Searching the Light

Autor: Belladonna
veröffentlicht am: 24.01.2009




Voilà, ich präsentiere: Teil 8! *Applaus bitte* xD Viel Spaß beim Lesen. Ich freue mich übrigens auch über konstruktive Kritik und Verbesserungsvorschläge, falls Euch etwas auffallen sollte, was man noch besser machen könnte. Liebe Grüße, Stella.

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Tat der diesmal aber Gott sei Dank nicht, das hätte mir ja gerade noch gefehlt!
Nach dem 10 mal klingeln nahm Elijah dann auch endlich an.
'Was ist denn?' nuschelte er verschlafen ins Telefon.
'Ähm, ich bin's, Ella.' meldete ich mich. Ein bisschen tat es mir schon leid, ihn mitten in der Nacht aus dem Bett zu scheuchen, aber was hätte ich denn sonst tun sollen?
'Himmel Ella, was ist denn los, dass du um diese Uhrzeit anrufst?!' mit einmal hörte er sich hellwach an.
'Naja, also Vanni und ich hätten da so ein kleines Problemchen...'
'..kleines Problemchen! Ella, du übertreibst maßlos!' rief Vanni aufgeregt neben mir.'Was denn für eins?' fragte Elijah.
'Naja, ich würd mal sagen, wir haben uns ein wenig verlaufen...' fing ich vorsichtig an.
'Verlaufen?! Wie denn bitte das? Ihr kennt die Gegend doch in und auswendig!'
Hörte ich da vielleicht einen klitzekleinen Vorwurf heraus?
'Ich weiß ja auch nicht. Wir sind ein Stückchen spazieren gegangen. Haben uns noch ein wenig über den Abend unterhalten und so, du weißt schon...'
'...Mädchenkram, ja. Ich kann mir gut vorstellen, worüber ihr euch unterhalten habt, aber sprich weiter.'
'Jedenfalls wussten wir dann irgendwann nicht mehr wo wir waren. Wir müssen wohl unbewusst weiter gelaufen sein, als wir dachten. Man kann von hier aus die Lichter vom Haus nicht mehr sehen, aber wir sind auch nicht am Zaun eures Nachbarn vorbei gekommen. Und außerdem stinkt es hier so widerlich, irgendwie verbrannt...' klärte ich Elijah über unsere missliche Lage auf.
'Und ich soll euch jetzt suchen, oder wie?' fragte er und ich konnte einen tiefen Seufzer vom anderen Ende der Leitung vernehmen.
'Wäre schon nett von dir. Wir wissen nämlich leider auch nicht aus welcher Richtung wir gekommen sind. Hier sieht irgendwie alles gleich aus.'
'Na schön. Und wie stellt ihr euch das vor? Ich meine, ihr wisst nicht mal, wo ihr seid, wie soll ich euch dann finden?'
'Indem du unseren Spuren folgst.' mischte sich nun auch Vanni ein, der das Ganze eindeutig zu lange dauerte. 'Wir sind am Waldrand losgegangen. Beim Pavillon. Wenn du eine Taschenlampe mitnimmst, dann wirst du unsere Fußabdrücke im Boden schon sehen und dann folgst du denen einfach und findest uns und dann gehen wir unseren Spuren folgend zurück!'
'Ist klar. Dann rührt euch dort aber nicht von der Stelle! Ich mach mich gleich auf den Weg!''Danke Elijah.' sagte ich noch ins Telefon, dann war die Verbindung weg.
'Huch, hat er einfach aufgelegt?' Das sah Elijah gar nicht ähnlich, aber so ganz und gar nicht!'Kann ich mir nicht vorstellen.' meinte auch Vanni.
'Das ist wieder wie gestern...'
'Nun hör aber schon auf damit! Du machst mir Angst. Lassen wir das Thema einfach. Elijah macht sich auf den Weg und wird uns bald hier abholen. So lange rühren wir uns nicht vom Fleck und reden vor allem nicht über dein gruseliges Erlebnis von gestern Abend!' bestimmte Vanni, der man die Furcht nun deutlich anhören konnte. Ich fügte mich, denn auch ich wollt nicht länger über dieses schreckliche Ereignis nachdenken.
'So, und was machen wir jetzt, bis Elijah da ist? Däumchen drehen?'
Sarkasmus komm raus!
'Nee ich dachte mehr so an abwarten und Tee trinken!' bemerkte Vanessa nicht minder sarkastisch als ich, Augenblicke zuvor.
'Auch gut, hast du vielleicht eine Teekanne mit?'
'Nee, du etwa?' fragte sie und sah mich abwartend an.
'Ich glaub die hab ich heute ausnahmsweise mal zu Hause gelassen. Ich konnte ja nicht ahnen, dass wir sie benötigen würden. Weißt du, das ist wie mit den Regenschirmen! Nimmst du einen mit, dann regnet es nicht, vergisst du ihn aber mal, dann wirst du patschnass.'
'Da hast du recht. Komisch eigentlich, nicht? Woran das wohl liegen mag? Zufall?'
'Ich weiß nicht. Aber warum reden wir eigentlich gerade über Regenschirme und Zufall?'
'Hm, ich glaube ... ich weiß es nicht.' fing sie an, hörte aber sofort wieder auf.'Oh man. Elijah soll sich bloß beeilen. Irgendwie ist mir das ganze hier immer noch verdammt unheimlich!'
'Ja. Das ist es wirklich. Aber wer weiß, wie weit wir gelaufen sind...'
'Ich habe keine Ahnung, wirklich nicht. Aber ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass es weit war. Ich meine, so lange sind wir ja nun wirklich nicht unterwegs gewesen...' Waren wir echt nicht.
'Ist schon merkwürdig... Ach ich wünschte wir könnten nur endlich von diesem Fleck hier verschwinden!' murrte Vanni. Mir gefiel es hier genauso wenig wie ihr, aber wo hätten wir denn lang gehen sollen?
'Du hast doch gehört, was dein Bruder gesagt hat. Wenn wir jetzt weiter gehen, dann gehen wir vermutlich in die falsche Richtung und dann kann es ewig dauern, bis er uns gefunden hat!' erinnerte ich sie an Elijah's Worte am Telefon.
'Ja schon, aber an diesem Ort ist einfach alles unheimlich, angefangen bei dieser ungewöhnlichen Stille, bis hin zu diesem ekligen Gestank! Ich habe einfach Angst.'
'Mir geht es doch nicht anders als dir. Aber jetzt auf gut Glück loszurennen, was würde uns das bringen? Wer weiß, wo wir dann landen würden.' argumentierte ich, obwohl ich selbst nichts lieber getan hätte, als die Beine in die Hand zu nehmen und zu verschwinden, so schnell wie nur irgend möglich.
'Du hast ja recht...' seufzte Vanni. 'ich wünschte nur, wir wären nicht so ganz alleine hier...''Seid ihr doch gar nicht.' vernahmen wir auf einmal eine Stimme hinter uns.
'Ahhh!' aufkreischend wirbelten wir herum und sahen uns Vannis Bruder gegenüber, der uns schuldbewusst angrinste.
'Himmeldonnerwetternochmal!' fluchte Vanni.
'Musst du uns denn so erschrecken?' fragte ich, während sich meine Pulsfrequenz langsam wieder stabilisierte, war sie doch innerhalb weniger Sekunden in horrende Höhen geschossen.''tschuldigung' murmelte Elijah zerknirscht, aber irgendwie konnte ich ihm nicht wirklich böse sein. Immerhin hatte er uns mitten in der Nacht gesucht und auch gefunden. Aber trotzdem, das mit dem Erschrecken hätte er auch unterlassen können, Basta!
'Egal. Ich bin froh, dass du uns gefunden hast! Und jetzt können wir bitte ganz schnell wieder gehen!' wiegelte Vanni alles ab und trieb uns zur Eile.
'Also eins müsst ihr mir aber mal erklären,' begann Elijah, nachdem wir uns auf den Rückweg gemacht hatten, und drehte sich zu uns um. 'Wie um alles in der Welt habt ihr es nur geschafft so dermaßen im Kreis zu gehen?'
'Wie bitte?!' verständnislos sah ich Vannis Bruder an.
'Naja, ihr seid in einem ziemlich riesigen Bogen um den Hügel herum gelaufen und mitten im Moor gelandet.' erklärte er sich uns.
'Ach du Schande!' entfuhr es Vanni und mir wurde gerade einiges klar.
'Natürlich, wenn wir um den Hügel rum sind, dann konnten wir gar nicht am Zaun eures Nachbarn vorbei kommen, weil der in der anderen Richtung liegt. Und die Lichter konnten wir nicht sehen, weil euer Haus am Fuße des Hügels liegt, nicht auf ihm drauf. Also war die Anhöhe dann zwischen uns und dem Haus. Aber eines versteh ich nicht so ganz. Wie sind wir dahin gekommen? Wir sind doch eigentlich in Richtung des Sees gegangen und nicht zum Moor. Da hätten wir doch zwangsläufig am Haus vorbei kommen müssen, oder?'So deutlich ich jetzt auch einiges sah, so sehr lagen doch auch andere Dinge im Dunkeln. Irgendetwas passierte hier und ich befand mich mitten drin. Ob mir das gefiel? Nicht wirklich!
'Ich versteh das auch nicht. Aber weißt du was ich glaube, Ella?'
Nach einem Kopfschütteln meinerseits fuhr meine Freundin in ihrer Theorie fort: 'Ich denke, das hängt irgendwie alles miteinander zusammen. Also, das gestern und heute Abend, aber frag mich um Gottes Willen nicht wie und wie ich darauf komme!'
'So etwas ähnliches habe ich auch schon vermutet. Nur, mir gefällt die Sache nicht. Vielleicht sollten wir in nächster Zeit auch erst einmal Stillschweigen darüber bewahren.
Wahrscheinlich würde uns eh niemand glauben, wozu also Misstrauen erwecken?' zischte ich ihr leise zu.
'Ja, da stimm ich dir voll und ganz zu. Behalten wir das alles vorerst für uns. Ich hoffe nur, es passiert in nächster Zeit nicht wieder so was!' flüsterte Vanni genauso leise zurück.'Was heckt ihr denn schon wieder für Verschwörungstheorien aus?' rief Elijah uns von weiter vorne zu.
'Willst du es ihm sagen?' Fragend sah Vanni mich an.
'Ich weiß es nicht. Ich will ihn eigentlich nicht belügen. Das wäre nicht recht.' Vanni und ich hatten uns immer alles erzählt und mit vielen meiner Probleme hatte ich auch zu Elijah kommen können. Der hatte stets ein offenes Ohr für mich gehabt. Der Gedanke ihn jetzt anzulügen schmeckte mir überhaupt nicht.
'Nein, das wäre es nicht. Die andere Frage ist aber, würde er uns glauben?' Auch Vanessa zögerte.
'Wollen wir es auf einen Versuch drauf ankommen lassen?' Mehr als schief gehen konnte es ja nicht und im Notfall könnten wir es immer noch als Scherz abtun, wenn ihr Bruder uns wirklich nicht glauben würde. Als hätte meine Freundin meine Gedanken erraten nickte sie zustimmend und bat Elijah einen Moment zu warten.
'Elijah? Wir müssten mal mit dir reden...'
Alarmiert blieb er stehen und wandte sich zu uns um.
'Was gibt es so dringendes?' Abwechselnd sah er uns misstrauisch an.
Noch einmal holte ich tief Luft. Dann begann ich zu erzählen. Von gestern Abend. Meinem Telefonat mit Sonja, der plötzliche Abbruch der Verbindung. Wie ich dieses Wesen gesehen hatte und um mein Leben rannte. Von dem Regen, der kein Regen war. Ich berichtete ihm auch von der Möwe heute früh und dass ich manchmal das Gefühl hatte, mir das alles nur eingebildet zu haben. Mein Gespräch mit Raffael ließ ich aus. Das ging ihn nun wirklich nichts an, auch nicht, was ich Vanni über meinen Angebeteten anvertraut hatte, aber unser Erlebnis im Moor verschwieg ich ihm nicht.
Fast eine halbe Stunde redete ich. Elijah schwieg die ganze Zeit über und als ich endete holte er einmal tief Luft und ich dachte schon er würde jetzt anfangen zu lachen, doch das tat er nicht.
'Stimmt das wirklich?' fragte er noch einmal nach. Vanni bestätigte ihm, was sie selbst heute Abend erlebt hatte. Anderes wüsste sie auch nicht hundertprozentig, aber sie glaube mir, beteuerte sie.
'Das ist ja fast unmöglich!' rief Elijah aus. 'Ella, warum hast du mir das nicht schon eher erzählt?'
'Ich hatte Angst, dass du mich auslachen würdest. Und manchmal habe ich sogar selbst schon geglaubt, dass ich mir das alles nur einbilden würde...'
'Ich weiß nicht warum, aber ich glaube dir.' meinte Elijah nach einem Augenblick des Schweigens.
'Danke' flüsterte ich nur leise.
'Wofür?' verblüfft sah er mich an.
'Dafür, dass du mir glaubst, dass du mich nicht auslachst...' erwiderte ich ebenso leise, wie ich zuvor schon meinen Dank bekundet hatte.
'Ach Ella, nicht dafür. Nein, wirklich, danke mir nicht dafür!' seufzte Elijah tief und wandte sich um. 'Vielleicht sollten wir jetzt besser mal gehen. Irgendwie ist es unheimlich hier.'Langsam traten wir den Rückweg an. Ich war froh, dass Vanessas Bruder meiner Geschichte Glauben schenkte. Ich hatte erst nicht einmal zu hoffen gewagt. Doch jetzt atmete ich umso freier, als ich wusste, dass er meine Erlebnisse nicht als Hirngespinste abtat. Ich hatte wahrliches Glück gehabt, Elijah zum Freund haben zu dürfen, wenn auch nicht so, wie er es sich gewünscht hatte.
'Weiß eigentlich einer wie spät es ist?' unterbrach einige Minuten später Vanni mit deutlich hörbarem Gähnen unser kollektives Schweigen.
'Als ich losgegangen bin war es kurz vor zwei.' antwortete ihr Elijah.
'Oh man eh, bloß gut ist morgen Wochenende!' stöhnte sie gequält auf.
'Ja. Keine zehn Elefanten würden mich um sechs schon wieder aus dem Bett kriegen!' bestätigte ich ihr ebenso müde. Wenn es hier nicht so ungemütlich gewesen wäre, dann hätte ich wirklich auf der Stelle und im Stehen einschlafen können!
'Das heißt zehn Pferde, Ella!' korrigierte mich Vanni, die sich ab und an mal über meinen Sprichwörtermissbrauch aufregte.
'Interessiert doch jetzt niemanden...' meldete sich auch Elijah zu Wort, der sich auch nicht mehr so taufrisch anhörte. 'Himmel, ich will jetzt echt nur noch ins Bett und dann meine Ruhe haben! Und wagt es nicht, mich vor Mittag zu wecken!' schnaufte er. Vielleicht war er ja doch ein ganz kleines bisschen sauer auf uns, weil wir ihn zu so nachtschlafender Zeit aus dem Bett geholt hatten.
'Denk so was gar nicht erst!' fauchte er von vorne, als hätte er meine Gedanken lesen können. 'Ich kann mir gut vorstellen, was du dir jetzt schon wieder denkst, Ella! Kenn dich ja immerhin lang genug. Nein, ich bin nich sauer auf euch, eher froh, dass es euch gut geht, aber hundemüde!'
'Okay.' erwiderte ich kleinlaut. War ich denn so leicht zu durchschauen?
'Ella? Du bleibst heute noch bei uns, oder?' fragte Vanni auf einmal.
'Äh...' da fiel mir erst wieder ein, dass ich gar keine Ahnung hatte, was wir ausgemacht hatten. Hatten wir überhaupt etwas ausgemacht?
'Natürlich bleibt sie über Nacht bei uns!' bestimmte Elijah und unterband mit einer unwirsche Handbewegung jede weitere Diskussion über meine nächtliches Domizil.

Ohne das ein weiteres Wort fiel, war uns doch allen klar, das wir vorerst den Mantel des Schweigens über diese Nacht breiten wollten. Vergessen würden wir sie wohl nie können, aber wem hätten wir das Erlebte auch erzählen können, ohne dass man uns auslachen würde? Wer würde uns denn Glauben schenken?
Niemand, und das wussten wir nur zu gut.
Diese Nacht verbrachte ich im Hause Simmons. Vanni und Elijah sind ganz hervorragende Gastgeber und beide gaben sich viel Mühe, mich wieder aufzubauen. Ich solle nach vorne sehen, nicht zurück und mit zurück waren vor allen Dingen die vergangenen Nächte gemeint. Mir erschien es als einfachste Lösung nicht mehr daran zu denken, doch beschlich mich damals schon das unterschwellige Gefühl, dass das noch nicht alles war. Irgendetwas, da war ich mir sicher, würde noch passieren.
Egal was es auch sein mochte, ich wollte es einfach auf mich drauf zu kommen lassen. Viel konnte ich eh nicht machen und wozu sollte ich mich gegen meine Bestimmung auflehnen? Was hätte ich denn schon machen können?
Manchmal glaube ich, dass die Würfel des Schicksals in dem Moment für mich fielen, in dem ich Raffael das erste Mal sah und mich prompt in ihn verliebte. Hätte ich denn ahnen könne, wo es mich eines Tages hinführen würde?

'Ella? Telefon für dich!' rief meine Mutter mir aus dem Salon zu.
Nach einem ausgiebigen Frühstück am Morgen mit Vanni und Elijah hatte ich James angerufen, der mich gegen Mittag bei den beiden abgeholt hatte. Glücklicherweise hatte mich niemand gefragt, was letzte Nacht vorgefallen war. Außerdem war es nicht ungewöhnlich, dass ich spontan mal bei Vanessa übernachtete oder sie bei mir. Unsere Eltern waren das mittlerweile gewohnt, schließlich ging das schon seit vielen Jahren so.
Das Mittagessen hatte ich komplett ausfallen lassen und dafür den gesamten Nachmittag in der Badewanne verbracht. Ich hatte über vieles nachgedacht und war doch zu keiner befriedigenden Lösung gekommen.
'Wer ist denn dran?' fragte ich meine Mutter als ich unten ankam und sie mir den Hörer hinhielt.
'Ein gewisser Raffael Donatellarius. Ich glaube, du wirst uns den Herrn bei Gelegenheit mal vorstellen müssen. Vor allem dein Vater wird da sehr neugierig sein.' grinste sie mich an und verschwand wieder in der Küche, aus der es ganz fabelhaft duftete. So oft sie die Zeit dazu fand, stellte sich meine Mutter selbst in diese und kochte und sie konnte das ganz ausgezeichnet.
Genervt verdrehte ich die Augen und wandte mich dem Telefon zu.
'Hallo Raffael!' begrüßte ich ihn.
'Guten Abend, meine Perle.' vernahm ich seine samtige Stimme vom anderen Ende der Leitung, die mir schon wieder einen wohligen Schauer über den Rücken jagte.
'Warum rufst du denn nicht auf meinem Handy an?' überging ich seinen neuen Spitznamen für mich einfach.
'Hab ich schon versucht, ist keiner ran gegangen. Da dachte ich mir; versuch ich es doch mal bei dir zu Hause. Irgendwer wird sich schon melden.'
'Und du musstest ausgerechnet meine Mutter erwischen! Die denkt sich jetzt bestimmt schon eine Taktik für das zum Abendessen anstehende Verhör aus und wird nicht eher Ruhe geben, bis sie auch noch die kleinste Kleinigkeit aus mir herausgequetscht hat!' schnaufte ich.'Ist deine Mutter etwa Anwältin?'
'Du hast es erfasst!' ‚Das macht hundert Punkte für den Kandidaten. Obwohl, ich hätte lieber hundert Küsse von ihm.' dachte ich und erschrak ganz gewaltig, als mir klar wurde, was ich da eben gedacht hatte.
Ein kehliges Lachen drang aus dem Hörer an mein Ohr und ich überlegte mal wieder, wie es denn angehen konnte, dass ein Mann eine solche fantastische Stimme hatte, die mich regelmäßig an den Rand eines Wonneschauers brachte.
'Warum rufst du eigentlich an?' fragte ich, nur um mich abzulenken.
'Darf ich dich denn nicht einfach mal zu spontan anrufen?' tönte es leicht beleidigt zurück.'Doch schon, aber dein Anruf muss doch einen Grund haben, oder nicht?'
'Ich wollte einfach deine Stimme hören...' sagte er leise und ich bekam auf der Stelle weiche Knie und hundert verrückt gewordenen Schmetterlingen machten Purzelbäume in meinem Bauch.
'..und dich fragen, ob wir morgen vielleicht zusammen ausgehen wollen. In die Stadt vielleicht, wenn du magst?'
'Hm, gerne. Wann denn?' ‚Oh mein Gott!!! Raffael wollte tatsächlich mit mir ausgehen! Ich glaub ich fall in Ohnmacht!' schrie es in mir.
'Also, ich kenne da so ein nette kleines Restaurant. Ich lade dich ein. Wie wäre es, wenn ich dich gegen sieben morgen Abend abholen komme?'
'Einverstanden. Dann, bis morgen Abend..?'
'Klar. Bis Morgen. Ich wünsch dir noch einen schönen Abend, meine Schöne.'
verabschiedete er sich.
Mit zittrigen Händen legte ich den Hörer zurück auf die Gabel. Ich konnte es nicht fassen. Da hatte ich doch wirklich und wahrhaftig ein Date mit meinem absoluten Traummann!‚Himmel, ich muss Vanni anrufen!' dachte ich und stürmte hoch in mein Reich.
Nach dem dritten Klingeln meldete sich auch schon meine beste Freundin.
'Vanni, das glaubst du mir nie, was ich dir jetzt erzähle!' rief ich aufgeregt, kaum dass sie sich gemeldet hatte.
'Was ist denn los Ella? Ist irgendetwas passiert?'
'Und ob etwas passiert ist!' Ich war komplett von der Rolle.
'Was ist denn? Mach es doch nicht so spannend!' Nun hatte ich scheinbar auch Vanni mit meiner Aufregung angesteckt, denn diese hörte sich genauso nervös an, wie ich mich fühlte.'Raffael hat gerade angerufen und, er hat mich gefragt ob ich morgen Abend mit ihm Essen gehe. Vanni, ich habe ein Date!' schrie ich schon fast vor lauter Glück und Jubel.
'Aaaw!' quietschte meine Freundin. 'Das ist ja süß! Er hat dich tatsächlich gefragt? Oh man Ella, das ist wunderbar! Ich kanns ja kaum fassen, Ella hat ein Date! Und auch noch mit Raffael!'
'Ja. Oh mein Gott, oh mein Gott, oh mein Gott!' fächelte ich mir Luft zu, ich war schon halb am hyperventilieren.
'Erzähl doch mal, was hat der denn gesagt? Du musst mir unbedingt alles sagen! Jetzt sofort!' Die war echt so aus dem Häuschen wie ich. Was hatte ich nur für eine fantastische Freundin, die sich so mit mir freuen konnte!
'Naja, er hat angerufen und wir haben uns ein wenig unterhalten. Small Talk und so, weißt du?'
'Och menno Ella! Das ist doch keine Antwort.'
'Weißt du was er antwortete als ich ihn fragte, warum er angerufen habe? Er sagte, er wolle nur mal meine Stimme hören. Ist das nicht süß?'
'Ohhh, das ist ja echt süß von ihm. Du Ella, weißt du was ich glaube? Der ist genauso Hals über Kopf in dich verliebt, wie du in ihn! Da bin ich mir sicher. Und sollte das nicht stimmen, dann fress ich einen Besen, das schwör ich dir!'
Na, das wollte ich sehen! Vanni, die einen Besen fraß! Aber ich würde ihr einen aus Metall besorgen! Fies, oder? Nein würde ich natürlich nicht. Ich hoffte ja schließlich von ganzem Herzen, dass sie recht behalten würde.
'Ella? Bist du noch dran?'
'Wie? Oh. Ja klar, sorry. Ich war nur gerade in Gedanken...'
'Ja und ich kann mir auch schon vorstellen, bei wem du gedanklich warst.'
Ich hatte das untrügliche Gefühl, dass im Augenblick ein diabolisches Grinsen die Lippen meiner Freundin überzog.
'Tja. Das werde ich dir sicherlich nicht sagen! Aber mal was ganz anderes, was soll ich morgen eigentlich anziehen?' Kam ich urplötzlich auf den Boden der Realität zurück.'Ähm...'
'Oh Shit. Ich weiß ja nicht mal, wo wir hingehen werden. Mist, das hätte ich ihn vielleicht noch fragen sollen...' Gedanklich schlug ich mir die Handfläche vor die Stirn und schalt mich eine Idiotin.
'Hast du etwa nicht?' fragte mich Vanni entgeistert. Als ob sie etwa an solch nichtig erscheinende Dinge denken würde, wenn ihrTraumtyp sie zu einem Dinner einladen würde!'Nein. Das hab ich vergessen.' gab ich mehr oder minder kleinlaut zu.
'Okay... Das ist dann allerdings wirklich ein Problem...'
'Aber hat irgendetwas von einem netten kleinen Restaurant gesagt, glaube ich mich erinnern zu können..' Allerdings konnte man mitder Beschreibung nur bedingt viel anfangen.'Na das nenn ich mal präzise!' kam auch umgehend der Kommentar meiner Freundin.'Ach ich war halt so überrumpelt und.. wie würdest du denn in so einer Situation reagieren? Und jetzt sag mir nicht, dass du daran gedacht hättest!' Angriff ist schließlich immer noch die beste Verteidigung!
'Naja. Hast recht. Ich hätte da auch keine Gedanken dran verschwendet. Trotzdem bleibt dein Kleidungsproblem bestehen.' Ach nee, hätt ich fast vergessen!
'Weiß ich. Meinst du ich sollte ihn noch mal anrufen? Aber kommt ja auch irgendwie doof. Nee, das kann ich nicht machen...' überlegte ich laut und kam mal wieder zu keinem Ergebnis.
'Das kannst du nun echt nicht bringen. Soll ich morgen vorbei kommen und dir bei der Kleiderfrage helfen? Wir können ja zusammen nach einem guten Outfit suchen.' schlug sie auf einmal vor.
'Vanni? Das würdest du echt machen? Du bist echt die beste Freundin der ganzen Welt! Danke. Danke. Danke. Du bist ein Schatz!' jubelte ich.
'Ist ja gut. Beruhige dich doch mal wieder..' hörte ich sie leise lachen. 'Okay, also komme ich dann morgen so gegen drei zu euch, oder?'
'Ja, das wäre prima! Gott was bin ich froh dich zur Freundin zu haben!' jauchzte ich.'Supi, dann bis morgen. Ich muss jetzt langsam mal auflegen. Elijah beobachtet das Telefon mal wieder mit Argusaugen. Ich hoffe nur der telefoniert nicht wieder so lange mit weiß der Fuchs wem. Ich will Flo heute noch anrufen...'
'Hm. Ach, bestell deinem Bruder mal liebe Grüße von mir. Machst du das?'
'Klar. Da wird er sich freuen. Ich glaube der würde auch gerne noch mit dir reden, aber wir wissen doch beide, dass das nur in einem Verhör enden würde. Er hat nämlich grad ganz genau mitgekriegt, dass du schon bald ein Rendez-Vous mit Raffael hast.'
'Vor dem kann man wohl gar nichts geheim halten!' stöhnte ich gespielt genervt auf. 'Aber drück ihn mal von mir und sag ihm, dass ich ihn lieb habe. Und dich habe ich noch ganz viel mehr doll lieb! Wow, was für ein dämlicher Satz! Aber der Inhalt stimmt. Fühl dich gedrückt. Bis morgen.'
Damit beendete ich unser Gespräch und überlegte schon einmal, wie ich dem Verhör meiner Mutter entgehen konnte. Naja, wohl nicht so wirklich gut. Also wappnete ich mich für die Schlacht und stieg hinab in die Höhle des Löwen, besser bekannt als die Küche der Familie Cambridge.
'Ach, hallo Ella, schön dass du uns auch noch mit deiner Anwesenheit beehrst!' begrüßte mich mein Vater, als ich die Küche betrat.
'Wie bitte?' ich war viel zu durcheinander und zu aufgeregt um die eigentlich offensichtliche Spitze mitzukriegen.
'Du bist spät Ella. Wir warten schon seit einer halben Stunde mit dem Essen auf dich.'
erklärte mir meine Mutter.
'Oh!' entfuhr es mir. Zu mehr war ich irgendwie nicht fähig und es war mir auch entsetzlich peinlich.
'Na, mir scheint unsere Tochter ist heute mit den Gedanken ganz woanders, meine liebe Frau.' sagte Papa nun wieder in einer ganz anderen Tonart, aber gerade weil ich eben ganz woanders gedanklich war, bekam ich nicht mit, in welcher und auch nicht, dass das Verhör so eben begann.
'Ja, mir scheint auch, mein liebster Ehemann! Vielleicht hat das ja etwas mit dem reizenden jungen Mann zu tun, der vorhin hier angerufen hat. Wie war doch gleich sein Name, Ella?' reagierte meine Mutter sofort.
'Raffael...' murmelte ich leise und merkte schon, dass langsam eine leichte Röte meinen Hals hinaufkroch.
'Schau an, Véronique, bei dem Namen wird sie rot. Würde mich ja mal interessieren, was es mit dem jungen Herrn auf sich hat.' ging mein Vater sogleich darauf ein.
'Ja, das wüsste ich auch gerne, aber ich glaube ich habe ihn noch nie hier gesehen. Wo kommt er denn her Ella?' Gespannt sahen sie mich beide an.
'Aus Venedig...'
'Oh! Aus Venedig also! Stimmt ich erinnere mich, dass er einen italienischen Nachnamen nannte. Irgendwie so etwas ähnliches wie Donatella oder?' Wieder ein erwartungsvoller Blick.
'Donatellarius...' antwortete ich leise.
'Ah, ja, genau! Ist er eigentlich von Adel? Ich habe diesen Namen noch nie zuvor gehört, du vielleicht, Theodore?' fragte sie meinen Vater.
'Nein, ich glaube daran würde ich mich erinnern. Aber seit wann lebt er denn schon in Carlisle?' Das war wieder an mich gerichtet.
'Ich weiß es nicht...' Kollektives Augenbrauenheben folgte dieser meiner Aussage.
'Na so etwas. Wie hast du ihn denn kennengelernt?' Jetzt bewegte sich das Verhör in richtig ‚heiße Phase'. Von nun an würde ich mit meinen Antworten sehr vorsichtig sein müssen. Ach, es kann schon eine Fluch sein, neugierige Eltern zu haben!
'Auf Elijah's letzter Party.'
'Der an diesem Freitag?'
'Nein, die vor drei Wochen. Da war er auch da. Diesen Freitag aber auch wieder.'
'Aha. Und ihr habt euch quasi auf Anhieb gut verstanden?' Jetzt fing es an kriminell zu werden. Meine Mutter witterte wohl etwas, jedenfalls wurden ihre Fragen doch nun schon sehr speziell.
'Naja, ich denke schon. Er ist sehr nett...' versuchte ich es mal mit ausweichend.
'Soso. Sehr nett also!' hieb nun auch mein Vater in die selbe Kerbe wie meine Mutter.
'Ja...'
'Und was wollte er heute?'
'Wie?'
'Was er am Telefon wollte?' wiederholte meine Mam ihre Frage.
'Mich zum Essen einladen...' Jetzt wurde ich wirklich rot.
'Schau an, Véronique, meine Teuerste, unsere Tochter hat ein Date!' schmunzelte mein Vater über meine nun mehr als nur gesund zu nennende Gesichtsfarbe.
'Och, sie wird erwachsen!' meinte die Angesprochene nur entzückt.
'Ja, ich hoffe nur, du hast dir da einen anständigen Jungen ausgesucht!'
'Papa! Wir gehen doch nur zusammen essen!' schnaubte ich. Langsam könnte es ja mal wieder gut sein. Was Eltern nur immer für ein Drama daraus machen mussten!
'Nur essen also? Und warum wirst du dann so rot?' lächelte er mich an.
'Ach, vielleicht ist es ihr ja peinlich. Vielleicht ist er ja nur ein armer Junge und hat kam Geld, oder er sieht vielleicht nicht so gut aus?' mutmaßte meine Mutter um mich aus der Reserve zu locken.
'Mama!' entfuhr es mir aufgebracht. 'Raffael ist Duca und er sieht fantastisch aus!'
'Oh. Na dann lad ihn doch mal zu uns zum essen ein! Damit wir ihn auch mal kennen lernen, deinen Freund.' grinste sie süffisant und mir wurde eben klar, dass ich ihr voll auf den Leim gegangen war.
'Er ist nicht mein Freund!' fauchte ich.
Ups, nächster Fehler, wenn ich mir so das Grinsen meiner Eltern besah.
'Na, aber vielleicht bald?' bohrte meine Mutter weiter.
'Mein liebes Frauchen, ich glaube das ist Ella gerade ein wenig unangenehm. Warten wir doch erst einmal den morgigen Tag ab. Ella wird uns dann schon erzählen, ob sie und dieser mysteriöse Raffael nun ein Paar sind oder ob sie doch getrennte Wege gehen werden.' rettete mich mein Vater aus meiner misslichen Lage. Mit einem kleinen Lächeln sah ich ihn dankbar an, immer noch mit glühenden Wangen. Meine Mam zog enttäuscht einen Flunsch, ließ es dann aber endlich auf sich beruhen und ich konnte mein mittlerweile kaltes Abendessen genießen, ohne weiter gelöchert zu werden.

Kaum fertig mit Essen flüchtete ich sofort wieder in meinen Flügel, nicht dass meine Mutter doch noch auf die Idee kam, weitere Fragen zu Raffael und zu der Beziehung, in der ich zu ihm stand, zu stellen. Oder sagen wir mal, zu der Beziehung, in der ich gerne zu ihm stehen würde...







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