Black Tiger Teil 5

Autor: Any
veröffentlicht am: 17.01.2008




'Was heißt bald?'
'Sobald ihr aufbrecht.'
'…'
'Noch Fragen?'
'Ja! Wann werden wir aufbrechen?'
'Wovon redet ihr?', meldete sich Silver neugierig zu Wort. Sie deutete ihm still zu sein. 'Erklär ich dir nachher.', flüsterte sie ihm zu.
'Sobald Raven und River euch für bereit halten.'
'?'
'Ihr könnt ja nicht einfach so in der Wildnis umherstreifen! Da sind überall wilde Tiere! Wie sollt ihr euch wehren, wenn euch eins angreift?'
'Ich weiß nicht. Ich könnte ja mit ihnen reden.'
'Wenn eine Raubkatze hungrig ist, gibt es nicht viel zu reden.' Erschrocken blickte Jessie Griffin an.
'Und was, deiner Meinung nach, können wir dann gegen sie ausrichten? Nur damit das klar ist: Ich schieße auf keinen Fall auf Tiere, ja!?' Zustimmend nickte Silver, der inzwischen auf ihrer Schulter Position genommen hatte.
'Und eben deswegen müssen wir dich trainieren.'
'Worin? Doch nicht etwa in Nahkampf, oder?', spöttisch grinste sie ihn an, aber er schaute nur ernst zurück. 'Genau das hatten wir vor.' Entsetzt schaute sie ihn an. 'Sie werden euch auch zeigen, wie man auf Bäume klettert und wo ihr euch etwas zu Essen besorgt und wie ihr Wunden behandeln müsst, falls ihr einmal welche habt.' Entgeistert sah Jessie Griffin in die Augen.
'Morgen beginnt euer Training. Du musst mich jetzt aber entschuldigen, ich habe noch etwas zu erledigen. Raven wird dich gleich abholen.'
'Aber ich habe noch Fragen!'
'Das muss warten.', empört schnappte sie nach Luft, doch bevor sie widersprechen konnte, war Griffin auch schon verschwunden. Wie vom Erdboden verschluckt.
'Wo ist er hin?', fragte sie sich laut.
'Ich weiß es nicht, er war plötzlich einfach weg.' Jessie erschrak leicht. Sie hatte vergessen, dass Silver noch auf ihrer Schulter saß. Neugierig blickte er sie an. 'Worüber habt ihr euch unterhalten?' Jessie seufzte und erzählte ihm ihre Geschichte, von Anfang, bis zu dem Zeitpunkt, in dem sie in diese Halle kam.
'Das verstehe ich nicht.'
'Wenn ich es verstehen würde, dann wäre ich, glaube ich, nicht hier.'
'…'
'Weißt du etwas über die schwarzen Tiger?'
'Nur aus Geschichten, aber sie sollen sich nur wenigen zeigen und so stark und groß, dass sie mit einem Hieb, einen Baum, der mindestens halb so breit ist, wie dieser hier, fällen.' Jessie blickte noch einmal zu dem Baum. Er war wirklich gigantisch. Wenn das stimmte, was Silver ihr gerade erzählt hatte, dann waren diese Tiere gewaltig. Sie wollte gar nicht weiter darüber nachdenken.
'Wer ist eigentlich dieser Raven, der dich abholen sollte?'
'Ein Freund… glaube ich.'
'Weißt du es nicht?'
'Nein… wenn ich ehrlich bin, weiß ich fast überhaupt nichts von ihm.'
Sie hörte in dem Moment ein Geräusch und drehte sich um. Die Holztür, durch die sie hineingekommen war, hatte sich geöffnet und Raven war hereingekommen. Langsam kam er auf sie zu. Als er den Vogel entdeckte blieb er verdutzt stehen.
'Du hast einen Vogel auf deiner Schulter sitzen.'
'Versteht er mich?', fragte Silver, der Raven neugierig beäugte.
'Nein…'
'Natürlich hast du einen Vogel auf der Schulter sitzen! Bist du so blind?', Raven war jetzt näher gekommen, lies den Vogel aber nicht aus den Augen.
'Das habe ich auch nicht zu dir gesagt.'
'Zu wem dann?', verwirrt blickte Raven sich um.
'Zu ihm.', Jessie deutete auf Silver.
'Du willst mir weiß machen, dass du dich mit einem Vogel unterhältst?'
'Ja, glaubst du mir nicht?'
'Du verarscht mich!'
'Nein! Das würde ich doch nicht wagen.', höhnisch blickte sie ihn an.
'Wie kommt der Vogel auf deine Schulter?'
'Ich habe mit ihm geredet und dann hat er sich auf meine Schulter gesetzt.'
'Das ist nicht komisch!'
'Sagte ich, dass es das ist?' Böse sah er sie an, als er merkte, dass sie genau denselben Satz zu ihm sagte, wie er sonst immer zu ihr gesagt hatte. Mit Genugtuung bemerkte Jessie, dass er wütend wurde.
'Jetzt sag mir endlich, was der Vogel da macht!'
'Hab ich doch schon.'
'Und du denkst wirklich, dass ich dir das glaube? Niemand kann mit Tieren sprechen!''Dachte ich vor einer halben Stunde auch noch.', verwirrt sah Raven ihr in die Augen und wieder umgab sie eine Schwärze. 'Dein Vorgesetzter hat dir aber nicht sehr viel über mich erzählt, hm?'
'Wie meinst du das?'
'Kennst du die Legende von den schwarzen Tigern.'
'Die was?'
'Also nicht… Deswegen konntest du mir auch die ganze Zeit keine Antwort geben, weil du eigentlich genauso wenig wusstest wie ich.'
'Was redest du?'
'Ach gib es doch zu! Du hast keine Ahnung, warum du mich hierher bringen musstest!', sie hatte ungewollt ihre Stimme erhoben. Silver schlug verschreckt mit den Flügeln. Jessie hatte so eine Wut in sich. Und Raven kam ihr gerade Recht, um sie an ihm auszulassen. 'Dein Bruder hatte Recht! Du machst offensichtlich wirklich alles, was man dir befiehlt! Hast du eigentlich einen eigenen Willen?'
'Natürlich hab ich das! Und schrei mich nicht so an!', auch er hatte seine Stimme erhoben. Betroffen sah sie ihn an. Es tat ihr Leid.
'Entschuldige… Ich bin nur auf einmal so wütend geworden.'
'Schon OK…', er erinnerte sich daran, dass er sie genauso unnötig verletzt hatte, wie er wütend war. Sie schwiegen sich an. 'Und du kannst wirklich mit Tieren reden?' Sie nickte. 'Kannst du es mir zeigen?' Wieder nickte sie. 'Was soll ich machen?'
'Sag dem Vogel, dass er sich mal auf meine Schulter setzen soll.'
'Sag es ihm doch selbst! Er versteht dich genauso gut wie ich.'
'Aber ich dachte…'
'Nur weil du ihn nicht verstehen kannst, heißt das noch lange nicht, dass er dich nicht versteht.'
'OK, OK! Ich probier´s. Hey, du! Vogel! Komm mal hier her.', Raven streckte seinen Arm aus und pfiff, als würde er einen Hund rufen. 'Was macht er da?', fragte Silver Jessie, die sich nur schwer das Lachen verkneifen konnte.
'Siehst du! Du verarscht mich doch!', trotzig schob er die Unterlippe vor. Er sah aus wie ein Kleinkind.
'Dieses blöde Vogelvieh kommt nicht.'
'Wie hat er mich genannt?', Silver krächzte auf und stieß sich von Jessies Schulter ab. Er flog direkt auf Raven zu, der schützend die Arme vor sein Gesicht hielt. Als Silver ihn erreicht hatte, begann er auf ihn einzupicken.
'Ah nimm ihm weg!' Verzweifelt schlug Raven um sich, aber er traf mit seinen ungezielten Schlägen nur die Luft. Silver war zu schnell für ihn. Immer wieder stürzte er herab und zwickte den Jungen mit seinem Schnabel.
'Au!', er jaulte laut auf, als der Vogel ihn am Hinterkopf traf. 'Silver! Bitte lass ihn in Ruhe, er wird dich auch nie wieder so nennen!' Widerwillig lies er von Raven ab und kam wieder zu Jessie zurück, wo er auf ihrer Schulter Platz nahm.
'Der Vogel ist gemeingefährlich!' Keuchend rieb sich Raven den Hinterkopf und starrte Silver feindselig an, der genauso böse zurückblickte.
'Du hättest ihn eben nicht beleidigen dürfen.'
'Ach so! Jetzt bin ich wieder schuld!'
'Ist doch wahr!' Grummelnd wandte er sich zum Gehen ab. 'Wohin willst du?'
'Ich bringe dich in dein Zimmer zurück.' Jessie folgte ihm. Als sie bei der großen Holztür ankamen, blieb Raven plötzlich wieder stehen.
'Nimmst du den Vogel etwa mit?', er zeigte auf Silver. Die Feindseeligkeit in seinen Augen war nicht zu übersehen.
Empört krächzte er auf. 'Ich bin nicht `Vogel´! Ich heiße Silver!' Beruhigend legte Jessica ihre Hand auf seinen Kopf. 'Er versteht dich sowieso nicht.'
'Was? Der Vogel! Danke für den Hinweis! Also wolltest du mich extra quälen vorher, hm?' Raven wirkte wütend. Schnell schüttelte sie den Kopf. 'Ich habe nicht mit dir geredet geredet, sondern mit Silver.'
'Wer ist denn bitte Silver?'
'Na er!', sie zeigte auf den Vogel auf ihrer Schulter.
'Du hast dem Vie-… dem Vogel einen Namen gegeben?', er starrte sie ungläubig an.'Ja! Jeder braucht doch einen Namen!' Raven schüttelte den Kopf. Sie war wirklich ein schwieriger Mensch. 'Und du nimmst… Silver jetzt mit?' Jessica schaute auf ihre Schulter. 'Willst du mit?'
'Wohin?'
'In mein Zimmer.'
'…'
'Wenn nicht, dann musst du jetzt von meiner Schulter runter.' Erschrocken blickte der Vogel sie an. 'Ich will aber bei dir bleiben!' Jessie lächelte. Wie süß der Kleine doch war. Sie drehte ihren Kopf zu Raven. 'Er bleibt bei mir.'
'Das habe ich befürchtet.' Kopfschüttelnd wand er sich ab und brachte sie wieder in ihr Zimmer zurück.
'Deine Sachen sind in dem Schrank da.', er deutete auf den dicken Holklotz, der an der Wand stand. Jessie nickte und bedankte sich.
Als Raven gegangen war, legte sie sich auf ihr Bett. Silver hatte es sich, zu ihren Füßen, auf der Bettdecke gemütlich gemacht.
'Du hast aber ein weiches Nest! Aus was ist es gemacht?'
'Aus Fed-… Blättern nehm´ ich mal an.' Sie konnte dem armen Vogel doch nicht sagen, dass die Federn seiner Artgenossen es so weich machten.
'Blättern? Aber die sind doch gar nicht so weich! Viel härter!'
'Tja, dann sind das eben sehr weiche Blätter! Aber selbst weiß ich es ja auch nicht so genau.' Eine Weile starrte Silver die Decke an. 'Kommt dieser Raven denn eigentlich wieder?''Ich befürchte schon.'
'…'
'Wie alt bist du eigentlich?' Der Vogel blickte sie mit seinen grauen Augen an. Er verstand nicht was sie meinte. 'Wie lange lebst du schon?'
'Noch nicht so lange… Ich habe noch kein Weibchen gefunden.'
'Mit dem du deine erste Familie gründen kannst?'
'Mhm...'
'Wann habt ihr denn das erste Weibchen?'
'… Ich weiß es nicht… Das ist einfach so ein Gefühl.'
'Ach so.', enttäuscht blickte Jessie die Decke an. So konnte sie nicht herausfinden, wie alt er war.
Ich werde einfach Griffin fragen, wenn ich ihn das nächste Mal sehe, oder River. Apropos River! Er hatte mir versprochen mich noch einmal besuchen zu kommen!
'Woher kommst du?', sie schreckte aus ihren Gedanken auf.
'Hm?'
'Na ja… Wo ist dein zu Hause? Ihr Menschen habt doch so was, oder?'
'Ja, aber im Moment habe ich keines.', schmerzhaft erinnerte Jessie sich daran, dass sie nie wieder nach Hause zurückkehren könnte.
'Hast du ein zu Hause?'
'Nein… Wir Vögel haben nur Nester, aber auch nicht für immer! Wir machen sie mit jeder Brut neu.'
'Was ist eigentlich mit deinen Eltern?'
'Keine Ahnung.'
'Wann hast du sie denn zum letzten Mal gesehen?'
'Hmmm… Weiß nicht, ist schon länger her.'
'Was hast du eigentlich in der… Halle gemacht?'
'Ich wollte Ruhe und Schutz…'
'Schutz wovor?'
'Vor dem Unwetter das draußen stürmt.'
'Ein Unwetter?'
'Ja, aber mittlerweile sollte es schon vorbei sein.' Erleichtert atmete Jessica auf. Sie wollte sich unbedingt den Wald anschauen, wenn sie hier heraus durfte.
'Wie ist es so, dort draußen?'
'Genauso wie in der Halle… Die Bäume stehen ein bisschen dichter zu einander und es wimmelt von Tieren und ist ziemlich laut.' Jessica konnte es sich richtig vorstellen. Das Rauschen des Amazonas, die vielen Tierstimmen und überall grün. Sie konnte verstehen, warum ihr Vater so gerne Expeditionen hierher nahm. Wenn sie ihn doch nur wiedersehen könnte…
Es klopfte an der Tür. 'Herein?' Es wurde geöffnet und River trat ein.
'Das ist ja schon wieder dieser Idiot!', Silver wollte schon aufspringen.
'Nein! Das ist sein Bruder.', sagte Jessie schnell, dann wandte sie sich dem Hereingekommenen zu: 'Hallo.'
'Hi, mit wem hast du da geredet?', suchend sah er sich im Zimmer um.
'Mit Silver.'
'Silver?'
'Er hier.', sie zeigte auf Silver. Erstaunen machte sich in Rivers Zügen breit.
'Das ist ein Tangara Chilensis!'
'Ein was?'
'Ein Siebenfarben-Tangar.'
'Oh…'
'Weißt du, wie lange ich darauf warte, so einen zu Gesicht zu bekommen?'
'Nein…' Fasziniert trat er näher an den Vogel heran. Silver wurde etwas unruhig und stapfte von einer Klaue auf die andere. Langsam bewegte River seine Hand auf ihn zu. 'Was macht er da?', fragte ihr gefiederter Freund Jessie und lies ihn dabei keine Sekunde aus den Augen.'Ich glaube, er versucht dich zu fangen.'
'Pssst.' River kam ihm mit einer Hand immer näher, mit der anderen deutete er ihr still zu sein. Jessica begann zu grinsen. Na das konnte ja was werden.
Nur noch ein paar Zentimeter trennten River von Silver. 'Das gefällt mir nicht, was er da macht.' Der Vogel trat ein paar Schritte zurück. Auf einmal packte der Junge zu. Er verfehlte ihn nur knapp, bekam dafür aber einen schmerzhaften, sehr festen Zwicker in die Hand.'Au.' Jessie konnte sich das Lachen jetzt nicht mehr verkneifen und brüllte drauf los. Als Silver sich dann noch empört über Rivers Verhalten zu ihr auf die Schulter setzte, verstand der Junge die Welt nicht mehr. Zumindest lies das sein Blick deuten. Warum zwickte der Vogel ihn, aber flog ganz freiwillig auf Jessies Schulter?
'Wie hast du das gemacht?'
'Was gemacht?', verwirrt schaute sie ihn an.
'Wie ist der Vogel auf deine Schulter gekommen? Doch nicht etwa freiwillig!'
'Doch.'
'Aber wie-…?' Schnell erklärte Jessica ihm alles. Sie hatte nicht noch einmal Lust, auf dieses Frage-Antwort-Spiel. Am Ende, wie erwartet, starrte er sie ungläubig an. 'Kannst du ihm mal sagen, dass er sich auf meine Schulter setzt?'
'Dasselbe hat dein Bruder schon versucht, aber das einzige was er davon hatte, waren blaue Flecken.'
'Schade…'
'Woher wusstest du eigentlich, was für eine Vogelart Silver ist?'
'Silver? Nennst du ihn so?'
'Ja…'
'Ich fasziniere mich eben für Tiere, das ist eigentlich einer der Hauptgründe, warum ich bei dieser Organisation arbeite.'
'Und die anderen Gründe?'
'Da gibt es viele, aber auch, weil sie von aussterben bedrohte Tiere zu retten versuchen.'
'Verrätst du mir auch die anderen?'
'Nein.' Enttäuscht schaute sie ihm in die tiefblauen Augen und wieder fühlte sie sich wohl. 'Hast du dich eigentlich bei deinem Bruder entschuldigt?'
'Wofür?'
'Du hast ihn geschlagen.'
'Ja, weil er es verdient hatte.'
'Wieso? Nur weil er etwas über auch preisgegeben hat? Ich verstehe das nicht!'
'Wir haben uns geschworen, niemanden von dem was, bevor wir in den Geheimbund kamen, passiert ist! Nicht mal das kleinste Detail!'
'Und deswegen musstest du ihn schlagen?'
'…Ja!'
'Mach das nicht wieder! Ich will das nicht!' Es schien so, als wollte River etwas Böses erwidern, aber er verkniff es sich und sagte gehorsam: 'OK.'
Warum lies er sich so von ihr kontrollieren?
'Versprochen?' Sie blickte ihn erwartungsvoll an. Er seufzte. 'Versprochen.'
'Gut! Ach! Was ich fragen wollte! Weißt du, wie alt Silver ist?', er brauchte eine Weile, bis er begriff, dass sie den Vogel meinte. 'Ich denke schon, aber dafür müsste ich ihn mir genauer anschauen können, aber er lässt mich ja nicht an ihn ran.'
'Hmmm… Silver? Könntest du dich mal kurz von River halten lassen?'
'Wieso?'
'Er wird für mich herausfinden, wie alt du bist.'
'Warum muss er mich dafür halten?' Dem Vogel gefiel der Gedanke daran sichtlich nicht.'Weil er dich von Näherem betrachten muss.' Gespannt beobachtete River das Gespräch zwischen Jessie und dem Tier, auch wenn er nur die Hälfte davon verstand, die andere waren undefinierbare Krächzlaute.'Er lässt sich jetzt von dir nehmen, aber sei vorsichtig, wenn du etwas machst, was ihm nicht gefällt wird er dich zwicken.' River nickte und griff mit zitternden Händen nach dem Vogel. Endlich konnte er sich einen Siebenfarben-Tangar aus der Nähe anschauen. Sanft umschloss er Silvers Körper mit seinen Fingern und hob ihn vor sein Gesicht. Die grauen Augen des Kleinen musterten ihn dabei argwöhnisch. Nach einer Weile setzte er ihn zurück.'Und?', erwartungsvoll blickte Jessica River an.'Das ist noch ein sehr junges Tier… Ein Männchen.''Ich weiß.''Woher-…?''Er hat es mir gesagt.''Ach so… Ich schätze ihn mal auf ein halbes Jahr. Er hat seine volle Größe aber schon erreicht.''Er bleibt also so klein?''Was heißt hier `so klein´?' Empört krächzte Silver auf und kniff Jessie leicht ins Ohr. 'Au! Lass das!' River musste grinsen. Jetzt hatte sie der Vogel doch auch gezwickt. Er war wohl sehr temperamentvoll.'Ja er bleibt so klein. Diese Vogelart wird nur bis zu 14 Zentimeter groß.''Oh…', Jessie sah fast enttäuscht aus.'Hättest du gehofft, dass er größer wird und dich vor fiesen Typen beschützen kann und du vielleicht sogar auf ihm fliegen könntest?' Spöttisch sah River sie an.'Geht das denn?' Jessie machte große Augen. Er lachte.'Nein, aber wenn er ein Steinadler wäre, hätte er dich zumindest vor fiesen Typen beschützen können, aber so wie der Kleine hier drauf ist, macht das nicht viel unterschied.' Demonstrativ rieb er sich die Stelle, an der er von Silver gezwickt wurde. Der Vogel plusterte sich auf. Jessica musste lächeln. 'Nein… wahrscheinlich nicht… Ich würde gerne mal raus, mir der Wald anschauen! Geht das?'
'Erm… ja.'
'Jetzt?'
'Das wäre nicht so gut…' Enttäuschung machte sich in Jessies Gesicht breit.
'Außer du willst in den Nacht, wo man nichts sieht, dort draußen herumstreifen…'
'Ach so… nein… Dann aber morgen!'
'Von mir aus.' River zuckte mit den Schultern.
'Warst du schon oft allein im Urwald unterwegs?'
'Ja… Meistens um mir die Tiere anzuschauen.'
'Weißt du etwas über die schwarzen Tiger?' Vielleicht konnte er ihr ein bisschen mehr Information geben.
'Nur die Legende, aber die müsstest du mittlerweile auch schon kennen.'
'Erzähl sie mir bitte trotzdem!'
'OK… Es heißt, dass seit tausenden von Jahren schwarze Tiger den Amazonas bewohnen. Sie sind so etwas wie Götter für die Ureinbewohner. Es heißt, sie helfen einem in der Not, aber immer so, dass man sie nicht sieht. Man nennt sie auch schwarze Schatten, denn viele haben schon berichtet, in ihrer Not schwarze Schatten gesehen zu haben, die einem Tiger ähnelten, und dann Hilfe bekamen. Es heißt auch, wenn die letzten beiden Tiger sich nicht mehr vermehren, wird das schlimme Folgen haben.'







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