Glück im Unglück Teil 11

Autor: Dani
veröffentlicht am: 19.04.2008




In Victorias Kopf war alles dunkel. Doch dort ganz am Ende dieses langen Weges schien es ein Licht zu geben. Sie versuchte, sich dorthin zubewegen, doch sie kam nicht vorwärts. Um sie herum blieb alles dunkel. Das Licht kam näher und näher zu ihr. Fast konnte sie es mit der Hand berühren.
Es hatte keine Gestalt, es war einfach nur Licht. Wie das der Sonne, wenn sie morgens ihre wärmenden Strahlen auf der Erde ausbreitete.
Immer näher kam es und drängte Victoria zurück. Schritt für Schritt ging sie rückwärts, doch sie hatte keine Angst. Das Licht würde ihr helfen und sie beschützen.
Noch einen Schritt und noch einen. Dann fiel sie.
Tiefer und tiefer, bis sie landete.
Sie fühlte ihre Finger, ihre Füße, ihre Beine und ihren Kopf der schmerzte.
Sie meinte Stimmen zu hören, doch sie konnte nicht verstehen, was gesagt wurde.
Es bereitete ihr größte Mühe, die Augen zu öffnen, doch sie richtete ihre gesamte
Konzentration darauf und schließlich schaffte sie es.
Es war alles verschwommen und doch so grell, das sie die Augen wieder schließen musste.Vorsichtig probierte sie es noch einmal. Dieses Mal langsamer und nur einen Spalt breit.Sie erkannte schemenhaft vier Gestalten. Nach und nach öffnete sie die Augen weiter.Allmählich gewöhnten sich ihre Augen an die Helligkeit, doch damit verbunden brachen heftige Schmerzen in ihrem Kopf aus, was ihren Blick wieder trübte und sie drohte wieder in die angenehme Dunkelheit zurückzusinken. Victoria zwang sich, die Augen offen zu halten. Sie wollte nicht wieder weg dämmern. Ihr Blick klärte sich wieder ein wenig und gewann zunehmend an Schärfe.
Sie erkannte zwei Männer mittleren Alters in langen weißen Kitteln und einen Mann und eine Frau.
Victoria kannte keinen von ihnen. Instinktiv versuchte sie sich aufzusetzen. Plötzlich vernahm sie einen gellenden Schrei. Es dauerte einige Momente, bis sie registrierte, dass sie es war, die diesen Schmerzenslaut ausgestoßen hatte. Mit dieser Erkenntnis kamen auch die Schmerzen. Wie Feuer breiteten sie sich von ihren Beinen, über den Brustkorb bis in die Arme hin aus.Sofort waren die Ärzte zur Stelle. Die beiden anderen Personen wurden hinaus geschickt. Einer der Mediziner spritze Victoria ein Schmerzmittel und nach und nach begannen die Schmerzen abzuklingen.
'Besser?', fragte der Doktor und Victoria nickte dankbar und versuchte ein Lächeln zustande zu bringen.
'Können Sie mir sagen, wie Sie heißen, junges Fräulein?'
Victoria lächelte matt über diese Frage. Sie war aber auch lächerlich, wer weiß denn nicht, wie er heißt?
'Ich heiße… i…ich… i…ich… ich w..weiß es nicht.', schreckensbleich lag Victoria in den tiefen weißen Kissen des Krankenbettes.
Verzweifelt versuchte sie, sich an ihren Namen zu erinnern, doch er wollte ihr beim besten Willen nicht einfallen.
'Sie ist soweit stabil… Ihre Eltern können einen Moment zu ihr.', meldete derweil der zweite Arzt, der die Geräte, an die Victoria angeschlossen war, mehrfach überprüft hatte.Er ging zu Tür und bat die wartenden Eltern herein. Gespannt sah Victoria zur Tür, war jedoch bitter enttäuscht, als sie zwei völlig fremde Personen eintreten sah.
Nina Schäfer eilte zum Bett ihrer Tochter und schloss sie, so gut es eben ging, in die Arme.Victoria versteifte sich spürbar. Das sollten ihre Eltern sein? Sie kannte diese Menschen nicht! Sie wusste nicht einmal wo sie war und warum? Und vor allem, sie wusste nicht wer sie war!
Tränen bahnten sich den Weg über ihre Wangen und verschreckt ließ Nina ihre Tochter los.'Schätzchen, was hast du denn? Freust du dich nicht, uns zu sehen?', fragte sie Victoria besorgt.
'Ich weiß nicht wer Sie sind! Ich weiß nicht wer ich bin… ich weiß gar nichts!', brüllte Victoria unter Tränen und ihre Mutter wich zwei Schritte zurück, wobei sie gegen ihren Mann stieß, der behutsam seine Hände auf ihre Schultern legte. Entgeistert betrachtete Nina ihre Tochter, dann blickte sie den Arzt fragend und anklagend an.

Sebastian setzte sich hinter das Steuer seines schwarzen Audis, schnallte sich im Eiltempo an und fuhr mit durchdrehenden Reifen vom Hof. Juliane, die neben ihm saß, schüttelte nur den Kops, sagte aber nichts dazu. Sie sah ihn von der Seite an und verspürte einen leichten Stich in ihrem Herzen. Wie hatte sie nur so lange auf ihn verzichten können? Mittlerweile fragte sie sich sogar, warum sie damals überhaupt nach Brasilien gehen wollte. Doch sie konnte nicht ungeschehen machen, was passiert war und sie hoffte, dass Sebastian nie erfahren würde, warum sie wirklich zurück gekehrt war.
Eine Viertelstunde später raste Sebastian auf den Parkplatz des Krankenhauses, fuhr eine elegante Kurve und parkte das Auto. Er riss die Autotür geradezu auf. Sein Herz klopfte wie wild. Seine Mutter hatte sich so verzweifelt angehört. Was wäre wenn Victoria dauerhafte Schäden davon getragen hatte?
Eiligen Schrittes bewegte er sich auf das schicksalhafte graue Gebäude zu, an dem das charakteristische Rote Kreuz prangte.
'Sebastian, nun renn doch nicht so. Ich komme ja kaum hinterher! Sie wird zwei Minuten später auch noch da sein.', beschwerte sich Juliane, die zwei Schritte hinter ihm ging. Er wartete, bis sie auf gleicher Höhe war, bevor er weiter ging.
Mitfühlend ergriff Juliane seine Hand und drückte sie leicht, um ihm zu zeigen, dass sie da war und ihn verstand. Gemeinsam betraten sie die sterile Empfangshalle des Hospitals.An der Rezeption erkundigte Sebastian sich nach seiner Schwester und eine nette ältere Dame wies ihm den Weg.
Gemeinsam mit Juliane betrat er den Fahrstuhl und fuhr in den dritten Stock. Star betrachtete Sebastian die silberfarbenden Wände des Aufzugs, doch er wandte sich rasch ab, als er Victorias bleiches und blutüberströmtes Gesicht vor sich sah.
Ein leises 'Pling' signalisierte die gewünschte Ankunft und die Schiebetüren öffneten sich. Sebastian kam es vor, als würde er durch ein Tor in eine neue Welt schreiten, doch er verschwendete keinen weiteren Gedanken an dieses merkwürdige Gefühl und schritt den grauen Linoleumboden entlang. An den weißen Wänden hingen in regelmäßigen Abständen bunte Bilder und in kleinen Nischen standen Grünpflanzen, für die Sebastian in seiner Sorge jedoch keinen Blick hatte.
Endlich erreichte er Zimmer Nummer 313. Einige Sekunden lang, stand er schwer atmend vor der Tür, die Hand lag auf der Türklinke, bereit sie herunter zu drücken, sobald er sich gefasst hatte.
Ermutigend legte Juliane ihm die Hände auf den Unterarm und nickte ihm lächelnd zu.Er atmete noch einmal tief durch und öffnete dann die Tür.







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