Black Tiger Teil 2

Autor: Any
veröffentlicht am: 14.01.2008




Also gut! Vorher muss ich wieder ein paar Worte zu meiner Geschichte schreiben (ich weiß, dass das nervt, aber ich bin noch etwas unsicher): Die Geschichte wird eine Fantasy-Geschichte! Natürlich auch eine Liebesgeschichte, sonst wäre ich hier ja falsch! :-) Und wie gesagt! Ich bin für Ideen und Verbesserungsvorschläge offen! Natürlich auch für Kritik... LG Any

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Jessica hatte ihre Sachen in eine Reisetasche gepackt. Sie wusste nicht, warum sie das machte, aber sie hatte so ein Gefühl. Ihr war nicht klar was es war, aber irgendwie war es wichtig, dass sie mit ihnen mitging. Es war spannend, aber irgendwie auch gefährlich, etwas, was sie noch gefühlt hatte. Es veränderte einfach ihr Leben. Sie wollte immer einfach Verschwinden, seitdem Aus von ihr und Martin, und jetzt hatte sie die Möglichkeit dazu. Niemand würde sie vermissen, nicht einmal ihre Mutter, falls es wahr war, dass sie sich an nichts mehr erinnern konnte. Trotzdem war Jessie traurig, das Alles hinter ihr zu lassen. Sie konnte es nicht leugnen. Hier war sie aufgewachsen, hier hatte sich ihr bisheriges Leben abgespielt. Man konnte nicht einfach seiner Vergangenheit davon laufen, das wusste sie, aber der Gedanke war zu reizvoll. Als sie ihre Tasche hinuntergebracht hatte, wobei Harald ihr half, ging sie noch einmal in das Zimmer ihrer Mutter. Sie setzte sich zu ihr an den Bettrand.
'Hi Ma´', flüsterte sie und strich ihr sanft durchs Haar.
'Ich weiß, du hast es nicht sonderlich leicht gehabt. Du hast dich immer bemüht, dass es mir gut ging, aber du hast leider nicht mitbekommen, was wirklich bei mir los ist. Du hast immer gesagt, dass alles wieder gut wird, man darf nur nicht die Hoffnung aufgeben und muss seinen eigenen Weg gehen. Bis jetzt habe ich immer auf das Urteil anderer gehört, aber jetzt muss ich meinen Weg gehen, das verstehst du doch, oder?', sie blickte in das Gesicht ihrer Mutter. Ein Lächeln lag auf ihren Lippen. Ungewollt rannen ihr die Tränen hinab.
'Ich weiß, dass für dich jetzt alles besser wird. Leb wohl!', Jessica küsste die Stirn ihrer Mutter, wandte sich ab und blickte in das Gesicht von dem jungen Mann. Sie konnte noch immer nicht viel von seinem Gesicht erkennen, obwohl sich ihre Augen schon vollends an die Dunkelheit gewöhnt hatten. Verschreckt blickte sie ihn an. 'Was tust du hier?'
'Ich wollte dich holen.'
'Seit wann stehst du hier?'
'…Lang.'
'Du hast alles gehört, oder? Na toll.', sie seufzte.
'Ist das schlimm?'
'Ja… ich meine, Nein! Ich mag es nur nicht belauscht zu werden.', sie blickte in seine Augen, die in der Dunkelheit wie zwei schwarze Löcher aussahen.
Eine Wolke die den Mond verdeckt hatte, war weitergezogen und so viel ein wenig Licht durch das Fenster ins Zimmer. Jetzt konnte sie Teile seines Gesichts erkennen. Er hatte sinnliche Lippen, die zu einem schelmischem Grinsen verzogen waren und eine süße Stupsnase. Aber als sie sich wieder seinen Augen zuwandte erstarrte sie. Er hatte einen durchdringenden Blick, der sie gefangen hielt. In dieser Sekunde setzte ihr Herz für ein paar Sprünge aus. Es war magisch und machte ihr gleichzeitig Angst. Auf einmal gefiel ihr der Gedanke, von hier wegzugehen, mit ihm, gar nicht mehr. Schnell wandte sie den Blick ab. 'Was ist denn?'
'Nichts…'
'Schaue ich so schrecklich aus?'
'Nein, es ist nur… Ich weiß nicht, ob das eine so gute Idee ist mit euch mitzukommen, was, wenn ich euch nicht helfen kann?'
'Du kannst uns helfen, da bin ich mir sicher!'
'Und woher weißt du das?'
'Ich weiß es eben.'
'Musst du immer so aufschlussreiche Antworten geben?', fragte sie im sarkastischen Ton.'…'
'Wo bleibt ihr Beiden denn?', hörte sie Jennifer von unten hinauf rufen. Er deutete ihr zu folgen. Jessie warf noch einen letzten Blick auf ihre Mutter und ging ihm nach. Unten angekommen warteten die anderen schon auf sie.
'Da seid ihr ja endlich! Warum hat das so lange gedauert?', fragte Jennifer mit ungeduldiger Stimme.
'Sie musste sich noch von ihrer Mutter verabschieden.', antwortete der junge Mann statt ihrer Stelle.
'Hrmpf… Wenn das bei jedem so lang dauert werden wir ja in einer Woche noch nicht fertig sein.', Jessie horchte auf.
'Bei jedem?', fragend sah Jennifer sie an.
'Was redest du?'
'Du hast gesagt, bei jedem. Ich will wissen, was das heißt.'
'Es heißt, dass sie sich verplappert hat und dass es dich nichts angeht.', sagte Harald schroff. Demonstrativ packte er ihre Tasche und brachte sie zu einem schwarzen Jeep der vor ihrer Haustür stand. Als er die Tasche im Kofferraum verstaut hatte, fragte er ungeduldig, wo sie bleiben würden, sie hätten ja schließlich nicht die ganze Nacht Zeit.
Harald stieg ein und startete den Motor. Jennifer setzte sich auf den Beifahrersitz. Jetzt wurde Jessica ein wenig unwohl, denn das bedeutete, dass sie hinten sitzen musste und zwar alleine mit dem Mann. Er war inzwischen auch schon zum Auto gegangen, hatte die Tür geöffnet und machte eine einladende Geste in ihre Richtung. Sie wankte, mehr als das sie ging, zu ihm und stieg ein. Nachdem er die Tür hinter ihr geschlossen hatte, stieg auch er ein und sie fuhren los. Eine Weile sagte niemand was, obwohl Jessie noch so viele Fragen gehabt hätte. Eine davon war zum Beispiel, wo sie sie hinbringen würden. Aber sie traute sich nicht sie zu fragen. Harald und Jennifer waren in eine Diskussion vertieft, in der es darum ging, wo der richtige Weg war.
Da es langsam schon hell wurde, und auch die Straßenbeleuchtung jetzt mehr Licht spendete, konnte sie endlich Gesichtszüge erkennen. Zuerst sah sie sich Harald genauer an. Er hatte braune kurzgeschorene Haare und braune Augen, über denen zwei buschige Augenbrauen waren. Sein Mund war breit und hatte dünne farblose Lippen, und jetzt erkannte sie auch, dass einer seiner Schneidezähne fehlte. Seine Nase erinnerte sie an eine Knolle und quer durch sein Gesicht zog sich eine verblasste Narbe. Er wirkte wie ein Pirat.
Jessies Blick wanderte weiter zu Jennifer. Sie hatte schulterlange, schwarze Haare, eine lange Nase, die sie irgendwie Edel wirken lies und eisblaue Augen. Ihre Augenbrauen waren vollkommen abrasiert und waren durch einen dünnen aufgemalten Strich ersetzt. Sie hatte lang Wimpern und eine schmale Stirn. Ihre Lippen waren knallrot, breit und leicht nach unten gezogen. Jennifer wirkte verbittert. Jetzt drehte Jessica den Kopf zur Seite. Ihr Herz begann wie wild zu klopfen, aber sie wusste nicht warum. Gespannt wanderten ihre Blicke durch das Gesicht des Mannes neben ihr. Sein Gesicht war oval und er hatte einen sinnlichen Mund und eine Stupsnase, die im Licht noch süßer aussah. Seine Haare waren rabenschwarz und standen ihm verwuschelt vom Kopf ab. Ein paar hingen auch über seinen Augen. Als sie in seine Augen sah, stockte ihr der Atem. Genauso wie seine Haare, waren sie auch rabenschwarz. Es war so, wie als würde sie in ein unendlich tiefes Loch versinken. Plötzlich schaute er ihr direkt ins Gesicht und fixierte sie mit seinem Blick. Erschrocken wandte sie den Blick ab. Er war um einiges jünger als sie gedacht hatte, gerade erst einmal 16 oder 17.
'Ich bin wohl doch ziemlich hässlich, hmm? Wenn du deinen Blick so schnell von mir abwenden musst.', er machte einen gespielt traurigen Blick.
'Nein, nein, dass ist es nicht… Ich… bin einfach erschrocken.'
'Weswegen?'
'Deinen Augen.'
'Meinen Augen? Was ist so schlimm an ihnen?'
'Sie sind schwarz.'
'Und?'
'Das macht mir Angst.', einen Moment lang schaute er sie ungläubig an und brach dann ihn schallendes Gelächter aus.
'Warum lachst du?', verwirrt sah sie ihn an.
'Du bist einfach zu süß.'
'Was?!'
'Hey hey! Das war ein Kompliment.'
'Schon klar.', genervt drehte sie sich weg von ihm, bis ihr plötzlich einfiel, dass sie gar nicht wusste wie er hieß. Sie drehte sich mit einer schnellen Bewegung wieder zu ihm und sah, dass er sie angestarrt hatte und damit auch nicht aufhörte.
'Warum starrst du mich so an?'
'Ist das verboten?'
'Ich mag das nicht sonderlich.'
'Ich hab das Gefühl, dass du viele Dinge nicht magst.'
'Kann schon sein… Stört dich das?', fragte sie schnippisch.
'Mir ist das egal, dass ist dein Problem.', sie schluckte die spitze Antwort, die ihr auf den Lippen lag hinunter. Sie durfte es sich nicht erlauben einen Streit mit ihm anzufangen, sie war nicht außer Gefahr, vielleicht war das alles ja doch eine Falle. Dann fiel ihr wieder ein, warum sie sich eigentlich wieder zu ihm gedreht hatte.
'Wie heißt du?', neugierig blickte sie ihn an.
'Das geht dich nichts an.', antwortete er schroff. Verwirrt schaute Jessie ihm in die Augen, aber blickte sofort wieder weg, als er ihren Blick erwiderte.
'Warum sagst du ihn mir nicht?'
'Ich hab dir doch schon gesagt, dass die das nichts angeht. Ich weiß ja auch nicht wie du heißt.'
'Ich heiße Jessica.'
'Interessiert mich nicht.', er wurde ihr immer unsympathischer, aber sie gab nicht auf.'Entweder du sagst mir wie du heißt, oder ich helfe euch nicht.'
'Was ist das bitte für eine Drohung?'
'Weiß ich selber nicht, aber ich denke eine Gute.', er musste schmunzeln, sie gefiel ihm, auf eine unerklärliche Art und Weise, aber trotzdem antwortete er mit ernster Stimme: 'Nein, das ist keine gute Drohung, glaubst du wirklich, dass wir so sehr auf deine Hilfe angewiesen sind?'
'Na ja, schließlich habt ihr mich ja entführt und alles, also nehme ich an schon.'
'Wir haben dich nicht entführt und wenn, dann war es eine freiwillige Entführung!' Was tat er da? Er rechtfertigte sich gerade vor einer Göre, die nicht einmal wirklich das Recht dazu hatte, ihn anzusprechen.
'Na und? Eine Entführung ist eine Entführung. Also sag mir schon wie du heißt, oder ich mach ernst und helfe euch nicht.'
Er seufzte. Das würde anstrengender werden, als er gedacht hätte.
'Ich heiße Raven, zufrieden?', verdutzt blickte sie ihn an.
'Raven? Du heißt wirklich Raven?'
'Ja, ein Problem damit?'
'Nein, aber… Wie kann man Raven heißen? Obwohl ich zugeben muss, dass es in deinem Fall passt. Aber das ist doch kein Name.'
'Du nervst, weißt du das?'
'Ist mir egal.'
'Schön für dich.'
'Find ich auch. Ich glaube dir nicht, dass du Raven heißt.'
Zornig schaute er sie an: 'Dann glaub es mir eben nicht.'
'Entweder du sagst mir deinen richtigen Namen, oder-…'
'Du hilfst uns nicht, ich weiß.', sagte er böse.
'Also? Ich höre!', heraufordernd blickte Jessie ihn an.
'Ich werde dir meinen echten Namen nicht sagen.'
'Wetten doch?!'
'Ach ja? Wie kannst du dir da so sicher sein?'
'Tja… Erstens: Ich werde euch sonst nicht helfen. Und Zweitens: Ich nerve dich so lange bis du ihn mir einfach aus Verzweiflung verrätst!'
Raven schnaubte und drehte sich von ihr weg. Sie stupste ihn in die Seite und als er nicht reagierte, machte sie einfach weiter und von Mal zu Mal war es fester. Er verkrampfte sich innerlich. Als er schon fast davor war, ihre Hand einfach wegzuschlagen, hörte sie plötzlich auf. Verdutzt drehte er sich zu ihr und sah sie an. Sie war eingeschlafen, ganz plötzlich. Er musste schmunzeln, wenn man sie so schlafen sah, konnte man gar nicht glauben, dass sie so unglaublich nervend sein konnte. Er sah sie genauer an. Sie war hübsch, Irgendwie wirkte sie frech und doch auch ruhig und verschlossen. Aber es lag auch ein tiefer Schmerz auf ihren Zügen. Was konnte ihr nur so einen tiefen Schmerz zugefügt haben? Verträumt sah er sie an. Moment! Was machte er da? Sie war sein Auftrag, er konnte es sich nicht leisten sich weitere Gedanken um sie zu machen. Raven blickte wieder weg. Fast krampfhaft blickte er auf die vorbeiziehende Landschaft, doch irgendwann wanderte sein Blick wieder zu ihr. Ihre blonden Haare hangen ihr wie immer ins Gesicht. Bis jetzt konnte er ihre Augenfarbe nicht einmal erahnen. Seine Neugier packte ihn. Langsam hob er die Hand und bewegte sie auf ihr Gesicht zu. Sacht strich er ihr die Strähnen aus dem Gesicht, aber er zog seine Hand nicht zurück, sondern strich weiter durch ihr Gesicht, über ihre Augenlider und die Wangen entlang. Plötzlich ging ein Ruck durch das Auto, sie waren über eine Welle im Asphalt gefahren. Jessie schlug die Augen auf. Er wollte seine Hand schnell zurückziehen, doch dann blickte er in ihre Augen. Sie waren hellgrün und leuchteten, nein, strahlten fast. Und um die Pupille war ein schmaler gelber Ring. Es sah aus wie eine Schlange. Irgendwie wild und unzähmbar, aber doch von so einer Ruhe, dass man sich darin hätte verlieren könnte. Er erwachte abrupt aus seiner Trance, als sie ihn entsetzt ansah. Seine Hand ruhte noch immer auf ihrer Wange. Schnell zog Raven sie weg, als sie auch schon mit zitternder, aber dennoch lauter Stimme fragte: 'Was tust du da?'
'Ich… Ich wollte nur mal deine Augen sehen.', antwortete er wahrheitsgemäß. Erst da fiel ihr auf, dass ihre Haare ihre Augen nicht mehr bedeckten, erschrocken strich sie ihre Haare wieder nach vorne, dann wendete sie sich wieder ihm zu.
'Und das wolltest du machen während ich schlafe?'
'Nun ja… Ich… erm…'
'Ich sag dir, was du machen wolltest! Du wolltest mich begrapschen!'
'Was?!', entgeistert blickte Raven sie an.
'Tu nicht so, ich weiß es ganz genau!'
'Hast du sie noch alle?'
'Ja, aber du offensichtlich nicht! Kein Funken Anstand im Leibe, hm? Dich einfach an einem schlafenden Mädchen vergreifen!'
'OK, jetzt bist du völlig durchgedreht.'
'Ach ja? Dann erklär mir doch bitte was du eigentlich machen wolltest!'
'Ich wollte mir dein Gesicht ansehen.'
'Das mag ich aber nicht!'
'Du magst ziemlich viele Dinge nicht!'
'Na und?'
'Woher soll ich wissen was du magst und was nicht? Aber offensichtlich magst du ja alles nicht! Und keiner mag dich!', er hatte seine Stimme gehoben. Verletzt blickte sie ihn an und plötzlich hatte Raven Lust, noch weiter in ihrer Wunde zu bohren. 'Deswegen hast du auch keine Freunde und keiner mag dich! Schau nicht so, glaubst du, wir kennen dich nicht? Woher sollten wir denn sonst wissen, dass du die Richtige für diese Aufgabe bist? Wie haben dich Tag und Nacht beschatten lassen! Wir wissen, dass du in deiner Schule ignoriert wurdest, dass man dich vergessen hat! In Wirklichkeit warst du nur deiner Mutter etwas wert und sonst niemandem!', er hatte jetzt erwartet, dass sie ihn schlagen würde, oder weinen, oder auch lachen und ihn zurück verletzen würde, aber Jessie tat nichts von alldem, sondern schaute ihn nur mit traurigen Augen an, plötzlich taten ihm seine Worte wieder leid. Verdammt was war nur los mit ihm? Er durfte sich nicht so gehen lassen! Er durfte niemandem irgendeine Schwäche zeigen, niemandem! Und doch hatte er es getan. Er war wütend geworden, er wurde so leicht wütend und das war sein Fehler. Er wollte sich gerade bei Jessica entschuldigen, als sie plötzlich sagte: 'Du hast Recht.', verdutzt blickte er sie an.'Du hast mit alldem Recht! Ich habe keine Freunde mehr, niemanden dem ich wichtig bin.''So… so habe ich das nicht gemeint.'
'Doch. Du hast es genauso gemeint und ich mache dir keinen Vorwurf oder sonst was, du hast einfach nur Recht. Es tut mir Leid.', Tränen rannen ihr die Wangen hinunter, schnell drehte sie ihrem Kopf weg und schluchzte. Raven wusste nicht, was er machen sollte. Er hatte sie sehr verletzt mit seinen Worten und das wusste er. Er konnte es gar nicht leiden, wenn Frauen wegen im weinten, er konnte es generell nicht leiden. Den Rest der Fahrt schwiegen die beiden, bis sie bei ihrem Ziel ankamen. Als Jessie ausstieg und sich umsah, stockte ihr der Atem. Wo wollten sie sie hinbringen? Sie standen mitten auf einem Flughafen! Doch bevor sie einen fragen konnte, wurde sie schon unsanft von Jennifer weitergezogen. Nach Luft schnappend lief sie ihr hinterher.
'Wohin bringt ihr mich?'
'Zum Flugzeug.', antwortete sie knapp.
'Was?!', sie konnte es nicht fassen. Erst jetzt wurde ihr so richtig bewusst, was sie da getan hatte. Sie war einfach mit wildfremden Leuten mitgegangen! Was hatte sie sich nur dabei gedacht? Wie blöd konnte man nur sein?
Abrupt blieb sie stehen und kippte fast vornüber als Jennifer sie einfach weiterzerrte.
'Was ist denn jetzt wieder los?', fragte die energisch.
'Ich will nicht.', jetzt blieb sie stehen und blickte Jessie verstört an.
'Was heißt das, du willst nicht?', fragte sie schrill.
'Ich will nicht, lass mich los!'
'Was gibt es denn für ein Problem, Kleine?', Harald war inzwischen mit der Gepäcktasche nachgekommen.
'Sie will nicht mit.', antwortet Jennifer an ihrer Stelle. Stirnrunzelnd sah er Jessica an.'Ich will nicht mit.', wiederholte sie. Jetzt war auch Raven wieder bei ihnen, aber sagte nichts. Er mied Jessies Blick, er starrte einfach stur geradeaus.
'Warum?', fragte Harald.
'Bitte! Bringt mich zurück zu meiner Mutter! Ich kann das nicht!', flehend sah sie zuerst zu Jennifer, die sie fast wütend ansah, dann zu Harald, der nur stumm den Kopf schüttelte und dann zu Raven, aber er sah sie nicht an, sondern sagte nur: 'Das ist bereits zu spät.'
'Was? Es ist noch nicht zu spät! Ihr müsst mich doch nur nach Hause bringen!', verzweifelt blickte sie von einem zum anderen.
'Und was willst du `zu Hause´ machen? Du hast kein zu Hause mehr! Deine Mutter kann sich nicht mehr an dich erinnern!', jetzt sah er sie eindringlich an.
'Aber ihr habt doch sicher ein Gegenmittel!'
Er schüttelte nur stumm den Kopf. Jetzt brach Jessie in Tränen aus und lies sich einfach niederfallen. Sie schluchzte und schluchzte. Was hatte sie nur getan? Sie würde ihre Mutter nie wieder sehen. Nie wieder! Vorsichtig wurde sie von Raven hochgehoben.
'Nein! Ich will nicht! Lass mich!', mit Füßen und Händen wehrte sie sich gegen seine Berührung. Er übergab sie Harald, der sie in einen festen Griff mit sich trug. Immer wieder schrie sie und trat und schlug um sich, doch es war so, als würde sie auf Stein einschlagen. Irgendwann verließen sie ihre Kräfte und sie sackte zusammen. Man setzte sie in einen der Sitze im Flugzeug. Neben sie setzte sich Raven. Harald und Jennifer setzten sich ein paar Reihen hinter sie.
Mittlerweile hatte Jessie wieder aufgehört zu weinen und sah stumm aus dem Fenster. Auch als sie starteten änderte sich nichts an ihrem Zustand. Irgendwann hielt es Raven nicht mehr aus. Er musste irgendwas sagen.
'Entschuldigung.', sie wandte den Blick nicht ab und reagierte auch sonst nicht auf ihn. Er wiederholte sich, aber auch diesmal keine Reaktion. Er berührte sie sanft an der Schulter. Blitzschnell schlug sie seine Hand weg und drehte sich zu ihm. 'Willst du mich schon wieder begrapschen?'
Verdutzt sah er sie an. Er brauchte eine Weile bis er begriffen hatte, was sie da gerade gesagt hatte und als es soweit war begann er plötzlich zu lachen.
'Du findest das also komisch, ja? Ich nicht!'
'Tut mir Leid, aber das war jetzt überraschend.', entschuldigend blickte er ihr ins Gesicht und sah, dass auch sie leicht grinste, auch wenn es nur ein kurzer Moment war.
'Ich hätte nicht gedacht, dass du so schnelle Reflexe hast.'
'Hm?'
'Na ja, wie ich dich vorher an der Schulter berührt habe, oder es zumindest versucht habe.''Tja… Du hast mich eben unterschätzt.'
'Allerdings… Dann hab ich ja doch nicht so viel Arbeit mit dir, wie ich anfangs gedacht habe.'
'Was meinst du damit?', neugierig blickte Jessie ihn an. Raven schluckte, er hatte sich verplappert.
'Nichts weiter.'
'Nein! Jetzt musst du es mir sagen!'
'Ich hab gesagt, nichts weiter!', fuhr er sie an. Erschrocken blickte sie ihm in die Augen. Was hatte er denn auf einmal?
'Warum verheimlicht ihr so viel vor mir?'
'…'
'Egal welche Frage ich stelle, ich werde jedes Mal abgewimmelt!', trotzig versuchte sie an seinem Blick irgendeine Reaktion zu erkennen.
'Das ist nur zu deiner Sicherheit.'
'Sicherheit? Glaubst du ich denke jetzt noch an meine Sicherheit? Ich bin euch ausgeliefert! Niemand würde merken, dass ich weg bin! Geschweige denn, dass mir etwas passiert! Und du denkst, dass ich mir um meine Sicherheit sorgen mache? Das hat doch jetzt keinen Sinn mehr!'
'Das kann schon sein, aber du wirst uns vertrauen müssen.'
'Das hast du schon einmal gesagt! Aber jetzt frage ich dich mal, wie ich euch vertrauen soll, wenn ich überhaupt nicht weiß, wer ihr seid, wohin ihr mich bringt und was ihr mit mir vorhabt.'
'Das hättest du dir früher überlegen müssen.'
'Ich weiß… Ist es dir eigentlich wichtig, dass ich dir vertraue?', verblüfft sah er sie an.
'Was meinst du damit?'
'Na das was ich sage.'
'Ich versteh das nicht ganz! Was erwartest du dir?'
'Beantworte doch einfach meine Frage!'
'Ich… Ich weiß es nicht! Ich kenn dich doch gar nicht so gut. Zwischen uns besteht keine Beziehung.'
'Hmmm… Also ist es nicht wichtig für deine Mission, oder was auch immer das hier ist, dass ich dir vertraue?'
'Es ist ja nicht so, als ob du eine Wahl hättest, oder?'
Sie überlegte kurz und antwortet dann: 'Nein.'
'Also, was soll die Frage?'
'Ich weiß es selber nicht genau.', es trat ein kurzes Schweigen ein, das von Jessie unterbrochen wurde.
'Wie alt bist du?'
'Du bist ganz schön neugierig.'
'Ich weiß, also: Wie alt bist du?'
'Du glaubst es mir ja sowieso nicht.'
'Wieso?'
'Wie alt schau ich denn aus?'
'Das ist nicht fair! Ich hab dich zuerst gefragt.'
'Ich lass dich einmal raten und sage dir ob du richtig liegst, wenn nicht, dann erfährst du es nie.', sagte er, sie einfach ignorierend. Offensichtlich musste Jessica sich damit zufrieden geben.
'OK… 17!', mit einem undeutbaren Blick, der langsam zu einem Ungläubigen wurde, sah er sie an.
'Was ist?', fragte sie verunsichert. 'Lieg ich so falsch?'
'Nein! Und das ist es ja! Das stimmt!'
'Was ist daran so schlimm?'
'Bis jetzt hat das niemand beim ersten Mal raten gewusst, nicht, dass ich vielen die Chance dazu gebe, aber die die geraten haben, haben mich immer auf 25 geschätzt.'
'Aber du schaust doch gar nicht wie 25 aus!'
'Ja, aber… Jeder schätzt mich immer so alt, weil… na ja… weil ich schon älter wirke… Also ich meine… weil ich ja schon jemanden befehlige und so.'
'Muss man deswegen gleich älter sein, also wie ich dein Gesicht noch nicht gesehen habe, habe ich dich auf um die 20 geschätzt, dass muss ich zugeben, aber später dann, wie ich dich schon etwas besser kennen gelernt habe und dein Gesicht gesehen habe, wusste ich, dass du nicht älter als 17 sein konntest.'
'Ach ja?', misstrauisch sah er sie an.
'Ja.', antwortete sie bestimmt. Wieder schwiegen sie sich gegenseitig an und wieder war sie es, die es unterbrach: 'Darf ich dich noch was fragen?'
'Mach doch einfach, davor hast du auch nie gefragt, ob du fragen darfst.'
'OK… Also, ich hab mich gewundert, wie es dazu kommt, dass du schon bei einem Geheimbund bist? Gehst du denn gar nicht mehr zur Schule?' Raven hatte befürchtet, dass diese Frage kommen würde. Er überlegte sich ganz genau, was er sagen würde, bevor er Jessie antwortete: 'Ich habe meinen Abschluss schon gemacht.' Verwirrt blickte sie ihn an. 'Ich habe zusammen mit meinem Zwillingsbruder Privatunterricht bekommen. Dadurch lernten wir alles fast dreimal so schnell wie an einer Schule. Ich war mit 14 mit dem gesamten Schulstoff fertig und eines Nachts standen Harald und Jennifer plötzlich bei mir im Zimmer und sagten, dass sie meine Hilfe bräuchten.'
'Da kommt mir bekannt vor…'
'Ja… es war genauso, wie bei dir. Nur du spielst eine viel bedeutendere Rolle als ich damals gespielt habe. Jedenfalls bin ich dann in den Geheimbund Viper gekommen und habe mich, wie soll ich mich ausdrücken? Hochgearbeitet?'
'Was hat es mit dem Geheimbund Viper auf sich?'
'Ich… kann es dir nicht sagen… Du wirst alles später erfahren.', da Jessie die Antwort mittlerweile schon kannte, belies sie es dabei.
'Du sagtest, du hast einen Bruder.'
'Und?'
'Wo ist er jetzt?'
'Keine Sorge, du lernst ihn schon früh genug kennen…'
'Ist er auch im Geheimbund?'
'Ja.'
'Und wann werde ich ihn sehen?'
'Ich hab dir doch gesagt früh genug.', schmollend drehte Jessica sich weg. Und so blieb es auch den Rest des Fluges. Irgendwann war sie auch eingeschlafen. Sie träumte wieder einmal von ihrem Vater. Ob sie ihn jemals wieder sehen würde?
Von einem unsanften Rucken wurde sie geweckt. Sie befanden sich im Landanflug.
'Sind wir denn schon da?', fragte Jessie Raven, doch sie bekam keine Antwort, als sie neben sich auf den Platz schaute, war er leer. Erschrocken drehte sie sich auf ihrem Sitz um und schaute nach hinten, ob sie Harald und Jennifer sehen konnte, aber auch die beiden waren verschwunden. Sie schnallte sich ab und sprang auf. Eine Stewardess hielt sie auf: 'Sie müssen sitzen bleiben! Wir befinden uns im Landeanflug.'
'Aber-…', doch bevor sie weiterreden konnte, wurde sie von der Stewardess sanft in den Sitz zurück gedrückt und angeschnallt.
Nervös blickte sie sich um. Bestimmt würden sie gleich wiederkommen. Vielleicht waren sie ja nur auf die Toilette gegangen… Und zwar alle drei gleichzeitig. Das glaubst du doch wohl selbst nicht, oder Jessie?
Aber sie konnten sie doch nicht einfach so alleine lassen! Sie hatten doch gesagt, dass sie ihre Hilfe brauchten. Wohin flogen sie überhaupt? Sie hielt die Stewardess von vorher auf, als diese wieder an ihr vorbei kam.
'Entschuldigen Sie bitte, aber wohin geht dieser Flug?', ungläubig starrte sie Jessie an, aber als sie bemerkte, dass sie es ernst meinte, antwortete sie mürrisch: 'Nach-….', ein weiteres Rucken unterbrach sie. 'Entschuldigen Sie bitte, aber ich habe gerade etwas Wichtigeres zu tun.', und schon war sie weg. Enttäuscht sank Jessie tiefer in ihren Sitz. Wo war sie da nur hineingeraten? Und vor allem: Wo waren Harald, Jennifer und Raven? Auf einmal bekam sie panische Angst. Was, wenn sie sie einfach sitzen gelassen hatten, einfach einen Zwischenstop gemacht hatten und sie in ein anderes Flugzeug verfrachtet hatten. Was dachte sie denn da schon wieder? Die werden bestimmt gleich wieder kommen. Und trotzdem rannen ihr schon die ersten Tränen über das Gesicht.
Auch als das Flugzeug gelandet und im Stillstand war, waren ihre drei `Entführer´ nicht wieder aufgetaucht. Verzweifelt blieb sie sitzen. Sie wusste nicht, was sie machen sollte. Irgendwann kam wieder die Stewardess und bat sie in einem nicht sehr höfflichen Ton, das Flugzeug zu verlassen.
'Aber ich kann nicht gehen! Ich weiß doch überhaupt nicht wo ich bin!'
Misstrauisch beäugte die Frau sie. 'Du musst jetzt wirklich raus hier! Oder soll ich den Sicherheitsdienst rufen lassen.' Verzweifelt stand Jessica auf und ging aus dem Flugzeug. Sie schaute sich um, weit und breit kein Raven, kein Harald und keine Jennifer zu sehen. Sie konnten ihr das doch nicht antun. Verwirrt rannte sie am Flughafen umher. Sie suchte sogar in den Toiletten nach ihnen, aber ohne Erfolg. Sie fragte auch jeden der ihr über den Weg lief, ob einer sie gesehen hatte, doch niemand konnte ihr weiterhelfen. Am Ende ihrer Kräfte sank sie in einem nicht so bewanderten Gang auf einer Bank zusammen und begann wieder zu weinen. In den letzten paar Stunden hatte sie so viel geweint wie schon lange nicht mehr in ihrem Leben. Sie merkte nicht, dass sich jemand neben sie setzte.

P.S.: Ich entschuldige mich schon im Vorhinein dafür, dass der nächste Teil vielleicht etwas auf sich warten lässt, da ich in kommender Zeit sehr viel Schularbeiten habe... Deswegen muss ich mich (leider)mehr auf die Schule kontrollieren! Aber ich werde mich trotzdem bemühen!







Teil 1 Teil 2 Teil 3 Teil 4 Teil 5 Teil 6 Teil 7 Teil 8 Teil 9 Teil 10 Teil 11 Teil 12 Teil 13 Teil 14 Teil 15 Teil 16 Teil 17 Teil 18


Kommentar abgeben

Du bist nicht eingeloggt, somit kann dein Beitrag nicht deinem Profil zugeordnet werden!



Name:


Dein Kommentar:


Spamschutz:
Bitte "rockundliebe" eintragen:




© rockundliebe.de - Impressum / Datenschutz