Black Tiger Teil 10

Autor: Any
veröffentlicht am: 08.02.2008




Über ihr schwebte ein… Mensch? Nein! Es war der blanke Horror. So als wäre alles Glück aus ihrem Leben verschwunden, nur noch Verderben und Unglück. Die dunkle Aura hatte sie umgeben. Sie fühlte all ihre Ängste. Langsam erkannte sie die Schemen des Ungeheuers über ihr. Die Schwingen waren ungefähr doppelt so lang wie. Der Körper war überall mit Schuppen und Stacheln besetzt. Statt Händen hatte das Wesen Klauen die blutüberströmt waren. Es hatte keine Beine, aber stattdessen einen mit Dornen besetzten langen Schwanz der in der Luft umherpendelte. Die Augen leuchteten rot und aus dem Schädel wuschen zwei Hörner, die an einen Teufel erinnerten. Es hatte keine Nase, nur zwei Löcher und aus dem, mit spitzen Zähnen besetzten, Mund troff Speichel, vermischt mit Blut.
Es sah sie ungerührt an und auch, wenn es bis jetzt keine Anstalten machte, sich ihr irgendwie weiter zu nähern, wusste sie, dass es bösartig war. So abgrundtief bösartig, dass es Satan selbst hätte sein können.
Der Gedanke war gar nicht so falsch.
'Jessie? Was hast du?', fragte Silver leise und folgte ihrem Blick.
'Oh mein Gott! Jessie wir müssen hier weg!' Sie hörte seine Worte, aber sie konnte sich nicht rühren. Sie starrte einfach nur weiter dieses Monstrum an.
War das ihr dunkler Bruder?
'Bitte! Wir müssen hier verschwinden! Er wird dich umbringen!', Silver zwickte sie verzweifelt in Ohr. Endlich erwachte sie aus ihrer Starre.
Sie schrie! So laut wie noch nie in ihrem Leben. Nicht, weil sie Angst hatte, oder vor Entsetzen. Und auch nicht, weil Raven ihr gesagt hatte, sie solle es tun!
Sondern weil sie einfach nicht Sterben wollte. Noch nicht… Sie hatte plötzlich das Gefühl, dass sie am Leben bleiben musste. Sie hatte noch etwas zu erledigen.
In dem Moment fuhr das Wesen hinunter. Es streckte die Klauen nach vorne und es hätte sie fast berührt, wenn nicht ein blauer grell leuchtender Blitz es von der Seite getroffen hätte.Wütend schrie das Ungetüm auf.
'Jess! Lauf!', sie hörte Ravens Stimme. Sie kam aus der Richtung, aus der der Blitz geschossen hatte.
Sie blinzelte, als das Licht plötzlich wieder anging. Um sie herum standen überall Menschen mit Waffen, die auf das wütende Ungeheuer zielten. Alles passierte für sie in Zeitlupe. Raven kam zu ihr gelaufen und rüttelte sie. Irgendetwas schien er zu sagen, aber sie verstand ihn nicht.
Der Schock hatte sie taub gemacht. Wie in einem Traum. Das war alles nicht real. Ihr würde nichts passieren, weil das gar nicht passierte!
Jessie begann zu lachen. Alles war einfach absurd.
'Jess!'vDie Stimmen und Laute kamen zurück. Sie hielt sich den Kopf.v'Jess! Du musst hier weg!', sie blickte verwirrt zu Raven, der sie aufraffte. Das Ungeheuer hatte seine Aufmerksamkeit den vielen Menschen um es herum gewidmet.
'Schnell! Solange es abgelenkt ist!' Jessica schüttelte nun vollends ihre Benommenheit ab und machte einen Schritt in die Richtung des Ungeheuers. Unsanft wurde sie an der Schulter zurückgerissen.
'Was machst du denn da?' Sie blickte in Ravens verärgertes Gesicht. 'Ich habe gesagt, dass du hier weg sollst und nicht in die Fänge des DarkSoul´s!'
Erst jetzt wurde ihr alles wieder bewusst. Sie war in Lebensgefahr! Alle hier waren in Lebensgefahr!
Sie sah zu dem Monstrum auf. Neugierig, was diese Menschen als nächstes machen würden, sah es sich um. Dann schien es sich plötzlich zu erinnern, was es eigentlich wollte und blickte mit seinen roten Augen Jessie an.
Ihr gefror das Blut in den Adern. Es war so böse. Ohne Mitleid, Zärtlichkeit… ohne Liebe!Wieder streckte es seine Klaue nach ihr aus. Raven stellte sich schützend vor sie und auch die anderen rückten enger um sie herum, damit es ihr nicht zu nahe kam.
Die Wut packte es. Die Augen leuchteten auf einmal auf und mit einer schnellen Bewegung stieß es seine Krallen in den Leib eines Mannes, der am Nähesten stand.
Das Blut spritzte, der Mann war sofort tot. Man sah noch den geschockten Blick seiner Augen, bevor er brach. Jessie schrie auf.
Sie hatte noch nie im wahren Leben gesehen, dass jemand starb. Und dann auch noch auf so eine grausame Weise. Das Ungetüm schleuderte den Toten weg und wandte sich dem nächsten zu. Mit schreckensweiten Augen beobachtete sie, wie es abermals seinen Arm hob, um jemanden mit den langen spitzen Krallen zu töten.
'Nein!', Jessie brüllte aus Leibeskräften. 'Lass sie in Ruhe!' Das Ungeheuer stoppte seine Bewegung und starrte ihr in die Augen.
'Verdammt noch mal, Jess! Lauf!', Raven stieß sie weg. 'Wenn es dich erwischt, dann ist alles vorbei bevor es überhaupt angefangen hat!'
Sie wollte diese Menschen nicht alleine lassen. Sie kämpften für sie! Der Mann, und wahrscheinlich noch viele andere vor ihm, hatte sein Leben für sie geopfert.
Sie konnte doch nicht einfach so davonlaufen und andere für sie kämpfen lassen!
'Aber diese Menschen sterben wegen mir!'
'Ja! Weil sie wollen, dass du überlebst! Damit du uns alle retten kannst! Die Welt wäre ohne dich verloren!' Das war nicht fair! Mussten deswegen andere Menschen mit ihrem Leben bezahlen? Nur damit sie überlebte?
Trotzdem rannte sie los. Sie wollte nur noch weg hier. Weg von allem!
Mit einem Mal wünschte sie sich, dass sie nie von zu Hause weggegangen wäre. Sie rannte und rannte, hörte noch, wie das Ungeheuer vor Wut schrie und das Rufen der Männer. Immer wieder sah sie das grelle Leuchten der Blitze. Silver flog über ihr. Er sah verängstigt aus. Jessica spürte, wie ihre Kraft sie verließ, aber sie zwang sich weiterzurennen. Sie rannte und rannte.
Der Kampflärm wurde leiser.
Jeder Atemzug brannte ihr in der Lunge. Irgendwann brach sie vor Erschöpfung zusammen.Keuchend stützte sie sich an der Wand ab.
'Alles in Ordnung?', hörte sie die piepsige Stimme Silvers, der auf ihrer Schulter gelandet war.
'Nein! Es ist alles meine Schuld!' Sie hatte ihn angefahren. Er konnte nichts dafür, das wusste sie, aber sie war so wütend auf sich selbst. Sie war nicht stark genug gewesen! Sie war feige und hatte diese Männer, die um ihr Wohlergehen kämpften, alleine gelassen. Mit dem Tod!
Sie wusste nicht, wie sie diese Monstrum nennen sollte, aber es hatte nur Tod und Verderben ausgestrahlt. Wie sollte man so etwas besiegen? Sie hatte auch Raven zurückgelassen. Was, wenn ihm etwas passierte? Die ersten Tränen kullerten ihre Wangen hinab. Sie spürte, dass Silver sich an ihre Wange drückte.
'Jessie… Ihnen wird nichts passieren! Raven ist bei ihnen!' Der Vogel hatte verstanden, was sie mit `Es ist alles meine Schuld!´ gemeint hatte.v'Hast du dieses Ungeheuer gesehen! Es wird ihn und all die anderen umbringen!'v'Nein! Dass darfst du nicht denken! Es muss schon öfter passiert sein! Und Raven und River leben immer noch!'
'Aber River ist verletzt…' Sie klang schwach.
'Aber er lebt noch!'
Jessie schluchzte. Allein, dass er hätte sterben können, schockierte sie. Raven war also der Einzige, der dieses Wesen noch in den Griff bekommen konnte, soweit sie das mitbekommen hatte.
Und wenn er verletzt werden würde? Er würde weiterkämpfen! Mit einem Mal wurde ihr klar, dass Raven nicht aufgeben würde. River war außer Gefecht gesetzt. Auf ihn konnte man nicht zählen. Deswegen würde Raven alles daran setzen, dieses Ungetüm zu stoppen!

Er hatte keine andere Wahl. Der DarkSoul ließ sich nicht bezwingen. Er hatte fast alle Mitstreiter Ravens umgebracht. Die wenigen, die noch lebten, versuchten das Ungetüm auf sich aufmerksam zu machen, damit Raven eine Chance hatte, die Spritze, in der sich das Serum befand, in seinen Nacken zu schießen. Nur so würden sie dieses Monstrum wieder in den Körper des Jungen zurück verbahnen.
Raven spürte, dass der Dämon in ihm nur noch darauf wartete befreit zu werden. Er hasste es. Ständig drängte er ihn, ihn freu zu lassen.
'Nur einmal… Ich kann euch retten! Du willst doch nicht noch mehr Leben verschwenden, wenn ich es so einfach beenden könnte! Das wäre dumm von dir, aber ich weiß, dass du nicht dumm bist… Und denk an das Mädchen! Sie bedeutet dir doch so viel! Willst du sie nicht retten?', flüsterte die Stimme in ihm. Er gab dem Druck nach, spürte noch, als der Dämon die Gewalt über seinen Körper übernahm, dann wurde alles schwarz.
Als er wieder die Augen öffnete, war er geblendet. Raven setzte sich auf und sah sich um. Der DarkSoul war verschwunden. Nur noch der Junge lag bewusstlos da. Er hatte über all Kratzer und andere kleine Verletzungen, aber keine war so schlimm, dass sie ernster Behandlung bedurfte.
Raven sah sich weiter um. Er hat also wieder alle umgebracht… dachte er, als er die Leichen der Männer sah. Was hatte er anderes erwartet? Jedes Mal, wenn er den Dämon in ihm befreite, passierte das. Er sagte zwar immer wieder, dass er es nicht mehr machen würde und doch tat er es.
Aber von einem Dämon konnte man nichts anderes erwarten.
Raven hörte hastige Schritte. Schnell stand er auf und schon waren Jennifer und Harald bei ihm und sahen verwirrt zu ihm und den Jungen.
'Alles in Ordnung?', wollte Jennifer wissen. Raven nickte nur leicht mit dem Kopf und deutete auf den Jungen. 'Bringt ihn zurück und sorgt dafür, dass das nicht noch einmal passiert. Um ein Haar hätte er all unsere Pläne zunichte gemacht.' Harald, der leicht angeschlagen aussah, bückte sich nach ihm und hob ihn hoch, dann drehte er sich um und brachte ihn fort.
'Was wirst du jetzt tun, Raven?', Jennifer sah ihn an. Er zuckte mit den Schultern. 'Nichts… Aber wir müssen es Viper und Griffin berichten. Kannst du das übernehmen?' Sie nickte und verschwand in die entgegengesetzte Richtung in die ihr Bruder Harald gegangen war.'Ach ja!', rief sie ihm noch zu. 'Was ist mit dem Mädchen?'
Raven durchzuckte es wie ein Blitz. Verdammt! Er hatte Jessie vergessen! Wer wusste, wo sie jetzt war. Er rannte los.

Die ganze Zeit war sie irgendwo gesessen und hatte gewartet, dass sie irgendein Lebenszeichen sah, oder hörte.
Silver hatte die ganze Zeit über geschwiegen und sich still an ihre Wange gedrückt, um ihr Trost zu spenden. Es war einige Zeit vergangen seit sie gestoppt hatte und seitdem hatte sie niemanden mehr gehört, oder gesehen.
Ihr war unwohl zumute und die ganze Zeit hatte sie diese Angst begleitet, aber jetzt war sie verschwunden. Die dunkle Aura war weg.
Konnte es sein, dass Raven es geschafft hatte? Sie hoffte so sehr, dass ihm nichts passiert war.In diesen Minuten der Angst hatte sie einen Entschluss gefasst: Sie würde lernen, ihre Kräfte zu nutzen! Ihre einzige Gabe konnte doch nicht darin bestehen, mit Tieren zu reden!Langsam stand sie auf. 'Was machst du?'
'Ich kann hier nicht länger rumsitzen und nichts tun.', sagte sie entschlossen.
'Aber was willst du denn machen?'
'Ich weiß, dass ich nicht viel helfen kann, aber ich will es zumindest versuchen… und wenn ich dabei nicht draufgehe, dann werde ich lernen mich selbst zu schützen, damit nicht noch mehr Menschen leiden, nur damit mir nichts passiert!' Sie drehte um und rannte, und Silver flog, zurück, in die Richtung, aus der sie gekommen war.
Sie wusste nicht mehr genau den Weg, da sie einfach gerannt war ohne darauf zu achten, wohin. Aber sie probierte es einfach. Wieder bog sie um eine Ecke und knallte mit jemandem zusammen. Sie landete unsanft auf ihrem Hinterteil.
'Au.', sie stand unter Schmerzen auf und rieb sich ihr Gesäß, dann schaute sie, in wen sie da eigentlich gerannt war.
Ein Stein fiel ihr vom Herzen, als sie sah, dass es Raven war. Er hatte sich gerade wieder aufgerappelt und erkannte sie im selben Moment.
'Rav!' Sie sprang auf ihn zu und schlang ihre Arme um ihn. 'Dir ist nichts passiert!''Nein… mir geht es gut…', murmelte er. 'Alles in Ordnung?', besorgt blickte sie ihn an. Er sah… anders aus. Erschöpft und unendlich müde. Er hatte keine Verletzungen und doch musste etwas passiert sein. Sie sah es in seinen Augen.
'Du brauchst dir keine Sorgen mehr zu machen… wir haben ihn wieder unter Kontrolle.' Er hatte ihre Frage ignoriert. Jessie beschloss, ihn später wieder darauf anzusprechen.
'Was… war das?'
'Der DarkSoul… Das passiert, wenn dein dunkler Bruder ihn freilässt.'
'Wen freilässt? Diese Ding?'
'Das Böse in ihm. Dann verwandelt er sich in dieses Monstrum. Er weiß dann nicht mehr was er tut und kann sich auch an nichts erinnern danach. Wir wissen nur, dass, wenn er in dieser Form ist, er dich sucht um sich… deine Kräfte anzueignen. Aber nicht, um sie für das Gute zu verwenden, sondern um die Welt an sich zu reißen. Er wäre dann unbesiegbar. Der DarkSoul versteht nur nicht, dass die Welt dadurch untergehen würde und er nichts mehr hätte, worüber er herrschen könnte.'
'Dann… war das wirklich mein dunkler Bruder?'
'Ja.' Sie hatte es gespürt, die ganze Zeit über, nur wahrhaben wollte sie es nicht wirklich. Silver kreiste über den Beiden. Eine Weile standen sie einfach nur so da. Sie in seinen Armen. Jessie genoss es, dass musste sie zugeben. Seine starken Arme gaben ihr Sicherheit und sie spürte, dass eine gewisse Art Wärme ihr Herz umschloss. 'Wie habt ihr ihn beruhigt?'Raven hatte gewusst, dass sie diese Frage stellen würde, aber er hatte keine Antwort darauf. Er konnte ihr nicht einfach so die Wahrheit sagen. Die Gefahr, dass sie Angst vor ihm bekommen könnte, war zu groß. Allein der Gedanke, dass sie sich von ihm abwenden würde, tat ihm weh.
'Es gibt nur eine Möglichkeit. Eine Spritze mit einem Serum, dass speziell für diesen… Ausbruch entwickelt wurde, wird in seinem Nacken platziert, danach kann man nur hoffen, dass es schnell wirkt.'
'Wie seid ihr an ihn herangekommen? Vorher erschien es mir unmöglich näher als zwei Meter an ihn heranzukommen.' Sie war nicht dumm. Irgendwas musste passiert sein.'Na ja… Die anderen haben ihn abgelenkt und ich konnte die Spritze dann in seinem Nacken platzieren.' Seine Augen sagten ihr, dass er log. 'Bitte! Lüg mich nicht an! Ich sehe doch, dass du mir nicht die Wahrheit sagst! Zumindest nicht die ganze.' Verzweifelt sah er sie an und erschrak. Er hatte sie verletzt! Sie verletzt, indem er ihr nicht die Wahrheit sagte. Nicht, dass er das nicht schon vorher oft genug getan hatte, aber jetzt war es etwas anderes. Sie hatte sich Sorgen um ihn gemacht, dass sah er, sie war froh, dass es ihm gut ging, aber er sah auch, dass sie bemerkt hatte, dass etwas mit ihm nicht stimmte. 'Wenn ich es dir sage, dann wirst du Angst vor mir haben und das will ich nicht. Es wäre nicht gut für die Mission… und ich würde es nicht ertragen.', fügte er leise hinzu.
Sie blinzelte ihn an. 'Wieso sollte ich Angst vor dir haben?'
'… Bitte, Jess! Ich erkläre dir alles, aber nicht jetzt, nicht hier… Erst, wenn das alles vorbei ist!', er sah sie flehend an.
'Aber warum? Was ist los mit dir? Deine Augen sagen mir, dass du Hilfe brauchst! Etwas… in dir... Es zerstört dich.' So gerne hätte er ihr jetzt die Wahrheit über ihn und seine Last gesagt, aber er wollte nicht, dass sie sich abwendete von ihm. Und das würde sie tun, er wusste es.
'Kannst du mir nicht vertrauen?' Erschrocken sah er ihr in das hübsche Gesicht. Sie hatte es mit so einer Traurigkeit gesagt, dass es ihm das Herz zerbrach.
Oh ja… Er war drauf und dran sich in sie zu verlieben. Er spielte mit dem Feuer und wenn er ihr noch näher kam, dann würde er seine Gefühle für sie nicht mehr zurückhalten können. Er schob sie von sich. Irritiert blickte Jessie ihn an.
'Das ist es nicht.', sagte er langsam.
'Was dann?' Seine Hände, die noch auf ihren Schultern lagen, verkrampften sich. Es tat ihr weh, aber sie sagte nichts.
'Ich will nicht, dass du dich von mir abwendest!', er hatte fast geschrieen und sie sah ihn verschreckt an. Wie meinte er das? Bedeutete sie ihm schon so viel, obwohl sie sich erst ein paar Tage lang kannten? Was kümmerte es ihn, ob sie ihn mochte oder nicht, ob sie ihn irgendwann einmal ignorieren würde, oder nichts mehr mit ihm zu tun haben wollte? Vor allem: Was für einen Anlass sollte sie haben, dass zu tun? 'Wieso sollte ich das tun?''Weil… Weil ich nicht das bin, was du denkst!'
Er verwirrte Jessie nur noch mehr. Was hatte er zu verstecken, dass ihm selbst mehr Angst machte, als ihr?
'Dann zeig mir wer du wirklich bist! Wenn ich nie wissen werde, wer du wirklich bist, wie soll ich dir vertrauen?' Ihre Worte verletzten ihn, auch wenn sie es nicht wusste. 'Ich kann dir nur vertrauen, wenn du mir vertraust! Aber das tust du nicht, dass spüre ich.'
'Und River vertraut dir?' Raven wusste nicht, warum, aber der Gedanke, dass sie seinem Bruder mehr vertraute als ihm, machte ihn rasend. Das River ihr näher stand, als er.
'Ja! Er sagt mir vielleicht nicht alles, aber er vertraut mir!'
'Wie kannst du dir so sicher sein, dass er das tut?'
'Ich merke es an seiner Art, wie er sich mir gegenüber benimmt. Seine Augen sagen es mir auch!'
'Und du achtest immer darauf, was die Augen eines anderen sagen?'
'Sie sagen die Wahrheit…' Sie sah ihm direkt ins Gesicht und er fühlte sich plötzlich verloren. Er nahm seine Hände von ihren Schultern und blickte zu Boden. Er hätte bei jedem anderen, der das gesagt hätte, gelacht, aber das was sie sagte, war wahr! Wahrscheinlich war es eine ihrer Gaben, die es ihr ermöglichte in die Seele eines anderen zu schauen und zwar über die Augen. Sie sah, was in einem vorging. 'Du kämpfst gegen etwas an Raven… Das kann ich sehen. Du hast Angst, dass ich mich von die distanziere und verratest mir deswegen nicht, was in dir vorgeht, aber sei dir bewusst, dass du mich so von dir distanzierst und nicht ich.' Er sah auf. 'Du denkst, dass du mich so vor etwas bewarst… Mich damit beschützt, mir nicht zu sagen, was hier vorgeht, aber in Wirklichkeit bringst du mich nur in Gefahr! Wenn du mir früher erzählt hättest, was für ein Monstrum in meinem dunklen Bruder lauert, dann wäre dass Alles vielleicht nicht passiert! Dann wäre ich vorbereitet gewesen, auf der Hut! Ich hätte früher erkannt, dass ich lernen muss, wie ich mich selbst schützen kann! Was, wenn du mich nicht gehört hättest? Ich wäre jetzt tot, die Welt wahrscheinlich verloren, wenn man deinen Worten Glauben schenken kann!'
Verletzt blickte er ihr in die grünen Augen. 'Bitte… Hör auf! Du tust mir weh, mit dem was du sagst!' Erstaunt sah sie ihn an. Was hatte er gerade gesagt? Sie tat ihm weh? Hatte er schon mal daran gedacht, dass er sie mit seiner Distanziertheit ihr gegenüber verletzte? Und doch bereute sie, dass alles gesagt zu haben. 'Tut mir Leid.', sagte sie fast kleinlaut. 'Aber bitte! Sag mir, was in dir vorgeht! Etwas macht dir Angst! Und es ist nichts, was von außen auf dich einwirkt, sondern von innen.'
'Du wirst dich von mir abwenden.' Er sah traurig aus.
'Wie kannst du dir so sicher sein?' Sie kam näher und legte sanft ihre Hand an seine Wange.'Weil… ich es spüre… und ich will dich nicht verlieren.' Es schmerzte sie, diese Worte zu hören. War sie ihm so wichtig? Sie dachte immer, dass nicht sie, als Jessica Cohan, sondern ihre Rolle in der Legende ihm wichtig war. Sie hatte zwar heute gespürt, dass er mehr für sie empfand, aber es war nur für kurze Dauer gewesen und sie hatte es als nicht weiter wichtig abgetan, hatte gedacht, dass nicht sie betraf, sondern jemanden, den er vielleicht verloren hatte, aber jetzt wurde ihr bewusst, dass er sie wahrscheinlich liebte, es selbst aber noch nicht so genau wusste.
Und wenn er es dann wusste, was sollte sie tun? Sie empfand ihm gegenüber nicht das gleiche. Ihre Gefühle waren zwar stark, aber noch lange nicht Liebe. Wie sollte sie je Liebe für ihn empfinden, wenn er ihr nicht sagte, was in ihm vorging, ihr nicht zeigte, wer er wirklich war? Das Vertrauen würde immer fehlen! Mit einem Mal wurde ihr klar, dass er es alleine herausfinden musste, dass er alleine herausfinden musste, was er für sie empfand, wie er ihr Vertrauen gewinnen konnte und wann er ihr endlich sein wahres Gesicht zeigen würde.Raven hätte zu gerne gewusst, was in dem Moment in ihr vorging. Er sah, dass sie nachdachte, aber er sah auch Schmerz. Einen Schmerz, den er nicht verstand. Galt er ihm? Hatte sie sich an etwas erinnert? Er wusste es nicht und obwohl er den Drang hatte, sie danach zu fragen, tat er es nicht. Er hatte kein Recht, etwas von ihr erfahren zu wollen, wenn er selbst doch so wenig preisgab.
Sie hob den zweiten Arm und legte ihre andere Hand nun auch auf seine Wange. Langsam bewegte sie sich auf ihn zu, solange, bis ihr Körper seinen berührte, dann stellte sie sich auf ihre Zehenspitzen und bewegte ihr Gesicht auf seines zu.
Jessie hatte plötzlich das Gefühl, ihm zeigen zu müssen, dass sie etwas für ihn empfand. Zuneigung. Sie wusste, dass dieser Kuss nichts an ihrer Beziehung zu ihm ändern würde, aber vielleicht würde es ihm helfen, ihr zu vertrauen, ich zeigen zu können, was in ihm vorging.Verwirrt verfolgte Raven ihre Bewegungen und riss die Augen auf, als sie ihre Lippen auf seine drückte. Es war ein leidenschaftlicher Kuss und er schloss seine Arme um ihren Körper um sie näher an sich zu drücken.
Sie spürte, dass seine Zunge ihre Lippen streifte und drückte sie noch fester auf die seinen, um ihm zu zeigen, dass er sich vorwagen durfte. Er kam ihrer Aufforderung nach und ihre Zungen spielten miteinander. Liebkosten sich.
Der Kuss endete abrupt, als sie Stimmen näher kommen hörten. Im nächsten Moment standen auch schon Jennifer und River hinter Raven.
'Jessie!', rief River erfreut und kam humpelnd auf Jessie zu. Er sah angeschlagen aus, aber abgesehen von einer dicken Beule am Kopf und ein paar tieferen Kratzern schien es ihm sonst gut zu gehen. Er schloss sie in seine Arme.
'Ich hatte solche Angst, dass dir etwas passiert! Er hat mich unglücklich getroffen! Ich habe mein Bewusstsein verloren.'
'Ist schon gut… Mir ist ja nichts passiert… Dank Raven.', fügte sie hinzu und lächelte ihn an. Unsicher lächelte er zurück. River ließ sie los und drehte sich zu seinem Bruder um. Er musterte ihn von oben bis unten. 'Wie hast du geschafft ihm das Serum einzuflößen?' Misstrauisch beäugte er ihn.
'Die anderen konnte ihn ablenken. Ich musste nur dir richtige Stelle im Nacken treffen.' Er hoffte, dass River ihm das glaubte.
'Raven! Lüg mich nicht an! Jennifer hat gesagt, dass jeder der bei dir war umgekommen ist!' Jessie sah verschreckt von River zu Raven, der zusammengezuckt war. In diesem Moment verfluchte er Jennifer. 'Diese Mal war der DarkSoul zu stark um ihm das Serum einfach so verabreichen zu können! Glaubst du, er hätte mich sonst außer Gefecht setzen können?' Raven schüttelte den Kopf. 'Du hast selbst gesagt, dass er dich unglücklich am Kopf getroffen hat.'
'Ja, aber er hätte mich gar nicht getroffen, wenn es nicht so stark gewesen wäre! Er wird stärker seit Jessie hier ist und das weißt du!' Eindringlich sah River seinen Bruder an. 'Du wirst mir jetzt sagen, was hier passiert ist, während ich bewusstlos war!' Raven starrte ihn eine Sekunde lang hasserfüllt an, wandte dann aber seinen Blick ab. Er hatte Respekt vor seinem Bruder. Großen Respekt.
'Jennifer? Kannst du Jessie bitte auf ihr Zimmer bringen?' Jessie sah, dass sie auf sie zukam, aber sie wollte das nicht! Sie wollte wissen, was passiert war.
Und doch ließ sie sich widerstandslos von ihr abführen. Silver flog über ihnen her. Sie hätte ihm gerne ein Zeichen gegeben, dort zu bleiben, um die Beiden zu belauschen, aber Jennifer hätte das nicht zugelassen. Vielleicht hätte sie den kleinen Vogel sogar erschossen. Jessica sah instinktiv auf die Pistole die an Jennifers Gürtel hing.
Nein… Es war gut, dass Silver bei ihr blieb.

'Was, verdammt noch mal, ist ihr vorgefallen?' River schlug mit der Faust auf den Holztisch. Raven zuckte mit keiner Wimper. Er hatte seinen Bruder schon oft so erlebt. Sie waren, nachdem Jennifer Jessica weggebracht hatte, in einen abgelegen Raum am Ende eines Ganges gegangen. Hier konnte sie sicher sein, nicht belauscht zu werden.
'Raven! Sie mich an! Verdammte Scheiße, was hast du gemacht?'
'…Nichts.', antwortete er ausweichend. Der Schlag, den er erwartet hatte, blieb aus. Fast schon verwirrt sah er seinen Bruder an. 'Du hast `ihn´ rausgelassen, oder?' River sah ihn eindringlich an.
'…Ja.'
'Raven… Er hätte Jessie töten können! Auch, wenn er dir verspricht es nicht zu tun!' Sie hatten diese Unterhaltung schon so oft geführt und trotzdem rief Raven ihn immer wieder zu Hilfe.
'Aber was sollte ich denn tun? DarkSoul hätte sie sonst in die Fänge bekommen! Dann wäre alles verloren gewesen! Diesmal war er einfach zu stark.'
'… Ja… Ich verstehe dich ja… Aber… Nicht so!' River streckte hilflos die Arme aus.'Er hätte mich umgebracht und sich dann Jessie geholt!'
'Du brauchst dich nicht zu rechtfertigen… Ich verstehe deine Beweggründe ja… Aber es war einfach zu gefährlich! Das darf nicht wieder vorkommen! Weißt du, ich mache mir ja nicht nur Sorgen um Jessie, sondern auch um dich! Du weißt, dass er irgendwann deinen Körper nicht mehr hergeben wird. Du bist mein Bruder, Damian.' Er hatte ihn bei seinen wahren Namen genannt, dass tat River nur, wenn er sich wirklich um seinen Bruder sorgte.
'Ich weiß…' Ja… Er wusste es nur zu gut, dass der Dämon sich irgendwann nicht mehr zurückdrängen ließ. Es kostete ihn immer mehr Kraft ihn zurück zu halten. Irgendwann würde ihn aber auch diese Kraft nicht mehr halten können, dann waren er und all die anderen Menschen ihm ausgeliefert.
'Ich werde versuchen, es das nächste Mal in so einer Situation, alleine zu schaffen… Caleb.', fügte er hinzu, um seinem Bruder zu zeigen, dass er seine Worte ernst meinte. River lächelte, stand ohne ein weiteres Wort auf und verschwand aus dem Raum.
Raven blieb alleine zurück.

Jessie lag auf ihrem Bett und ließ das Geschehene Revue passieren. Es kam ihr wie ein Traum vor. Alles um ihr herum war verschwommen und sie erkannte nur Schwach das bunte Federkleid Silvers, das plötzlich über ihr war.
'Wie geht es dir?'
'..Gut.'
'Wieso kann ich dir das nicht ganz glauben?'
'Ich sage aber die Wahrheit, dein Problem wenn du es mir nicht glaubst!', fuhr sie ihn an.'Nein. Du denkst über etwas nach.'
'Ja.', gab sie zu. Der Kleine kannte sie schon viel zu gut, um ihn belügen zu können.'Worüber?'
'Darüber, dass unschuldige Menschen wegen mir sterben mussten.'
'Aber du konntest nichts dafür! Entweder du, oder sie! So heißt die erste Regel hier bei uns im Dschungel.'
'Es ist einfach nicht fair! Nur weil ich, einer Legende nach, etwas Besonderes bin, setzen Menschen ihr Leben für mich aufs Spiel!'
'Sie haben es freiwillig getan.'
'Aber das ändert nichts daran, dass sie wegen mir gestorben sind!' Tränen stiegen ihr in die Augen, als sie an den Mann, der vor ihren Augen aufgespießt worden war, dachte. Den Ausdruck seines Gesichtes würde sie nie vergessen.
'Du hast ihn wieder geküsst!' Jessie war jetzt nicht in Stimmung mit Silver darüber zu reden, aber sie tat es trotzdem. 'Ja.' Verwundert darüber, dass sie nicht widersprach, schaute der Tangar sie an.
'Du gibst es ja doch zu!' Unwillkürlich musste Jessie lächeln. Der Vogel hatte seine Brust aufgeplustert und sah sie rechthaberisch an. 'Also magst du ihn auch!'
'… Ein bisschen.'
'Mehr als `ein bisschen´!'
'Ja… gut… mehr als `ein bisschen´.'
'Darf ich fragen, warum du ihn noch einmal geküsst hast? Seid ihr jetzt zusammen? Was passiert jetzt weiter mit euch?' Er fragte genau die Fragen, die sie sich auch schon die ganze Zeit fragte. 'Ich hatte plötzlich so ein Gefühl… Ich wollte ihm nahe sein, ihm zeigen, dass ich er mir vertrauen kann. Und nein, wir sind nicht zusammen… Was weiter mit ihm und mit passiert, wird sich zeigen.'
'Er empfindet viel für dich, dass habe ich gespürt… Aber du, du empfindest nicht das gleiche für ihn, wie er für dich! Denkst du nicht, dass du ihn damit verletzen wirst?' Geschockt sah sie den Vogel an. Er hatte es auch bemerkt?
'…Ja.', antwortete sie nach einer Weile. 'Aber bis er sich seiner Gefühle für mich bewusst ist, könnte es sein, dass ich sie erwidern kann.'
'Was, wenn nicht? Dann wirst du nie Ravens Vertrauen erlangen.'
'…Ich weiß.'
'Was denkst du, bedrückt ihn so sehr? Ich meine das, worüber du vorhin mit ihm gesprochen hast.'
'Ich weiß es nicht.', antwortete sie wahrheitsgemäß. 'Aber wir sollten jetzt schlafen. Es war ein langer Tag.' Sie ging noch Zähne putzen und sich waschen, während Silver sich schon in seinem provisorischen Nest niederließ. Als sie zurückkam schlief er schon und auch sie landete schnell im Land der Träume.

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Falls ihr mein Kommentar beim letzten Teil nicht gelesen habt: Ich bin, wenn ihr das lest, schon auf Urlaub, deswegen werde ich ihn den nächsten zehn Tagen keine weiteren Teile einschicken können. Es tut mir wahnsinnig leid! LG Any







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