Glück im Unglück Teil 9

Autor: Dani
veröffentlicht am: 02.04.2008




Sebastian fasste sich als erster: 'W…was soll das heißen?'
'Sie sind ihr Freund?', fragte der Mediziner und in seinen Augen stand noch immer das Mitleid. Das machte Sebastian rasend. Er wollte kein Mitleid, sondern einfach nur wisse, was mit seiner Schwester war und ob sie wieder gesund werden würde.
Doch er gab sich Mühe, sich zu bremsen und presste zwischen den Zähnen hervor: 'Nein, ihr Bruder!'
Mit einer Handbewegung wies der Doktor auf die Stühle und Mutter und Sohn setzten sich.Dann setzte er endlich an, um ihnen Victorias Gesundheitszustand näher zu bringen: 'Victoria hat bei dem Sturz erhebliche Verletzungen erlitten. Sie hat sich eine Fraktur des Femur, das heißt des Oberschenkelknochens, zugezogen. Außerdem sind 2 Rippen angebrochen. Außerdem natürlich viele Hämatome… was und aber Sorgen macht ist, dass sie zur Zeit nicht ansprechbar ist.'
Nina Schäfer wurde mittlerweile von Weinkrämpfen geschüttelt und Sebastian legte ihr beruhigend den Arm über die Schultern. Er wünschte sich seinen Vater herbei, der die Situation durch sein ruhiges und besonnenes Auftreten sicher entspannt hätte. Doch er ließ noch einige Zeit auf sich warten.
Als Nina sich etwas beruhigt hatte, sah sie den Doktor aus ihren tränenverschmierten rehbrauen Augen an und fragte: 'Was heißt 'zur Zeit nicht ansprechbar'?'
'Frau Schäfer, ihre Tochter liegt im Koma, und es besteht akuter Verdacht auf Kopfverletzungen. In welchem Ausmaß die Schäden sind, kann leider niemand vorher sagen.'Nina begann aufs Neue theatralisch zu weinen, just in dem Moment, als Richard Schäfer endlich das Wartezimmer betrat. Seine Frau blickte auf und flog nahezu in seine Arme.'Richard… es ist… es ist schrecklich!', schluchzte sie an seiner Brust. Richard, der seine Frau über alles liebte versuchte nach Kräften, sie zu beruhigen.
'Nina, mein Liebling… beruhige dich doch und dann erzähl mir ganz in Ruhe, was mit Victoria ist.'
Geräuschvoll zog sie die Nase hoch und wischte sich mit dem Handrücken über die Augen.'Sie liegt im Koma und keiner weiß wie schlimm die Kopfverletzungen sind!'
Nach dieser Nachricht musste auch Richard einmal schlucken und schloss seine Frau wieder in die Arme.
Währenddessen saß Sebastian wie in Trance auf dem weißen Plastikstuhl im Wartezimmer des Krankenhauses und bekam mehr und mehr das Gefühl, dass er von hier fort musste.Er stand auf und bewegte sich auf die Tür des Zimmers zu. 'Mama, Vater… Ich… ich muss hier weg!'
Richard nickte ihm verständnisvoll zu und drückte ihm ein paar Geldscheine für das Taxi in die Hand.

Schnellen Schrittes floh Sebastian geradezu aus dem Krankenhaus und rief sich ein Taxi um nach Hause zu fahren.
Die Fahrt dauerte nicht allzu lang und er fragte sich, warum sie ihm im Krankenwagen so schier unendlich weit vorgekommen war.
Als das Taxi auf den Hofplatz vor dem Haus einbog, löste Sebastian den Anschnallgurt. Als es zum stehen kam, drückte er dem Fahrer einige Scheine in die Hand und stieg aus.
Ihm fiel auf, dass Johnnys Wagen noch immer auf dem Hof stand. Doch es war ihm relativ egal und so bewegte er sich mit zügigen Schritten auf das Haus zu.
Auf der obersten Treppenstufe, saß Johnny. Zusammengekauert wie ein Häufchen Elend starrten seine, sonst so fröhlich blitzenden, Augen ins Leere.
Als er die Schritte auf der Treppe bemerkte richtete er sich rasche auf.
'Sebastian. Wie geht es Victoria? Ist mit ihr alles okay?', wollte er wissen.
Sebastian sah ihn mit einem kalten und anklagenden Blick an. Für ihn trug Johnny die Schuld an dem Unfall. Er hätte besser auf Victoria aufpassen müssen.
'Nichts ist okay!', zischte er zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.
Johnny wurde angesichts dieser Worte noch weißer um die Nase.
'Was soll das heißen? Sebastian rede mit mir!'
'Ich soll mit DIR reden? Mit dem der Schuld daran ist, dass meine kleine Schwester im Koma liegt und eventuell bleibende Schäden davon trägt?', Sebastian konnte sich nicht beherrschen und seine Stimme wurde immer lauter.
'Koma? Schuld? Ich…?', Johnny versuchte das eben gesagte zu verarbeiten.
Dann fasste er sich, griff nach Sebastians Arm um ihn daran zu hindern ins Haus zu gehen und ihm die Tür vor der Nase zu zuschlagen.
'Sebastian, hör mir zu! Es war ein Unfall! Das hätte immer passieren können!', verteidigte Johnny sich, doch Sebastian wollte nichts hören. Es war einfacher für ihn, einen Schuldigen zu haben, den er hassen konnte, für das was seiner Schwester wiederfahren war.
Mit einem Ruck befreite er sich aus Johnnys Griff schloss die Haustür auf und warf sie mit aller Kraft hinter sich zu, so dass die Scheiben klirrten. Erschöpft lehnte er sich mit dem Rücken gegen die Tür und schloss die Augen. Sofort rannen Bilder der verletzten und leblos wirkenden Victoria an seinen Augen vorbei und rasch öffnete er sie wieder.
Johnny starrte derweil auf die geschlossene Tür, beschloss aber bald, dass er im Moment nichts ausrichten konnte und brauste in seinem Wagen vom Hof.
In der Zwischenzeit stieg Sebastian die Stufen zum Keller hinunter, griff wahllos nach einer Kiste Bier und schleppte sie nach oben in das Wohnzimmer. Alles hier erinnerte ihn an Victoria und wieder blitzen einzelne Bilder mit glücklichen Szenen in seinem Kopf auf.Er öffnete die erste Flasche Bier und trank sie in raschen Zügen aus. Es folgte eine zweite, eine dritte und viele mehr.
Sebastian wollte einfach vergessen. Vergessen wer er war, vergessen was heute passiert war und vergessen, dass er Victoria liebte und sich furchtbare Sorgen um sie machte.
Er war nie ein Freund des Alkohols gewesen, aber es war die einfachste Lösung. Bald hatte er nahezu den ganzen Kasten geleert. Er spürte deutlich, dass er nicht mehr bei Sinnen war.
Dinge schien es plötzlich doppelt zu geben, und die Welt schien schief zu stehen.
Als es an der Tür klingelte, torkelte er durch das Zimmer, setzte sich auf die Treppenstufe und rutschte Stück für Stück auf dem Hintern hinunter.
Sich von Möbelstück zu Möbelstück tastend, arbeitete er sich zur Tür vor, an der es in der Zwischenzeit weitere Male geklingelt hatte.
Endlich hatte er sie erreicht und drückte die Klinke hinunter.
Er fiel fast ins freie, wären da nicht die helfenden Hände einer wohlbekannten Frau gewesen.'Upps, mensch Sebastian. Du hast dich nicht verändert. Anhänglich wie eh und je!', lachte eine Frauenstimme und Sebastian sah auf.
Er nahm das Bild nur verschwommen war. 'Juhl-jannne?'
'Ja Sebastian ich bin es, Juliane. Aber du bist ja sturzbesoffen!'
'Scho ein Unschin… mia kehts serrr gutt.' 'Natürlich und ich bin die Königin von England!'







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