Searching the Light

Autor: Belladonna
veröffentlicht am: 31.05.2009




HalliHallo meine Lieben,
es tut mir entsetzlich leid, dass ich so lange gebraucht habe, für diesen Teil. Schätze mal, der nächste wird auch wieder ein Weilchen dauern. Nicht dass mir die Ideen fehlen würden. Was fehlt ist die Zeit. Ich hoffe, Ihr seid mir nicht allzu böse. Ich werde mein Möglichstes tun, versprochen!
Viele liebe Grüße, Eure Belladonna.
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In dieser Nacht schlief ich zum ersten Mal seit langem wieder völlig traumlos und empfand dies als einen Segen! Es war eine wahre Wohltat endlich einmal durchschlafen zu können. Es würde höchst wahrscheinlich ein langer Tag werden und ich wollte mir unter keinen Umständen die Blöße geben, bei meinem Date mit Raffael einzuschlafen.
Ich glaube, meine Eltern sowie eigentlich auch alle anderen im Haus merkten mir meine Unruhe deutlich an. Meine Mutter schaute leicht gequält aus der Wäsche, als ich den ganzen Vormittag über, wie ein aufgescheuchtes Huhn durch die Gegend lief und mein Vater schmunzelte belustigt, als ich beim Mittagessen meinen Tee statt in das Teeglas in den Teller und über das Gemüse goß.
Was sollte ich denn aber machen? Ich war nun mal außerordentlich aufgeregt. Immerhin würde es mein erstes Date sein. Das erste mit einem Jungen, der mir wirklich verdammt viel bedeutete, und das nach dem ich ihn erst zweimal gesehen und dreimal oder viermal mit ihm gesprochen hatte!
Gegen um drei kam dann wie versprochen meine beste Freundin und bekam sofort all meine Bedenken zu hören, die mich im Laufe des Tages beschlichen hatten. Nachdem sie mir etwa eine Stunde mehr oder minder aufmerksam gelauscht hatte, schickte sie mich, auch schon leicht genervt ins Bad. „Ella, geh baden! Ich such währenddessen mal was schönes zum Anziehen aus deinem Schrank raus!“
Lange hielt ich es in der Badewanne nicht aus. Ich war einfach zu hibbelig. Kaum eine halbe Stunde später war ich schon wieder dabei meine Haare zu trocknen.
„Vanni?“ rief ich durch die geschlossene Tür. „Soll ich mir Locken drehen, oder besser nicht?“
„Lass es besser sein. Sieht zwar toll aus, aber mit glatten Haaren schaust du besser aus!“ schrie sie zurück. Lautes Rumpeln drang durch die Tür zu meinen Ohren durch. Weiß der Himmel, was sie da machte! Wahrscheinlich stellte sie gerade mein halbes Zimmer auf den Kopf auf der Suche nach dem passenden Outfit für mich für heute Abend. Ich muss ehrlich gestehen, ich war gespannt, was sie mir heraussuchen würde. „Vanni? Kann ich jetzt endlich wieder rauskommen?“ fragte ich sie etwa eine halbe Stunde später durch die Tür. „Gleich!“ rief sie zurück. Naja, was schon gleich bei Vanessa Simmons heißt! Das kann gut und gerne noch eine halbe Stunde dauern. Tief seufzend setzte ich mich auf das Fensterbrett und sah hinaus in unseren Garten. Ich liebte es die Farbenpracht zu bewundern und manchmal konnte ich mich sogar in diesem Anblick verlieren. Nur heute wollte es mir einfach nicht gelingen. Viel zu aufgeregt war ich, wenn ich daran dachte, dass ich heute Abend mit Raffael essen gehen würde und ich dachte nun mal pausenlos daran. So wie ich auch ohne Unterlass an diesen faszinierenden jungen Mann denken musste.
„Du darfst jetzt rauskommen, Ella!“ riss Vannis Stimme mich schließlich aus meinen Gedanken, in denen ich so sehr versunken war, dass ich vor Schreck halb von der Fensterbank fiel, auf der ich gesessen hatte, als ich ihre Worte vernahm.
„Ja! Ich komme schon!“ rief ich zurück und schaffte es mit Ach und Krach NICHT auf dem Badteppich aus zu rutschen.
„So, was hast du denn nun Feines für mich herausgesucht?“ fragte ich meine Freundin gespannt, als ich zur Tür heraus kam.
„Also nach gründlicher Überlegung, habe ich zwei Outfits in die engere Wahl gezogen, aber schau es dir doch am besten mal selber an!“ forderte sie mich auf und dirigierte mich zum Bett.
Das erste Outfit, welches sie für mich herausgesucht hatte, wirkte irgendwie ein bisschen sehr festlich. Ein graues Strickminikleid zu schwarzer Leggings mit einem ebensolchem breiten Gürtel und anthrazitfarbenen Stiefeletten. Dazu große schwarze Kreolen und eine lange Kette mit Perlen.
„Äh? Vanni? Ich geh doch auf keinen Empfang!“ äußerte ich auch sofort meine Bedenken.
„Naja, ich weiß. Ist vielleicht ein bisschen übertrieben, aber schau dir doch auch mal das zweite an!“
Was ich dann auch tat. Das sah schon etwas besser aus, aber ich war mir nicht sicher aus, ob ich darin einen guten Eindruck hinterlassen würde. Vanni hatte mir schwarze Hotpants herausgesucht, zu denen ich quittegelbe Stiefel und ein farblich exakt passendes Top mit schwarzem Gürtel tragen sollte. Komplettieren sollte dieses Outfit eine Kette mit schwarzen und gelben Perlen und dazu gehörige Ohrhänger.
„Ich weiß nicht. Das sieht irgendwie wieder ein bisschen zu sehr nach Party aus, meinst du nicht?“ zweifelnd sah ich sie an.
„Genau das habe ich mir auch gedacht, als ich das so herausgesucht habe. Aber hätte ja sein können, dass du das anders siehst. Aber gut, dass wir da einer Meinung sind. Ich habe übrigens noch ein drittes Ensemble für dich zusammen gestellt. Ich glaube das könnte dir gefallen!“ erklärte mir Vanni und komplementierte mich auf die andere Seite des Bettes. Und dort lag das wirklich absolut perfekteste Outfit für mein Date mit Raffael! Ich würde also eine schwarze Röhrenjeans zu einem eisblauen Babydoll mit Spaghettiträgern tragen und dazu schwarze Stiefeletten mit einer superniedlichen kleinen blauen Schleife am Stiefelschaft. Dazu hatte sie mir noch ein leichtes kleines schwarzes Jäckchen herausgesucht und eine blau-schwarze Perlenkette und ebensolche Ohrringe. Ich war entzückt! Im Traum wäre ich nicht darauf gekommen, hatte ich doch noch nicht einmal mehr gewusst, dass ich dieses süße Babydoll überhaupt noch besaß!
„Oh Vanni. Das ist großartig!“ rief ich aus und umarmte meine beste Freundin stürmisch.
„Ja. Ich hoffe nur, auf Raffael macht es genauso viel Eindruck, aber ich bin da eigentlich ganz zuversichtlich. Ich glaube, du könntest sogar in einem Kartoffelsack zu eurem Date erscheinen und er würde dich noch immer absolut hinreißend finden.“
„HaHaHa!“ Na das hielt ich ja nun mal wieder für ein Gerücht! Ich meine, wer will denn schon jemandem zum Essen einladen, der einen Jutesack trägt?! Ich würde das jedenfalls nicht wollen. Naja, es sei denn, Raffael würde in eben diesem Sack stecken – und zwar nur in diesem Sack...
‚Ella! Was hast du nur schon wieder für schmutzige Gedanken!’ wies ich mich innerlich zurecht. Ich würde ihm doch den ganzen Abend über nicht in die Augen sehen können, wenn ich mir diesen Anblick jetzt wirklich bildlich vorstellen würde. Ganz schnell vertrieb ich diese Träumereien aus meinem Kopf und schnappte mir die Sachen um mich im Bad umzuziehen.
Keine viertel Stunde später stand ich geschniegelt und gestriegelt vor Vanni, die mich kritisch begutachtete. „Ich weiß nicht, aber vielleicht solltest du die Schleife doch weglassen...“ krittelte sie an der kleinen blauen Schleife herum, die ich mir über dem Ohr in die Haare gesteckt hatte. „Das sieht mir ein bisschen zu sehr nach Emo aus.“ fuhr sie fort und resignierend nahm ich die Schleife wieder ab.
„Schade. Ich fand das niedlich.“
„Sah ja auch niedlich aus, aber du musst es ja nicht gleich übertreiben, oder?“
„Jaja, hast schon recht, Vanessa Simmons, DIE Expertin in Sachen Mode!“ spöttelte ich leicht über Vannis recht exzentrisch zu nennenden Modestyle.
„Es kann halt nicht jeder immer so perfekt gestylt sein wie du!“ kam postwendend ihre nicht weniger spöttische Bemerkung zurück.
„Ach Vanni.. ich bin so aufgeregt! Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll, wenn er dann vor mir steht....“ „Wie wäre es mit ‚Hallo’?“
„Ach nee!“ schnaufte ich augenverleiernd. Manchmal war sie mir echt keine große Hilfe.
„Na ja siehst du. Da hast du doch dann schon mal was gesagt und dann wird er dir antworten und dir unter Garantie ein Kompliment für dein Aussehen machen und so wird sich dann schon ein Gespräch ergeben.“ Es war unheimlich, aber irgendwie glaube ich, dass Vanni recht behalten würde. Aber klar, sie hatte einfach schon viel mehr Erfahrungen in Sachen Dating. Gott, ich war so hibbelig, dass ich jetzt einfach nicht mehr still sitzen konnte und unruhig durch mein Zimmer tigerte.
„Mensch Ella. Nun setz dich doch mal wieder hin, du machst mich ja ganz wuschig!“ fuhr meine Freundin mich nach einer Weile an.
„Tut mir leid...“ erwiderte ich kleinlaut und setzte mich neben sie.
„Sag mal, soll ich eigentlich gehen, bevor Raffael hier aufkreuzt? Ich meine, schaffst du das bis dahin oder bist du dann ein nervliches Wrack?“
„Kannst du nicht noch ein bisschen hierbleiben?“ flehte ich und hörte mich wie ein kleines Kind an, dass Angst vor der Dunkelheit und dem Einschlafen hatte und seine Eltern anbettelte, es nicht alleine zu lassen. „Dachte ich mir schon. Klar bleibe ich, ich kann doch nicht verantworten, dass du einen schlechten Eindruck bei deinem Zukünftigen hinterlässt, nur weil du psychologisch vollkommen am Ende bist...“ grinste sie mich an. „Das heißt psychisch, Vanni.“ korrigierte ich sie, woraufhin ich nur ein hämisches Grinsen von ihr erhielt. Sie hatte das ganz genau geplant!
„Mann Vanni! Das war echt nicht nett! Boah und ich muss natürlich prompt drauf reinfallen! Das hast du eiskalt kalkuliert!“
„Na aber sicher doch!“ meinte sie nur mit einem süffisanten Lächeln.
Typisch Vanessa, aber vielleicht war es auch besser, wenn ich mich über sie schwarz ärgerte, statt wie ein aufgescheuchtes Huhn hin und her zu rennen. Zumindest in diesem Punkt hatte sie recht. Ob Raffael nun mein Zukünftiger werden würde, nun, das stand noch in den Sternen.... noch!
„Ella? Du musst mir dann aber ganz unbedingt alles in das allerkleinste Details berichten! Das ist dir schon klar oder?“
„Muss das sein?“ stöhnte ich genervt auf. Vanni war bei solchen Sachen mitunter noch tausend Mal schlimmer als meine Mutter und das will schon was heißen!
„Natürlich! Dafür hab ich dir doch auch das super Outfit heraus gesucht!“
Gottergeben gab ich mich geschlagen. Mit Vanni zu diskutieren hat oftmals keinen Sinn, aber bei der Sachlage, war es ein geradezu aussichtsloses Unterfangen.
Gerade als sie wieder ansetzen wollte zu sprechen, klingelte es unten an der Tür.
„Oh mein Gott. Das ist er!“ Am liebsten wär ich jetzt in Ohnmacht gefallen, aber das wäre bestimmt nicht gut bei Raffael angekommen. Also riss ich mich zusammen, drückte meine beste Freundin ganz fest zum Abschied und stieg mit wackeligen Beinen die Treppe runter.
„Ella? Für dich!“ rief mir meine Mutter schon von unten entgegen. War ja klar!
„Ich komme schon!“ wollte ich eigentlich zurückrufen, brachte aber nicht mehr als ein leises Krächzen heraus. Die letzten Stufen stolperte ich fast hinunter und heute erscheint es mir wie ein Wunder, dass ich mich vor ihm nicht noch auf den Hintern gesetzt habe.
„Guten Abend, Ella.“ begrüßte er mich mit seiner warmen Stimme und mir verschlug es erst einmal den Atem. Raffael sah fantastisch aus!
„Hey.“ brachte ich wieder nur ein leises Fiepen heraus und hätte mich am Liebsten dafür erschlagen. Gott ich machte mich echt komplett zum Obst vor ihm!
„Wollen wir?“ fragte er und sah mich mit leicht erhobener Augenbraue an. Wie paralysiert nickte ich. Ganz Gentleman reichte er mir seinen Arm und ich hakte mich bei ihm unter. Ich kam mir vor wie ein willensloses Hündchen, das treu seinem Herrchen folgte.
Der nächste Schock ereilte mich, als ich sein Auto sah. Ein Lamborghini! Ein Gott verdammter Lamborghini! Ich wäre ja halb in Ohnmacht gefallen, aber Raffael hielt mich Gott sei Dank fest. Mit einem charmanten Lächeln öffnete er mir die Beifahrertür und half mir einzusteigen. Dann ging er um den Wagen herum und setzte sich hinter das Lenkrad.
„Du bist heute aber sehr schweigsam.“ bemerkte er, nachdem wir schon eine Weile fuhren.
„Wie bitte? Oh entschuldige. Ich komme mir gerade so schrecklich underdressed vor.“
„Wieso?“ verständnislos sah er mich an.
„Naja ich meine ja nur. Du sitzt hier in Anzug und Krawatte neben mir und ich ...“ hilflos zuckte ich die Achseln und wusste nicht mehr weiter.
„Ach Ella!“ seufzte er tief. „Du siehst fantastisch aus. Glaube mir das mal.“
„Hm. Wo fahren wir eigentlich hin?“ fragte ich einfach nur um mich abzulenken während ich krampfhaft versuchte nicht rot zu werden. Vorsichtig schielte ich zu Raffael hinüber. Seit wir losgefahren waren hatte ich ihn nicht mehr angesehen. Ich wollte vermeiden wirklich noch in Ohnmacht zu fallen. Denn Raffael sah aus, wie ein Gott. Ein Gott im Frack! Die schimmernde schwarze Seide sah großartig an ihm aus und brachte seine schönen rauchgrauen Augen, in die ich mich schon im ersten Augenblick verliebt hatte hervorragend zur Geltung. „Och in so ein schnuckliges kleines Restaurant in der Nähe von London.“ Er sagte das so gleichgültig, aber mir sprangen beinahe die Augen aus dem Kopf als ich das hörte. In der näheren Umgebung von London kannte ich nur ein einziges Restaurant, dass das Prädikat ‚schnucklig’ verdient hätte und das war das ‚Lys’. Sehr exquisit, aber auch verdammt teuer!
„Ähm, du meinst nicht zufällig das ‚Lys’?“ äußerte ich leise meine Vermutung.
„Ach, du kennst es schon?“ Benommen nickte ich. „Schade, es sollte eigentlich eine Überraschung werden, aber du lebst natürlich schon viel länger hier in England als ich, da wäre es ja verwunderlich gewesen, wenn du es nicht kennen würdest.“ Mir schien es, als spräche er mehr zu sich selbst, als zu mir. Im Augenblick störte mich dass allerdings herzlich wenig, denn ich war immer noch geschockt darüber, dass er gerade in dieses Café mit mir wollte. Ich konnte mich noch gut an unseren letzten Besuch erinnern, die horrenden Preise auf der absolut fantastischen Speisekarte inbegriffen.
Das ‚Lys’ hatte den weltbesten Koch, den ich kannte, und diesen kannte ich sogar persönlich, und ein wahrlich gemütlich zu nennendes Ambiente.
‚Verdammt, er konnte doch nicht so viel Geld ausgeben, meinetwegen!‘ dachte ich und äußerte diese Bedenken wenig später auch.
„Ach Ella, lass das doch meine Sorgen sein, okay? Für eine so schöne und besondere Frau wie dich, ist mir nichts zu teuer.“
Mir schwirrte der Kopf. Klar, mich hatten schon viele schön genannt, aber es aus Raffaels Mund zu hören war etwas anderes, denn seine Meinung war mir wichtig. Ich konnte es mir nicht erklären, aber es bedeutete mir irgendwie unheimlich viel, dass er mich schön fand. Und mein Herz machte komischerweise Freudensprünge über die Tatsache, dass er nur für mich so einen Aufstand machte. Ein kleines Café in Carlisle hätte es meiner Meinung nach auch getan. Aber nein, der Herr musste mich in ‚Lys‘ einladen!
Als hätte er meinen inneren Disput verfolgt sagte er schließlich: „Ella, ich möchte das so, okay?“
„Aber… wieso?“ So ganz verstand ich ihn nämlich trotzdem nicht, obwohl ich mich unheimlich geschmeichelt fühlte.
„Weil du mir wichtig bist. Und weil ich einen guten Eindruck bei dir hinterlassen möchte und, ja, irgendwie wollte ich dich auch beeindrucken.“
Das verblüffte mich nun vollends. Er machte das alles, weil er mir imponieren wollte? Konnte es denn dann sein, dass er ähnliche Gefühle für mich hegte, wie ich für ihn?
Eigentlich war es müßig, sich jetzt Gedanken darüber zu machen. Ich sollte lieber den Abend genießen, und seine Gesellschaft.
„In Ordnung…“ stimmte ich schließlich leise zu.
Den Rest der Fahrt verbrachten wir beiden schweigend. Es war ein angenehmes Schweigen. Herrgott, ich fühlte mich sogar wohl in seine Gegenwart, wenn niemand von uns ein Wort sprach! Ich kannte so viele Leute, die jetzt an dieser Stelle krampfhaft versucht hätten ein Gespräch in Gang zu kriegen, einfach nur, weil sie die Stille nicht ertrugen. Der Umstand, dass ich mit Raffael einfach auch mal nicht sprechen musste, machte ihn mir gleich noch viel sympathischer, als er mir eh schon war. Ich kam nicht umhin zu bemerken, dass er einfach perfekt war. Eine halbe Stunde später waren wir angekommen. Die Suche nach einem Parkplatz gestaltete sich allerdings als recht schwieriges Unterfangen. An einem Freitagabend in London einen Parkplatz finden? Praktisch unmöglich. Doch nach einigem Gefluche von Seiten Raffaels und einem amüsierten Auflachen von mir stand der Wagen endlich.
„Du scheinst ja deinen Spaß gehabt zu haben.“ meinte Raffael leicht verschnupft neben mir.
„Ach doch, die Vorstellung war ganz nett.“ erwiderte ich mit einem unschuldigem Lächeln.
„Soso, ganz nett also? Na dann werden wir doch mal dafür sorgen, dass sie ‚grandios‘ wird.“ lächelte mich der Traummann, der auf dem Fahrersitz saß an, stieg aus und hielt mir wenige später die Tür auf. Als hätte ich das nicht auch alleine hingekriegt!
Augen verdrehend ließ ich mir von ihm aus seinem tiefschwarzen Lamborghini helfen und kam nicht umhin mal wieder festzustellen, dass er wirklich ein perfekter Gentleman war.
Galant hielt er mir seinen Arm hin und Seite an Seite gingen wir zum Restaurant. Kaum angekommen hielt man uns schon die Tür auf.
„Ah Mylady Cambridge und Mr. Donatellarius! Welch eine Freude, Sie bei uns begrüßen zu können!” begrüßte uns gleich der Portier und irgendwie war mir dieses ganze förmliche Getue entsetzlich peinlich. Mein Gott, es war doch nur ein Date und kein Staatsbankett!
„Darf ich Ihnen die Jacke abnehmen, schöne Frau?“ fragte Raffael mich mit einem schelmischen Lächeln auf den Lippen, nachdem wir eingetreten waren.
„Nur zu gerne, Signor!“ stieg ich in dieses Spiel mit ein und klimperte kokett mit den Wimpern.
„Mylady, Mylord, wenn ich Sie dann zu Ihrem Tisch geleiten darf?“ ertönte kurz darauf die Stimme eines Dieners hinter uns, der gar nicht auf unsere Antwort wartete, sondern sofort wieder geschäftig durch den Saal wuselte und uns zu unserem Platz brachte. Ich kam mir vor wie ein Küken, das brav der Mutter Ente folgte. Wäre nicht die ernste Atmosphäre gewesen und dies eines der nobelsten Restaurants Europas, ich hätte schallend aufgelacht. So jedoch verbiss ich es mir mit einiger Mühe und zeigte dem Diener ein charmantes Lächeln, als dieser mir den Stuhl zurecht gerückt hatte. Raffael mir gegenüber saßen wir schließlich ein bisschen verloren da. „Hm, etwas übertrieben.“ murmelte dieser leise, wahrscheinlich in der Annahme, ich würde ihn nicht verstehen. „Warst du noch nie hier?“ fragte ich ihn. Eigentlich sinnlos, denn wäre er schon einmal Gast gewesen, er hätte sich nicht über diese übertriebene Fürsorge den Gästen gegenüber gewundert.
„Ähm…“ leicht verlegen sah er mich an. „Nicht wirklich. Mein Vater hat mir diese Lokalität empfohlen.“ „Keine Angst, die sind nicht immer so.“ beruhigte ich ihn mit einem Lächeln. Wenn man das erste Mal hier her kam, kam man sich meist ein wenig überfahren vor.
„Na Gott sei Dank und ich dachte schon….“ fing er an, brach dann aber ab und sah mich entschuldigend an. „Tut mir leid, ich wollte das alles perfekt wird…“
„Ich bin gerne hier. Die Leute sind nett und dein Vater muss einen guten Eindruck hier hinterlassen haben, ansonsten hättest du keinen Tisch gekriegt. Jedenfalls nicht so kurzfristig.“ Erstaunt sah er mich an.
„Wie meinst du das?“
„Schau dir das ‚Lys‘ doch mal an.“ meinte ich mit einer weit ausholenden Handbewegung. „Siehst du hier irgendwo auch nur noch einen einzigen freien Stuhl? Nein. Das ‚Lys‘ ist ausgebucht. Monate, sogar Jahre im Voraus. Sie sind so überbelegt, dass sie sich ihre Kundschaft aussuchen können. Hier kommen nur ausgewählte Leute rein. Und selbst die superreichen müssen mitunter Wochen auf einen freien Tisch warten. Dir haben sie nach einem Tag einen verschafft. Das kannst du als eine riesengroße Ehre ansehen.“
Mit großen Augen sah er mich an. „Ich hatte keine Ahnung…“ sagte er mit rauer Stimme. Stand wohl ein wenig unter Schock der Gute.
„Müssen deine Eltern auch Wochen auf einen Tisch warten, wenn sie hier essen wollen?“ fragte er mich wenig später. Anscheinend hatte er sich wieder gefasst.
„Nein.“ lächelte ich ihn an. „Wir zählen zur Stammkundschaft. Außerdem kenn ich den Koch persönlich. Carlos gehört das Restaurant. Er hat mal in Carlisle gewohnt. Ganz früher, bevor er sich selbstständig gemacht hat. Ich kannte ihn schon als ich noch ein ganz kleines Mädchen war. Er ist der beste Koch der Welt. Einen besseren findest du nirgendwo anders.“
„Ach was, Ella übertreibt gerne!“ ertönte eine belustigte Stimme hinter mir, als ich mit meiner Lobeshymne fertig war. Und wer stand da und grinste wie ein Honigkuchenpferd? Carlos!
Mit einem Quietschen sprang ich auf und warf mich ihm in die Arme.
„Musst du nicht eigentlich in der Küche sein?“ fragte ich ihn, nachdem ich mich wieder aus unserer Umarmung gelöst hatte.
„Nun, ein kleines Vögelchen hat mir gezwitschert, dass meine Lieblingsfeinschmeckerin zu Gast ist und ich konnte es mir einfach nicht verkneifen dich persönlich zu begrüßen.“ schenkte er mir ein spitzbübisches Lächeln. „Carlos? Darf ich dir Raffael vorstellen?“ besann ich mich schnell wieder auf meine guten Manieren. „Erfreut Sie kennenzulernen.“ Begrüßte der etwas verblüffte Raffael Carlos. Dieser schüttelte ihm die Hand und machte dabei ein nachdenkliches Gesicht.
„Die Freude ist ganz meinerseits, aber nennen Sie mich Carlos.“ sagte er und wenig später schlug er sich die Hand vor die Stirn. „Natürlich, Sie sind doch der Sohn von Giacomo Veneluca- Donatellarius!“ rief er aus. „Ähm, ja. Der bin ich.“
„Das mir das nicht sofort aufgefallen ist! Noch letzte Woche hatte ich Ihren Vater und ihre Mutter bei mir zu Gast. Ella, meine Teure, da hast du dir aber jemanden geangelt!“ zwinkerte er mir zu. Und ich hatte so langsam keine Ahnung mehr, was hier eigentlich lief.
„Äh, kann mich mal jemand aufklären?“ fragte ich deswegen ein bisschen hilflos.
„Was, haben das deine Eltern noch nicht gemacht?“ gespielt entsetzt musterte mich Carlos und begann wenig später mit: „Ja also weißt du, da gibt es die Blümchen und die Bienchen…“
„Carlos!“ rief ich ärgerlich. „Das weiß ich doch!“
„Na warum fragst du dann?“
„Hast du nicht noch was in der Küche zu tun?“ fuhr ich ihn leicht verschnupft an.
„Willst mich wohl wieder los werden, was?“ lachte er mit einem Zwinkern, ließ und dann aber tatsächlich wieder alleine.
„Raffael? Was war das eben?“ fragte ich mein Gegenüber. „Wer ist dein Vater?“
„Giacomo Veneluca- Donatellarius.“ antwortete er mir.
„Etwas genauer bitte, ich kann mit dem Namen nichts anfangen.“ bat ich ihn. Ich kam mir komisch vor. Ich wusste gar nichts über Raffael, er schien im Gegenzug aber alles über mich zu wissen. Dass sogar Carlos ihn zu kennen schien fand ich nun wieder echt beleidigend.
„Tut mir leid, ich hätte dir das vielleicht eher sagen sollen, aber wie gesagt, ich hatte keine Ahnung, was mich hier im ‚Lys‘ erwartet, als mein Vater mir dieses Restaurant empfohlen hat.“ entschuldigte er sie, dann holte er tief Luft und begann zu erzählen.
„Mein Vater ist, wie soll ich sagen, ein sehr wichtiger Mann in Venedig. Naja, nicht nur dort, eigentlich in praktisch ganz Europa. Schon mal etwas von Veneluca- Industries gehört?“
„Dieser riesige Konzern, der letztens wegen der Übernahme von … ich hab den Namen vergessen, in den Schlagzeilen stand?“ ratlos sah ich ihn an.
„Ja. Die Firma gehört meinem Vater.“
„Moment mal, sind die nicht gerade dabei Unmengen an kleinen Firmen in ganz Europa aufzukaufen?“ „Ja.“
„Ach du Schande! Dann habe ich ja gerade ein Date mit dem Erbe eines Multimilliardärs!“ nun war ich es, die leicht geschockt war. „Dafür dass du sogar im Geld baden gehen kannst, bist du aber ziemlich auf dem Teppich geblieben.“
„Ich habe mir eigentlich nie viel aus Geld gemacht. Es bedeutet mir nichts und glücklich macht es auch nicht. Es ist einfach da und, naja, ich bin halt einfach damit aufgewachsen. Aber ich hätte ohne zu zögern mein ganzes Erbe verschenkt, um diesen Abend mit dir zusammen hier zu sitzen.“
„Schön gesagt.“ lächelte ich reichlich überfahren von all diesen Neuigkeiten. Ich hatte ja so was von überhaupt gar keine Ahnung gehabt!
„Ella, es ist mir ernst. Du bist mir wirklich wichtig!“ wiederholte Raffael noch einmal eindringlich und ein Blick aus seinen intensiven rauchgrauen Augen traf mich. Gott diese Augen! Die machten mich wahnsinnig. So unendlich tief und so verdammt ehrlich.
„Ja, ich weiß.“ antwortete ich schwach.
Wie viele Überraschungen würde mich bei Raffael wohl noch erwarten? War ich überhaupt schon bereit für all das? Würde es mir nicht irgendwann zu viel werden? All diese Fragen schossen mir auf einmal durch den Kopf und mir wurde ganz schwindelig. Während meiner Überlegungen kristallisierte sich aber ein Gedanke immer weiter heraus. Ich war ohne Hoffnung auf Rettung in Raffael verliebt. Ihm bis zur nicht vorhandenen Halskrause verfallen. Und wenn ich mich an all die verdammte Etikette würde halten müssen, nur um bei ihm sein zu können, ich würde es verflucht noch mal tun!
„Wollen wir dann erst einmal essen?“ fragte ich ihn schließlich und sah, wie er sich merklich entspannte, als er meine Worte hörte. Ein leichtes Lächeln überzog seine Lippen, Lippen, die ich so gerne mal küssen würde! Mit einem Wink bestellte er den Ober herbei, der sich dezent im Hintergrund gehalten hatte und wir bestellten. Diese kleine Ablenkung kam mir recht gelegen, gab sie mir doch Zeit meine Gedanken noch einmal flüchtig zu ordnen.
„Danke.“ sagte Raffael dann leise und brachte meine fahrige Ordnung ein weiteres mal durcheinander. „Wofür?“ fragte ich erstaunt.
„Dafür, dass du mir eine Chance gibst. Dass du nicht einfach wieder gegangen bist. Ich hätte es dir kaum verübeln können, hättest du es getan.“ erwiderte er leise.
Die Überraschungen schienen kein Ende zu nehmen.
„Ist dir wohl schon häufiger passiert, oder?“ vermutete ich. Als Antwort bekam ich lediglich ein Nicken. „Oh. Das ist dann aber nicht die feine englische Art. Lass mich raten: Dein immenses Vermögen und die damit verbundene gesellschaftliche Stellung hat sie abgeschreckt?“
„Ja.“
Na gut, jetzt war mir klar, was Sonja mir hatte erzählen wollen. Und mir war auch klar, was Jason gemeint hatte, als er Raffael als Herzensbrecher von Carlisle tituliert hatte. Aber für den Reichtum und Einfluss seines Vaters konnte er nun wirklich nichts. Indirekt war er also gar nicht schuld an seinem Ruf. Und er konnte ja auch schlecht mit einem Schild um den Hals herum laufen, auf dem stand: ‚Ich bin der Sohn eines Milliardärs!‘ Das wäre ja Schwachsinn!







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