Black Tiger Teil 16

Autor: Any
veröffentlicht am: 23.06.2008




Also, ich weiß, dass ich eigentlich gesagt habe, dass ich erst wieder etwas einschicke, wenn ich kurz vor dem Ende bin, aber derzeit komme ich bei Black Tiger leider gar nicht mehr do gut weiter und es wird wahrscheinlich noch viel länger dauern, als ich gedacht habe. Trotzdem schicke ich einen kleinen Teil ein, auch wenn nicht viel in diesem Teil passiert. Ich hoffe ihr habt Verständnis. LG Any

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Wie konnte er ihr das nur antun? Was hatte sie nur verbrochen?
Im einen Moment war sie glücklich und dachte, dass Raven es ernst mit ihr meinte, aber dann sah sie ihn mit einem anderen Mädchen! Ein attraktives anderes Mädchen noch dazu! Sie hatten sich geküsst!
Jessie presste sich die eine Hand auf ihren Mund, damit man das Schluchzen nicht hörte, während sie mit der anderen die Tränen wegwischte.
Unfähig sich auch nur einen Millimeter zu bewegen, beobachtete sie das weitere Geschehen.Raven und das Mädchen schienen sich über irgendwas zu unterhalten und ab und zu sah die Andere in ihre Richtung, aber das konnte sie sich auch nur einbilden. Raven war aufgebracht. Er packte sie bei den Schultern und rüttelte sie durch.
Ein einziger glücklicher Augenblick… Ein Einziger… zerstört!
Am liebsten wäre sie weggerannt!
Ihre Brust schmerzte, es fühlte sich an, als würde etwas in ihr drohen zu zerbrechen. Er hatte die Andere zwar nicht zurückgeküsst und sofort weggestoßen, aber das spielte für Jessie keine Rolle. Sie empfand in diesem Moment nur bittere Enttäuschung, wollte nicht länger darüber nachdenken.
Plötzlich zeigte die Fremde auf sie und sagte wieder etwas zu Raven, der sich daraufhin mit bleichem Gesicht zu ihr umdrehte.
Ihre Blicke begegneten sich kurz und im nächsten Moment war sie auch schon aus ihrer Starre erwacht. Blitzschnell machte sie kert und rannte davon, während die Tränen weiter über ihre Haut rannen.
`Wieso passiert das alles nur? Warum bin ich hier? Ich will das alles nicht…´
Sie hörte schnelle, hastige Schritte hinter sich und immer wieder, wie jemand ihren Namen rief, aber sie reagierte nicht, beschleunigte ihr Tempo sogar noch ein wenig.
Sie wurde zum Stehen bleiben gezwungen, als sie jemand anderes krachte, der sie, bevor sie rückwärts taumeln konnte, festhielt.
Sie sah auf. Dunkelblaue Augen…
Es war ein Trost sich an Rivers starke Brust zu pressen und er hielt sie weiterhin fest in den Armen und strich ihr sanft über den Kopf.
Sie hörte ein hastige Schritte und ein Keuchen, dass immer näher kam und schließlich vor ihnen Halt machte.
'Lass sie los!', Ravens Stimme klang kalt und schwer beherrscht. Jessie drängte sich nur noch näher an River.
'Sieht aber nicht so aus, als ob sie auf deine Gesellschaft scharf wäre.', sagte River hart.Jessie konnte nur noch schluchzen. Sie spürte, wie Raven näher kam.
'Keinen Schritt weiter! Egal, was du ihr angetan hast, und ich kann mir schon denken, was passiert ist, in Zukunft wirst du nur noch als ihr Ausbilder agieren.', warnte sein Zwillingsbruder ihn.
'Verdammt noch mal, lass sie los!'
Jessie zuckte bei Ravens Geschrei zusammen und richtete ihren Blick direkt auf ihn. Er sah aufgebracht, aber auch noch genauso bleich wie vorher, aus.
Seine Augen suchten die ihren und sahen sie verheißungsvoll an. 'Jessie-…', keuchte er. 'Ich-… Es tut mir leid! Sie-…'
'Sei still!', ihre Stimme zitterte und drohte, jeden Moment zu brechen, aber sie zwang sich, kräftig zu klingen. 'Ich möchte jetzt nicht darüber reden, also lass mich gefälligst in Ruhe!'Hilflos fuhr er sich durch die schwarzen verwuschelten Haare. 'Aber ich muss mit dir reden! Ich will es dir erklären!'
'Ich will es nicht hören. Jetzt noch nicht… Wir sehen und morgen zum Training. River?
Kannst du mich bitte zu Silver bringen? Ich war gerade auf der Suche nach der Krankenstation.'
Raven starrte sie sekundenlang mit offenem Mund an.
River zog sie noch ein wenig fester an sie, wie Jessie wusste, nur um Raven zu ärgern, und schritt schnellen Schrittes an diesem vorbei.
Wortlos blickte er den Beiden hinterher.
Er war endlich befreit gewesen… Von seiner Last. Für ein paar glückliche Augenblicke hatte er sich um nichts gesorgt, war einfach nur zufrieden und hatte sich wohl gefühlt.
Und dann musste Spider auftauchen!
Als hätte er nicht schon genug Probleme.
Raven spürte einen Lufthauch hinter sich und drehte sich mit einer hastigen Bewegung um.Vor ihm stand wieder Spider die ihn, mit einem spöttischen Glitzern in den Augen, ansah. Wut stieg in ihm auf. Es war alles nur ihre Schuld!
Er packte Spider mit einer Hand beim Hals und hob sie hoch. Seine Augen begannen silbern zu leuchten und starrten sie hasserfüllt an.
Ihr vorher spöttisches Grinsen wich nun einem panischen Entsetzen.
'Lass mich los.', hechelte sie, aber er dachte nicht daran, er drückte eher noch fester zu.'Das ist alles deine Schuld!', knurrte er. Seine Stimme klang nicht mehr so, wie sie klang abgrundtief böse, als wäre sie kein Teil mehr von ihm, sondern von etwas anderem, dunklem, bösem. Er hatte keine Kontrolle mehr über sich selbst.
'Meine Schuld?', keuchte sie. 'Raven…', sie rang nach Luft. 'Lass mich runter.'
Schwer atmend versuchte Spider mit ihren Händen seinen eisernen Todesgriff zu lösen, aber es hatte keinen Zweck. Ihre Bewegungen wurden immer unkontrollierter und langsamer, dafür aber die Atemnot größer.
Ihre Lider begannen zu flackern und ihre Arme erschlafften.
Erst jetzt ließ er sie los.
Ihr Körper fiel unsanft zu Boden und Raven beugte sich zu ihr hinab. Ihr Mund war leicht geöffnet und Speichel troff aus ihrer einen Mundecke. Sie atmete noch, wenn auch nur flach, und ihr Hals begann anzuschwellen.
Verstört griff er sich mit der einen Hand gegen die Stirn und starrte auf die Andere, mit der er gerade Spider fast zu Tode gewürgt hatte.
Er hatte sich nicht mehr unter Kontrolle gehabt!
Beinahe hätte er einen unschuldigen, na gut, nicht ganz so unschuldigen, Menschen in den Tod befördert.
Mit schreckensweiten Augen sah er auf, die vor seinen Füßen liegende, Spider.
`Was habe ich nur getan…?´

Sie standen vor einer massiven Metalltür, die man mit einem Zahlencode öffnen musste. River tippte, zu schnell um folgen zu können, den gewünschten Code ein und die Tür schob sich, ohne ein Geräusch zu verursachen, in die Wand hinein.
Hinter ihr kam ein großer weißer Raum, der eher einer Halle glich, zum Vorschein der über und über mit Betten zugestellt war.
Einige Männer und Frauen, mit weißen Kitteln, liefen aufgeregt umher und ein reges Treiben herrschte. Jeder schien etwas zu tun zu haben und keiner beachtete die Eindringlinge.Manche der weißen Betten schienen belegt zu sein, andere standen einfach nur leer da.'Das ist die Krankenstation?', fragend sah sie zu River, der nur stumm als Bestätigung nickte.Er hielt einen vorbeilaufenden Mann auf und fragte ihn etwas, aber so leise, dass Jessie es nicht verstehen konnte. Immer wieder zeigte er auf sie und ihn selbst und machte verschiedene Gesten.
Am Ende nickte der Mann und sagte laut, so das sie ihn auch verstehen konnte: 'Ich schicke euch jemanden… Er wird euch zu dem Vogel bringen.'
Erleichtert atmete das Mädchen auf. Sie warteten einige Minuten, als endlich eine Frau in einem weißen Kitteln und ebenfalls weißer Maske vor ihnen auftauchte und auf eine Tür an einer der Wände deutete.
'Macht euch erst mal steril, sonst kann ich euch nicht hier durchlassen.' Die Stimme der Frau kam Jessie seltsam bekannt vor, sie dachte sich aber nichts weiter dabei und folgte River.Als sie wieder aus dem Raum herauskamen trugen auch sie weiße Kittel.
'Also gut.', erwartete die Frau sie schon. 'Ich bringe euch jetzt zu der Tierstation, aber ihr müsst leise sein, damit ihr die Tiere nicht stört. Sie brauchen Ruhe.
River nickte, Jessie beließ es einfach bei einer schweigenden Zustimmung, viel zu aufgeregt war sie schon, um noch irgendwas sagen zu können. Sie würde endlich wissen, wie es Silver ging!
Sie schritten auf das Ende der Halle zu und Jessica sah sich gespannt um. Es lagen viele Schwerverletzte in den Betten und man hörte teilweise schmerzhaftes Aufstöhnen, aus den vielen Betten.
Überall war Leid…
Sie hätte sich gerne die Ohren zu gehalten, aber sie verbat es sich und hastigen Schrittes weiter und zwang sich, nicht mehr in die Richtung der Betten zu sehen, was ziemlich schwer war, da sie überall standen.
Am Ende angekommen gingen sie durch eine weitere Tür, für die man einen Zahlencode benötigte. Diesmal schien nur die Frau den Code zu wissen, den River machte ebenfalls ein ratloses Gesicht.
Sie gingen noch durch zwei weitere solche Hallen.
`Hier muss es wohl mehr Mitarbeiter geben, als ich gedacht habe…´, dachte Jessie erstaunt.'So, hier sind wir. Das ist die Tierstation.', die Frau machte vor einer Tür am Ende des Raumes Halt und gab wieder einen Code ein.
Sie schob sich beiseite und wieder kam ein gewaltiger hallenähnlicher Raum zum Vorschein. Gespannt machte Jessie einen Schritt vorwärts und trat durch die entstandene Öffnung, direkt in ein Pflanzenparadies.
Sie staunte. Es sah alles fast genauso aus, wie in der großen Halle, nur diese gewaltigen Bäume fehlten.
Aber hier war nichts! Nicht ein einziges Tier war hier zu sehen. Ruckartig wandte sie sich der Frau, die sie geführt hatte, zu.
'Hier ist aber nichts!', fast schon empört sah sie sie an.
Sanft lächelte die Frau und dann erkannte Jessie sie plötzlich! Das war Jenny! Aber was machte sie hier? War sie wirklich eine Heilerin? Sie hatte gar nicht so auf sie gewirkt, damals, als sie sie von zu Hause abgeholt hatte.
'Doch, du musst nur genauer hinsehen.'
Etwas verwirrt sah sie sich nun weiter um, aber konnte lange Zeit nichts entdecken. Sie war fast schon enttäuscht. Doch dann plötzlich sah sie endlich etwas. Unter einem kleinen Busch war so etwas wie ein Nest, nur nicht aus Ästen, sondern hauptsächlich aus Blättern und einem Stoff, den Jessie nicht kannte, der aber aussah wie Wolle, schön weich, in der Farbe des Urwaldbodens.
Als sie noch genauer hinsah, erkannte sie überall solche `Nester´, manche größer, manche kleiner, aber alle waren sie so gut getarnt, dass man sie, wenn man nur flüchtig hinsah, nichts bemerken würde.
Ein paar Blätter, über einem der Nester bewegten sich und Jessie sah, wie eine kleine Pfote kurz hervorlugte, aber schnell wieder unter das schützende Blätterdach der Pflanze zurückgezogen wurde.
Hier waren also wirklich Tiere!
Das hieß, dass Silver hier auch irgendwo sein musste.
'Na, entdeckt?', mischte sich nun River ein.
Erstaunt sah sie ihn an. 'Wie viele Tiere liegen hier?'
'Nun ja… Schätzungsweise um die 50, aber so genau weiß ich das nicht.', gab Jenny zu und wurde dabei leicht rot.
'Und was für Tiere sind das? Etwa welche aus dem Amazonas? Also von oben?', ihre Neugier ließ sich kaum zügeln.
Jennifer nickte leicht und Jessie bemerkte gar nicht, wie River sich eine wenig entfernte und etwas zu suchen schien.
'Wieso sind sie hier? Wer hat sie verletzt?'
Die Frau überlegte kurz. 'Also wir haben hier sehr viele Vogelkinder, die aus ihren Nestern gefallen sind, aber auch andere verstoßene Tierkinder, die einfach nur Schutz brauchen, ein paar sind auch verletzt, aber nicht weiter tragisch. Es beunruhigt uns eher, dass wir nicht wissen, warum sie verstoßen wurden… Wir haben auch ein paar erwachsene Tiere, wo ein paar eine Krankheit haben, oder von Kämpfen verletzt worden sind, dass ist ziemlich unterschiedlich. Leider aber auch einige, die von Wilderen angeschossen wurden.', fügte sie grimmig hinzu und Jessie schaute nur noch gespannter zu den einzelnen `Krankenbetten´ und erkannte immer mehr von ihnen. Ab und zu sah sie auch, wie vorhin gerade eben, kleine Pfötchen oder ein Stück Fell, konnte aber nie erkennen, um was für eine Art Tier es sich handelte.
'Wo ist Silver?', wollte sie wissen, als ihr plötzlich wieder einfiel, weswegen sie hier war.'Wer?', Jenny sah sie verständnislos an.
'Ein Tangar! Er wurde heute hier eingeliefert mit schweren Verletzungen!'
Eine Weile dachte die Frau angestrengt nach und Jessicas Herz sank in die Hose. Was, wenn der Vogel gestorben war? Wenn man ihm nicht mehr helfen konnte?
Tränen stiegen in ihre Augen.
'Ach, der arme Kleine, ich weiß schon! Ja…', sie machte eine lange Pause und Jessie glaubte, dass ihr Herz noch tiefer rutschte, wenn das überhaupt noch möglich war. 'Das war knapp bei ihm… Man könnte sagen, dass er schon aus das `weiße Licht´, wie man das halt nennt, zugegangen ist, aber er wird überleben! Ein paar Sekunden später und sein Herz hätte viel zu jung aufgehört zu schlagen. Hast du gut gemacht. Hab gehört, dass du ihn gerettet hast.', anerkennend tätschelte Jenny dem Mädchen die Schulter, dessen Wangen einen Hauch röter wurden. 'Wenn du ihn sehen willst, dann geh zu River, der scheint ihn mittlerweile gefunden zu haben, so aufgeregt, wie er dir zuwinkt.', zwinkerte die Frau.
Jessie bedankte sich noch einmal, drehte sich um und rannte zu dem Jungen, der bei einem kleinen Busch stand und sie einen Arm um ihre Schulter legte, als sie angekommen war.Schmunzelnd verschwand Jennifer und wandte sich wieder ihrer Arbeit zu.
'Da drunter ist er.', meinte River und deutete auf den kleinen Busch.
Mit klopfendem Herzen näherte Jessie sich mit ihrer zitternden Hand den Blättern, die das `Nest´ bedeckten.
Noch einmal schloss sie kurz die Augen, dann wischte sie das Blätterdach mit einem Ruck zur Seite.
Zum Vorschein kam ein völlig erschöpfter, mit einem Verband, der sich leicht rot färbte, umwickelter Silver.
Er atmete schwer, aber war am Leben.
Jessie konnte sich ein erleichtertes Aufatmen nicht unterdrücken. Er war am Leben! Sie konnte ihn sehen, hier vor sich!
Obwohl sie ihn vor sich sah, musste sie doch ihre Tränen unterdrücken, einerseits wegen der Freude, die sie empfand, andererseits machte sie sich schlimme Vorwürfe, da es in gewisser Weise ja ihre Schuld war, dass Silver angegriffen wurde und nun in dieser schrecklichen Verfassung war.
Lange starrte sie den fast regungslosen kleinen Vogel an, während River ihr tröstend eine Hand auf ihre Schulter legte.
'Jessie?!', der Kleine zwinkerte kurz. Überrascht sah sie ihn an. Unsagbare Erleichterung und Freude breitete sich in ihr aus.
'Oh mein Gott! Silver! Ich habe schon gedacht, dass ich dich nie wieder sehe, ich dachte du verlässt mich!'
Schwach glänzten die Augen des Vogels. 'Zieh keine voreiligen Schlüsse.', er hustete einmal röchelnd bevor er weitersprach und Jessica musterte ihn mit einem sorgenvollen Blick. 'So schnell wirst du mich schon nicht los.'
Sie musste lächeln und hätte ihn am liebsten in ihre Arme genommen und ganz fest gedrückt.Sie spürte wie River sich umdrehte und sich ein paar Schritte entfernte Er wollte Jessie und Silver alleine lassen und sie war ihm dankbar dafür. Sie beugte sich langsam zu dem Vogel hinab und sank neben dem `Nest´ auf die Knie.
Sie brachte ihr Gesicht so nah wie möglich an das Silvers, da seine Stimme schwach war und sie ihn sonst nicht verstehen konnte.
'Du hast mir echt einen Riesenschreck eingejagt, weißt du das, mein Kleiner?', hauchte sie ihm ins Ohr und streichelte sanft über sein kleines Köpfchen.
'Sieh das Ganze doch mal positiv.', er hüstelte leicht, behielt aber ein schelmisches Glitzern in seinen Augen.
'Inwiefern?', das Mädchen machte einen verwirrten Ausdruck. 'Das ich beinahe meinen besten Freund verloren hätte?'
'Doch nicht das, du Dummerchen! Ich rede davon, dass du wegen mir das telejumpen gelernt hast.', triumphierend sah der Kleine sie an und sie musste grinsen. So kannte sie ihren Tangar! Plötzlich fiel ihr etwas anderes ein.
'Sag mal, Silver?'
'Hm?'
'Weißt du', sie schluckte einmal kräftig. 'wer oder was dich angegriffen hat?'
Er schien zu überlegen, dann schüttelte er, soweit seine Kräfte das zuließen, seinen kleinen Kopf. 'Nein… Ich habe keine Ahnung.'
Jessie war enttäuscht. Sie wollte zumindest wissen, wer einem armen unschuldigen Tier so etwas antun konnte und dann wollte sie Rache. Ja, Rache! Zum ersten Mal in ihrem ganzen Leben hatte sie das Gefühl, dem wehzutun, der ihren Lieben wehgetan hatte. Bis jetzt hatte sie es immer hingenommen und hatte über das grausame Verhalten anderer hinweggesehen, weil es meistens gegen sie gerichtet war und nicht gegen einer ihrer Freunde, die sie sowieso nie wirklich hatte…
Aber wenn man sich an einem harmlosen unschuldigen Tier, das ihr noch dazu so viel bedeutete, vergriff, dann bedeutete das Rache.
Erschrocken bemerkte Silver das hasserfüllte Glitzern in Jessies Augen und schluckte. Er hoffte, dass sie keine Dummheiten anstellen würde. Sie würde es nachher bereuen.'Jessie.'
Ihr Blick normalisierte sich wieder und sie sah zu ihrem kleinen Freund.
'Ich möchte, dass du mir eines versprichst.'
Erwartungsvoll sah sie ihn an. 'Alles, Silver! Alles, was du willst! Wenn du Rache-…'
'Nein!', unterbrach er sie rasch. 'Ich möchte keine Rache. Ich möchte, dass du dich voll und ganz auf dein Training konzentrierst und dann so schnell wie möglich nach den schwarzen Tigern suchst, verstanden? Es hängt sehr viel von dir ab.'
Kurz rang Jessie noch mit sich, aber gab dann nach. Wenn es sein Wunsch war…
Sie atmete resignierend auf. 'OK, aber du musst mir auch etwas versprechen.'
'So? Was denn?'
'Ich möchte, dass du ganz schnell wieder gesund wirst… Ich brauche nämlich deine Hilfe bei der Suche nach diesen Tieren.', erklärte sie ihm.
'Ich werde mich bemühen.', versprach er, dann fielen ihm wieder die Augen zu. Das Gespräch war doch ziemlich anstrengend für ihn gewesen.
Sanft strich sie ihm noch einmal über den Schnabel und sah ihn liebevoll an, dann wandte sie sich zu River um, der ein paar Meter entfernt dastand und alles mit einem Lächeln auf den Lippen beobachtet hatte. Als sie näher zu ihm kam, schloss er sie in die Arme und drückte sie schweigend an sich. Es tat ihr gut, von schützenden Armen umgeben zu sein, aber gleichzeitig versetzte es ihr einen gewaltigen Stich im Herzen: Raven! Jessie hatte gesehen, dass er die Fremde von sich gestoßen hatte, aber trotzdem war sie wütend auf ihn… Nein! Nicht wirklich wütend, sondern einfach nur eifersüchtig! Extrem eifersüchtig, wenn sie daran dachte, dass Raven vielleicht schon einmal mehr für eine Andere empfunden haben könnte. Auch wenn er es ihr beteuern würde, dass er sie viel lieber hatte, als irgendein Mädchen aus seiner Vergangenheit, das Gefühl würde immer da sein und das wusste sie.
Noch nie hatte sie ein Mann so aufgewühlt. Sie war in einer gewissen Weise süchtig nach ihm! Wollte alles über ihn wissen und auch die Einzige sein, die es wissen durfte!
River hatte sie wieder auf ihr Zimmer zurück gebracht und nun stand sie im Türrahmen und sah ihm unschlüssig in die Augen. Sie wollte sich doch bei ihm entschuldigen, aber sie bekam es einfach nicht über die Lippen. Es war viel schwerer, als sie gedacht hatte. Sie räusperte sich verlegen und entlockte River ein Lächeln. Sie war einfach nur süß, fand er. So unschuldig und doch schlummerten gewaltige Kräfte in ihr, die ihr alles Schicksal beeinflussen würden.Wieder schloss er sie in die Arme und Jessica schnappte überrascht nach Luft.
'River, ich-…', doch er legte ihr einen Finger auf die Lippen und sah ihr tief in die Augen und was sie sah, ließ ihr Herz erwärmen. Liebe! Wie er gesagt hatte, er liebte sie. Aber wie sollte sie darauf reagieren? Sie wusste, dass sie in einer gewissen Weise glücklich war, geliebt zu werden, aber sie konnte diese Liebe nicht erwidern… Schlug ihr Herz doch so viel schneller bei einem anderen.
Traurig sah sie ihm in die Augen und er ließ sie wieder los, da er verstand, dass sie einfach nicht in der Lage war, ihm das zu geben, was er sich wünschte. Vielleicht mit der Zeit…'Ich wollte mich entschuldigen.', sagte sie nun mit fester Stimme und sah ihm gebannt in die Augen. Verwirrt traf sein Blick den ihren.
'Wofür?'
'Ich hätte dich nicht so anschreien dürfen, dass war nicht fair von mir.' `Vor allem nicht nachdem, was du mir gesagt hast…´, dachte sie bekümmert.
Doch River lächelte nur sanft. 'Schon OK… Ich habe es dir nicht übel genommen. Ich habe dich mit meinem Geständnis einfach überfordert! Es tut mir ehrlich leid.'
Jessie lächelte wehmütig und schüttelte den Kopf. 'Nein, ich habe einen Fehler gemacht, aber ich will ehrlich zu dir sein, auch wenn es dich vielleicht verletzt: Ich empfinde nicht so stark für dich, zumindest nicht in dieser Richtung… Als Freund, aber nicht mehr. Ich hoffe, dass du mich verstehst und das einsiehst.', sagte sie offen.
Sein vorerst frohes Lächeln verwandelte sich in eine Trauerdurchzogenes. 'Keine Sorge, Jessie! Ich nehme dir das auf keinen Fall übel, aber ich muss zugeben, dass ich leicht eifersüchtig bin.', er zwinkerte.
'Weswegen?'
'Nun ja, dass Raven dir so nah sein kann und ich nicht.'
'Woher-…'
'Das hat ein Blinder gesehen, Jessie. Du kannst mir deine Gefühle für meinen Bruder nicht vorspielen… Ich kenne dich besser, als du denkst.'
Jessie brauchte eine kleine Weile um das Gesagte zu verdauen. 'Bist du mir jetzt böse?''Nein! Ich kann dich doch nicht zwingen mich so zu mögen, wenn nicht sogar lieben, wie ich es gerne hätte.'
'Danke!', hauchte sie und lächelte zaghaft. Sie drückte ihn noch einmal sanft und drehte sich um, um in ihr Zimmer zu gehen, als River sie noch einmal aufhielt. Fragend sah sie ihn an.'Noch was! Nimm es Raven nicht übel, egal, was er gemacht hat, und ich kann mir schon denken, dass es irgendwas mit Spider zu tun hat, aber ich muss dir sagen, dass er dir gegenüber wahnsinnig stark empfindet, mehr, als ich es jemals bei einem anderen gesehen habe und ich glaube nicht, dass er dir niemals absichtlich wehtun würde, wahrscheinlich war das Ganze nur ein dummes Missverständnis.', dann verschwand er vor ihren Augen plötzlich. Er war gejumped.
`Spider, also…´, dachte Jessie grimmig. Nun war sie ihr also doch schneller begegnet, als es ihr lieb war, aber sie konnte schon jetzt mit Sicherheit sagen, dass sie sie absolut hasste. Das triumphierende Grinsen, das sie aufgesetzt hatte, als sie sie mit ihren schreckensweiten Augen erblickt hatte… Es ging Jessica einfach nicht aus dem Kopf! Es erinnerte sie so sehr, an ihre einstmaligen so genannten `Freundinnen´! Schadenfroh… Einfach nur ekelhaft schadenfroh!Jessie fiel plötzlich ein, dass sie seit Silvers Rettung nicht mehr daran gedacht hatte, dass sie nun auch Telejumpen konnte. Ihr kam der Einfall, dass sie es noch einmal probieren sollte.`Aber wohin soll ich Jumpen?´, dachte sie bei sich. Ihr fiel als erstes die große Halle ein, in der sie immer mit Raven trainierte.
Sie versuchte all ihre Gedanken auf den riesengroßen Raum zu richten und brachte sich innerlich langsam zur Ruhe.
Sie spürte als ein Kribbeln durch ihren Körper ging und als sie wieder die Augen öffnete befand sie sich in der großen Halle. Vor Freude hätte sie Luftsprünge machen können. Sie hatte es geschafft! Ohne Hilfe! Sie konnte Telejumpen!
Immer wieder sprang Jessie nun an die verschiedenste Orte und es machte ihr von Mal zu Mal mehr Spaß, aber sie merkte auch, dass sie immer erschöpfter wurde. Schließlich legte sie eine Pause ein, als sie mal wieder in die Halle gejumpt war. Erschöpfte wischte sie sich den Schweiß von der Stirn und ließ sich auf einem Baumstumpf nieder. Sie war zufrieden mit sich und lächelte still in sich hinein, aber dann viel ihr wieder ein, wie viel ihr noch fehlte, bis sie endlich soweit war nach den schwarzen Tigern zu suchen und was für Gefahren noch auf sie lauerten. Unwillkürlich zuckte sie zusammen als sie an das grausame Bild des DarkSouls dachte.
`Wenigstens habe ich jetzt eine Chance vor ihm zu flüchten…´, dachte sie grimmig. Sie war so tief in Gedanken versunken, dass sie gar nicht merkte, das Raven plötzlich hinter ihr stand. Er hatte sie gesucht, war schon überall gewesen, aber er hatte sie nicht finden können. Sie war wirklich talentiert in Sachen telejumpen und Raven hatte wirklich Mühe sie zu finden.Er hatte sie unbedingt sehen wollen. Er musste das Vorgefallene mit klären, aber als er sie nun, so tief in Gedanken, vor sich sitzen sah, wollte er sie nur noch in den Arm nehmen und festhalten, sie nie mehr los lassen. Er schlich sich an sie heran und streckte die Arme nach ihr aus.
Er runzelte die Stirn, als sie noch immer nicht auf ihn aufmerksam wurde, als er direkt hinter ihr stand, schließlich hatten sie das die letzten drei Wochen lang geübt, aber er verschwendete keinen weiteren Gedanken daran, schließlich konnte er sein Vorhaben ohne Probleme ausführen.
Er schnellte mit seinen Armen nach vorne und… griff ins Leere. Jessie war verschwunden.'Verdammt!', fluchte Raven laut.
'Was suchst du hier?', hörte er ihr Stimme von oben herab tönen und wandte seinen Blick in die Richtung des Lautes. Sie stand auf einem Ast der großen Bäume und sah auf ihn herab. Ihre Augen spiegelten Kälte, aber auch Verletztheit wieder und Raven musste nicht lange überlegen um zu wissen, woran das lag.
'Du lernst schnell.', sagte er anerkennend. 'Aber ich hätte nicht gedacht, dass du so schnell reagieren kannst. Ist wohl eine deiner Fähigkeiten als `Tochterschlange´ das du alles so schnell beherrscht, ein echter Vorteil.'
'Was suchst du hier?', wiederholte sie ihre Frage ohne auf das Gesagte des 17jährigen einzugehen.
'Dich.', sagte er leichthin und hoffte, dass sie sich erbarmen würde und ihn alles erklären ließe.
'Und warum solltest du das tun?', ihre Stimme wurde eisig und Raven hätte schwören können, das sie ihm mordlustige Blicke zuwarf.
Er schluckte. Das würde schwieriger werden, als er gedacht hatte. 'Hör mal, Jess. Ich hatte keine Ahnung, dass sie mich küssen würde! Aber ich habe sie gleich von mir gestoßen! Das musst du doch gesehen haben.'
Jessie seufzte und er merkte, dass ihre Gesichtszüge etwas weicher wurden. 'Ja, das habe ich gesehen…'
Verlegen räusperte Raven sich und trat von einem Fuß auf den Anderen. 'Könntest wieder runter kommen? Ich fühle mich wohler, wenn ich mit dir auf einer Augenhöhe bin.'
Sie schüttelte den Kopf. 'Raven… Hör zu: Erstens möchte ich, dass du mich nicht mehr Jess nennst. Einfach nur Jessie.'
'Wenn´s weiter nichts ist.', grummelte er. Was wollte sie damit bezwecken? Sie hatte den Spitznamen, den er ihr gegeben hatte doch gemocht, oder nicht?
'Zweitens', fuhr sie fort. 'wollte ich dir nur sagen, dass wie, wenn du nichts anderes vorhast fragen, ob wir heute noch ein wenig trainieren könnten. In dem ganzen Trubel ist das Training untergegangen.'
Langsam begann Ravens Herz schneller zu klopfen. War sie ihm etwa nicht böse? Er sah starr zu ihr hinauf und begann zu lächeln. Sie verschwand urplötzlich aus seinem Blickfeld und tauchte direkt vor ihm wieder auf. Er war versucht sie zu sich in die Arme zu ziehen und zu küssen, aber ihr warnender Blick hielt ihn davon ab und er horchte gespannt weiter.
Jessie sah ihn lange an. Traurigkeit spiegelte sich in ihrem Blick wieder, aber auch eine gewisse Art Härte, die er nicht einordnen konnte. Er zählte die Sekunden und wurde, je länger sie sich mit Schweigen umhüllte, unruhiger. Irgendetwas stimmte nicht.
Als sie endlich wieder den Mund öffnete, konnte sich Raven ein erleichtertes Ausatmen nicht verkneifen.
'Drittens: Unsere Beziehung wird das Training nicht beeinflussen. Wir werden so tun, als wäre das alles nie geschehen und verhalten uns ganz normal, also wie Lehrer und Schülerin.'Verwirrt sah er sie an. 'Du meinst während den Trainingseinheiten.'
Sie schüttelte traurig den Kopf. Verstand er denn nicht? 'Nein… zu jeder Stunde des Tages, Lehrer und Schülerin, reine Geschäftsbeziehung quasi.'
Verständnislos sah er mit seinen schwarzen Augen in die ihre und sie glaubte zu merken, dass sie noch schwärzer wurden, als sie ohnehin schon waren.
'Aber-…'
'Kein aber, Raven. Es ist besser so, das funktioniert einfach nicht anders.'
'Nein! Jess! Das kannst du doch nicht ernst meinen! Du hast doch gesehen, dass ich Spider zurückgewiesen habe!'
'Ja… Und es hat mir auch gezeigt, dass eine Beziehung wie die unsere nie funktionieren würde. Bitte entschuldige.'
'Entschuldigen?!', fassungslos starrte er in ihre gelbgrünen Augen. 'Wie soll ich das entschuldigen? Du redest Unsinn!'
'Du weißt, dass ich es bitter ernst meine.'
'Das kann einfach nicht wahr sein! Ich kann nicht in deiner Nähe sein, wenn ich weiß, dass ich dich nie… dass ich nie…', er brach ab und sah zur Seite.
Mitleidig sah sie ihn an. Es war keine leichte Entscheidung für sie, aber sie konnte nicht anders. Was, wenn er sie wirklich so verletzen würde? Schon bei Martin hatte es ihr fast das Leben zerstört, aber wenn Raven sie nun auch so verletzen würde, dann würde sie das möglicherweise umbringen. Sie empfand viel mehr für ihn, als sie es jemals zuvor bei jemanden anderen getan hatte und sie konnte einfach nicht anders, als sich einzugestehen, dass sie ihn liebte, aber das durfte sie ihm nie sagen! Die Gefahr verletzt zu werden war zu groß und sie konnte ihn nicht einfach wieder verlieren, wenn sie sich jetzt erlaubte mit ihm zusammen zu sein… Und irgendwann würde er sie verlassen, das wusste sie.
Jessie sah wieder zu ihm und sah das Flehen in seinen Augen, aber sie schüttelte nur stumm den Kopf.
Raven indessen lieferte sich einen erbitterten Kampf in seinem Innern. Er war so knapp davor der Stimme nachzugeben und seinen Körper an `ihn´ zu verlieren, jetzt wo sein ganzes Glück, die Kraft, die ihn davor bewahrt hatte aufzugeben, ihn verließ. Aber er war stark. Er würde es schaffen das Monster in ihm zu zügeln, damit der, die er unbedingt beschützen wollte nichts geschah. Er hatte seine größte Angst kennen gelernt: Jessica hatte ihn gerade verlassen noch ehe es richtig angefangen hatte, aber er konnte nicht anders, als sie einfach in Sicherheit zu wissen und wenn das alles hier vorbei war, dann… ja, dann könnten sie es vielleicht noch einmal versuchen, aber jetzt musste er sich mit dem zufrieden geben, was er bekam, nämlich die wenige Zeit in der er ungestört ihre Nähe genießen konnte. Und das waren im Moment die Trainingsstunden. Auch, wenn er ihr nicht nahe sein durfte, würde er die Zeit nutzen und sie so gut wie möglich auf ihre Aufgabe vorbereiten, damit sie weiterlebte. Mittlerweile kümmerte er sich nicht mehr darum, was mit der Welt geschehen würde, er wollte nur, dass sie glücklich wurde und dass er diese Zeit vielleicht mit ihr erleben durfte. Darauf setzte Raven alles: Auf Jessies Zukunft!
'Dann trainieren wir jetzt eben…', sagte er gezwungen gleichgültig und ging in Kampfposition. 'Da du ja das Telejumpen nun wunderbar beherrscht können wir gleich weitermachen.', murmelte er leise.
Jessie sah ihn lange an, dann nickte sie und sagte ebenso leise: 'Glaube mir, es ist am besten so, für uns beide!'







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