Moonlight Shadow - Bei Vollmond bist du tot Teil 5

Autor: Belladonna
veröffentlicht am: 20.01.2008




In diesem Moment brach für Gwen eine Welt zusammen. Die Menschen, die sie Jahre lang für ihre Eltern gehalten hatte, waren gar nicht ihre richtigen Eltern gewesen, denn die waren schon tot. Sie konnte das einfach nicht glauben. Sie hoffte, dass das alles nur ein schlimmer Albtraum war und sie bald in ihrem Bett aufwachen würde und alles so wäre wie früher. Bevor diese schrecklichen Morde in ihrer Stadt begannen. Eigentlich hatte das ganze Chaos doch erst nach diesen verdammten Morden begonnen.
'Was geht dir jetzt durch den Kopf?'
'Ich weiß es nicht, ich weiß gar nichts mehr.'
'Möchtest du wissen, wie deine Eltern gestorben sind?'
'Ja...'
'Sie wurden umgebracht. Sie wussten zu viel. Um dich zu retten brachten sie dich nach Deutschland, als du noch ein kleines Mädchen warst. Die Menschen, die du jetzt Mama und Papa nennst waren so freundlich dich aufzunehmen und großzuziehen wie eine eigene Tochter.'
'Wann?'
'Du warst gerade drei Jahre alt, als du herkamst.'
'Und wer sind Sie?'
'Ich bin dein Onkel, also ich war der Bruder deiner Mutter.'
'Und wieso konnte ich dann nicht bei Ihnen bleiben?'
'Das ging nicht, es gibt da Dinge, von denen du keine Ahnung hast und die grauenvoll und schrecklich sind. Du wirst das Alles noch früh genug verstehen, doch ich bitte dich, sei vorsichtig und gib auf dich Acht.'
'Ja, mache ich.'
'Gut, dann bringe ich dich jetzt wieder zurück. Deinen Eltern sagst du bitte, dass ich dich verhört habe wegen des Toten. Sage zu niemandem ein Wort über den wahren Inhalt dieses Gespräches.'
'Ja, ist gut.'
'Okay, dann komm mit.'
Und zurück ging es durch das Labyrinth an gleich aussehenden Gängen. Zum Parkplatz und anschließend sofort nach Hause. Dort warteten ihre Eltern schon auf sie, aber halt, es waren ja gar nicht ihre richtigen Eltern.
'Gwen, wo warst du denn?'
'Der Herr Polizist hat mich zu dem neuen Mordfall befragt Papa.'
'Aha, und wo bitte?'
'Auf dem Polizeirevier.'
'Na schön, komm mit rein Gwen.'
'Ja Papa.'
'Und du hast immer noch Hausarrest, für einen Monat, vergiss das nicht.'
'Nein Papa.'
Seit dieser Nacht kam Gwen ihr ganzer Kummer, den sie immer gehabt hatte so unbedeutend, so unwichtig vor. Ihre Eltern waren tot und sie hatte keine Ahnung warum. Aber eigentlich war es ja auch egal. Sie ging weiter jeden Tag in die Schule und kam danach brav nach Hause. Sie war freundlich und höflich wie immer und ließ sich nichts anmerken, doch nachts lag sie stundenlang wach und dachte nach. Über so viele Dinge, die ihr keine Ruhe ließen, aber eigentlich war es egal. Sie hatte die grausigen Morde schon fast wieder vergessen- bis sich der nächste Vollmond ankündigte. Heute würde ihr Hausarrest enden und Loreen wollte ihre Geburtstagsparty feiern. Sie würde ihre Eltern fragen müssen, ob sie gehen dürfte.

'Guten Morgen, Gwen.' rief Loreen ihr aufgeregt entgegen.
'Guten Morgen Loreen. Na, wie fühlt man sich mit 16 Jahren?'
'Hm, ich weiß nicht so genau. Eigentlich auch nicht anders als vorher.' antwortete diese lachend. Gut gelaunt stimmte Gwen mit ein und umarmet ihre Freundin.
'Also, ich hab da schon ein richtig schönes Geschenk für dich, aber das kriegst du erst heute Abend.'
'Och, kannst du mir nicht schon sagen, was es ist?'
'Nein, dann ist es ja keine Überraschung mehr, aber heute Abend wirst du es schon sehen.''Und du kommst heute Abend dann wirklich?'
'Ja, ich meine immerhin ist doch mein Hausarrest jetzt vorbei, da müssen sie mich wieder raus gehen lassen und außerdem wissen sie auch wie wichtig mir unsere Freundschaft ist. Also bin ich da eigentlich ganz zuversichtlich.'
'Schön, na komm, dann lass uns mal gehen. Wir haben doch heute wieder erste Stunde Englisch.'
'Ach ja, da siehst du ja deinen geliebten Robin Falkner wieder.' spöttelte Gwen gutmütig.Das Gespräch, welches sie vor gut einem Monat im Traum besucht hatte, hatte sie schon längst aus ihrem Gedächtnis gestrichen, jedoch nicht aus ihrem Unterbewusstsein, aber dieses schwieg heute mal.
'Jaa, genau.' freute sich Loreen wie ein kleines Kind auf seinen Geburtstagskuchen. Kopfschüttelnd betrachtete Gwen ihre Freundin. Sie gab die Hoffnung einfach nicht auf, obwohl es so gut wie unmöglich war, dass ein verheirateter Mann sich für seine Schülerin interessieren könnte. Natürlich waren ihr die Blicke nicht verborgend geblieben die Herr Falkner ab und zu zu Loreen abschoss, aber gerade diese waren es ja, die sie so sehr beunruhigten. Doch davon erzählte sie Loreen nichts, wohlweislich, dass diese sich dann noch mehr in ihre Träumerein hineinsteigern würde. Manchmal beneidete Gwen ihre Freundin, weil es dieser so leicht viel sich zu verlieben. Gwen hatte dieses Glück nicht und sie war auch viel zu anspruchsvoll. Obwohl ihr die Jungs reihenweise zu Füßen lagen, hatte sie noch nie einen richtigen Freund gehabt. Loreen hingegen verliebte sich in viele Jungs, doch die Jungs nicht in sie, jedenfalls nicht dir, die Loreen haben wollte.
'Sag mal, Gwen, wann kommst du dann heute Abend eigentlich?' riss Loreen sie aus ihren Überlegungen.
'Ich weiß nicht, wann soll ich denn kommen?'
'So gegen acht. Also, wenn du darfst, was ich mal hoffe, ansonsten kommen wir dich holen.''Ja, ich werd schon kommen und wenn ihr mich holen kommt, dann haben wir wenigstens mal was zu lachen.' lachte Gwen. ‚Zumindest ich kann mal lachen, wenn ich dann die verdutzten Gesichter meiner Eltern sehe.'
In der Schule angekommen wurde Loreen sofort von der halben Schule umringt und versank förmlich unter all den Gratulanten und Geburtstagsglückwünschen. Gwen stand lächelnd daneben und sah zu wie ihre Freundin versuchte sich aus der Menge freizukämpfen. Das kannte sie, ihr selbst erging es zu ihren Geburtstagen auch nicht viel besser. Freilich hätte sie Loreen da wieder raus helfen können, was aber nur zur Folge gehabt hätte, das sich spätestens in der ersten Pause wieder alle auf sie gestürzt hätten. Also besser jetzt als später.

‚Die Kleine will also am Abend weggehen. Na wie interessant. Der perfekte Zeitpunkt sie zu entführen.' überlegte sie. Sie hatte nicht ohne Neid betrachtet, sie sehr Ian sich in die Beobachtung gestürzt hatte und sie hatte auch den Ausdruck seiner Augen nicht vergessen, als er das kleine Mädchen das erste Mal gesehen hatte. Nein, das durfte einfach nicht passieren. Er gehörte ihr, ihr allein und niemand würde sich ihr in den Weg stellen. Heute Nachmittag würde sie Ian treffen und außer Gefecht setzen, damit sie sich die Kleine holen konnte.
'Gwen, Gwen! Guten Morgen.'
'Ach, guten Morgen, David.'
'Na, wie geht's dir denn so?'
'Jaja, ganz in Ordnung, aber weißt du, ich habe gerade überhaupt keine Zeit, meine Stunde fängt gleich an und ich muss vorher noch Loreen aus der Meute da raus holen.' Meinte sie mit einer vagen Handbewegung zu der großen Menschenmenge auf dem Schulhof.'Wieso denn da raus holen?' fragte David erstaunt. 'Was hat sie denn angestellt?''Gar nichts, sie hat nur heute Geburtstag!' erwiderte Gwen genervt. Am Anfang fand sie David ja ganz nett, aber in den letzten Wochen hatte er sie ständig genervt. Immer hatte er mit ihr ausgehen wollen oder weiß der Geier was. Gwen aber hatte ihm gesagt, dass sie nicht dürfe, nur hatte er partout nicht locker gelassen. Dabei hatte sie im schon längst klar gemacht, dass sie nichts von ihm wollte und er seine Bemühungen endlich aufgeben sollte. Nur, das tat er einfach nicht! Also stürmte Gwen nun doch auf die Masse zu und zerrte ihre Freundin raus, nur um endlich ihre Ruhe zu haben.
'Boah danke, Gwen. Die hätten mich ja fast zerdrückt.'
'Na wart's nur ab, in der Pause geht es weiter. Aber ich musst jetzt mal ganz schnell was tun. Der Typ hat mich schon wieder genervt. Das ist schlimm, ich kann dem noch so oft sagen, dass ich nichts von ihm will, er kapiert es einfach nicht!'
'Du Arme. Na komm, lass uns mal reingehen, bevor die mich schon wieder in Beschlag nehmen.'

'Wilbur? Gwen hat mir erzählt, dass ihre Freundin heute Geburtstag hat, was meinst du, sollen wir sie hingehen lassen? Loreen ist immerhin ihre beste Freundin und die würde sich ganz bestimmt über Gwens Erscheinen freuen.'
'Kommt ja mal überhaupt nicht in Frage. Elvira, du bist viel zu nett zu ihr. Ihr Hausarrest geht bis einschließlich heute. So war es gesagt und so bleibt es auch. Wo kommen wir denn da hin, wenn wir jedes Mal Ausnahmen machen?'
'Aber ihre...'
'Kein ‚aber' sie bleibt hier und Punkt und wir fahren heute Abend schön weg. Einer muss doch auf das Haus aufpassen!'

'Guten Morgen, Herr Falkner' begrüßte die Klasse ihren Lehrer, als dieser den Raum betrat.'Oh, guten Morgen, meine Damen und Herren. Wenn ich richtig informiert bin, dann haben wir ja heute ein Geburtstagskind unter uns, stimmt's Loreen?' wandte er sich fragend an sie.'Äh, ja, das stimmt, Herr Falkner.'
'Na dann herzlichen Glückwunsch und viele gute Noten. Mit dem zweiten wollte ich heute eigentlich anfangen, aber ich hab es mir dann doch anders überlegt.' meinte er lächelnd.Tief atmete die ganze Klasse auf. Auf einen Test in Englisch wäre jetzt keiner vorbereitet gewesen, außer natürlich Gwen, die mal wieder den ganzen letzten Nachmittag mit lernen zugebracht hatte. Oder eher musste.
'Boah Schwein gehabt!' flüsterte Loreen ihrer Freundin zu. 'Aber ich hätte nicht gedacht, dass er mir echt gratuliert.'
'Ja, und nun bild dir was drauf ein. Bestimmt überreicht er die noch eine einzelne rote Rose und hält um deine Hand an.' spöttelte Gwen.
'Ja was denn? Kann doch mal sein.' Witzelte Loreen zurück. Und so ging es die ganze Stunde lang.
Kaum läutete es zum Ende der Stunde strömte auch schon wieder alles in Richtung Loreen.Gwen hatte gerade noch bei Seite hüpfen können, als Loreen auch schon fast wieder von den Anderen zerquetscht wurde. Da sie keine Lust auf eine weitere Begegnung mit David hatte flitzte sie schnell in den nächsten Raum und packte schon ihre Sachen aus. Heute war Gott sei Dank ein relativ kurzer Tag und so würde ihr nach der Schule hoffentlich noch genügend Zeit bleiben ihre Eltern zu überreden.

'Ja?'
'Ian, hallo.'
'Was willst du?'
'Nun sei doch mal nicht so unhöflich zu einer alten Freundin.'
'Alt- ja, Freundin- nein!'
'Na du bist ja wieder ganz freundlich zu mir!'
'Was erwartest du? Dass ich vor Freude Luftsprünge mache?'
'Nein, aber wenigstens höflich könntest du zu mir sein!'
'Warst du etwa nett zu mir, als du mich in ein Monster verwandelt hast?'
'Och, nu vergiss das doch endlich mal!'
'Wie könnte ich das jemals vergessen? Du Hexe hast mein Leben ruiniert!'
'So kommen wir doch nicht weiter!'
'Da hast du ausnahmsweise mal recht!'
'Eigentlich wollte ich dich heute Nachmittag zum Tee einladen, damit wir noch mal ganz in Ruhe über alles reden können!'
'Was gibt es da denn bitte noch zu reden? Aber schön, wenn du willst, dann komme ich vorbei. Um drei?'
'Ja.'
Er hatte aufgelegt. Dass sie jetzt noch anrief hatte ihm gerade noch gefehlt. Er konnte sich schon denken was sie vorhatte, doch so weit würde er es nicht kommen lassen. Garantiert würde sie ihm irgendein Schlafmittel verpassen und ihn ruhig stellen, damit sie ungehindert Gwen entführen konnte. Doch das würde er nicht zulassen. Diesmal nicht. Er würde ihr zuvorkommen müssen und sie überrumpeln.

Gwen saß im Raum und dachte nach, als jemand sie von hinten antippte. Erschrocken drehte sie sich um und sah nun direkt zu Herrn Falkner auf.
'Ja?' fragte sie.
'Gwenaell, ich würde nach dem Unterricht gerne noch einmal mit dir reden.'
'Ja, Herr Falkner.'
'Komm doch bitte nach deiner letzten Unterrichtsstunde in mein Büro, dann unterhalten wir uns noch einmal über dein Auslandsjahr.'
‚Ach du Schreck, lass nach! Das hatte sie ja total vergessen!'
'Ja, ich werde kommen.'
'Gut.'
Und schon ging er wieder.
‚So ein Mist aber auch!' dachte sich Gwen. Da hatte sie doch glatt ihr Auslandsjahr vergessen und nun blieben ihr nur noch knapp neun Monate um das Geld für die Reise aufzutreiben.Da kamen auch schon die anderen lärmend in das Klassenzimmer gestürmt und rissen sie somit mal wieder aus ihren Gedanken. Diese Stunde hatten sie nicht so viel Glück. Herr Maus bestand darauf einen Test zu schreiben und so kramten sie dann alle murrend ihr Schreibzeug raus und fingen an die Fragen zur Novemberrevolution zubeantworten. Natürlich hatte so gut wie keiner gelernt, also war das Ergebnis schon absehbar.
Durch drei langweilige Schulstunden quälten sie sich alle noch, dann war Feierabend.Gwen wollte sich gerade auf den Weg zu Herrn Falkner machen, als ihr einfiel, dass sie Loreen ja noch davon erzählen musste. Nachdem sie diese dazu überredet hatte auf sie zu warten flitzte sie los und kam natürlich zu spät.
'Entschuldigen Sie bitte, ich musste noch etwas mit einem Lehrer bereden.'
'Ja, ist gut. Setz dich bitte Gwenaell.'
'Ja, danke.'
'Also, hast du dir schon überlegt, wie du deine Reis finanzieren möchtest?'
'Naja, ich dachte ich könnte vielleicht nach der Schule ein bisschen arbeiten gehen. Vielleicht kann ich meine Eltern ja dazu überreden, dass sie mir das erlauben. Ich muss ihnen ja nicht sagen, wozu ich das Geld verwenden möchte.'
'Gut, aber du hast nicht mehr so viel Zeit. Soll ich dich denn für dieses Jahr schon einmal anmelden?'
'Ja, das wäre wirklich sehr nett von Ihnen.'
'Okay, dann mache ich das und gebe dir dann alle Unterlagen, die du dazu brauchst. Aber du musst dann auch zusehen, wie du an das Geld dazu kommst.'
'Ja, Herr Falkner, das werde ich. Vielen, vielen Dank.' rief sie aufgeregt und sprang auf.'Ich muss jetzt los, sonst komme ich noch zu spät nach Hause.'
Und schon spechte sie hinaus und auf Loreen zu. Zügig machten sich die beiden Mädchen auf den Heimweg und Gwen dachte schon darüber nach, wie sie es ihren Eltern schmackhaft machen könnte, sie heute Abend zu Loreens Party gehen zu lassen.

Ian machte sich schon auf den Weg zu ihr. Sie würde fuchsteufelswild werden, wenn er zu spät kam. Er hoffte nur, dass er ihr zuvorkommen konnte. Vor ihrem ausgesprochen hässlichen Haus angekommen, klopfte er laut an und schon öffnete sie ihm die Tür. Sie war genauso hässlich wie das Haus, wenn nicht sogar noch hässlicher. Angewidert schüttelte er sich innerlich. Wie konnte ein Mensch allein nur so abgrundtief hässlich sein? Eine Frage, die er sich jedes Mal aufs Neue stellte, wenn er sie sah.

Gerade noch rechtzeitig schaffte Gwen es nach Hause. Ihr Vater war schon auf dem Weg zur Tür, weil sie eigentlich schon vor einer Minute hätte drinnen sein sollen. Sie verabschiedete sich noch schnell von Loreen und ging dann rein.
'Hallo Papa.'
'Hallo Gwen. Wie war dein Schultag?'
'Ganz okay. In Geschichte haben wir heute einen Test geschrieben, ansonsten nur ganz viel Neues gelernt, aber kaum Hausaufgaben aufgekriegt.'
'Wie lief der Test? Hattest du gelernt?'
'Ja, Papa, ich hatte gelernt und konnt alle Fragen beantworten.'
'Dann ist ja gut.'
'Du Papa. Loreen hat doch heute Geburtstag und sie hat mich zu ihrer Party eingeladen und...'
'Du wirst nicht hingehen!'
'Was?'
'Du hast immer noch Hausarrest!'
'Aber...'
'Nein, du kannst deine Freundin ja fragen, ob sie Morgen feiert, aber heute hast du noch Hausarrest.'
'Aber-...'
'Ich sagte nein. Dein Hausarrest geht bis einschließlich heute! Und außerdem musst du auf das Haus aufpassen. Deine Mutter und ich gehen heute Abend ins Theater. Das könnte durchaus sehr spät werden und einer muss ja schließlich das Haus bewachen.'
‚Dann kauft euch einen Wachhund!' dachte Gwen säuerlich.
'Ja Papa.' sagte sie schließlich leise. Loreen würde er bestimmt den Kopf abreißen, wenn sie nicht komme würde, aber es ging nun mal nicht anders, es sei denn...
Genau, sie hatte eine Idee. Sie würde gehen, ob ihre Eltern nun wollten oder nicht.

'Hallo Ian, schön dich zu sehen!'
'Jaja, freut mich auch.' murmelte er widerwillig.
'Nun sei doch mal ein bisschen netter zu mir. Ich weiß gar nicht, was du gegen mich hast.'
'Nicht?'
'Nein, ich weiß es nicht.'
Ihm lag da schon eine passende Erwiderung auf der Zunge, doch er schluckte sie gerade rechtzeitig noch einmal hinunter. Es war nicht gut Kamelia jetzt zu verärgern.'Na dann komm doch mal herein, mein lieber Ian.'
‚Oh ja, MEIN Ian,' dachte sie sich. Heute Abend würde sie dafür sorgen, dass er für immer nur ihr gehören würde.

‚Mensch Ian, nun geh doch schon endlich ran!' dachte sich Robin nun bestimmt schon zum hundertsten Mal. ‚Wo konnte er denn nur sein?'
'Ja?'
'Boah na endlich. Ich versuche schon seit einer Stunde dich zu erreichen.'
'Ich wurde aufgehalten.'
'Aufgehalten? Verdammt, es wird gleich dunkel. Außerdem will sie heute zum Geburtstag ihrer Freundin gehen.'
'Ja, ich weiß, ich weiß aber auch, dass ihre Eltern es ihr verboten haben und ich habe im Übrigen auch dafür gesorgt, dass ich heute Abend überhaupt noch raus gehen werde.'
'Was meinst du denn damit?'
'Ich war bei Kamelia.'
'Oh Gott, bei der hässlichen Ziege?'
'Ja, sie wollte mir ein Schlafmittel verabreichen und sich das Mädchen unter den Nagel reißen.'
'Und wie konntest du das verhindern?'
'Indem ich schneller war als sie.'
'Was hast du mit ihr gemacht?'
'Dasselbe, was sie mit mir machen wollte. Jetzt schläft sie wie ein Baby und das bis mindestens Morgen früh und bis dahin ist alles zu spät für sie.'
'Du alter Fuchs du, wie du das nur immer machst!' Robin musste ehrlich zugeben, dass er Ian dafür bewunderte, aber Ian war schon immer so gewesen, auch als sie noch Kinder waren.'Gut, ich muss los.'
'Okay. Viel Glück.'
'Dir auch.'

Stinksauer saß Gwen in ihrem Zimmer. Ihre Eltern waren gerade weggefahren. ‚Hoffentlich auf direktem Weg in die Hölle!' und nun saß sie hier herum und drehte Däumchen. Sie hatte sie nicht mehr überreden können, aber sie hatte es Loreen versprochen zu kommen, also würde sie das auch. Betrübt schaute sie aus dem Fenster in den Sonnenuntergang hinaus und da wurde ihr auf einmal klar, was sie machen würde. Sie würde, sobald es dunkel wäre, einfach aus dem Fenster klettern.

Ian spürte schon, wie die Verwandlung losging. Schmerzhaft wie eh und je und seine Sinne waren plötzlich wieder aufs äußerste geschärft. Die Jagd begann, aber dieses Mal würde es eine ganz besondere Jagd werden, weil er ein ganz besondere Opfer hatte. Er wusste, dass er sich im Zaum halten musste, dass er sie nicht verletzten durfte. Er brauchte sie lebendig, aber der Blutdurst hatte wieder begonnen und die Stimme in seinem Kopf schrie wieder ‚Töte!'. Langsam pirschte er sich immer weiter an ihr Haus heran. Alles war dunkel, kein Licht brannte. Ihre Eltern waren nicht da, sie war allein, aber sie musste rauskommen.

Der Mond leuchtete schon hell am Himmel, Vollmond. Gwen öffnete das Fenster und warf ihre Tasche hinunter ins Blumenbeet. Dann stieg sie auf das Fensterbrett und ließ sich vorsichtig hinunter. Sie ließ los und landete im Blumenbeet, direkt neben ihrer Tasche. Glückgehabt, nichts gebrochen oder verstaucht. Sie rappelte sich auf und stapfte los, als sie auf einmal ein lautes Schnaufen neben sich hörte. Sie war kein Mensch, der leicht in Panik ausbrach, aber in diesem Moment erinnerte sie sich an die letzte Vollmondnacht, in der die junge Frau zerfleischt worden war. Vielleicht hätte sie doch besser zu Hause bleiben sollen, doch jetzt war es sowie so zu spät.

Er hatte ihre Witterung aufgenommen. Sie war ein kluges Mädchen. Hielt sich nicht an die Anweisungen ihrer Eltern und kam in diesem Moment genau auf ihn zu. Ängstlich blickte sie sich um. Vermutlich hatte sie etwas gehört und sich nun an den letzten Vollmond erinnert, aber es war zu spät. Mit einer einzigen geschmeidigen Bewegung sprang er aus seinem Versteck und warf sie zu Boden.

Gwen schrie laut auf, als sie plötzlich nieder geworfen wurde. Im Schein der Straßenlampen sah sie ihren Angreifer, aber es war kein Mensch. Was sie da sah versetzte sie zutiefst in Angst und Schrecken. Auf ihr stand, mit beiden Pfoten auf ihrer Brust ein riesiger Wolf und blickte sie aus eiskalten Augen an. Gierig fletschte er die Zähne und sie konnte sich gut ausmalen, welche irrsinnigen Verletzungen diese reißen konnten und nun wurde ihr auch bewusst, dass er die ganzen jungen Frauen im letzten Jahr getötet hatte und dass sie sein nächstes Opfer sein würde. Nur komischerweise empfand sie keine Angst.

Er gierte nach ihrem Blut, doch irgendetwas hinderte ihn daran, einfach seine Zähne in ihr jungfräuliches Fleisch zu schlagen. ‚Was war es nur?' überlegte er fieberhaft, bis es ihm plötzlich klar wurde. Sie schrie nicht, sie flehte und bettelte nicht um ihr Leben, wie all die anderen vor ihr es getan hatten. Nein, sie lag einfach ganz still da und rührte sich nicht, als hätte sie in diese m Moment mit ihrem Leben abgeschlossen.

Ganz ruhig lag Gwen unter dieser furchteinflößenden Bestie und wartete darauf, dass er sie töten würde, doch das tat er nicht. Er sah sie ganz ruhig an und dann tat er etwas, womit sie nie im Leben gerechnet hätte.







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