Black Tiger Teil 14

Autor: Any
veröffentlicht am: 07.04.2008




Eigentlich wollte ich diesen Teil erst Ende dieser Woche einschicken, aber dann habe ich gesehen, dass es jetzt länger kein Update geben wird und habe entschlossen noch einen Teil vorher einzuschicken. Viel Spaß beim Lesen!

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Es fühlte sich so an, als hätte er ihr gesagt, dass sie ihm nichts bedeutete.
Die ersten Tränen flossen ihre Wangen hinab und weitere folgten.
Verwirrung machte sich auf seinem Gesicht breit und auf einmal wurden seine Züge wieder sanft und er trat einen Schritt auf sie zu.
Jessie konnte sich nicht rühren, starrte ihn einfach nur an, mit tränenverschmiertem Gesicht.Er streckte seinen Arm nach ihr aus, berührte sanft ihre Wange und wischte die Feuchtigkeit der Tränen weg.
'Warum musst du immer weinen?', fragte er leise und sah sie auf einmal wieder ganz liebevoll an.
'Ich… Ich bedeute dir… gar nichts!', schluchzte sie.
Verstört zog er sie näher zu sich heran. 'Was redest du denn wieder für einen Mist?'
'Du hast es doch gerade selber gesagt! Ich verstehe dich manchmal nicht, Raven! Manchmal bist du extrem lieb und nett zu mir und im nächsten weist du mich ab. Ich will das aber nicht! Ich-…', sie brach ab und fiel ihm um den Hals. Er breitete seine Arme für sie aus und schloss sie fest um sie.
Bitterlich weinend drückte sie sich an ihn.
'Jess! Du bedeutest mir wahnsinnig viel! Sonst würde ich dich nicht küssen und mir die ganze Zeit Sorgen um dich machen.'
'Warum bist du dann immer so kalt zu mir?'
Nun festigte er seinen Griff. 'Weil ich dich vor mir beschützen muss. Eigentlich sollte ich dich nur trainieren, aber ich kann einfach nicht ohne dir sein.'
Erleichterung… Das war es, was sie in diesem Moment verspürte.
'Raven… Bitte sag mir endlich, was dich so sehr bedrückt…', flüsterte sie gequält.
'Das kann ich nicht. Die Gefahr in die ich dich bringen würde, wäre zu groß!'
'Aber ich will dir helfen!', protestierte sie.
'Ich weiß…'
'Wenn du es weißt, warum lässt du mich dann nicht?'
Er drückte sie etwas von sich weg und sah ihr fest in die Augen. Wieder fiel sie in ein Loch, aber es störte sie nicht mehr, denn in tief in seinem Inneren sah sie, dass sie nicht alleine war, dass er sich beschützen würde.
'Ich will dich nicht verlieren.'
Ihr Herzschlag beschleunigte sich. Ihr Atem ging rasend.
Jessica drückte sich wieder näher an ihn und presste ihren Mund auf den seinen. Wie von selbst glitt seine Zunge zwischen ihre Lippen hindurch und spielte mit ihrer.
Seine Küsse waren so leidenschaftlich, so impulsiv.
Martin war nie so gewesen. Bei Raven fühlte sie sich begehrt, aber nicht zu begehrt, auch sie musste um ihn kämpfen.
Sie lösten sich von einander.
'Hat dir der Kuss vorhin wirklich nichts bedeutet?', sie suchte seinen Blick
Liebevoll zerzauste er ihre Haare. 'Natürlich bedeutet mir das etwas, Jess! Sehr viel sogar.''Aber warum hast du dann vorhin gesagt, dass-…?' Er drückte einen seiner Finger auf ihre Lippen. 'Weil ICH etwas herausfinden wollte.'
'Du sprichst schon wieder in Rätseln.', sagte sie anschuldigend.
Er lächelte. 'Ich wollte wissen, wie du darauf reagierst, wenn ich dir sage, dass mir deine Küsse nichts bedeuten.'
Vor Wut schnappte sie nach Luft.
'Was… Was hast du denn?', fragte Raven verunsichert. Es war ihm nicht entgangen, dass ihr etwas gar nicht passte.
'Du hast nur mit meinen Gefühlen gespielt?!'
'Hä?', er verstand nur Bahnhof.
'Du hast mich verletzt, als du sagtest, dass dir der Kuss nichts bedeutet hat! Ich habe gedacht, dass ich dir nichts bedeute! Dabei hast du nur mit meinen Gefühlen gespielt, indem du getestet hast, wie ich reagiere?'
Sie lief rot an.
'Hör zu!', versuchte Raven sich zu retten. 'Ich war mir eben nicht sicher, ob du auch so für mich empfindest, wie ich für dich. Ich wollte es testen!'
'Das war nicht gerade der beste Weg dafür!'
Er strich sich durch die schwarzen Haare. 'Ich weiß und es tut mir auch leid! Aber du kannst dir gar nicht vorstellen wie glücklich ich war, als ich gesehen habe, dass ich dir mehr bedeute!', er strahlte plötzlich wie ein Honigkuchenpferd.
Sie löste sich aus seiner Umarmung und verschränkte die Arme vor ihrer Brust. Bitterböse funkelte sie ihn mit ihren grüngelben Augen an. 'Das wirst du mir büßen!'
Verdattert öffnete er den Mund. 'Jetzt sei doch bitte nicht böse! Ich wollte nur sicher gehen, da meine Gefühle für dich sehr stark sind und ich wollte nicht enttäuscht werden.'
Mit offenem Mund starrte Jessie Raven an. Er wollte nicht enttäuscht werden? Hatte er auch nur einen Moment einmal darüber nachgedacht, was sie dabei empfand?
'Ich fasse es nicht! Wie kannst du nur so egoistisch sein? Du spielst mit den Gefühlen anderer, nur, damit du nicht verletzt wirst?!'
Betroffenheit zeigte sich in seinen Gesichtszügen. 'So hab ich das noch gar nicht betrachtet…'
'Dann wird es aber mal Zeit!'
'Bitte, Jess! Verzeih mir!', er wollte sie wieder zu sich in die Arme ziehen, aber sie sprang mit einem schnellen Satz nach hinten.
'Nein! Wenn ich dir irgendetwas bedeuten würde, dann hättest du genauso über meine Gefühle nachgedacht! Der Kuss war für dich doch nur Show!'
'Reg dich doch nicht so auf! Ich hatte eben Angst, dass du mich zurückweisen würdest! Ich bin mir klar geworden, dass ich mehr für dich empfinde, aber ich wollte dich vor mir schützen, aber es wurde von Tag zu Tag schwerer für mich und ich redete mir ein, dass du mich nicht so sehr magst wie ich dich, aber jeden Tag fühlte ich mich dir näher und langsam konnte ich es nicht mehr ertragen!...'
'Also hast du dir gedacht: Testen wir mal ihre Gefühle und schauen dann, ob man sich ihr nähern soll, oder nicht?!', beendete Jessie vor Wut bebend den Satz Ravens.
Er nickte stumm. In diesem Augenblick hätte sie ihm am liebsten eine geklatscht.
Wortlos drehte sie sich, das Kribbeln in den Fingern ignorierend, um und lief auf den Ausgang der Halle zu. `Wie konntest du mir das nur antun, Raven?´
Er versuchte nicht, ihr hinterherzulaufen, was sie im Moment nur willkommen fand, aber insgeheim kränkte.
Raven sah ihr nach. Er hatte schon wieder nicht die ganze Wahrheit gesagt… Wie sollte er ihr auch klarmachen, dass sie Nichts füreinander empfinden durften?! Für zwei kurze Momente hatte er sich erlaubt, seinen derzeit sehnlichsten Wunsch zu erfüllen und sich ihr einfach hinzugeben, aber er musste sie verletzen, so konnte Jessie sich besser von ihm fernhalten, denn er konnte es einfach nicht.

'Gab es Probleme?', fragte Silver, als Jessie wütend durch die Zimmertür hereingestürmt kam und sie mit einem lauten Knall wieder zustieß. Sie schäumte vor Wut.
'Ja!', fauchte sie unfreundlich.
'Lass deine schlechte Laune nicht an mir aus!', beschwerte der Vogel sich.
Sie bedachte ihn mit einem verachtenden Blick. 'Gott, was ist dir denn über die Leber gelaufen?'
'Nichts.', sagte sie knapp.
'Nach `Nichts´ sieht mir das aber nicht aus. Komm schon, was ist passiert?'
Jessica schnaubte, begann aber dennoch zu erzählen. Als sie geendet hatte, hatte sie sich etwas beruhigt und war froh sich ausgesprochen zu haben. Mittlerweile war sie nicht mehr all zu sauer auf Raven, ballte aber noch immer ihre Fäuste, wenn sie an das Geschehene dachte. Und zu allem Übel hatte sie es sich auch noch mit River verscherzt. Er hatte ihr gestanden, dass er starke Gefühle für sie hegte! Beinahe hätte er sie geküsst!
'Ich habe dir doch gesagt, dass das mehr als `nur´ Freundschaft für ihn ist.'
'Ja, ich weiß…', gab sie widerwillig zu.
'Und jetzt hast du dich quasi mit den Zwillingen verkracht?', harkte Silver nach.
'So könnte man es nennen.', murmelte sie.
'Ich denke, dass du dich bei River entschuldigen solltest.'
Sie nickte nur stumm. Wenn sie ihn jemals hier finden würde… Und was war mit Raven? Sie wollte ihn nicht wieder verlieren! Sie wollte mehr als Freundschaft, aber nicht, wenn er mit ihren Gefühlen spielte. Er musste sich bei ihr entschuldigen, soviel war klar, aber gäbe ihr das dann Sicherheit, dass er so etwas nicht noch einmal in einer anderen Situation machen würde?Sie seufzte und wieder traten ihr Tränen in die Augen.
Mochte sie ihn wirklich so sehr?
Er hatte sie schon so oft verletzt und doch wollte sie nicht von ihm getrennt sein! Im Gegenteil, je öfter er sie zurückwies, desto näher wollte sie ihm sein. Aber wir konnte sie Raven klarmachen, dass sie soviel für ihn empfand? Aber die viel wichtigere Frage war, empfand er genauso viel wie sie, oder spielte er einfach nur mit ihr?
Sie hatte ihm ihr Vertrauen geschenkt, aber er hatte es nun schon einmal ausgenutzt und zwar auf eine unverzeihliche Weise.
'Jessie?', Silver hatte sie aus ihren Gedanken gerissen. Sie sah ihm in die kleinen Augen.'Wird das jetzt nicht unheimlich schwer für dich?'
'Inwiefern?'
'Du musst jeden Tag mit Raven trainieren…'
Darüber hatte sie sich noch keine Gedanken gemacht, aber für sie war diese Frage egal. Natürlich würde sie weiterhin mit ihm trainieren. Sie hatte keine andere Wahl… Die Frage war wohl eher, ob sie es aushalten würde, ohne ihn?
Auch wenn er sie zu tiefst verletzt hatte, wenn sie dadurch dem `wahren´ Raven einen Schritt näher gekommen war, dann nahm sie das in Kauf.
Ihr Herz begann wild zu klopfen, als sie unwillkürlich an seine Küsse denken musste und sie griff sich instinktiv auf die Lippen. Es war wie eine Sucht, die sich langsam in ihr ausbreitete.'Jessie?'
Sie hatte Silver wieder einmal nicht geantwortet und war ihren Gedanken nachgehangen. Sie sah ihm entschuldigend in die Augen und er legte den Kopf schief. 'Also: Ist das jetzt nicht schwer für dich, mit Raven zu trainieren?'
'Nein… dass ist es nicht. Ich weiß nicht wieso, aber ich will ihm nahe sein und die Gefahr, von ihm noch mehr verletzt zu werden, nehme ich hin, nur damit ich in seiner Nähe sein kann.'
Der Vogel schüttelte ungläubig den Kopf. 'Es wird dich zu Grunde richten!'
'Nein… Ich weiß nicht wieso, aber je mehr ich über den `echten´ Raven herausfinde, desto sicherer und zu ihm hingezogener fühle ich mich.'
'Du liebst ihn also?'
Verwirrt starrte sie auf den Tangar. Liebe? Konnte man das Liebe nennen, oder einfach nur ein Verlangen, eine Neugier? Sie musste zugeben, dass ihr Herz, sobald sie an Raven dachte, ihr einen Stich versetzte, aber sobald sie in seiner Nähe war, oder an seine Küsse dachte, klopfte es wie wild.
'Ich weiß nicht, ob ich ihn liebe…', antwortete sie wahrheitsgemäß.
'Also entweder man weiß es, oder man weiß es nicht.', warf Silver ein.
Jessie zuckte mit den Schultern. 'Wie ich sagte, ich kann meine Gefühle für ihn nicht einordnen. Vielleicht hasse ich ihn sogar…'
'Ja, klar.', sagte der Kleine ironisch.
'Kann doch sein… Liebe wird oft mit Hass verwechselt.'
'Das ist albern.'
Jessie seufzte. Er hatte ja Recht, aber sie konnte es wirklich nicht, obwohl sie tief in ihrem Herzen die Antwort schon längst wusste.
'Wie wär´s, wenn wir dich ein bisschen ablenken von Raven?', schlug Silver plötzlich vor.'Und wie?'
'Wir suchen River und du entschuldigst dich bei ihm.'
'Was?! Aber ich habe doch keine Ahnung, wo er sich derzeit befindet! Er könnte überall sein! Vielleicht ist er ja gar nicht mehr hier, sondern auf einer Mission!'
'Ach, komm schon!'
'Wir könnten uns verlaufen… Nein! Wir werden uns ganz sicher sogar verlaufen!'
'Das hat dich sonst auch nie aufgehalten.'
'Na und? Jetzt mach ich mir eben Gedanken, seitdem ich diesen DarkSoul kennen gelernt habe.'
'Ja, aber jetzt kannst du doch kämpfen, eigentlich sollte das alles gar kein Problem mehr für dich sein!', sagte Silver vergnügt.
Sie schnaubte. 'Die kämpferischen Leistungen haben den vielen Opfern meines dunklen Bruders ja nicht gerade viel geholfen, wenn ich dich daran erinnern darf.' Bilder, die sie versucht hatte zu vergessen, flammten vor ihrem inneren Auge auf.
'Die Chancen, dass du dem DarkSoul hier noch einmal begegnest stehen eins zu einer Million. Sie haben seit diesem Vorfall die Wachen verdoppelt!'
'Kann schon sein, aber Raven hat mir noch nicht gezeigt, wie es mir gelingt, den DarkSoul wieder in den Körper meines dunklen Bruders zu bannen.', warf Jessie ein.
'Weißt du, was ich glaube? Dass du Angst vor der Begegnung mit River hast!'
'Was?!', entgeistert sah sie den Kleinen an, obwohl sie zugeben musste, dass sie sich unwohl bei dem Gedanken, an ein Treffen mit River, wurde.
'Gib´s doch zu, Jessica!'
'Du irrst dich! Vor so etwas Albernen habe ich doch keine Angst! Aber er hat versucht mich gegen meinen Willen zu küssen!'
'Versucht.'
'Raven hat mich noch rechtzeitig von ihm weggezerrt.'
'Aber du musst zugeben, dass du das gar nicht mal so schlimm gefunden hättest, wenn River dich geküsst hätte, oder? Also abgeneigt warst du bestimmt nicht, meine ich.'
'Doch!'
'Ach, Jessie.', seufzte er. 'Du weißt doch genauso gut, wie ich, dass er dir auch sehr viel bedeutet.'
'Ja, aber auf freundschaftlicher Ebene! Nicht mehr und nicht weniger.', stellte sie fest.'Wenn du meinst…', er klang nicht sehr überzeugt und irgendwie ärgerte sie das. Dieser Vogel machte ihr fast mehr Schwierigkeiten, als wenn sie ohne ihn wäre, aber sie konnte es sich einfach nicht mehr vorstellen, ein Leben ohne ihn geführt zu haben. Die Gespräche mit ihm, obwohl er sie immer ärgerte, taten ihr gut.
'Also? Was ist jetzt? Suchen wir ihn oder nicht?'
'Danke, Silver.'
'Wofür?', fragte er etwas verdutzt.
'Dass du für mich da bist.'
Sie entdeckte etwas Verlegenheit in seinen Zügen und schmunzelte.
'…Suchen wir jetzt River?', er versuchte es zu überspielen.
'Ja.', sie stand auf, Silver flog auf ihre Schulter und ließ sich nieder. Mittlerweile hatte sie andere geeignetere Gewänder mit Schulterpolsterung bekommen, sodass es nicht mehr ganz so wehtat, wenn der Tangar von ihr getragen wurde.
Sie öffnete ihre Zimmertür und trat auf den Gang hinaus, dann wählte sie wahllos eine der beiden Richtungen und bog bei der nächsten Verzweigung ab. Nun war sie in einem Teil des Hauptlagers, wo sie sich nicht auskannte.
Ziellos ging sie weiter und hing ihren Gedanken nach. Auch Silver schien es nicht anders zu ergehen.
Wieder eine Verzweigung, sie überlegte nicht lange und nahm einfach den Weg, der ihr sympathischer wirkte, was aber keinen Unterschied machte, da hier unten sowieso fast alles gleich aussah.
Jessica wusste nicht, wie lange sie nun schon die Gänge durchstreifte, aber sie ging einfach weiter. Weiter vorne sah sie schon die nächste Ecke.
`Hmmm… Irgendwie komisch… Wo sind denn hier alle? Ich bin noch keiner Menschenseele begegnet.´, ein komisches Gefühl beschlich sie und ihr wurde mulmig.
Plötzlich hörte sie hastige Schritte, die von vorne auf sie zukamen. Wie erstarrt blieb sie stehen, auch Silver war nun wieder aus seiner Gedankentrance erwacht und schaute
misstrauisch um sich.
'Hörst du das auch?', fragte er leise.
'Ja.'
'Wer könnte das sein?', rätselte Silver, aber Jessie konnte ihm genauso wenig eine Antwort geben, wie sich selbst.
Die Schritte kamen immer näher. Wie von selbst presste sie sich gegen die Wand und sah, ein bisschen ängstlich, in die Richtung, aus der die Laute kamen.
`Was mache ich mich eigentlich so verrückt? Wer soll das schon sein? Etwa der DarkSoul, Jessie? Der fliegt doch du dummes Huhn!', beruhigte sie sich, stemmte sich wieder von der Wand ab und ging, etwas langsamer als vorher, weiter.
'Was machst du?', fragte der Vogel entsetzt.
'Ach, Silver! Ich will doch nur schauen, wer das dort vorne sein könnte.'
'Aber was, wenn das etwas Gefährliches ist?'
'Was soll das schon Gefährliches sein?'
'Na ja… Ein Monster oder so was in der Art.', der Kleine sah sich ängstlich um.
'Jetzt mach dich doch nicht unnötig verrückt!'
'Ich fliege zurück, wenn du weiter gehst! Ich warne dich!'
Jessie seufzte ergiebig, entschloss sich aber dann doch anders, als ihre Neugier siegte. 'Du kannst ja den Weg zurück suchen, während ich mich hier mal näher umsehe.'
'Nein!'
'Wieso nicht?'
'Ich will nicht, dass du das machst!... Und ich will nicht alleine sein!'
'Aber dir kann doch hier nichts passieren!'
'Woher willst du das wissen? Und vor allem, wenn wir uns trennen, dann kann es sein, dass wir uns gar nicht mehr wieder finden!', warf er ein.
Da musste sie ihm Recht geben, auch wenn sie es als übertrieben empfand. 'OK, OK... Dann warte hier und ich schaue nur schnell da vorne um die Ecke, verstanden?'
Silver sah nicht gerade glücklich aus, aber schließlich flog er das kleine Stück, dass ihr von Jessies Schulter und dem Boden trennte hinab und hockte sich gehorsam hin.
'Ich bin gleich zurück.', versprach Jessie und setzte sich in Bewegung.
Jetzt hörte sie wieder auf die Schritte, aber die vorher gehörten Geräusche waren verstummt.`Verdammt…´, sie beschleunigte ihren Gang etwas und kam bei der Ecke an. Vorsichtig guckte sie hinter der Mauer hervor.
Enttäuscht seufzte sie auf, da war nichts außer einer Sackgasse! Aber sie hatte doch vorher genau aus dieser Richtung Schritte kommen gehört!
Sie trat in den Gang und schritt ein kleines Stück weiter hinein, immer abwechselnd nach links und nach rechts blickend.
Plötzlich sah sie einen Spalt, der ungefähr auf derselben Augenhöhe lag. Er war unscheinbar und wirkte ganz normal, bis auf das, dass sonst nirgends solche Spalten waren. Sie näherte sich der Unebenheit and der Wand und betrachtete es näher.
Im ersten Moment fiel ihr nichts Besonderes auf, aber als sie näher hinsah, entdeckte sie einen kleinen Schalter.
Sie griff sich mit beiden Händen an den Kopf. `Das gibt´s doch nicht!?´
Kurz überlegte sie, ob sie ihn betätigen sollte, aber, wie fast immer, siegte die Neugier über die Vernunft und sie fuhr mit einem ihrer Finger in die Spalte. Sie tastete nach dem Schalter und fand ihn schließlich auch. Nach kurzem Zögern drückte sie ihn herunter und fast lautlos schob sich die Mauer vor ihr zur Seite.
Mit offenem Mund starrte sie eine schwach beleuchtete Wendeltreppe, die sich hinter der Wand in die Tiefe wand, an.
Wo war sie denn nur hingeraten?
`Vielleicht sollte ich besser zurückgehen… Aber zuerst schau ich mir das genauer an!´, sie setzte schon den einen Fuß auf die erste Stufe, als ihr wieder einfiel, dass Silver ja auf sie wartete! Sollte sie ihn holen? Nein, er würde nie mit ihr da hinunter gehen… Aber einfach so sitzen lassen konnte sie ihn ja auch nicht.
`Ach, ich beeil mich einfach.´
Zaghaft setzte sie nun auch den zweiten Fuß auf die Treppe und begann sie langsam hinabzuschreiten.
Es schien ihr wie eine Ewigkeit vorzukommen, bis sie das Ende der Treppe, das in einem Gang endete, gefunden hatte.
Was war das hier nur?
Mutig ging sie weiter. Hier unten war alles noch weniger beleuchtet als oben und der Schein der Kerzen brachte höchstens so viel Licht, wie die Sonne in der Dämmerung.
Jessie stolperte ein paar Mal, da der Boden hier unten viel unregelmäßiger ausgearbeitet war. Schließlich erreichte sie das Ende des Ganges und stand vor einer schmalen Tür. Sie versuchte sie zu öffnen, schaffte es aber nicht. Nicht mal, als sie sich dagegen warf, konnte sie sie ein Stück bewegen. Enttäuscht sah sie sich um und suchte nach einem anderen Weg, der sie vielleicht woandershin führte, aber sie wurde enttäuscht, alles schien von massiven Steinwänden, die ein wenig abbröckelten, umgeben. Die einzige Wahl, die ihr blieb, war entweder umzukehren und zurück zur Treppe zu gehen, oder durch die verschlossen Tür vor ihr, aber da sie schon wusste, dass sie keine Chance hatte, hier hindurchzukommen, musste sie sich dazu entschließen zurückzugehen.

Lange konnte er es nicht mehr aushalten. Bald war es soweit und dann konnte ihn niemand mehr aufhalten.
`Nein…´, dachte er verzweifelt. Was sollte er nur tun? Wenn er sich nicht mehr unter Kontrolle hatte, dann wären alle, die ihm lieb waren, generell die ganze Menschheit, in höchster Gefahr. Verzweifelt biss er sich auf die Unterlippe bis sie blutig war. Er fand einfach keine Lösung. Der Fluch, der schon seit seiner Geburt auf ihm lastete, die Bürde, die er die ganze Zeit mit sich zu tragen hatte, zerdrückte ihn fast. Jeden Tag nahm der Drang, nachzulassen und sich zu ergeben, damit er endlich erlöst war, zu.
Aber was wäre dann mit all jenen, die auf ihn zählten? Konnte er sich für unschuldige Menschenleben, die er für seine Erlösung opfern würde, verantworten? Nein, dass könnte er sich nie verzeihen.
`Nur ein einziges Wort und du kannst frei sein. Lass mich raus und du bist erlöst… Deine Schmerzen werden ein Ende haben und du kannst endlich in Frieden ruhen.´, flüsterte ihm die Stimme zu. Frieden… Wie sehr wünschte er sich, endlich Frieden zu finden?
Er konnte sich nicht mehr daran erinnern, wann er das letzte Mal richtig ruhig schlafen konnte, ohne von Albträumen geplagt zu werden, oder wann er das letzte Mal wirkliches Glück empfunden hatte…
Er streckte seine Hand in die Dunkelheit aus und versuchte Etwas zu greifen, was gar nicht existierte. Seine Verzweiflung wurde stärker.
`Hör auf zu kämpfen… Überlass mir deinen Körper und dir wird es gut gehen, dann sind wir beide zufrieden… Du und ich, endlich vollkommen vereint.´, hörte er es wieder in seinen Gedanken flüstern.
Und wenn er nachgeben würde? Es war nicht seine Schuld. Jeder würde das an seiner Stelle tun…
'Nein!', schrie er. 'Nein! Ich werde nie aufgeben, hörst du?! Du wirst mich nicht besiegen!'Die Stimme, die sein ständiger Begleiter war, lachte schallend.
`Ich werde mich noch ein wenig gedulden, aber bald schon, wird dein Körper ganz mir gehören… Das verspreche ich dir…´, die Stimme verstummte und ließ in alleine in der Dunkelheit zurück. Er spürte die Anstrengung in seinem gesamten Körper. Seine Kleidung war nassgeschwitzt.
Noch konnte er nicht aufgeben… Nicht jetzt. Er hatte eine Chance! Vielleicht könnte er endlich diesen Fluch von sich lösen und ein normales Leben führen. `Nur diese eine Mission noch.´, dachte er sich.
Langsam erwachte er aus dieser Dunkelheit, die ihn umgab und er sah sich um. Der Raum, in dem er war, war nun noch verwüsteter als vorher.
Das passierte immer, wenn er sich nicht mehr zurückhalten konnte, wenn er seine Anfälle hatte. Gott sei Dank hatten Griffin und Viper ihm diesen Raum zur Verfügung gestellt, damit er niemandem gefährlich werden konnte, wenn er sich so fühlte, als könnte er `ihn´ nicht zurückhalten.
Er rappelte sich auf und ging auf die fest verschlossen Tür, die nur er, Griffin, oder Viper öffnen konnten zu.
Sein Kop schmerzte und er griff sich mit einer seiner beiden Hände an die Stirn. Er fühlte, dass sie nass geschwitzt war und stöhnte kurz auf.
Er musste ihm Recht geben… Lange würde er das nicht mehr durchhalten können.
Gerade wollte er die Tür öffnen, als er einen gellenden Schrei vernahm. 'Silver! Oh mein Gott! Nein! Bitte nicht!'
Geschockt hielt Raven den Atem an. `Jess!...´

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Falls jemand Verbesserungsvorschläge, oder Ideen hat: Nur her damit! ;-)
LG Any







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