Sag, was du fühlst Teil 7

Autor: ***BlackHope***
veröffentlicht am: 04.04.2009




6.Kapitel

Der Anblick war wirklcih malerisch. Zwar war es noch taghell gewesen, als Mark nach dem Abendessen losgeradelt war, doch jetzt senkte sich die Sonne bereits hinter den hohen Berggipfeln des kleinen Tales, und die diffuse Dämmerung tauchte die Landschaft vor ihm in ein verwunschenes, blaugoldenes Licht.
Das Einzige, was daran störte, war Cecilia. Oder vielmehr die Tatsache das sie nicht da war und das nicht mit ansehen konnte.
Beim Abendessen hatte sie sich wieder mal von Lina entschuldigen lassen, und auch danach war sie nicht aufgetaucht. Mark hatte an ihre Zimmertür geklopft, um sie zu fragen, ob sie mit ihm zum Tal käme, aber keine Antwort erhalten. In der Hoffnung, dass sie schon vorrausgefahren war, hatte er sich schließ´lich auf sein Rad geschwungen. Dass Cecilias Rad nicht in der Garage stand nahm er als ein gutes Zeichen - sie würde vielleicht schon beim Tal auf ihn warten.
Doch vor dem Felsen konnte er ihr Rad nirgends entdeckn, und als er sich durch den schmalen Durchgang gequetscht hatte, war er ganz allein im Tal mit dem herrlichen Ausblick.Missmutig setzte er sich auf einen der flachen Felsblöcke, die über den Wiesenhang verstreut lagen, der noch warm von der Sonne war. Während er auf Deutsch leise vor sich hin murmelte wie blöd doch alle Weiber waren, stieß er mit dem Fuß die kleinen Steinchen weg, die vor dem Felsblock im Gras lagen. Nachdem er die kleinere Munition 'verschossen' hatte, kickte er auch die größeren Steine davon und geriet dabei immer mehr in Schwung.'Und am allerbescheuertsten von allen ist Tonja!' rief er und trat heftig gegen einen faustgroßen, runden Kiesel - nur um dann laut aufzujaulen, als er feststellen musste, dass dieser Stein noch fest mit der darunter liegenden Felsplatte verbunden war.
Laut auf Deutsch und Englisch durcheinander fluchend sprang er auf und hüpfte auf einem Bein herrum, währed er den Knöchel seines anderen Beins umklammert hielt.
'Blöder Stein, blöde Weiber, blödes Amerika', rief er, während das schmerzhaft pulsieren in seinem großen Zeh ihn zu weiteren Luftsprüngen veranlasste.
'Bloody fucking...' Er suchte noch nach einem passenden englischen Wort, als er hinter sich plötzlich ein unterdrücktes Kichern hörte.
'Ich weiß überhaupt nicht, was daran so lustig sein soll', rief er, noch immer völlig von seinem schmerzenden Zeh in Anspruch genommen. 'i reallyy don´t know what´s so damn funny...', begann er in Englisch als ihm wieder einfiel, dass er mitten in der Wildnis Colorados wohl keinem Deutsch sprechenden Wesen begegen würde.
Langsam formte sich in seinem schmerzvernebelten Hirn dann wieder ein logischer Gedanke. Niemand kannte dieses Bergtal, also konnte auch niemand über ihn lachen, es sei denn ...Er setzte den Fuß vorsichtig auf den Boden und drehte sich um. 'Cecilia.'
Sie stand in ein paar Metern Entfernung und gab sich größte Mühe, ihr Kichern unter Kontrolle zu bringen. 'Entschuldigung', prustete sie, 'aber es sah zu komisch aus, wie du hier wie ein Indianer beim Regentanz durch die Gegend gehüpft bist und dabei mit deutschem Akzent amerikanisch geflucht hast.'
'Na, kann ich ahnen, dass dieser dämliche Stein angewachsen ist?' grummelte Mark.'Zum Glück habe ich meine Sportschuhe mit den verstärken Kappen an, sonst wäre der Zeh glatt gebrochen.'
'Und dann wärst du hier in der Wildnis gestrandet', stellte Cecilia fest. 'Niemand wüsste, wo du steckst, außer mir.'
'Ich wäre völlig in deiner Hand', sagte Mark und beobachtete fasziniert, wie sie langsam auf ihn zukam und ihr langes, glattes Haar dabei wie ein Cape auf ihren nackten Schultern lag. Sie trug Jeans, wie immer, und ein hellblaues Neckholder-Top.
Als sie vor ihm stehen blieb und ihn fragend ansah, brachte er kein Wort heraus. Mit ihrer gebräunten Haut und den dunklen Haaren kam sie ihm vor der Kulisse des kleinen Tals auf einmal vor wie eine der Ureinwohnerinnen, und er hatte kurz die Vision, dass er durch eine Zeitspalte gerutscht und in der Frühzeit Amerikas gelandet war. Oder lag es vielleicht eher daran, das ihm wieder einmal auffiel, wie wunderschön Cecilia mit offenen Haaren aussah?Als Cecilia hastig einen Schritt zurücktrat, war der Bann gebrochen. 'Du wolltest mir dringend was sagen' meinte sie.
Mit einem fast spührbaren Ruck kehrer Mark etwas unsanft auf den Boden der Tatsachen zurück. Einen Augenblick lang haatte er geglaubt, dass Cecilia den Zauber auch spührte, doch als er jetzt ihren misstrauischen und etwsa ungeduldigen gesichtsausdruck sah, musste er einsehen, dass er sich wohl getäuscht hatte.
'Äh, ja', stotterte er, ein wenig aus dem Konzept gebracht. 'Ich wollte dir sagen, dass es nicht stimmt, dass ich eine Freundin in Deutschland habe. Tonja hat gelogen. Also nein, das stimmt auch nicht, denn ich habe Tonja ja gesagt, dass ich eine Freundin in Deutschland habe, aber es stimmt nicht.'
'Also hast du gelogen', bemerkte Cecilia.
Mark seufzte. 'Eine Notlüge, um mir Tonja vom Hals zu halten. Und ganz unwahr ist es auch nicht, denn es gibt ein Mädchen in Deutschland ...'
Als Cecilia sich mit einem geringschätzigen Geschichtsaudruck abwandte, griff er schnell nach ihrem Arm. 'Nein, warte, bitte. Lass mich ausreden. Ganz richtig muss es heißen: Ich hatte eine Freundin in Deutschland. Bis jetzt wollte ich es mir nicht wirklcih eingestehen, aber sie hat mit mir Schluss gemacht. Sie hat mir einfach ein paar Tage vor unserem Abflug mitgeteilt das sie nicht mitkommt in die USA, aber zu Ende war es eigentlich schon viel früher. Ich war nur ein ziemlicher Blödmann und habe es nicht gemerkt.'
Cecilia war tatsächlich stehen geblieben und hatte ihm mit abgewandem Gesicht weiter zugehört, und nun drehte sie sich wieder zu ihm um. 'Was hast du nicht gemerkt: dass du ein Blödmann bist oder dass es zu Ende war?'
Sprachlos blickte Mark sie an. Solche Schlagfertigkeit hätte er von dem scheuen Reh, das von den anderen ständig als Spätzündlerin beschimpft wurde, nun wirklich nicht erwartet. Cecilia schien selbst erschrocken, denn sie schlug sich mit der Hand auf den Mund. 'Ist ja auch egal, es geht mich ja nichts an.'
'Wenn du nichts dagegen hast, würde ich es dir aber gerne erzählen.', sagte Mark. 'Damit du nicht das nächste mal wenn Tonja was über meine Freundin sagt, wieder das Gefühl hast, ich hätte gelogen. Damit du die ganze Geschichte kennst.'
Er humpelte zu den Felsen zurück, auf dem er gesessen hatte, ließ sich im Schneidersitzt darauf nieder und klopfte neben sich. 'Komm, setz dich doch, es wir eine längere Story.'Cecilia zögerte einen Moment, dann gab sie sich offenbar einen Ruck und ließ sich auf der Felskante nieder. 'Du musst aber nicht, wenn du es...'
Sie suchte nach dem richtigen Wort und fand eins, was Mark aber nicht kannte. Da er aber entschloßen war, sich nicht vom Thema abbringen zu lassen, zuckte er nur die Schultern.'Nein, ist schon okay, ich bin drüber weg. Also darüber, wie Sylvia mit mir umgesprungen ist, meine ich. Und ich nehme es ihr nicht mehr übel, also jetzt jedenfalls nicht mehr. Bis ich hier ankam war ich ziemlich sauer, das stimmt schon. Aber angefangen hat alles viel früher.'Er pflücke einen Grashalm aus dem Büschel neben dem Fels und begann Gedankenverloren, die Samen abzuzupfen. 'Sylvia kam vor einem Jahr neu in meine Klasse. Wir haben uns sofort gut verstanden. Man konnte prima mit ihr reden, und wir haben öfters nach der Schule was miteinerander unternommen.'
Mark dachte daran, wie offen Sylvia auf der einen Seite immer gewesen war und wie schüchtern, wenn es um köperliche Nähe ging. Obwohl er beinahe von Anfang an dieses gewisse Prickeln gespührt hatte, hatte es fast einen Monat gedauert, bis er Sylvia zum ersten mal geküsst hatte.
Und zum Jahreswechsel, als sie auf Klassenfahrt in den Bergen waren, hatte er zum ersten Mal ihre Brust berührt, eher zufällig. Sie trug einen dicken Skipullover, und Mark hatte seine Hände darunter geschoben, weil sie kalt waren. Sie ließ es geschehen, und ein leichtes Zittern ging durch ihren Körper. Als er jedoch versuchte, den Reißverschluss des Thermohemds aufzuziehen, hatte sie seine Hand festgehalten und gesagt, dass er ihr noch etwas Zeit lassen solle.
Alle Zeit der Welt, hatte er geantwortet und dabei an Minuten oder Stunden gedacht, während Sylvia wohl eher Monate im Sinn gehabt hatte. Und es hatte tatsächlich noch fast zwei Monate gedauert, bis sie ihre Schüchternheit überwand und er sie berühren durfte.
'Erzählst du noch weiter?' fragte Cecilia leise neben ihm.
Mark schreckte hoch. 'Entschuldige. Ich ...'
'Schon gut. Es beschäftigt dich eben, ist doch ganz normal.'
Angesichts von Cecilias Verständnis bekam Mark fast ein schlechtes Gewissen. Er hatte zwar am Anfang an Sylvia gedacht, ertappte sich aber dabei, dass ihm immer wieder Cecillias Gesicht dazwischen kam. Ihre tollen blauen Augen, ihre langen braunen Haare ...
'Na ja, Sylvia war ein bisschen schüchtern, und ich habe mich immer bemüht auf sie Rücksicht zu nehmen', fuhr er fort. 'Wir haben immer gesagt, dass wir schließlich alle Zeit der Welt haben, und das dachte ich auch. Aber dann kam der Schulball kurz vor den Ferien dieses Sommers. In der Parallelklasse gab es einen neuen, Gregor.
Er tauchte einfach an unserem Tisch auf und holte Sylvia zum Tanzen. Hat nicht etwa gefragt oder sie aufgefordert, sondern sie am Handgelenkt genommen und auf die Tanzfläche gezogen. Es ging so schnell, dass ich gar nichts sagen konnte. Und Sylvia hat sich auch nicht groß gewehrt. Sie hat sich zwar noch mal nach mir umgeschaut, aber wenn sie nicht gewollt hätte, hätte das anders ausgesehen.'
Mark schluckte, als er merkte, wie wütend er noch immer auf diesen Gregor war.
'Jedenfalls hat er sie nach dem Tanz auch nicht an den Tisch zurück gebracht, sondern an die Bar geschleppt. Und danach sind die beiden einfach verschwunden. Ich habe eine halbe stunde lang nach Sylvia gesucht, aber sie war wie vom Erdboden verschwunden. Ein paar Leute, die ich gefragt habe, haben ein bisschen anzüglich gegrinst, aber damals dachte ich mir noch nichts dabei.'
Schöner Trottel, dachte er.
'Schließlich kam sie mir dann im Treppenhaus von der Aula entgegen. Sie wirkte ziemlich aufgelöst und ein wenig auser Atem, und sie hat nur irgendwas gemurmelt von wegen `wo steckst du denn´ und hat sich dann an mir vorbeigedrückt. So, als hätte sie ein schlechtes Gewissen. Ich hatte gleich ein ziemlich blödes Gefühl, aber ich habe mir eingeredet, dass ... na ja, was man sich in einer solchen Situation halt einredet.
Jedenfalls bin ich ihr brav wieder in die Aula gefolgt, und der DJ sagte gerade ein Set für Verliebte an. Ich wollte Sylvia auffordern, aber da war sie schon aufgestanden und hatte sich zwischen die anderen gemischt. Und kurz darauf endeckte ich sie auf der Tanzfläche - mit Gregor. Eng umschlugen. Dass er sie nicht gleich an Ort und Stelle ausgezogen ...'Mark unterbrach sich. 'Na ja, ich war jedenfalls ziemlich wütend, und dann als sie an den Tisch zurückkam, hatten wir einen Riesenstreit. Sie sagte mir, ich wäre langweilig und Gregor gäbe ihr das Gefühl, dass sie begehrenswert sei. Das fand ich besonders unfair, denn wenn ich ihr das zeigen wollte, hat sie sich ja immer geziert.
Es endete damit, dass ich ziemlich wutschnaubend den Ball verließ, während sie noch wer weiß wie lange dablieb. Hinterher haben wir uns dann wieder vertragen, und sie tat so als wäre alles wie immer. Und wir wollten ja auch zusammen hierher kommen, mit dem Austauschprogramm.
Ein paar Tage vorher hat sie mir dann aber eröffnet, dass sie nicht mit kann. Ihre Mutter hätte einen Schlaganfall gehabt, und sie könnte nicht weg. Und der Höhepunkt war dann noch, dass ich sie bei meinem Abflug am Flughafen gesehen habe - mit ihrer Mutter, die so quicklebendig und topfit wirkte. Also kam ich mir ziemlich veralbert vor, wie du dir denken kannst.'
Er schwieg und betrachtete den Grashalm, den er völlig kahl gerupft hatte. Er hatte viel mehr gesagt, als er vorgehabt hatte, und fragte sich, wie Cecilia wohl auf seinen freimütige Erzählung reagieren würde. Schließlich zählte es nicht grade zum guten Ton, sich bei einem Mädchen über ein anderes auszuheulen. Oder auszutoben, wie in seinem Fall.
Doch plötzlich spürte er Cecilias Hand auf einem Arm. 'Das tut mir Leid', sagte sie. 'Ich weiß, wie es ist, wenn man das Gefühl hat, dass man als Einziger nicht mitbekommen hat, was vor sich geht.'
Überrascht stellte Mark fest, dass es genau das war, was ihn am meisten ärgerte. Dass Sylvia ihm nicht einfach gesagt hatte: 'Du, ich hab mich in Gregor verliebt, es ist aus mit uns', sondern ihm die ganze Zeit etwas vorgespielt hatte, bis sie ihn in letzter Sekunde sozusagen Eiskalt abserviert hatte. Während er immer noch gedacht hatte, der Riss ließe sich kitten.Betont lässig zuckte er die Schultern. 'Na ja, das ist jedenfalls die ganze Geschichte. Und vor Tonja habe ich Sylvia nur erwähnt, damit sie mich in Frieden lässt. Sie ging ja ganz schön ran, und das auch noch vor den Augen von Finn. Das wollte ich damit eigentlich stoppen, aber offenbar lässt sie sich durch sowas nicht aufhalten.'
'Sie würde sich selbst dann nicht aufhalten lassen, wenn deine Freundin direkt neben dir stehen würde', seufzte Cecilia.
'Die ich nicht habe', erinnerte Mark sie sanft. Doch ihre Stimme hatte so deprimiert geklungen, dass er vorsichtig nachhackte: 'Du hast ganz schön viel von Tonja und den anderen auszustehen, was?'
'Es ist die Hölle', stieß Cecilia hervor. 'In Denver hatte ich eine Clique, ich hatte Freunde, ich war sogar beliebt. Aber hier..hier...hier bin ich der Dorftrottel.'
Ihre Stimme klang immer gepresster, und dann verstummte sie ganz und wandte schnell den Kopf ab.
'Hey, was ist denn?' fragte Mark und zupfte sie sacht am Ärmel.
Als sie nicht reagierte, stand er auf und ging vor ihr in die Hocke, wobei er so tat, als sähe er ihre Tränen gar nicht. 'Das ist doch totaler Bullshit', sagte er ernst, in der Hoffnung, dass sein Akzent ihr wieder ein Lächeln entlocken würde, was aber leider nicht der Fall wa. 'Für mich bist du der absolute Lichtblick!'
Sein Kompliment hatte nicht die erhoffte Wirkung. Zwar schaute Cecilia hoch, doch eher ungläubig. 'Für dich bin ich hier... die vorletzte leichte Mode?'
Mark hob die Augenbrauen. 'Äh ... was?'
'Das hast du gesagt, penultimate light look.'
In ihrer Stimme klang schon wieder ein ganz kleines Lachen mit.
'Oh. Ich meinte ... light view? Star gaze? Ach, was weiß denn ich! Jedenfalls kann man sich mit dir prima unterhalten, du hast Humor, du interessierst dich für gescheite Themen, du kannst zuhören und ...'
Er unterbrach sich, als er merkte wie seltsam ihn Cecilia aufeinmal ansah. Er hockte immer noch vor ihr, und sie blickte auf ihn hinunter, mit Tränen in den Augen, aber einem halben Lächeln auf den Lippen. Die langen Haare umrahmten in leichten Wellen ihr zartes Gesicht. 'Und du bist wunderschön', sagte er leise.
Mittlerweile war die Sonne ganz hinter den Gipfeln verschwunden, aber ein paar Strahlen des Sonnenuntergangs fielen durch einen Einschnitt zwischen zwei Bergspitzen genau auf eine Gruppe Birken am Bach. In dem glutroten Licht wirkten sie Tatsächlich, als ob sie lichterloh brannten.
Mark drehte sich um und setzte sich wieder neben Cecilia. Ihre Arme berührten sich dabei, und er spürte es wie ein Stromschlag. Auch Cecilia schien es gemerkt zu haben, denn sie wandte ihm das Gesicht zu und blickte ihn ernst an.
'Ich stehe auch in Flammen', sagte Mark, rührte sich aber nicht. Zu frisch war noch die Erinnerung an Sylvias ständiges Zurückweichen.
'Dann solltest du etwas dagegen unternehmen', sagte Cecilia. Ihr Gesicht war ganz dicht vor seinem, und sie rührte sich keinen Millimeter, sondern saß völlig ruhig da.
Mark öffnete den Mund, um das Spielchen weiterzuspielen, dann schloß er ihn schnell wieder, als er begriff, dass Cecilia überhaupt nicht spielte. Sie hatte ihm angeboten, sie zu küssen, und wenn er es jetzt mal nicht tat, war er ein noch größerer Idiot als je zuvor. Oder?Noch immer hatte sie sich nicht bewegt. Ganz langsam näherte er sich ihrem Gesicht die ganze Zeit auf einen Rückzug in letzter Sekunde gefasst. Doch als er ihre Lippen fast berührte, kam sie ihm entgegen und küsste ihn so offen und vertrauensvoll, dass er sich fragte, wie er jemals hatte glauben können, Cecilia wäre schüchtern.

-


Cecilias Tagebucheintrag:

Donnerstag, 9. September, abends
Er hat mich geküsst!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Er hat keine Freundin, und er findet, dass ich die 'vorletzte leichte Mode' bin, und es war so wundervoll! Er hat mir alles erzählt und dann saß er neben mir, und wir haben uns zufällig berührt, und auf einmal war alles ganz einfach und schön.
Ich kann es noch gar nicht fassen, dass ein Junge wie er sich tatsächlich für mich interessiert, es ist wie ein Traum. Er hat gesagt, er steht in Flammen ...
Und der Kuss war so zärtlich und warum und gleichzeitig auch ein bisschen stürmisch ... Also jedenfalls habe ich mich noch nie so wunderbar gefühlt und schön und bewundert und begehrt ...

Ich bin so glücklich, ich könnte heulen und schreien und lachen, und alles gleichzeitig.Ach, Mark, Mark, ... Mark ...
Was er jetzt wohl macht? Ober er auch an mich denkt? Er schläft ja gleich nebenan ... Ich werde jedenfalls heute Nacht bestimmt nicht schlafen können. Ich muss ständig an ihn denken und wie lieb er mich angeschaut hat. Und wie schön der Kuss war ... seufz ... ich kann es gar nicht abwarten, bis ich ihn morgen wiedersehe.

-

Marks Mail vom Donnerstag 9. September, später Abend (als Entwurf gespeichert, nicht abgeschickt):

Hallo Toby,
oh, mein Alter, ich bin so aufgekratzt, ich kann einfach nicht einschlafen. Heute war ein wundervoller Tag! Wenn ich es recht bedenke, einer der schönsten in meinem Leben. Dabei tut mir der Zeh sowas von weh, dass ich beinahe glaube, dass er gebrochen ist.
Wahrscheinlich werde ich morgen zur Schule humpeln können und mich völlig zum Affen machen, aber das ist mir total egal!
Dieser Abend war so einmalig, dass ich den Schmerz gar nicht merke. Ich denke die ganze Zeit nur an sie. Ich sehe sie vor mir, ihre blauen Augen, die so geheimnisvoll aussehen, ihren Mund mit den weichen warmen Lippen, ihre langen Haare, die das Gesicht umrahmen und so herrlich nach Orangenblühten duften.
Ich kann es kaum beschreiben, was in mir vorgeht. Mein Herz schlägt wie wild, wenn ich nur an ihren Namen denke, und ich denke seit Stunden an nichts anderes mehr.
Cecilia!
Toby, ich glaube, ich habe mich unsterblich verliebt. Cecilia ist heute tatsächlich gekommen, zwar etwas später, so das ich erst dachte sie lässt mich hängen. Ich war schon dabei alle Mädels auf den Mond zu wünschen, aber dann war sie plötzlich da.
Ich habe ihr die ganze Geschichte mit Sylvia erzählt. Sie hat geduldig zugehört. Mann, sie kann zuhören! Na ja, und dann ist es passiert.
Sie hat schon so fantastisch ausgesehen wie sie da vor mir saß, aber als sich dann unsere Arme eher zufällig berührten, war ich auf einmal total ... ach, ich weiß auch nicht. Es war, als würde mein Herz Achterbahn fahren, und mir fingen die Hände an zu zittern. Luft habe ich auch keine mehr bekommen ...
Das alles war aber nichts gegen das, was dann kam. Cecilia hatte mir ihr Gesicht zugewandt. Ich wollte sie so gerne küssen, aber ich hatte auch Angst vor ihrer Reaktion. Langsam und etwas zögerlich bewegte ich mich auf sie zu. Ich spürte ihren Atem, und sie hat sich nicht von der Stelle gerührt ...
Und dann waren ihre Lippen aufeinmal ganz nah. Wir haben uns geküsst, und ich habe das Gefühl, dass ich es immer noch spüren kann. In diesem Kuss lag soviel Wärme, so viel Vertrauen, so viel Zärtlichkeit ...
Und jetzt schläft sie ein paar Meter weiter in ihrem Zimmer (na ja, in diesem Prachtbau vielleicht auch ein paar Kilometer), und ich wll so gerne zu ihr, sie wieder und wieder küssen ... Und noch so viel mehr ....
Sie wird von nun an in meinem Herzen und in meinen Träumen sein.
Machs gut lieber Toby, und ganz liebe grüße
Mark

-

Mark stand vom Schreibtisch auf, ging zum Fenster und öffnete es. Kühle Nachtluft strömte herein, Sterne funkelten am Himmel. Er begann sich auszuziehen. Barfuß, nur noch mit der Jeans bekleidet lief er aufgewühlt durch sein Zimmer.
Der Gedanke, das Cecilia in unmittelbarer Nähe war, ließ ihn nicht los. Mehrmals war er schon zu seiner Zimmertür gegangen, hatte die Klinke niedergedrückt und dann doch nicht den Mut aufgebracht, nach draußen zu gehen.
Schließlich legte er siich aufs Bett. Die Augen fielen ihm zu, und kurz darauf schlief er auch ein.
Im Traum lief er wieder durch sein Zimmer, trat entschloßen auf den Flur - und stieß beinahe mit Cecilia zusammen. Sie stand dort vor seiner Tür, etwas atemlos, sah umwerfend aus und zitterte ein wenig, als Mark auf sie zutrat und sie in die Arme nahm. Ihre Lippen trafen sich zu einem langen Kuss voller Zärtlichkeit und Hingabe. Er spürte ihre Hände auf seiner nackten Haut und drückte sich voller Verlangen an sie.
Ein Geräusch ließ sie beide zusammenfahren. Es hörte sich an, als ob jemand den Flur entlang käme.
Mark schreckte aus dem Halbschlaf hoch und war sich nicht sicher, ob er geträumt oder Cecilia wirklich im Arm gehabt hatte. Er stand auf, ging zur Tür und lauschte, doch es war nichts zu hören.
Achselzuckend zog er sich vollends aus und legte sich wieder ins Bett. Mit einem zufriedenen Lächeln schlief er ein und hoffte, dass der wunderbare Traum zu ihm zurückkehren würde.







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