Sag, was du fühlst Teil 1

Autor: ***BlackHope***
veröffentlicht am: 30.09.2008




'Woran denkst du?'
Marc schreckte aus seinen Gedanken hoch. Sylvia hatte jetzt schon so lange geschwiegen, das die Entfernung zwischen ihnen mit jeder Minute größer zu werden schien.
Sie saßen auf einer Bank, von der aus man über das Flusstal schauen konnte. Es war Ende August, ein herrlicher Sommertag. In der kommenden Woche ging die Schule wieder los, doch das war es nicht, was Marc die Laune verdarb.
Es lag an Sylvia oder vielmehr an dem unbestimmten, bedrücken Gefühl, das er in letzter Zeit in ihrer Nähe hatte.
Sie gingen jetzt fast ein Jahr miteinander, doch das Hochgefühl, das er sonst in ihrer Nähe immer spürte, wollte sich seit dem Schulball zu Beginn der Sommerferien einfach nicht mehr einstellen. Der hatte damit geendet, dass Marc schon früher allein nach Hause gegangen war, während Sylvia sich bis zum Ende offenbar bestens amüsiert hatte.
'Magst du mir nicht sagen, woran du denkst?' fragte Sylvia noch einmal.
'Ich dachte grade an unserem dummen Streit auf dem Schulball. Und wie blöd ich mich benommen habe', sagte er und legte den Arm um ihre Schultern. 'Aber das ist ja vorbei. Ich bin so froh, dass wir zusammen in die USA fahren, dann haben wir ganz viel Zeit füreinander. Nur noch fünf Tage, dann geht's los. Ich bin schon total aufgeregt.'
Marc merkte selbst, dass er ein wenig zu aufgedreht daherredete, nur um diese blöde Gefühl loszuwerden.
'Darüber wollte ich mit dir sprechen', unterbrach Sylvia seinen Redefluss. 'Es ist nämlich so....also...' Sie spielte mit dem Makramee-Gürtel ihrer Shorts und blickte zu Boden. Schließlich gab sie sich einen Ruck. 'Es ist etwas dazwischengekommen. Ich kann nicht mit in die USA fliegen. Es ist, weil ... also meinte Mutter braucht mich.'
Völlig verständnislos sah Marc sie an. 'Du kommst nicht mit? Was soll das heißen? Du kommst dann erst in einigen Tagen nach, oder was? Sylvia, was ist den los?'
Noch immer mied Sylvia seinen Blick. 'Meine Mutter hatte einen Schlaganfall. Sie braucht mich jetzt', sagte sie. Noch leiser füge sie hinzu: 'Und ich werde nicht nachkommen.''Was? Aber DU hast doch gesagt, wir wollen das Austauschprogramm mitmachen. DU hast doch gesagt, da haben wir endlich mal ganz viel Zeit für uns. Was soll ich denn ohne dich ... Nein, warte. Dann bleibe ich auch hier. Fahren wir eben nächstes Jahr, ist doch egal.'Erschrocken blickte Sylvia nun endlich doch auf, aber leider nicht so erfreut, wie er erhofft hatte. 'Nein, Marc, das darfst du nicht! Es ist doch schon alles bezahlt! Bei mir haben sie wegen meiner Mutter eine Ausnahme gemacht und erstatten mir das Geld, aber du müsstest voll bezahlen! Dann solltest du auch wenigstens was davon haben. Bitte!'
Marc war völlig von der Rolle. 'Du hast das mit den Leuten vom Austauschprogramm schon alles abgesprochen? Bevor du mir etwas davon gesagt hast? Das steht alles schon unwiderruflich fest?'
Sie nickte unglücklich. 'Es ging nicht anders, wirklich. Tut mir Leid.'
Marc war wie gelähmt. Er hielt sie noch eine Weile am Arm, aber seine schlimmste Befürchtung trat ein. Sylvia saß einfach nur da und schaute weg. Er hätte ebenso die Bank umarmen können, das wäre das Gleiche gewesen. Schließlich ließ er seinen Arm sinken, und sie protestierte nicht. Was hatte er auf erwartet nach dem verkorksten Schulball?
Und dafür war er jetzt ein Jahr lang auf sie eingegangen, war rücksichtsvoll gewesen und geduldig? Wahrscheinlich lachte sie sich mit ihren Freundinnen schlapp darüber, was für ein Idiot er war! Nein danke, von Mädchen hatte er erst mal die Nase voll.
'Na, dann wünsche ich deiner Mutter gute Besserung', sagte er ein wenig sarkastisch und stand auf. Wieder hielt sie ihn nicht zurück, wieder sagte sie kein Wort.
Achselzuckend drehte er sich um und ging davon. Was er nicht sah, warn die Tränen, die Sylvia mühsam zurückhielt







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