mehr zu. Ich setz meine Hörer auf, Dolorès O?Riordans Ode To My Family? lässt mich träumen, es ist die einzige Familie die ich ertrage. Cathy geht.
Sobald ich alleine bin, setze ich mich an meine Kommode, vor meinen Spiegel. Als ob mein Spiegelbild noch wichtig wäre. Ich streiche lange über mein Gesicht, ich taste es ab. Es ist glatt, ohne auch nur die kleinste Narbe. Wenigstens da hat man mich nicht belogen, ich bin nicht entstellt. In den letzten Wochen sind meine Haare gewachsen, mehr Veränderungen kann ich nicht feststellen. Meine Hände wandern meinen Hals hinunter, bis zu meinen Schultern. Trotz meiner Bemühungen es nicht zu tun, denke ich an Sven, an seine Hände, die niemals stillhalten können, gebräunt und von der Sonne und dem Meeressalz ausgeblichene Härchen bedecken sie. Unbewusst erschaure ich.
Es war eine unmögliche Liebe, sinnlos. Mein Unfall hat gar nichts zerstört, der einzige Unterschied ist dass ich mich nun keiner Illusion hingeben kann, ich kann nicht mehr träumen und denken es wäre vielleicht möglich.? Ich bin blind. Das ehrlichste Gefühl das ich bei ihm auslösen könnte wäre Mitleid.
Doch meine Verzweiflung hat einen anderen Grund. Nie wieder werde ich Sven wiedersehen, seine hellen Augen, sein Lächeln mit den winzigen Grübchen, Die Schönheit seines Körpers, wie bei unserer letzten Begegnung. Seine Muskeln, hart wie stahl, beschützend vor allem Bösen dieser Welt. Das alles war eine wahre Einladung ihn zu lieben, ich werde es nie wieder sehen. Mit Cathy konnte ich widerstehen, aber jetzt, vor einem leeren Spiegel, weine ich leise um meine verlorene Sicht. Seit meinem Unfall habe ich keine Träne vergossen. Mein Weinen gleicht einem Fluss bei dem man den Damm gebrochen hat, alles strömt auf einmal über einen hinweg. Ich kann gar nicht mehr aufhören. Ich weine auch um meine Freunde, Léa Nathalie, Elise, sogar um Lionel, um alle die kamen und die ich nicht sehen konnte, nicht durfte.
Ich war schon immer ein zurückgezogenes Mädchen, etwas still, in meine Welt versunken. Diese gewollte Abgeschiedenheit mildert meine ungewollte aus. Sie werden sich an meine Abwesenheit gewöhnen wie sie sich an mein Schweigen gewöhnten.
Außer Yves und inzwischen auch Cathy, weiß keine von meiner Liebe zu Sven, meiner ersten Liebe,
leidenschaftlich, unsinnig.
Der Liebe die starb bevor sie leben konnte.







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