Glück im Unglück Teil 4

Autor: Dani
veröffentlicht am: 08.02.2008




Victoria schnappte sich das Telefon und rief Bine zurück.
'Sabine Krüger hier, hallo?'
'Hey, Bine. Ich bins'
'Hi Vicky. Ich wollte fragen, ob ich heut Mittag vorbei kommen kann?'
'Klar gern! Mein Dad ist nicht da, der kann also schon mal kein Stress machen…'
'Ok supi dann bis später. Hab dich lieb!'
'Ja bis denn. Ich dich auch'
Und schon legte Victoria den Hörer wieder auf und schlenderte zurück in die Küche, aus der die Pfannkuchen noch verführerischer dufteten als zuvor.
'Das ging aber schnell!', meinte Sebastian mit einem Augenzwinkern, 'sonst quasselt ihr zwei doch immer stundenlang!'
Er ging schnell in Deckung, um Victorias Kitzelattacke zu entgehen, schaffte es aber nicht ganz.
Die zwei kugelten sich auf den Boden und kitzelten einander, bis sie erschöpft liegen blieben.Plötzlich wurden sie sich der Nähe zueinander bewusst, doch keinem der beiden war es in irgendeiner Art und Weise unangenehm. Im Gegenteil!

Nach Stunden, so kam es jedenfalls Victoria vor, räusperte Sebastian sich und stand auf. Er hielt ihr, ganz der Gentleman, die Hand hin, um ihr auf zu helfen.
Nun war kein Wort mehr zu hören und die spaßige Atmosphäre von eben gerade war dahin.Ein wenig beklemmt, machte sich Victoria daran, den Tisch zu decken, während Sebastian den Teller mit den Pfannkuchen zum Tisch trug.
Schweigend setzten die Geschwister sich und aßen. Beide waren penibel darauf bedacht, den jeweils anderen nicht zu berühren.
Doch lange hielt Victoria die Stille nicht aus. Sie und ihr Bruder waren schon immer ein Herz und eine Seele gewesen und das sollte sich auf garkeinen Fall ändern!
Als Sebastian Anstalten machte aufzustehen und das Geschirr abzuräumen, beeilte sie sich, seinen Arm fest zu halten.
Fragend sah er sie an.
'Hey Sebastian, das was eben passiert ist steht doch jetzt nicht zwischen uns oder?'
'Ach Kleines, natürlich nicht!'
Er schien erleichtert, dass seine Schwester die Initiative ergriffen hatte, das zu klären, aber er war nicht ehrlich zu ihr gewesen.
Als Sebastian ungefähr 20 min später allein in seinem Zimmer war, setzte er sich auf sein Bett und ließ sich nach hinten fallen.
Mit starrem Blick betrachtete er die Holzmaserung der Decke, während er darüber nachdachte was gerade eben zwischen ihm und Victoria passiert war.
Was waren das für Gefühle, die plötzlich in ihm herum schwirrten?
Im Grunde genommen wusste er es genau, auch wenn es schon fast eineinhalb Jahre her war, dass er genau das für eine Frau empfunden hatte.
Juliane, die ihn zu dieser Zeit verlassen hatte, um in Brasilien zu leben, war seine große Liebe gewesen. Doch der Schritt, in das ferne Brasilien zu ziehen, war ihm überhastet vorgekommen und so hatte er versucht, Juliane zu überreden bei ihm in Deutschland zu bleiben, doch sie war wie besessen von dem Wunsch in Brasilien zu leben und zu arbeiten.Seither standen die beiden nur noch unregelmäßig in Kontakt. Nur hier und da mal eine E-Mail.
Aber wie kam es, dass er solche Gefühle plötzlich für seine eigene Schwester hegte?
Das durfte einfach nicht sein und er würde sich etwas einfallen lassen müssen.
Da kam ihm eine Idee, die ihm gleichzeitig absurd und genial erschien.
Daniel fand Victoria doch so toll und sie ihn nett. Jetzt musste Sebastian nur noch dafür sorgen, dass aus nett mehr wurde und schon wäre sein Problem gelöst.
Victoria wäre beschäftigt und dazu vergeben und er hätte genug Zeit, sich zu 'entlieben'.

Zur gleichen Zeit lag auch Victoria in ihrem Zimmer auf dem Bett und dachte über das eben Geschehene nach.
Sie konnte die Gefühle, die sie gespürt hatte schwer einordnen. Sie waren so plötzlich und heftig gekommen, dass sie überrascht und geschockt war.
Dass, was Sebastian bereits als Liebe identifiziert hatte, erkannte Victoria nicht und vielleicht war es vorerst auch besser so.

Ein paar Stunden später klingelte es an der Tür und Victoria sprang die Treppe herunter um zu öffnen.
Es war Bine, die vor der Tür stand. Victoria war froh, ihre beste Freundin zu sehen und die beiden begrüßten sich, wie immer, mit einer Umarmung.
Die Freundinnen verzogen sich auf Victorias Zimmer und schon bald schnitt Bine ihr Lieblingsthema an: Jungs!
'Sag mal Süße, wie sieht es denn bei dir in der Liebe aus?', wollte sie von Victoria wissen.'Och, da ist niemand…' Komischerweise schoss ihr in diesem Moment Sebastian durch den Kopf, doch den verdrängte sie schnell wieder.
Misstrauisch sah Bine sie an. 'Und du verheimlichst mir auch nichts?'
'Ich? Dir kann ich doch eh nichts vorenthalten. Du merkst auf 1000 Meter Entfernung wenn was los ist. Erzähl mir lieber, wie es bei dir aussieht! Deshalb bist du doch hier, oder nicht?''Ach Vicky, du bist auch nicht besser! Bei dir hab ich echt manchmal das Gefühl, du könntest in mich rein schauen!'
'Tja, dann haben wir wohl beide das 'Beste-Freundinnen-Syndrom'', lachte Victoria und Bine stimmte ein.
Die beiden beruhigten sich erst nach ein paar Minuten wieder.
'Also los jetzt erzähl!', forderte Victoria nachdem die letzten Lachsalven halbwegs abgeklungen waren.
'Also gut, ich machs kurz und schmerzlos. Ich hab mich in Daniel verliebt'
'In den Daniel? DEN Daniel?'
'Genau den. Der beste Kumpel von deinem Bruder.'
'Oh man Bine, das muss ich erstmal verdauen', ärgerte Victoria ihre beste Freundin.'Danke Vicky, du bist mal wieder soo nett! Dafür musst du jetzt deinen Bruder anflehen, dass er dafür sorgt, dass Daniel mal hier ist, wenn ich auch da bin und das am besten möglichst bald!'
'Aber sonst hast du keine Wünsche oder wie?', lachte Victoria aufs Neue, überlegte dann aber einen Moment.
'Bine, wie wärs, wenn ich meinen Dad anrufe und frage, ob du heute hier schlafen kannst. Wer weiß vielleicht hab ich ja Glück und er erlaubt es. Dann kann Sebastian Daniel anrufen und das Ganze ist perfekt…'
'Vicky, das ist eine Spitzenidee. Die beste die du je hattest!'
Victoria stand auf und schnappte sich das Telefon. Sie tippte die Handynummer ihres Vaters ein und wartete auf das Freizeichen.
'Richard Schäfer, Guten Tag?'
'Hallo, Papa. Hier ist Victoria.'







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