Searching the Light

Autor: Belladonna
veröffentlicht am: 13.09.2009




Am Anfang dieses Teils war ich unzufrieden über die plötzliche, nicht eingeplante Wendung. In der Mitte dieses Teils fand ich sie ganz gut. Jetzt am Ende dieses Teils zweifle ich an meinem Verstand und vermute mal ganz stark, dass meine Fantasie ganz extrem doll mit mir durchgegangen ist. Aber lest selbst...
Liebe Grüße, Eure Belladonna.

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Ein wenig erschrocken war ich schon über mich, nachdem diese Worte so einfach aus meinem Mund gepurzelt waren. Was, wenn ihm das alles zu schnell ging? Was wenn ich nicht mehr als eine kurze Affaire für ihn war? Irgendwie ergriff mich gerade eine unbestimmte Panik, dass ich genau das Falsche gesagt hatte.
Noch immer sah er mich erstaunt an und binnen kürzester Zeit zeigten sich so viele unterschiedliche Gefühlsregungen in seinen Augen, dass mir allein vom Zusehen schon schwindelig wurde. Ich glaubte so etwas wie Überraschung, Freude, Glück, Liebe, Bitterkeit, Angst und auch Hass zu erkennen. Hass - auf mich? Weil ich das Falsche gesagt hatte?Doch mit einem Mal, war all dies wieder verschwunden, war sein Blick plötzlich so leer und das machte mir noch viel mehr Angst. Tränen schossen mir in die Augen, ohne dass ich es hätte verhindern können. Ich liebte ihn, liebte ihn so sehr, dass es weh tat, doch ich hätte es ihm niemals sagen dürfen. Das wurde mir jetzt schmerzlich klar. Was auch immer er für ein Geheimnis hütete, ich würde es wohl nie erfahren, denn gerade eben hatte ich ihn verloren. Da war ich mir sicher.
Und dann wurde mir alles zu viel. Ich musste hier weg. Keine Sekunde länger würde ich es in diesem Auto aushalten, mir war, als würde mir die Luft abgeschnürt werden.
Blind vor Tränen, taste ich nach der Tür und stolperte mehr aus dem Wagen als dass ich ausstieg. Schluchzend taumelte ich über die Wiese, an der wir gehalten hatten. Weg. Ich wollte einfach nur weg. Alles hinter mir lassen. Ich rannte, rannte, wie ich noch nie gerannt war. Rannte weg vor meinen Gefühlen, vor Raffael und - vor mir selbst.
Nie wieder würde ich die sein, die ich mal war, denn ein Teil von mir war gerade in Raffaels Auto gestorben. Und ein anderer Teil meiner selbst hatte sich ihm vor die Füße geworfen und flehte um Erlösung. Nein, die Ella, die ich einmal gewesen war, die existierte nicht mehr. Ella gab es nicht mehr, es gab nur noch mich, mich und meinen Schmerz. Ich war nichts weiter mehr, als ein zitterndes, verängstigtes kleines Wesen, allein auf der Welt und nur noch von dem Wunsch beseelt zu vergessen. Nie mehr an ihn denken zu müssen, und wenn ich mir dafür das Herz herausreißen müsste, ich würde es tun. Wollte in diesem Moment nichts weiter, als sterben.
Ich sah nicht mehr, wo hin ich rannte. Wusste nicht mehr, wo ich überhaupt war. Alles war gleichgültig. Ich wollte nur fort von hier. So weit wie möglich und niemals mehr zurückkehren.
In einem einzigen Moment, durch einen einzigen dummen Satz, hatte ich alles verloren, was einmal mein Leben ausgemacht hatte. Instinktiv wusste ich, dass ich nie wieder in der Lage sein würde, Freude, Glück oder Liebe zu empfinden. Von jetzt an würde ich in der Dunkelheit leben. In der Schattenwelt, fernab jeglicher Gefühlsregungen. Nicht mehr fähig zu empfinden oder zu fühlen. Nichts außer dem Schmerz und der Enttäuschung. Und irgendwann würde die Bitterkeit hinzukommen und mein gebrochenes Herz überschwemmen. Dann würde ich endgültig zerbrechen. Ohne Hoffnung auf Rettung. Verloren im tosenden Strudel der Verzweiflung, bar jeder Möglichkeit zurück zu kehren. Ich war von nun an verdammt dazu, mein Leben als Einsame, Verstoßende zu fristen. Meinen Mut hatte ich verloren, meinen Lebenswillen in Raffaels Wagen gelassen.
Es war alles aus noch bevor es begonnen hatte.
Blind vor Tränen lief ich immer tiefer in den Wald. Ich war hier noch nie gewesen. Hatte keine Ahnung, wo ich mich befand. Aber eigentlich war es mir egal. Ich wollte nur vergessen. Raffaels Augen. Der leere Blick, nachdem ich ihm gesagt hatte, dass ich ihn lieben würde. Das war fast noch schlimmer als der Hass nur Sekundenbruchteile zuvor. Diese Leere war es, die mir das Herz gebrochen hatte. Ich hatte es nicht ertragen, hatte einfach nur noch weg gewollt. Doch sein Blick verfolgte mich. Noch immer sah ich seine Augen vor mir. Seine Augen, in die ich mich verliebt hatte. Sie waren der Anfang von etwas wunderbarem gewesen. Sie waren auch mein Ende. Ich wollte meinen Kopf gegen irgendetwas schlagen. Einfach so. Um dieses schreckliche Bild herauszubekommen. Ich ertrug es nicht mehr. Dieser Schmerz brachte mich schier um. Wie ein Feuer wütete er in meinem Inneren. Fraß sich durch meine Eingeweide auf mein Herz zu. Nahm mir die Luft zum Atmen. Ich drohte zu Ersticken. Schreien wollte ich, doch kam kein Laut über meine Lippen. Es war, als sei mein Hals zugenäht worden. Ich keuchte, rang um Atem, stolperte und fiel. Saß am Boden, zitternd, wimmernd. Nicht in der Lage mich aufzuraffen und weiter zu gehen. Doch wo hätte ich schon hingehen sollen?

Ich weiß nicht mehr, wie lange ich dort saß. Alleine, tief in diesem alten komischen Wald, den ich nicht kannte. An einem Ort, der mir so fremd war. Unablässig Tränen über meine Wangen rinnend. Das Herz rasend und holpernd, als würde es jeden Moment aufhören wollen zu schlagen. Der Atem unregelmäßig, stockend.
Irgendwann, es muss wohl schon fast der Tag vergangen sein, jedenfalls stand die Sonne schon tief am Horizont, hörte ich leises tapsen und rascheln. Als würde jemand über trockenes Laub schleichen, versuchend möglichst keine Geräusche zu machen.
Dadurch wieder hellwach, richtete ich mich langsam auf. Blickte mich suchend um. Angst beschlich mich plötzlich. Was war nur in mich gefahren? So weit wegzurennen. Mitten in ein Gebiet hinein, dass ich nicht kannte. Alles hier war mir fremd, selbst das leise Zischen meines Atem hörte sich falsch an. Nicht so, wie ich es sonst gewohnt war. Hier stimmte etwas nicht.Eine Gänsehaut überzog meine Arme und sämtliche Härchen auf meinem Körper stellten sich auf. Meine Alarmglocken schrillten und Panik ergriff mich. Ich war allein. Sollte mir hier etwas passieren, wer würde dann zur Stelle sein und mir helfen? Ich war ganz auf mich gestellt. Aber ich hatte keinerlei Erfahrungen in Verteidigung. Hatte sie einfach nie gebraucht. Wozu auch? Ich war völlig behütet aufgewachsen. Wer hätte schon ahnen können, dass ich einmal mitten in eine solche Situation hineinstolpern würde? Was heißt stolpern? Ich war Hals über Kopf hineingerannt!
Ich hatte einfach nur weggewollt. Hatte nicht nachgedacht. Die Konsequenzen außen vor gelassen. Jetzt hatte ich den Salat. Irgendjemand schlich hier herum und ich würde wahrscheinlich bald sein Opfer werden. Rein theoretisch konnte ich also schon mal mein Testament machen und mir einen geeigneten Sarg aussuchen.
Mit wild hämmerndem Herzen presste ich mich fest an den dicken Baumstamm hinter mir. Versuchend mich möglichst klein zu machen und hoffend, nicht gesehen zu werden. Vielleicht hatte ich ja Glück. Obwohl, der Tag heute hatte mir bis jetzt keines beschert, wieso also sollte sich das jetzt ändern?
Es war dumm von mir gewesen einfach abzuhauen. Wer weiß, ob hinter dem nächsten Baum nicht schon mein Ende lauerte. Auf dem Sprung mich umzureißen und mir den letzten Rest Leben auszuhauchen.
Es können nur Sekunden gewesen sein, die ich mich wie erstarrt, voller Angst an diesen Baum klammerte, doch kamen sie mir vor wie Stunden. Und auf einmal war das Rascheln weg. Der Wald unnatürlich still. Fast schon wünschte ich mir die Schritte zurück. Alles, nur nicht diese unheimliche Stille. Mir schien, als würde mir das Herz aus der Brust springen, so schnell arbeitete es in mir. Ich hyperventilierte beinahe.
Meine Nerven waren zum Zerreißen gespannt. Die Strahlen der untergehenden Sonne zauberten ein merkwürdiges Licht in diesem Wald. Die Bäume warfen lange Schatten. Der Wechsel von Helligkeit und Dunkelheit machte es schwer, irgendetwas zu erkennen. Kein Vogel sang. Kein Eichhörnchen hüpfte die Bäume hinauf. Kein Fuchs durchstreifte das Dickicht. Selbst der Wind schien verstummt zu sein.
In diesem Augenblick kam mir in den Sinn, was in meinem Lieblingsfilm Gandalf zu Pippin sagte, als beide über die bevorstehende große Schlacht sprachen. ‚Das ist das tiefe Luftholen vor dem Sprung.' (So oder so ähnlich zumindest.) Dann ging das Inferno los.Würde es mir jetzt nicht anders ergehen? War diese Geräuschlosigkeit nur der Vorbote von etwas noch viel Schlimmerem? Was würde mir wiederfahren? Würde mein Leben wirklich in diesem Wald hier enden? In dieser Nacht?
Aus einem plötzlichen Impuls heraus schickte ich ein kurzes Stoßgebet zum Himmel. Es solle endlich aufhören. Kaum auszuhalten war diese Anspannung.
Da erinnerte ich mich an den Abend in unserem Garten zurück. Das plötzlich Unwetter. Die grauenvolle Gestalt. Zuvor das selbe Gefühl wie jetzt. Mein Puls jagte davon. Mein Atem flog.
Und dann geschah es. Der Himmel verdüsterte sich. Die Sonne verschwand mir nichts dir nichts. Von einer Sekunde zur nächsten war tiefste Nacht. Schlagartig sanken die Temperaturen. Mein Atem als kleine weiße Wolke von meinem Mund sichtbar. Mir wurde kalt. Eiskalt. Es war, als hätte sich jegliche Wärme aus mir verflüchtigt.
Arktischer Wind fuhr nun durch die Äste. Wehte das Laub durch die Lüfte mit sich. Stimmte eine schaurige Symphonie an. Lies mich frösteln.
Und dann gefror mir das Blut, als ich die unbeschreiblich hässliche Kreatur wieder sah, vor der ich damals ins Haus geflüchtet war. Jetzt endlich konnte ich schreien. Und wie ich schrie. Ich schrie mir die Lunge aus dem Hals. Schrie um mein Leben, aber rühren konnte ich mich keinen Millimeter. Es war, als wäre ich mit dem Baum verwachsen. An ihn gefesselt und dem Wesen vor mir auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Jetzt war ich mir endgültig sicher, dass mein letztes Stündlein geschlagen hatte.
Die seelenlosen Augen des ummantelten Etwas' bohrten sich tief in meine und es schien, als würden sie bis auf den Grund meiner Seele blicken. Ich kam mir so unbeschreiblich nackt und schutzlos vor.
Ganz langsam, fast wie in Zeitlupe kam das Wesen auf mich zu. Klar, es hatte ja auch alle Zeit der Welt. Kein Mensch würde mich hier jemals finden. Oh Gott. Alles in mir schrie nach Flucht, aber ich konnte mich einfach nicht rühren. Kämpfte ohnmächtig gegen diese Starre an und schaffte es doch nicht, mich aus ihr zu lösen. Eine aussichtslose Schlacht. Diese hatte ich verloren und den Krieg wahrscheinlich auch. Ich war gar nicht mehr im Stande dazu etwas zu unternehmen um mich zu retten. Mein Kopf war wie leer gefegt. Als hätte ich nie gelebt. Nie etwas gefühlt. An und für sich nicht unbedingt schlecht, hatte ich mir doch noch vor wenigen Stunden genau das gewünscht, doch jetzt machte es mir einfach nur noch Angst.
Diese leuchtenden Augen schienen mich zu hypnotisieren. Nach und nach gab ich meinen Widerstand auf. Hörte auf zu schreien. Hörte auf, zu kämpfen. Ich war ein willenloses Stück Fleisch geworden. Doch obwohl so fremd und Furcht einflößend, hatten diese Augen auch etwas irritierend vertrautes an sich. Ich kam nur einfach nicht darauf, was es war.
Sie erweckten ein Gefühl in mir, welches mir vertraut war. Ein Gefühl, das ich ganz genau kannte. Irgendetwas lösten diese Augen in mir aus. Sie strahlten eine seltsame Ruhe aus und komischerweise auch Wärme. So paradox es klingen mag, aber diese toten, leeren Augen schafften es, mich weniger frieren zu lassen. Sie erwärmten mich von Innen heraus und schenkten mir eine vage Ahnung von Geborgenheit. Sie schienen mir Schutz zu versprechen.Ich weiß, es klingt idiotisch, aber auf eine sehr merkwürdige Art und Weise fühlte ich mich zu diesen Augen hingezogen. Sie schlugen mich in ihren Bann und ließen mich nicht mehr frei. Aber ich wollte mich auch gar nicht daraus befreien.
Auf einmal wollte ich die Zügel aus der Hand geben und mich ganz diesem Wesen anvertrauen. Mich in seine Obhut begeben. Mir war, als würde die Kreatur, die da vor mir stand, mich verstehen. Ein Teil von mir sein. Und ich ein Teil von ihr. Als würden wir ein und das selbe Schicksal teilen.
Noch immer bewegte sich das Wesen auf mich zu und noch immer schlug mein Herz in einem wahnsinnigem Tempo. Noch immer hatte ich Angst vor dem Etwas, welches auf mich zukam, doch gleichzeitig fühlte es sich auch ein bisschen so an, wie nach einer langen Reise nach Hause zukommen. Es war, als hätte ich mein Leben lang nach diesem Gefühl gesucht. Als würde ich die Kreatur aus einem früheren Leben kennen. Als hätten wir uns vor unendlich langen Zeiten aus den Augen verloren und jetzt erst wieder gefunden. Es war ein Heimkehren. Obwohl unbeschreiblich hässlich, umgab dieses Wesen eine Aura, die strahlend hell und wunderschön war. Wie mit den Augen eines Liebenden, der die Schwächen und Fehler gerne übersieht, betrachtete ich dieses Wesen vor mir nun. Die Augen schienen zwar tot, doch bei genauerem Hinsehen bemerkte der aufmerksame Betrachter darin eine Güte und Wärme, wie ich sie noch bei niemandem zuvor gesehen hatte. Dadurch wirkten sie lebendig. Der dreckige, zerschlissene Mantel zeugte von einem langen Leidensweg und vielen schlechten Erfahrungen. Von Entbehrungen und bitteren Enttäuschungen. Plötzlich wünschte ich mir nichts sehnlich, als dass dieses seltsam vertraute Wesen noch näher kommen würde und mich in eine schützenden Umarmung ziehen würde. Instinktiv wusste ich, dass mir von dort aus keine Gefahr drohte, dass ich mich unendlich geborgen fühlen würde, wenn ich erst einmal in den Tiefen dieses Mantel versinken würde.
Jetzt konnte ich es gar nicht mehr erwarten, dass es endlich bei mir ankommen würde.Und endlich, nach einer kleinen Ewigkeit, standen dieses Wesen und ich uns von Angesicht zu Angesicht gegenüber. Was ich jetzt sah verschlug mir vollends den Atem. Wirkte die abgerissene Gestalt von Weitem doch so unendlich hässlich und verabscheuungswürdig, sah sie von Nahem einfach nur überirdisch schön aus. Fein gemeißelte, fast aristokratisch wirkende Gesichtszüge, hohe Wangenknochen, eine schlanke vielleicht eine Spur zu lange Nase und sinnlich geschwungene Lippen. Das alles umrahmt von seidig glänzendem ebenholzfarbenem Haar, gut versteckt unter der Kapuze.
Völlig verblüfft starrte ich den Menschen vor mir an. ‚So muss ein Engel aussehen!' schoss es mir durch den Kopf.
Ein feines Lächeln überzog die schönen Lippen und erwärmte mir das Herz.
Mich wieder auf meine bestimmt mal vorhanden gewesenen guten Manieren besinnend, schlug ich peinlich berührt die Augen nieder, geblendet von dem Glanze seiner Schönheit.'Wer…. Wer bist du?' brachte ich schließlich krächzend heraus.
'Du kennst mich, Ella.' antwortete der Engel vor mir. Seine Stimme verzauberte mich sofort. Sie war so süß wie Honig und so warm, wie ein Feuer im Ofen an kalten Wintertagen. Doch seine Worte verwirrten mich. Woher sollte ich ihn kennen? Ich bin mir sicher, wäre ich ihm irgendwann schon einmal begegnet, ich hätte ihn meinen Lebtag nicht mehr vergessen.'Ah, ich sehe du verstehst mich nicht. Lass es mich dir anders erklären. Du kennst mich, so wie ich dich kenne. Wir sind eins, Ella. Seit Anbeginn der Zeit schon.'
Wenn er mir damit jetzt hatte Klarheit verschaffen wollen, so war er grandios gescheitert. Alles was ich verstand war: Bahnhof!?
'Ich bin du, und du bist ich. Ella, wir sind wie zwei Seiten einer Münze. Unsere Schicksale sind auf ewig miteinander verflochten.'
Hä?! Ob er wohl mal etwas weniger in Rätseln würde sprechen können und dafür mir mal sagen würde, was er gerade meinte?
'Du lebst in mir und ich in dir.' fuhr er stattdessen fort. Wir sind uns noch nie begegnet, aber doch kenne ich dich, wie kein anderer dich kennt und du kennst mich, wie sonst niemand auf der Welt. Du weißt es vielleicht gerade nicht, aber es ist tief in dir und dein Herz erkennt mich. Spürst du nicht auch diese Wärme? Diese Geborgenheit? Das Gefühl angekommen zu sein? Eine Heimat zu haben?' fragte er.
'Ja.' flüsterte ich heiser. Noch verstand ich nicht, was er meinte, aber ich spürte, dass er recht hatte. Nur sonderlich viel anfangen konnte ich mit dieser Erkenntnis nichts.
'Ich bin deine Vergangenheit, deine Gegenwart und deine Zukunft. Alles was ist und war und sein wird, ist in uns vereint. Wir sind das Sein und das Leben. Alles was wahr zu sein scheint, kann auch falsch sein und vieles, was falsch zu sein scheint, kann wahr sein.'
HÄ?! Ich glaube ich sah ihn gerade an, wie ein Affe ein Auto anstarrt, welches gerade an seiner Nase vorbeifuhr oder die Banane in seiner Hand, die plötzlich laut um Hilfe schreiend weg lief. ‚Hilfe! Er will mich fressen!'
'Jetzt mag es dich noch verwirren, aber eines Tages wirst du wissen, was ich meine.'Alles schien sich zu drehen in meinem Kopf. Die Gedanken schwirrten durcheinander, kollidierten, stießen einander ab und schlugen Loopings. Plötzlich machte es Klick in meinem Kopf.
'Mit dem wahr und falsch, meinst du da vielleicht das, was ich denke, was du meinst?''Was denkst du denn, was ich denke, was du meinst?' fragte er lächelnd. 'Oh Ella, ich merke, du verstehst langsam. Aber sage mir doch zur Sicherheit noch einmal, was genau du denkst, nicht dass ich dir hinter her etwas falsches erzähle.'
'Raffael. Seine Augen, als ich ihm sagte, dass ich ihn Liebe. War das wirklich Hass in ihnen? Bitterkeit? Angst? Liebe? Sehnsucht?' Es tat weh, seinen Namen auszusprechen, aber der Mann vor mir half mir dabei, er gab mir das Gefühl, stark zu sein.
'All diese Emotionen und noch viel mehr.'
'Sein Geheimnis, das ist etwas ganz schlimmes, oder?'
'Was verstehst du unter schlimm? Dass er einen Menschen getötet hat? Nein, das hat er nicht. Aber ihm ist etwas wiederfahren, über dass er nicht gerne spricht. Wenn du wüsstest, was geschehen ist, dann würdest du ihn verstehen.'
'Wirst du mir dabei helfen, ihn zu verstehen?'
'Das kann ich nicht. Das kannst nur du alleine, aber ich kann dir einiges über ihn erzählen und auch über dich, wenn du das willst.'
Warum spricht er in Rätseln???
'Raffael. Du liebst ihn sehr, oder? Auch jetzt noch?' fragte er mich auf einmal.
'Ja. Ich liebe ihn.' Ich war so überrumpelt von der Frage, dass ich einfach die Wahrheit sagte, auch wenn sie schmerzhaft war.
'Er wird es dir eines Tages erzählen, da bin ich mir sicher. Aber jetzt möchte ich erst einmal ein paar deiner Fragen beantworten. Ella, ich bin du und du bist ich. Es klingt komisch, aber es ist so. wir sind tatsächlich eins. Du könntest ohne mich nicht existieren und ich nicht ohne dich. Einst, vor vielen Jahrhunderten waren wir Geschwister. Kinder einer angesehenen, reichen Familie. Du warst schon damals eine Schönheit. Alle Männer haben sich nach dir umgesehen, doch du wolltest nur den einen. Raffael. Er hieß damals genauso wie heute. Warum wirst du noch verstehen, aber du hießt nicht Ella sondern Seraphina. Mein Name war Leonard. Raffael und du, ihr wolltest heiraten. Ihr wart beide unsterblich ineinander verliebt. Aber die Gesellschaft der damaligen Zeit war dagegen. Raffael war mittellos und ein Fremder in einem fremden Land. Sie haben euch viele Steine in den Weg gelegt. Als dann auch noch dieser schreckliche Unfall passierte, war alles zu spät. Sie haben ihn aus dem Land gejagt. Nachdem sie Raffael vertrieben hatten, hast du dir das Leben genommen. Ich wollte es noch verhindern, doch ich kam zu spät. Ich habe deinen toten Körper Raffael übergeben, Wir standen heimlich in Kontakt und bereiteten eure gemeinsame Flucht vor. Ich wollte dir alles erzählen, doch du hast dich von allen zurück gezogen. Ich gab mir die Schuld an deinem Tod und konnte damit nicht mehr leben. Gerade zu der Zeit befand sich ein wundersamer alter Mann in der Stadt, der erzählte, man könne dem Tod eine Seele entreißen, in dem man sie mit einer anderen tauschen würde. Doch derjenige, der seine Seele hergibt müsse einen entsetzlichen Preis bezahlen. Beraubt seines Körpers müsse seine Seele auf ewig durch das Schattenreich streifen, Sichtbar nur für den Menschen, für den man sich aufgeopfert hat. Und verdammt dazu, erst Ruhe zu finden, wenn dieser Mensch sein vollkommenes Glück gefunden hat.
Ich habe diese Bürde gerne auf mich genommen, wollte ich doch nur, dass du endlich glücklich bist. Du warst und wirst es immer sein, der wichtigste Mensch in meinem Leben.Der Alte hatte nicht ganz recht. Deine Seele kam nicht zurück, aber ich war für alle scheinbar tot. Ich bin halb wahnsinnig geworden. Ich habe dich gesucht, so wie auch Raffael dich seit jenem Tag sucht. Er trägt eine so viel schwerere Bürde, als ich. Du allein kannst ihn davon erlösen, aber du musst es auch wirklich wollen. Ich kann dir helfen, dir beistehen, aber du musst die Prüfungen alleine bestehen. Es wird ein langer Leidensweg werden.'







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