Sag, was du fühlst Teil 6

Autor: ***BlackHope***
veröffentlicht am: 29.03.2009




Marks Mail vom Sonntag, 5. September, später abends:

Hallihallooo Toby,
Mann, was für ein Wochenende. Stell dir vor, ich war gestern und heute mit Cecilia in den Bergen, mit dem Fahrrad.
Naja, wenn ich ehrlich bin war Cecilia mit mir in den Bergen. :)
Also der Reihe nach! Der Sonnabend fing mit einer Überraschung an. Cecilia hat beim Frühstück den Mund aufgemacht und etwas gesagt. Nicht irgendwas, nein, sie hat mich zu einem Ausflug eingeladen. Zuerst dachte ich, ich träume noch. Doch dann sind wir losmarschiert, durch die Villa zu einer Garage, die man eigentlich als Flugzeughalle verwenden könnte.
Ich sagte dir, obwohl ich nun schon über einer Wocher hier wohne, kenne ich mich in dem Haus immer noch nicht aus. Hier kannst du dich verirren und wirst erst nach Jahren gefunden. Jedenfalls, in der Garage stand ein nagel neues Bike. Toby, so was habe ich mir schon immer gewünscht. Alu-Rahmen, 21 Gang Shimano Schaltung, Scheibenbremsen vorne und hinten, Federgabel und so. Einfach Wahnsinn. Und es gehört mir. Stell dir vor, Cecilia hat ihren Eltern gesagt, dass ich so ein Rad gebrauchen könnte.
Na, jedenfalls sind wir in die Berge gefahren. Cecilia hat mir ein kleines Tal gezeigt, schwer zugänglich und kaum zu finden. Das Tal für sich wäre schon den Ausflug wert gewesen, aber die größte Überraschung kam noch. Cecilia hatte etwas von Pfeilspitzen und so erzählt, die man da finden könnte. Erinnerst du dich noch an die Indianer, die diese Cliff-Dwellings, also so Höhlenwohnungen, gebaut haben? Hier ganz in der Nähe ist Mesa Verde, dieser Nationalpark. Und Cecilia hat unheimlich Ahnung von der Geschichte der Indianer, und überhaupt, man kann sich super mit ihr unterhalten.
Wir sind über die Wiesen gelaufen, haben jeden Stein umgedreht und nach Spuren gesucht. Cecilia ist richtig aufgetaut. Sie hat den Knoten in ihren Haaren gelöst. Toby, es war ein kleines Wunder. Aus Frau Oberlehrerin wurde auf einmal eine Naturschönheit. Sie sieht so gut aus, sie ist ... Ach Toby ich kann es nicht beschreiben. Du verstehst mich schon.Wir sind erst spätabends zurückgefahren. Lina, die Köchin bei den Coulters, hatte uns was zu essen und trinken eingepackt, und wir haben in der Sonne gesessen und gefuttert, unsere gefunden Schätze angesehen und Geschichten gesponnen über die Indianer und wie sie hier vor Jahrhunderten am Feuer gesessen haben.
Und am Sonntag sind wir dann gleich noch mal losgezogen, und es war wirklcih genauso toll.So, das musste ich dir heute unbedingt noch berichten. Jetzt werde ich schlafen gehen und wahrscheinlich von Indianern träumen. =)
Machs gut, mein Alter, und bis demnächst.
Mark

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Cecilias Tagebucheintrag:
Sonntag, 5. September

Wahnsinn, ich bin so glücklich! Es war ein so geniales Wochenende, und ich hatte so viel Spaß wie schon lange nicht mehr.
Mark ist wirklich total nett, und man kann wirklich toll mit ihm reden. Er kannte sogar die Cliff-Dwellings in Mesa Verde aus der deutschen Schule und interessiert sich für die Indianer!
Aber ich fange besser von vorne an. Also, erstens bin ich total froh , dass ich das mit dem Fahrrad gemacht habe. Ich wusste ja vorher dass es total leicht sien würde, Mom und Dad dazu zu überreden, dass sie Mark ein Fahrrad kaufen, aber es hat doch bis Donnerstag abend gedauert, bis ich mich dazu durchringen konnte, sie wirklich zu fragen. Immerhin kann ich jetzt nicht mehr so einfach auf dem Fahrrad allein entwischen, wenn er jetzt auch eins hat ...Aber vielleicht will ich das ja auch gar nicht mehr. Ich habe ihn mitgenommen zu dem kleinen Tal, das ich im Frühjahr endeckt habe, und wir haben uns den ganzen Tag supergut unterhalten. Mit ihm kann man richtig reden, er hat viel gelesen und interessiert sich für 'richtige' Dinge, nicht für diesen Klatsch und Tratsch, um den es in der Schule bei den anderen immer geht.
Und dann isst noch was passiert ... Ich weiß ja nicht, vielleicht bilde ich es mir ja auch nur ein, aber jedenfalls sind wir im Tal rumgelaufen und haben nach Spuren von den Ureinwohnern gesucht, und als ich auf einmal merkte das mein Knoten sich löste, habe ich ihn einfach aufgemacht.
Mark hat wahrscheinlich gedacht ich merke es nicht, aber jedenfalls hat er mich auf einmal ganz schön komisch angeschaut, so überrascht und fast ein bisschen ... Nein, ich trau mich gar nicht, es zu schreiben. Ich glaube nicht, dass sich ein so gut aussehender Junge, der jede haben könnte, ausgerechnet für so eine wie mich interessiert.
Aber nacher, als wir in den Felsen geklettert sind, hat er mir die Hand hingestreckt, damit ich mich festhalten kann, und da war es wieder so, dass er ganz überrascht dreingeschaut hat und auf einmal irgendwie ein bisschen verlegen war, so als ob ...
Nein, ich schreib es nicht. Aber ich freu mich schon aufs nächste Wochenende ...

Montag, 6. September, abends
Ich habs ja gewusst. Was bin ich nur für eine blöde Kuh, dass ich auch nur eine Sekunde lang glauben konnte, dass ein Typ wie Mark sich für mich interessiert. Wo er doch jede haben kann!
Aber das ist ja nicht das Schlimmste - der glatte Hohn ist, dass er schon eine hat. Eine Freundin! In Deutschland! Wegen der hat er sogar Tonja abblitzen lassen! Und ich dummes Huhn mach mir Hoffnungen, dass seine nette Art irgendwas mit mir zu tun hat ...
Endweder er baggert aus Prinzip jede an, oder er wollte nur freundlich zu mir sein, weil er Mitleid mit mir hat-, und ich kann mich nicht mal entscheiden, was ich schlimmer und fieser fände.
Aber von Anfang an. Also, heute Morgen sind wir wieder zusammen zur Schule gegangen und haben uns wieder super unterhalten.
Er mag die gleiche Musik wie ich, und ich hab ihm von den Konzerten in Denver erzählt, auf denen ich gewesen war, als wir noch dort gewohnt haben.
Vor der Schule haben dann wieder Tonja und Co. auf ihn gewartet, aber er hat sie nur kurz gegrüßt und ist dann mit mir zusammen reingegangen, weil er noch mehr von den Konzerten hören wollte.
In der großen Pause musste ich dann aber noch in der Bibliothek was kopieren, und als ich danach auf den Hof kam, stand er wieder mit Tonja und Co. zusammen.
Zu denen wollte ich mich nun auf keinen Fall stellen, zumal ich absolut keine Lust darauf habe, dass Tonja mich vor Mark irgendwie fertig macht, also habe ich mich auf eine Bank in der Nähe gesetzt und meinen Skizzenblock rausgeholt.
Eigentlich wollte ich ein Bild von dem Tal skizzieren, das ich Mark zu Weihnachten schenken kann (Geburtstag hatte er schon im April), aber irgendwie habe ich dann angefangen eine Skizzue von ihm zu machen. Deswegen habe ich auch nicht gesehen, das Tonja auf einmal vor mir stand.
Sie hat auf den Block geschaut und ganz hämisch gegrinst, und dann hat sie sich zu mir runtergebeugt und leise gemeint:'Ja, das kann ich mir vorstellen, dass unser deutscher Traumboy dir den Kopf verdreht hat, aber du glaubst doch nicht wirklich , das der für dich was übrig hat? Schau mal dort drüben, er amüsiert sich grade königlich dabei, uns brühwarm zu erzählen, wie spannend sein Wochenende mit dir war! Und außerdem hat kannst du ihn dir sowieso aus dem Kopf schlagen, er hat nämlich eine Freundin in Deutschland, der er absolut treu ist. Das hat er mir gleich am ersten Tag erzählt und seitdem immer wieder. Du glaubst doch nicht wirklich, dass er mich sonst abweisen würde, oder?'
Damit drehte sie sich um und ging wieder zu den anderen zurück. Aber ich war so fertig, dass ich sowieso nichts hätte sagen können. Als ich zu den anderen rüberschaute, sah ich tatsächlich, wie Mark grade herzhaft lachte, also stimmte es vielleicht sogar wirklich, dass er über unsere Ausflüge Witze gerissen hat.
Aber das mit der Freundin ist ja noch viel schlimmer. Ich meine, er hat mich ja nicht angelogen oder so - aber irgendwie hat er sie mir gegenüber auch nie erwähnt. Und so wie wir am Wochenende miteinander umgegangen sind und wie toll es sich angefühlt hat, als er bei den Felsen meine Hand nahm...
Ich bin so blöd. Wieso habe ich mir überhaupt erst Hoffnungen gemacht? Ich hätte gleich dabeibleiben sollen, dass ich ihn völlig ignoriere, und basta. Dann bin ich am Ende jedenfalls nicht wieder die Dumme.
Und damit habe ich dann auch gleich angefangen. Nach der Pause kam Mark auf mich zu und wollte irgendwas, und ich habe getan als wäre er Luft, und habe ihn einfach stehen lassen. Und nach der Schule lief er sogar ein Stück hinter mir her, als ich ohne ihn losgegangen bin.Ich bin stur weitergelaufen, aber schließlich hat er mich doch eingeholt und wollte wissen, was denn los ist. ich hab nur gesagt, er soll mich einfach in Ruhe lassen, hab mich losgemacht und bin einfach weiter. Danach hat er nichts mehr gesagt.
Den Rest des Tages haben wir nicht miteinander gesprochen, und zum Abendessen war alles wie immer - ich habe nichts gesagt und er auch nicht. Es ist einfach besser so. Es bringt überhaupt nichts, wenn ich mir Hoffnungen mache, dann werde ich doch nur wieder enttäuscht. Und selbst wenn er keine Freundin hätte, gegen Tonja hätte ich ja doch nie eine Chance.
Nächstes Wochenende fahre ich dann einfach wieder alleine in die Berge, dann kann ich wenigstens in Ruhe malen. Ich wünschte nur ...
ach, ist ja auch egal. Verflixt, wieso sind schon wieder meine Kleenex alle?

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Marks Mail von Mittwoch, 8. September, vormittags:
Hallo Toby,
wir haben grade drei Freistunden, und ich bin nach Hause gegangen. Hatte keinen Bock, die Zeit mit Tonja und Co. zu verbringen.
Und Cecilia ... Meine Gefühle fahren Achterbahn!
Alles hatte so gut angefangen mit ihr. Noch am Montag auf dem Schulweg war sie total aufgekratzt, wie ausgewechselt. Ich hatte mich schon auf den Nachmittag gefreut. Wir wollten eine CD hören, einen Mitschnitt von einen Konzert vor drei Jahren in Denver. Cecilia war da und hatte mir davon erzählt. Aber in der großen Pause ist sie plötzlich wieder in ihre alte Rolle geschlüpft. Ich stand mit Tonja, Anne, Janet und Danielle auf den Hof, und Danielle hat Witze über Lehrer gemacht. Als Cecilia auf den Hof kam, wollte ich gleich wieder zu ihr hin, aber Tonja hat gesagt, dass sie sie holen will. Ton ja hat auch eine Weile auf sie eingeredet, so sah es jedenfalls aufs, aber Cecilia ist nicht mitgekommen.
Nach der Schule hat sie auch nicht auf mich gewartet. Ich bin ihr nachgelaufen, und als ich sie gefragt habe was denn los ist, hat sie nur gemeint ich solle sie in Ruhe lassen.
Verstehe einer die Mädels! Gut, dass ich nichts mehr mit den dummen Hühnern zu tun haben will, habe ich gedacht, und vor lauter Wut - und um die anderen Weiber zu ärgern - am nächsten Tag Miss Piggy zum Eisessen eingeladen. Alle haben es mitbekommen. Cecilia stand in der Nähe, und Anne war dabei und hat es sofort Tonja und Janet erzählt.
Na ja, Miss Piggy, also Danielle, hat sich nichts daraus gemacht und die Einladung freundlich angekommen. Und jetzt kommt der Hammer!
Ich gehe also mit Danielle Eisessen und habe ihr erzählt, dass ich aus Cecilia nicht schlau werde und dass ich es nicht verstehe, warum sie sich auf dem Schulhof so eigenartig benommen hat. Und da hat Danielle mir die Geschichte erzählt.
Hinter der ganzen Sache steckt Ton ja. Sie war immer die Nummer eins in der Klasse, von allen umschwärmt und bewundert, und hat schon immer daurauf hingearbeitet Miss Cortez zu werden. Sie will Schauspielerin werden oder Model oder sowas in der Richtung.
Jedenfalls hat sie wohl in Cecilia eine ernst zunehmende Bedrohung gesehen. Wahrscheinlich wegen ihrer reichen Eltern.
Sie hat alles unternommen, um zu verhindernk, dass Cecilia an der Schule Fuß fasst.Und Cecilia hat es ihr leicht gemacht, weil sie ziemlich introvertiert ist und weil sie eigentlich auch viel lieber in Denver geblieben wäre und das am Anfang ziemlich deutlich zur Schau getragen hat. Und je häufiger sie Zielscheibe der Spötteleien der Mitschüler wurde, desto mehr hat sie sich abgekapselt.
Dabei hatte Tonja mir ja erzählt, dass sie schon immer versucht, Cecilia mit einzubeziehen. Und am Montag in der großen Pause hatte sie gemeint, dass sie Cecilia zu uns in die Gruppe holen will. In Wirklichkeit hat sie ihr aber gesagt, dass ich eine Freundin in Deutschland habe. Das weiß ich alles von Danielle, sie hat nämlich gehört wie Tonja es Janet erzählt hat.Da brauche ich mich also nicht zu wundern, wenn Cecilia mich aufeinmal wieder wie Luft behandelt. Und nun tut es mir auf der einen Seite Leid, dass ich Danielle zum Eis essen eingeladen habe, um Cecilia zu ärgern. Andererseits, wenn ich es nicht getan hätte wüsste ich immer noch nicht, warum Cecilia so komisch ist.
Jedenfalls habe ich Cecilia heute einen Brief zugesteckt. Ich habe ihr geschrieben, dass ich morgen Abend in das kleine Tal fahre, wo wir am Sonnabend waren, und dass ich ihr was ganz Wichtiges sagen will und mich freuen würde, wenn sie mitkommt. Nun hoffe ich, dass sie es auch tut und dass sie mir zuhört, wenn ich ihr die Sache mit Sylvia erzähle.
In dreißig Stunden bin ich schlauer. Also machs gut, Toby, lass dir die Zeit nicht lang werden und grüß die Gang.
BB Mark

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Cecilias Tagebucheintrag:

Mittwoch, 8. September, nachmittags
Himmel noch mal, wäre Mark doch einfach in Deutschland bei seiner Freundin geblieben, statt hier mein Leben durcheinander zu bringen!
Offenbar hatte er am Dienstag entgültig kapiert, dass ich meine Ruhe will, denn er lud demonstrativ Danielle zu einem Eis ein. Warum er allerdings damit warten musste, bis ich direkt neben ihm stand, weiß ich auch nicht.
Ich hatte gedacht, er wäre anders als die anderen, aber er muss wohl auch immer zeigen, dass er der Größte ist und jede haben kann.
Oder dass er sich ohne mich garantiert nicht langweilen wird.
Na ja, schön für ihn, dachte ich, und hab ihn entgültig abgeschrieben. Und nun fand ich heute in meiner Schultasche einen Brief von ihm, den er mir wohl irgendwann in der Schule zugesteckt haben muss.
'Liebe Cecilia, ich wollte morgen Abend gerne zu dem kleinen Tal fahren, das du mir gezeigt hast, und ich muss dir außerdem unbedingt etwas sagen. Magst du nicht mitkommen? Dort können wir ungestört reden. Mark.'
Ich weiß gar nicht, was ich jetzt machen soll.
Wieso will er so dringend mit mir reden? Ist er so gekränkt in seinem Männerstolz, dass er es einfach nicht erträgt, wenn ihn ein Mädchen links liegen lässt? Und wenn ich mich nun wieder auf ihn einlasse, macht er sich dann hinterher wieder mit Tonja und Co. über mich lustig, oder was?
Aber vielleicht meint er es ja auch wirklich ernst, und es war doch alles nur Tonjas Werk?Was, wenn sie ihn genauso reingelegt hat wie mich immer? Ob Mark wirklich so interessiert an mir ist, dass er sich nicht von Tonja beeinflussen lässt? Aber eine Freundin hat er ja dann trotzdem noch ...
Ich bin hin- und hergerissen. Und jetzt hab ich noch bis morgen Abend Zeit, darüber nachzudenken ... Was soll ich bloß machen?







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