Moonlight Shadow - Bei Vollmond bist du tot Teil 1

Autor: Belladonna
veröffentlicht am: 14.01.2008




Also, ich wag es doch mal und schicke den Anfang meiner neuen Geschichte ein. Gut ist sie zwar nicht gerade, aber vielleicht möchtet ihr euch ja selbst ein Bild von diesem Elend machen. Ich würde mich über Kommentare und Verbesserungsvorschläge und auch über Kritik sehr freuen. Liebe Grüße... Steffi.

'Donna, schau dir das doch nur mal an. Die verdammten Biester haben schon wieder eins der Lämmer gerissen. Ich schwör's dir, ich bring das Tier um!'
'Ian, lass es gut sein. Das arme Tier ist wahrscheinlich ganz alleine und hat bestimmt fürchterlichen Hunger. Vielleicht ist es auch noch verletzt, sonst würde es sich bestimmt nicht in die Nähe unserer Ställe wagen. Lass ihn doch am Leben. Er hat doch auch nur Hunger!'versuchte ihn seine Frau zu beruhigen. Sie wusste um die Legende bescheid. Er durfte den Wolf nicht umbringen. Bloß nicht, Gott bewahre!
'Mir reicht es aber, dass das Vieh schon wieder eins unserer Merinoschafe gefressen hat. Die warn teuer. Wenn wir nicht genug Wolle verkaufen können, dann können wir den Kredit nicht abbezahlen, den ich für die Schafe aufnehmen musste und dann müssen wir sie alle wieder zurückgeben, aber wir haben nicht mehr alle.'
'Trotzdem, wir werden das schon irgendwie schaffen. Aber lass den armen Wolf am Leben.''Was liegt dir nur so viel an diesem Tier?' fragte er sie verzweifelt.
'Ich kann es nicht mit ansehen, wie es leidet. Es hat das Leben verdient, so wie wir alle.''Nun gut, dann lass ich ihn eben noch am Leben, aber wenn er morgen wieder eines der Lämmer frisst, dann ist er ein toter Wolf!' er konnte seiner Frau einfach keinen Wunsch abschlagen, dafür liebte er sie viel zu sehr. ‚Gut, würde er dem Tier eben eine Gnadenfrist einräumen. Aber wehe, wenn noch ein Schaf verschwinden sollte, dann hätte sein letztes Stündlein geschlagen!' dachte er grimmig.
Die Nacht verlief relativ still und friedlich, doch schon am nächsten Morgen hörte man das Geschrei. Es kam von draußen. Vom Stall! Oh mein Gott, nicht schon wieder eins!
Doch genau, das nächste Schaf lad tot im Stall. Das Fell blutig, die Eingeweide ausgerissen das Stroh vollbeschmiert mit Blut.
'Jetzt reicht's der Wolf ist tot, noch vor dem nächsten Sonnenaufgang!'
'Nein, Ian, bitte. Tu das nicht, ich flehe dich an.'
'Nein Donna, es muss ein Ende haben! Heute Nacht wird mir kein Wolf ein Schaf reißen!'‚Oh lieber Gott nein, dass konnte er doch nicht tun, er hatte doch keine Ahnung, er wird uns alle in den Abgrund reißen, ich muss das verhindern.'
Aber schon bald sollte Donna merken, dass sie nichts würde verhindern können. Johns Entschluss stand fest. Heute Abend würde er dem Wolf den Garaus machen. Er musste nur noch warten, bis es dunkel würde.
Es war fast Mitternacht. Lange konnte es nicht mehr dauern, dann würde der Wolf auftauchen und er würde ihm eine Kugel in den dreckigen Pelz jagen.
Eigentlich hatte John nichts gegen Wölfe, aber es reichte ihm allmählich, dass die verdammten Viecher immer seine Schafe rissen. Das musste heute Nacht endlich aufhören!Da, da sah er plötzlich einen Schatten. Der Wolf kam. Er ging direkt auf den Stall zu, leichtfüßig, lautlos. Nur noch ein paar Meter und er wäre in Reichweite seines Jagdgewehres.Ja, jetzt, endlich. Er entsicherte, zielte und- schoss.
Oh Gott, was war das? Da lag kein Wolf, da lag... oh mein Gott. Was hatte er nur getan???!

Es fing wieder an. Die Schmerzen, unerträgliche Schmerzen. Tief und scharf. Sein Rumpf schrumpfte zusammen, die Knochen verwuchsen und dehnten sich aus, zogen sich zusammen. Der fünfte Finger verschwand, die Nägel wuchsen. Die Haare sprossen und schon bald erinnerte nichts an diesem Wesen mehr an einen Menschen. Er war ein Wolf, ein Ungeheuer.Ein mordlustiges Ungeheuer. Dieser unsägliche Durst nach Blut, der bracht ihn noch um den Verstand. Heute musste es wieder sein. Heute würde er erneut zuschlagen. Alles in ihm schrie danach. ‚Töte!' sagte diese Stimme in ihm. Er konnte nicht mehr klar denken, sein Verstand war vernebelt, seine Sinne aufs Äußerste geschärft. Sein Körper lechzte nach Blut, nach Fleisch. Er hasste sich dafür, aber er konnte nicht anders. Langsam pirschte er sich an seine Beute an. Sie stand ganz arglos da, wartete auf ihren Freund. Was die beiden heute Nacht vorhatten war nicht schwer zu erraten, nur leider würde sie es niemals in ihrem Leben spüren können, diese Leidenschaft. Sei's drum. Was interessierte es ihn. Er war nicht mehr er selbst. Nicht heute Nacht. Heute Nacht war er eine Bestie. Der Vollmond machte ihn dazu. In seinen Adern loderte dieses Feuer, es schien ihn zu verbrennen. Seine Augen leuchteten kalt, unendlich kalt. Er würde sie zerreißen, zerfleischen. Nichts und niemand würde ihn daran hindern können. ‚Töte' schrie sie wieder, die Stimme in seinem Kopf. Weiter schlich er an sie heran. Sie bemerkte ihn immer noch nicht, doch er hatte ihre Witterung schon vor Stunden aufgenommen und war dieser Spur gefolgt, bis hier her. Er setzte zum Sprung an.‚Ich verfluche dich, Ian, auf alle Ewigkeit sollst du dich bei Vollmond in einen Wolf verwandeln und Jungfrauen töten!' Und er sprang. Riss das junge Mädchen um, hörte ihre Schreie nicht, ihr Flehen, ihr Betteln. Er konnte nur noch an eins denken, töten! Er zerriss sie in Stücke, fraß ihr Fleisch und ließ die Knochen zurück. Sein Blutdurst war gestillt. Er würde nach Hause gehen. Die Rückverwandlung würde stattfinden, schmerzhaft wie eh und je und dann würde er sich selbst verfluchen, dass er diesem Drang nachgegeben hatte. Aber er hatte ja auch keine Chance gehabt. Dieses animalische Bedürfnis in ihm war stärker als alle Vernunft. Die Reue würde ihn packen und er würde Gott um Vergebung bitten. Dann würde er warten und beten. Bis zum nächsten Vollmond und dann müsste er wieder töten. So würde es weitergehen. Bis in alle Ewigkeit würde er so weitermachen müssen. Er war unsterblich, dies war Teil des Fluchs. Niemand konnte ihn von ihm nehmen. Wann nur, wann würde es endlich aufhören? Eine Frage, die er sich seit unzähligen Nächten und vielen langen Jahren stellte. Beim nächsten Vollmond jährte sich der 200. Tag seiner Verfluchung.

'Gwen, nun steh doch schon endlich auf!'
'Ja Ma, ist ja gut ich stehe ja gleich auf.'
'Nicht gleich, sofort! Du kommst noch zu spät zur Schule.'
'Ja. Ich komme ja gleich.'
Murrend drehte sie sich um und schaute aus dem Fenster. Grau, verregnet. Scheiß-Wetter!Immer noch grummelnd raffte sie sich schließlich auf und schleppte sich ins Bad. Nachdem sie kalt geduscht hatte zog sie sich an, schminkte sich und stieg die Treppe hinunter. Unten saßen ihre Mutter und ihr Vater in der Küche und schauten sie böse an, sie war schon wieder spät dran. 'Wie wär's mit ‚Guten Morgen, Gwen. Schöner Tag heute.'?'
'Jaja' murmelte ihr Vater geistesabwesend. Er war schon wieder in den Börsenteil der Morgenzeitung vertieft.
'Na gut, dann geh ich jetzt halt. Bis heute Abend.'
'Jaja'
Tolle Stimmung mal wieder, und das schon am Morgen. Der Tag konnte ja kaum noch schlimmer werden!
Draußen stand schon ihre Freundin Loreen.
'Morgen Gwen, ey haste schon gehört? Gestern Nacht wurde schon wieder eine umgebracht.''Was??!'
'Ja, ein paar Straßen weiter. Keiner weiß, wer das ist, weil sie total zerfleischt war.'
Angewidert verzog Gwen das Gesicht. 'Boah musste du mir am frühen Morgen schon diese blutigen Details unter die Nase reiben? Und das noch vor dem Frühstück!'
'Sorry, aber is das nicht aufregend?'
'Was ist denn an einem Mord aufregend?'
'Na es passiert doch sonst nichts in diesem Kaff hier.'
'Da hast du auch wieder recht, aber sag mal, war gestern Nacht nicht Vollmond?'
'Ja, wieso fragst du?'
'Na wurden die anderen Mädchen nicht auch alle bei Vollmond getötet?'
'Stimmt ja, das ist mir noch gar nicht aufgefallen.'
'Na siehste, das heißt bis zum nächsten Vollmond haben wir Ruhe und nun komm schon, ansonsten kommen wir wieder zu spät.'
'Ja, das wird unserm neuen Lehrer bestimmt nicht gefallen.'
'Neuer Lehrer?!'
'Ja hast du das denn etwa schon wieder vergessen? Heute kommt doch der neue Lehrer an unsere Schule.'
'Ach stimmt ja. Haben wir dann nicht gleich erste Stunde bei dem? Der macht doch Englisch und Mathe, oder?'
'Ja, deswegen müssen wir uns ja beeilen.'
'Na dann komm.' Hastig rannten die beiden quer durch die Stadt zur Schule.
Gerade noch rechtzeitig schafften sie es in den Raum zu hasten und sich auf ihre Plätze zu setzen, da klingelte auch schon die Schulglocke. ‚Puh, Glück gehabt.'
Etwas verspätet kam auch der neuen Englischlehrer zur Tür herein. Und ein Aufseufzen unter den weiblichen Schülern ging durch die Runde. Anscheinen waren alle ganz hin und weg von diesem Mann, nur Gwen konnte ihm nichts abgewinnen. Sicherlich, er sah gut aus, groß, schlank, aber ganz und gar nicht der Typ man, in den sie sich binnen Sekunden hoffnungslos verlieben konnte. Dafür schien er es Loreen ganz schön angetan zu haben, die sah ihm schmachtend nach, als er nach vorne zum Lehrerschreibtisch ging.
Verblüfft stellte Gwen fest, dass heute wirklich alle Mädchen besonders aufpassten. ‚Oh du meine Güte' dachte sie bei sich. ‚So toll ist er nun auch wieder nicht. Und er ist sowieso unerreichbar für sie. Das sagt der Ring an seinem Finger ja zur Genüge aus.'
Die ganze Stunde lang beobachtete sie ihre Mitschülerinnen und kam am Ende zu dem Schluss, dass sich allesamt gerade hoffnungslos in ihren neuen Lehrer verliebt hatten. Nur sie nicht. Nein, sie absolut nicht, aber das war nichts neues, Gwen war schon immer anders gewesen, als alle anderen.
'Boah ey, hast du diesen Typen gesehen? Der ist ja der absolute Oberwahnsinn!' schwärte Loreen auf dem Rückweg.
'Wenn du das sagst.' murmelte Gwen.
'Ja was hast du denn? Der sieht doch rattenscharf aus.'
'Und ist verheiratet und hat wahrscheinlich auch schon Kinder.'
'Was?! Woher weißt du das denn?'
'Na hast du den Ring etwa nicht gesehen?'
'Nein...' enttäuscht und traurig schlurfte Loreen weiter. Jetzt tat es Gwen leid, dass sie ihre Freundin so angefahren hatte. Sie hätte das wirklich etwas taktvoller formulieren könne.'Loreen, hör zu, es tut mir leid. Ich wollte nich so giftig klingen.'
'Ja, ist schon gut. Du hast ja recht. Ich hätte sowie so keine Chance bei ihm gehabt. Er sieht in mir bestimmt nur eine Schülerin.'
'Er wäre blind, wenn er nicht sehen würde, wie wunderschön du bist.'
'Ach Quatsch. Ich bin doch nicht schön. Die wahre Schönheit in diesem winzigen Kaff bist doch du.'
'Ach nun hör schon auf. Wer ist denn hier Goldlöckchen? Die Jungs fliegen doch nur so auf deine schönen blonden Haare und dein himmelblauen Augen!'
'Och danke. Du bist echt die beste Freundin der Welt, Gwen. Weißt du was? Ich lade dich jetzt auf einen riesengroßen Vanilleeisbecher ein!'
'Grrr, du weißt doch genau, dass ich da einfach nicht nein sagen kann.'
Lachend gingen die beiden Mädchen durch die Straßen, nicht ahnend, dass sie genau beobachtet wurden.
'Sag mal, schreibt deine Mutter eigentlich über den Mordfall?' fragte Gwen ihre Freundin, bevor sie sich einen Löffel voll Eis in den Mund schob.
'Ja klar, die ist doch schon ganz aus dem Häuschen. Rennt die ganze Zeit über durch die Gegend und quatscht alle möglichen Leute an, um was über das Opfer zu erfahren. Das ist richtig peinlich.'
'Ich stell mir das gerade vor, deine Ma mit Notizblock und Stift in der Hand. Der Schrecken aller Bürger.' Gwen bekam einen derart heftigen Lachanfall, dass sie sich fast an ihrem Eis verschluckt hätte. Grinsend wurde sie von Loreen beobachtet.
'Ja, so ist sie nun mal. Und wie sie immer sagt: ‚Ein guter Reporter muss sich um seine Story kümmern' ja, das heißt bei ihr dann mit Stift und Block durch die Gegend zu huschen und den Leuten Löcher in den Bauch zu fragen.'
'Ja, aber ich weiß nicht, ich glaube ich könnte so einen Beruf nicht ausüben. Ich könnte mir so eine Leiche nicht einfach anschauen und dann auch noch alle grausigen Details ganz genau dokumentieren.'
'Ja und deswegen willst du ja auch mal zur Polizei.'
'Ach Lori, das ist jetz echt nicht fair von dir! Ich will doch keine Gerichtsmedizinerin werden!'
'Ja, aber wenn du bei der Polizei bist, dann wirst du wohl öfter mit Leichen zutun haben, als dir lieb ist.'
'Ich weiß. Hey, vielleicht überleg ichs mir ja noch mal und wird doch was anderes!' meinte Gwen scherzend.
'Ach Quark mit Soße, du musst unbedingt Polizistin werden, so gut wie du immer alles mitkriegst.'
'Hm, jetzt wo du gerade davon redest. Irgendwie kommt es mir so vor, als ob wir beobachtet werden. Ich kann mich natürlich auch irren, aber das Gefühl lässt mich nicht mehr los, seit wir vom Schulhof hierhergekommen sind. Unheimlich, nicht?'
'Ich weiß nicht, bist du sicher, dass du nicht schon Gespenster siehst? Ich meine, wer sollte uns denn bitte verfolgen?' fragte Loreen skeptisch.
'Ja das weiß doch ich nicht. Du bist doch hier die Expertin für Verschwörungstheorien.''Hey, nun reit doch nicht immer noch auf der alten Kamelle drauf rum. Nur weil ich behauptet habe, dass unser alter Englischlehrer Probleme mit der Polizei gehabt hat, heißt das doch noch lange nicht, dass ich an jeder Ecke gleich Geister sehe.' verteidigte Loreen sich Lautstark.
'Na, ich bin mir da nicht so sicher. Wie war das zum Beispiel mit der Theorie, dass der Mörder der hier in unserer Stadt herum läuft ein Werwolf ist?'
'Ja, ich meine, wer ist sonst in der Lage, seine Opfer so zu zerreißen?'
'Ein Irrer.'
'Ja du bist auch irre.'
'Was?!' fragte Gwen entrüstet.
'Irre hübsch....' grinste Loreen sie an.
'Naja, wie man's nimmt.'
'Na was denn? Ich habe noch nie so eine schöne Wasserleiche gesehen.' spöttelte Loreen munter weiter drauf los.
'Ich seh schon, du bist immer noch sauer auf mich, dass dein toller Lehrer schon ne andere Frau hat.'
'Das ist gar nicht wahr! Obwohl, schade ist es schon, aber da kannst du ja nichts dafür.'
'Ja vielleicht ist er ja mit mir verheiratet?' stichelte Gwen.
'Nee, dann hättest du mir doch davon erzählt, oder?'
'Ja klar und außerdem ist der gar nicht mein Typ.'
'Ich weiß gar nicht, was du gegen ihn hast, der sieht doch echt traumhaft sexy aus.'
'Naja, liegt wohl immer im Auge des Betrachters.'
'Da könntest du recht haben. Aber weißt du was? ich stelle es mir ziemlich unangenehm vor, einen so großen Mann im Auge stecken zu haben.'
Verblüfft sah Gwen ihre Freundin an und fing dann schallend an zu lachen. Sie lachte so dermaßen, dass die Leute sich schon nach den beiden Mädchen umblickten, aber Gwen war das egal.
'Der war ja mal echt gut. Weißt du was Lori? Du solltest zum Fernsehn gehen, wenn du da vorsprichst, dann machen sie dir bestimmt ne eigene Sendung.'
'Ich weiß nicht, dann muss ich mich ja vor so nem riesen Publikum zum Obst machen, nee, lieber nicht, du reichst mir als Publikum echt schon völlig aus. Und guck mal, wenn du lachst, dann schauen sich eh alle um.'
'Ja und wenn du vorbei gehst, dann klappt den Männern die Kinnlade auf den Tellerrand und die Zunge hängt bis zum Boden.'
'Muha, der war auch nicht schlecht. Also wenn ich mal ne eigene Show mache, dann musst du unbedingt mitmachen.'
'Dann machen wir nen Doppelauftritt, nach dem Motto, doppelt lacht besser:'
'Ja, genau. Ey das wär's doch!'
'Hm, ich glaube wir sollten besser gehen, die Leute gucken alle schon so komisch.'
'Seit wann stört dich das denn?'
'Na mich stört's nicht, aber ich denk mal, dass es dir lieber ist, wenn deine Ma von alldem nichts mitkriegt.'
'Hast recht, also los, lass uns wieder gehen.'
Die beiden Mädchen standen auf, bezahlten und gingen wieder. Auch diesmal wurden sie wieder genaustens beobachtet. Jeder ihrer Schritte wurde analysiert und im Gedankenspeicher das Mannes katalogisiert. Der Wolf hatte sein nächstes Opfer gefunden. Bei Vollmond würde das Mädchen sterben. Zufrieden wandte er sich wieder ab. Jetzt konnte er die verbleibenden Tage bis zum nächsten Mond damit verbringen sein Verbrechen aufs genauste zu planen. In Momenten wie diesen packte ihn das Jagdfieber, doch er wusste, nicht lange und er würde sich wieder mit Schuldgefühlen herum plagen.

'Sag mal Gwen, hast du schon mal mit deinen Eltern geredet?'
'Hm? Ach so, nein. Nicht wirklich.'
'Mach das doch endlich mal, guck mal, das wäre echt ne verdammt große Chance für dich.''Ja ich weiß, aber dann werden sie mir wieder Vorträge halten, was da alles passieren kann und dass sie ja nicht genügend Geld haben.'
'Probier es doch einfach mal und steck nicht schon vorher den Kopf in den Sand.'
'Hm, okay. Ich muss jetzt auch nach Hause. Ich sag dir dann morgen wie es gelaufen ist.'
'Ja, mach das. Ich drück dir die Daumen.'
'Danke, was würde ich nur ohne dich machen?'
'Hm, ich weiß nicht....'
Lächelnd umarmten sich die beiden Freundinnen und trennten sich. Loreen wollte ihre Mutter suchen und ihr bei den Recherchen noch ein wenig zur Hand gehen und Gwen machte sich auf den Heimweg. Mit grausen dachte sie daran, wie ihre Eltern reagieren würden, wenn sie ihnen davon erzählen würde.
Kaum dass sie die Tür aufgeschlossen hatte, ertönte auch schon die brummige Stimme ihres Vaters. 'Wo warst du solange, Gwen? Die Schule ist schon seit zwei Stunden aus.'
'Ich war noch mit Loreen Eisessen. Wir haben uns ein wenig über den heutigen Schultag unterhalten.' sagte sie leichthin. Bloß nichts von dem neuen Lehrer erzählen oder gar den Mordfall erwähnen, das würde in einer Katastrophe enden.
'Aha. Und wie war es heute in der Schule? Wie ich gehört habe, habt ihr einen neuen Englischlehrer gekriegt?'
'Ja Papa. Wir hatten heute früh unsere erste Stunde bei Herrn Falkner.'
'Aha. Und wie ist dein neuer Lehrer so? Macht der Unterricht bei ihm Spaß?'
'Er unterrichtet ganz gut. Ich komme gut mit.'
'Aha. Dann ist ja gut. Was sagen die anderen in deiner Klasse über ihn?'
'Alle waren heute sehr aufmerksam im Unterricht. Ich glaube alle sind ganz begeistert davon, wie er den Unterricht gestaltet.'
'So? Wie gestaltet er den Unterricht denn?'
'Lockerer. Spannender.'
'Aha. Und was habt ihr heute noch so gemacht?'
'Nicht viel, wir haben einige Arbeiten zurückbekommen und den Stoff weiterbehandelt.'
'Was für Arbeiten?'
'Deutsch und Biologie.'
'Wie sind die Arbeiten ausgefallen?'
'Nicht so gut. Die meisten haben relativ schlechte Noten bekommen.'
'Und du?'
'Besser als die anderen.'
'Hattest du gelernt für diese Arbeiten?'
'Ja Papa, hatte ich.'
'Und was hast du nun für Noten?'
'In Deutsch eine 1 und in Biologie eine 2plus.'
'Warum hast du keine 1 in Biologie? Hast du doch nicht richtig gelernt?'
'Doch Papa, ich habe richtig gelernt. Ich habe nur etwas verwechselt.'
'Warum hast du es denn verwechselt? Wenn du richtig gelernt hättest, dann hättest du es auch nicht verwechselt. Ich glaube wir sollten dir das Fernsehgucken verbieten. Du verbringst viel zu viel Zeit vor diesem rechteckigen Kasten. Du solltest dich mehr um deine Schule kümmern. Du willst doch später im Leben etwas erreichen, oder?'
'Ja Papa. Ich werde mehr lernen.' sagte sie Gottergeben. Das lief ja super dieses Gespräch, wenn sie jetzt noch von ihrem Wunsch ins Ausland zu gehen erzählen würde, dann würde er sie glatt in der Luft zerfetzen.
'Gut. Du kannst dann gehen und mach deine Hausaufgaben gründlich. Und morgen kommst du gleich nach der Schule nach Hause. Keine Ausflüge mit deiner Freundin mehr für den Rest der Woche und am Wochenende nur, wenn du all deine Schulaufgaben erledigt hast.'

'Ja Papa.'
Traurig schlich sie in ihr Zimmer. Wenigstens schien heute keine Sonne, ansonsten würde es ihr wohl noch schwerer fallen im Haus zu bleiben. Wie sollte sie ihre Eltern nur dazu überreden können, für ein Jahr ins Ausland zu gehen? Nach England wollte sie. Dort eine Schule besuchen und ihr Englisch verbessern, damit sie später auch im Ausland würde arbeiten können. Ihr großer Traum war es, nach Neuseeland zu ziehen und dort ein neues Leben zu beginnen. Niedergeschlagen setzte sie sich an ihren Schreibtisch und begann ihre Hausaufgaben zu machen.

Loreen indes hatte ihre Mutter gefunden, doch war diese so in ihre Arbeit vertieft, dass sie ihre Tochter nach Hause schickte. Auf dem Weg dorthin überlegte sie, was Gwen jetzt wohl mache. Bestimmt hatte ihr Vater sie wieder mit Fragen gelöchert und sie dann auf ihr Zimmer geschickt. Die arme Gwen. So etwas hatte sie nicht verdient. Sie war die Klassenbeste, obwohl sie das gar nicht sein wollte, aber ihre Eltern trieben sie dazu. Allen voran ihr Vater, der selbst zu Hause saß, Zeitung las und seine Frau arbeiten ließ. Ich werde sie gleich anrufen, wenn ich zu Hause bin, dacht sich Loreen. Mal sehen, ob sie schon mit ihren Eltern geredet hatte.
'Hallo?'
'Hey Gwen, ich bin es.'
'Ach Loreen, hallo. Hast du deine Ma gefunden?'
'Ja, aber sie braucht meine Hilfe nicht und hat mich nach Hause geschickt.'
'Was hat sie denn zu deinen Arbeiten gesagt?'
'Ach sie findet das nicht so schlimm, sie meint sie sei früher auch nie gut in Bio gewesen und trotzdem sei etwas aus ihr geworden.'
'Hm....' hörte sei einen langgezogenen Seufzer durchs Telefon. 'Und was hat dein Vater gesagt?'
'Er hat behauptet, ich hätte nicht richtig gelernt und mir für den Rest der Woche verboten nach der Schule noch irgendwo anders hinzugehen, als nach Hause. Und das Wochenende ist auch mal wieder gelaufen.'
'Oh du Arme. Hast du ihm schon von dem Reiseangebot erzählt?'
'Nein, noch nicht. Er hat mich gleich auf mein Zimmer geschickt. Ich werde sie heute Abend fragen. Vielleicht sagt ja wenigstens meine Ma zu.'
'Hm, hoffentlich. Das ist eine echt einmalige Chance. Die solltest du unbedingt nutzen.'
'Ja, ich weiß, will ich ja auch, aber...'
'Ja, ich weiß. Tut mir leid. Weißt du was?'
'Nein, was denn?'
'Ich bringe dir morgen mal das Album von meiner Mutter mit, die war doch auch schon mal in England. Die Bilder sind echt traumhaft schön.'
'Au ja, vielen vielen Dank.'
'Gerne doch. Irgendwie muss ich doch wieder aufmuntern. Und schließlich wirst du morgen dann wieder den halben Tag mein Geschwärme für Herrn Falkner anhören müssen.'
'Ja... das wohl auch.' lachte Gwen ins Handy.
Na wenigstens lachte sie schon wieder, dann wird's ja vielleicht doch noch was.
'Du Loreen? Ich muss jetzt Schluss machen.'
'Ja, okay. Bis Morgen. Tschüssiiii'
'Ja, tschüssi.'

Tief seufzte Gwen, als sie ihr Handy wieder ausschaltete. Sie hätte auch gerne solche Eltern gehabt wie Loreen sie hatte. Manchmal konnte sie echt eifersüchtig auf ihre Freundin sein, aber sie hatte mit der Zeit gelernt sich mit ihrem Schicksal abzufinden. Etwas anderes blieb ihr ja gar nicht übrig. Nur die Hoffnung eines Tages aus diesem Käfig fliehen zu können. Sie hatte schon oft über Selbstmord nachgedacht, aber eine wirkliche Lösung stellte der auch nicht gerade da und so hatte sie damals das Küchenmesser wieder in den Schrank gelegt.Sie war noch ganz in Gedanken versunken, als sie ein Klopfen an der Tür hörte.
'Ja?'
'Gwen? Bist du fertig mit deinen Hausaufgaben?'
'Ja Papa. Ich bin fertig.'
'Dann komm runter zum Abendessen. Deine Mutter ist gerade gekommen.'
'Ja Papa, ich komme.'
Sie warf noch einen Blick aus dem Fenster, noch immer wolkenverhangener Himmel. Dann raffte sie sich auf und stieg die Treppe hinab in die Küche.
'Hallo Gwen. Wie war dein Schultag?' fragte ihre Mutter, als sie die Küche betrat.
'Hallo Mama. In der Schule war es so wie immer. Wir haben einen neuen Lehrer gekriegt und viel gelernt.'
'Ja, Wilbur hat mir schon von deinen beiden Arbeiten erzählt. Über deine gute Deutschnote freue ich mich natürlich. Biologie war zwar auch nicht so schlecht, aber streng dich doch das nächste Mal ein bisschen mehr an.'
'Ja Mama, werde ich machen.'
'Hast du deine Hausaufgaben schon erledigt?'
'Ja, habe ich schon gemacht und ich habe auch schon angefangen zu lernen.'
'Das ist gut. Setzt euch doch, nicht dass das schöne Essen noch kalt wird.'
Alle setzten sich an den Tisch und begannen schweigend zu essen. Keiner wünschte dem anderen einen guten Appetit. In diesem Hause gab es so etwas nicht.
'Wilbur' fragte Gwens Mutter nach dem Essen ihren Ehemann. 'Wie war denn dein Tag heute Schatz?'
'Ach langweilig. Wirklich langweilig. Die Zeitungen werden auch jeden Tag mehr und mehr zum Schmierblatt für alles mögliche und diese naseweise Kriminalreporterin muss diesen grauenvollen Mord auch noch groß aufputschen. Auf der ersten Seite stand er heute, als wirklich. Das kommt einem Skandal gleich.'
'Ja mein Schatz, da hast du vollkommen recht.' pflichtete seine Frau bei.
'Und Elvira, wie war dein Tag so?' fragte Wilbur nur pro forma, eigentlich interessierte es ihn nicht, was seine Frau den ganzen Tag lang so trieb, Hauptsache sie brachte genügend Geld mit nach Hause.
'Ach, ganz okay. Wir haben heute einen neuen Kollegen in unsere Abteilung gekriegt. Ich soll ihn einarbeiten. Er stellt sich bis jetzt ganz geschickt an.'
'Aha...'
Elvira war Bankkauffrau. Sie beriet die Kunden, die in die Bank kamen um dort ihr Geld anzulegen und versuchte natürlich, sie so lange zu bequatschen, bis sie das taten, was die Bank wollte. Ihr Gehalt war nicht schlecht, aber das allein reichte nicht aus um Wilburs Bedürfnisse zu befriedigen. Er war ein schwieriger Fall. Immer das Neuste und Beste musste es sein. Dass Gwen dabei so ziemlich auf der Strecke blieb scherte ihn nicht weiter, solange sie nur perfekte Noten mit nach Hause brachte. Eine zwei war da nicht akzeptabel, überhaupt nicht. Nicht mal ansatzweise.
'Äh, Mama, Papa. Ich muss mal mit euch reden.'
'Ja Gwen, warum geht es?' fragte ihre Mutter interessiert.
'Du hast doch hoffentlich nichts ausgefressen? Oder hast du etwa einen Freund?' mischte sich ihr Vater sofort ein.
'Nein Papa, ich habe nichts dergleichen getan. Aber wir haben in der Schule alle an einem Englischquiz teilgenommen und unser alter Englischlehrer hatte die Ergebnisse mal mitgebracht. Da war auch Post für die Schüler dabei und wie dem auch sei, jedenfalls hat man mir das Angebot gemacht, für ein Jahr nach England zu gehen und dort eine Schule zu besuchen. Ich hätte die Möglichkeit dort mein Englisch zu verbessern und auch die Kultur kennen zu lernen. Die wären sogar bereit einen Teil der Kosten zu übernehmen.'
'Also so eine Art Stipendium?' fragte Elvira neugierig.
'Ja, so in der Art.'
'Na das kommt ja überhaupt nicht infrage!' polterte Wilbur los. 'Du wirst unter keinen Umständen an so etwas teilnehmen. Wir haben gar nicht das Geld dazu und wer weiß, was dir da alles passieren kann? Das ist viel zu gefährlich. Schlag dir diesen Gedanken sofort an den Kopf an und frage mich nie wieder danach. Ich werde es nicht gestatten, dass meine Tochter an so einer fragwürdigen Aktion teilnimmt!'
'Aber Papa...'
'Nichts da! Kein aber, es ist alles zu diesem Thema gesagt. Geh auf dein Zimmer und bereite dich auf den morgigen Schultag vor und das du mir diesen Monat keine zwei mehr ins Haus schleppst, ansonsten kommst du auf ein Internat!'
Gwen lag schon die Bemerkung auf der Zunge, dass sie dazu ja doch kein Geld hätten, weil ihr Vater das alles für Zigaretten und teuere Elektrogeräte ausgab, aber sie konnte sich gerade noch beherrschen und schluckte das alles runter.
'Ja Papa. Gute Nacht.'
Dann stand sie auf, ging die Treppe wieder hinauf und warf sich weinend auf's Bett.Sie wusste nicht, wie lange sie so dagelegen hatte, aber irgendwann hörte sie ein Geräusch unter dem Fensterbrett, das sie aufhorchen ließ. Es hörte sich an wie ein Kratzen oder Schaben, als würde jemand sich an der Hauswand zu schaffen machen. Neugierig geworden stand sie auf und ging zum Fenster. Leise öffnete sie dieses. Augenblicklich hörte das Geräusch auf. Als sie den Kopf aus dem Fenster strecke, konnte sie niemandem unten sehen, dafür bekam sie noch mit, wie ein dunkler Schatten schnell im Wald hinter dem Haus verschwand. Ein eiskalter Schauer rann ihren Rücken hinab, als sie sah, wie die Gestalt geschmeidig wie eine Wildkatze mit den Bäumen verschmolz und schon bald nicht mehr zu sehen war.







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