Spiel für mich

Autor: !Pupuce!
veröffentlicht am: 23.10.2009




Wie gesagt, ich freu mich riesig über Komms, Kritiken (zum besser machen), Ideen und Anregungen!!


'In der Universität' begann Mama. 'Da traf ich eines Tages einen jungen Mann vor einer Vorlesung. Er sah aus als ob er jemanden suchen würde, und als er mich sah schien es als sei seine Suche zu Ende… Es ist schwer zu erklären, aber in diesem Moment ist die Welt auf drei Quadratmeter geschrumpft. Er sah mich an, und ich ihn. Dann war es um mich geschehen.' Irgendwie wurden die Wut auf James aber auch der Schock über Mamas Aussage weniger als sie anfing zu erzählen, die Neugierde war einfach zu stark, nun wollte ich wirklich alles wissen. 'Hatte er denn auf dich gewartet oder auf jemanden anderen?' Sie lachte. 'Nein, eigentlich hatte er auf Albert alias Carl gewartet, doch den hat er kurzerhand sitzengelassen. Wir haben Käse, Wein und Brot gekauft und haben beide für den Rest des Tages geschwänzt. Das war ziemlich waghalsig, denn James und ich waren beide Stipendiaten. Wir mussten im Unterricht da sein, sonst würden wir unser Studien-Geld vielleicht nicht bekommen. Aber das war uns egal.' Sie dachte einen Augenblick nach. 'Ich weiß noch genau was er an dem Tag anhatte: einen schwarzen Rollkragenpullover, und dunkelblaue Jeans. Während dem gesamten Essen hatte er absolut nervtötend mit dem Fuß gewippt, ich wusste noch nicht dass das bei ihm schon automatisch war wegen dem Schlagzeug, und ich hatte geglaubt er langweile sich schon mit mir. Deshalb habe ich ihn zum Abschied nicht geküsst, ganz schön dumm was?' Ich zuckte nur mit den Schultern, ich selbst sah damals sowieso noch nicht den Sinn im küssen. 'Das wirst du auch noch verstehen, Kleiner.' Grinste Mama, als hätte sie meine Gedanken erraten. 'Naja, zurück zur Geschichte. James hat dann trotzdem versucht mich bei jeder Gelegenheit wieder zu sehen. Er wartete jedes Mal vor meinen Hörsälen auf mich. Immer mit einer Margerite für mich in der Hand. Nur einmal war er nicht gekommen, und das hatte mich gewaltig gestört, also habe ich auf ihn gewartet, allerdings einer Rose. Irgendwann wurde das dann völlig normal, wir verließen immer etwas früher den Raum und warteten aufeinander, es war ein Wettkampf wer früher da war! Zum Teil haben wir echt in Schwierigkeiten gesteckt, weil wir die Hälfte der Stunden verpasst hatten. Aber abends haben wir dann zusammen gelernt, beide auf einem Ein-Mann-Bett, die Füße im Gesicht des Anderen, um den Verlust wieder aufzuholen.' Wieder lachte Mama, aber anders als sonst, das Lächeln sah irgendwie echter aus. 'Langsam, lernte ich auch die Anderen kennen, die ganze Gruppe. Sie waren alle super freundlich und so unglaublich talentiert! Wenn sie mir sagten sie wollten unbedingt berühmt werden, glaubte ich dass sie es schaffen konnten. Es waren wirkliche Künstler, sie studierten Theater, Musik, Literatur und Markus sogar noch Videodesign. Er macht heute wahrscheinlich die Musikvideos.' Sie starrte in mein Zimmer, ohne etwas zu sehen, sie war in ihre Erinnerung versunken und strich mir langsam über den Kopf. ' Du bist ihm so ähnlich Bastian, er war so ein toller Mensch. Er und ich, das war etwas Besonderes. Wir gingen zwar nicht viel aus, abgesehen von den Gigs die sie in manchen Bars hatten, weil wir einfach nicht viel Geld hatten, aber uns war nie langweilig. Immer waren wir picknicken, spazieren, oder ich zwang ihn mit mir eine Bootstour zu machen. Manchmal hingen wir auch einfach alle bei Lorenzo herum und spielten eine schräge Version von Flaschendrehen, die hatte nichts mit küssen sondern mit dem Verraten von Geheimnissen zu tun.' Sie schaute mich kurz an und schüttelte den Kopf. 'Aber für dieses Spiel bist du noch viel zu jung, okay?' Ich nickte, aber eigentlich interessierte mich dieses Spiel gar nicht, ich wollte nur dass sie weitererzählte. 'Wir überstanden unsere Prüfungen zusammen, und feierten unseren jeweiligen Erfolg mit einer Flasche Martini, wir mochten keinen Champagner, und Wein war uns nicht gut genug. Naja, er schaffte seine Musikprüfungen ohne jegliche Schwierigkeiten, und in Literatur war er sogar einer der Besten, er war so unglaublich klug, Bastian. Manchmal hatte ich ernsthaft das Gefühl er wusste alles. Es war einfach schön mit ihm.' Sofort nahm ich mir vor mehr für die Schule zu tun, es ist schon seltsam wie ein Fremder für mich, von einem Moment zum anderen ein Vorbild werden konnte. Es war so eigenartig sich auf einmal den eigenen Vater vorzustellen dass ich jedes Detail das Mama erzählte förmlich aufsog. Ich wollte alles über ihn wissen, und so lauschte ich ihrer Geschichte gespannt, ohne daran zu denken, was eigentlich meine ursprüngliche Frage war.
Doch als Mama grade eine kleine Pause machte drängte sich mir die Frage wieder auf 'Mama, wenn alles so schön war, was ist passiert?' Nun sah sie schuldbewusst ihre Hände an. 'Ich… ich dachte eine Musiker hat doch keine Zeit für Kinder, und schon gar nicht für eine gesamte Familie. Ich wollte nicht dass du unglücklich wirst mit einem Papa der nie da ist. Dann lieber gar keiner, ich glaubte das merkst du nicht. Und ich wollte es auch ihm nicht antun. Ein Rockstar und eine heile Familie das passt nicht zusammen.' Sie hatte sehr schnell geredet, sie wollte alles gesagt haben bevor der Mut sie verlässt. Sie merkte wie geknickt ich war, und erzählte sofort weiter, wohl damit ich sie besser verstand.
'Irgendwann hatte Lorenzo es geschafft ein kleines Plattenlabel aufzutreiben dass sie anhören wollte. Ich schenkte jedem ein kleines Küsschen, und wünschte ihnen viel Glück, ich habe James lange an mich gedrückt, ich wusste noch nichts von dir, aber ich war bereits schwanger. An diesem Tag machten sie also ihre ersten Aufnahmen im Studio mich hatte James zum Arzt geschickt weil mir ständig übel wurde, ich tat ihm den Gefallen, blieb in Gedanken aber ständig bei ihm. Du musst wissen Basti, es war deinem Vater so unglaublich wichtig, in keinem anderen Beruf hätte er sich wohl gefühlt, er gehörte auf die Bühne. Irgendwann nahm der Arzt das Wort Baby in den Mund, ich glaube da wurde ich erst richtig wach.' Sie blätterte wieder in dem Büchlein herum, und sah sich James an. Wie er wohl vor Vierzehn Jahren ausgesehen haben mag? Wahrscheinlich noch ziemlich genau wie auf dem Bild denn Mama sah ihn genauso verträumt an. 'Der Arzt riet mir zu einem Frauenarzt zu gehen, um sicher zu stellen ob ich nun schwanger war oder nicht. Ich ging noch am selben Nachmittag zur Beratungsstelle für Studenten, dort kam man sofort, ohne Warten, ohne Fragen dran. Ich ließ den Test machen und erfuhr auf einmal von dir, ich war im zweiten Monat schwanger. Den Rest des Tages verbrachte ich mit genau zwei Dingen, erstens ich überlegte wie ich James davon erzählen sollte, und zweitens, wie ich ihn fragen sollte ob wir heiraten wollten. Als er mich am Abend besuchte, und mir fröhlich verkündete sie hätten einen Plattenvertrag unterschrieben, konnte ich mich nur so halb freuen. Er war so unglaublich stolz und hörte nicht auf von Tournee und Studios, von Weltreisen und von viel Geld zu sprechen. Mit jedem Wort wurde ich deprimierter, denn in allem was er sagte kam weder das Wort Heirat noch das Wort Kind vor. Er redete ja nicht mal davon, wie ich in dieser Sache dastand, was ich denn nun machen sollte.' Wieder stiegen Mama die Tränen in die Augen als sei sie heute nach davon verletzt dass James in diesem Moment nur an sich gedacht hatte, aber ich selbst konnte es schon ein bisschen verstehen, wenn ich einen Plattenvertrag unterzeichnen könnte würde ich auch nicht unbedingt an Heim und Herd denken, aber ich hielt den Mund. Mama zuckte mit den Schultern. 'In dieser Nacht habe ich mich in den Schlaf geweint, während er neben mir glücklich schlief und wohl von seiner Zukunft träumte. Am nächsten Morgen bin ich gegangen, ohne ihm gesagt zu haben dass es dich gibt. Ich bin zu Cora gezogen.' Den Rest der Geschichte konnte ich mir denken. Sie hat diesen Bürojob bekommen und ist dann irgendwann ausgezogen. Sie hat nie geglaubt James wiederzusehen bis heute Abend. 'Und was war vorhin?' Mama stand bereits auf, sie sah müde aus 'Naja, ich bin an ein Konzert von einer band namens Three Days Grace, die sind so gut mit Lorenzo befreundet dass sie spontan ein Doppelkonzert daraus gemacht haben, nur dass Cora von der Änderung nichts erfahren hat nachdem sie die Tickets schon gekauft hatte. Ich habe sofort ihren Stil erkannt, einen ihrer alten Songs hatten sie sogar gespielt. Und ich Idiot stand in der ersten Reihe. Ich konnte nicht raus, bis Cora einen Ohnmachtsanfall vortäuschte und von der Security raus getragen wurde, so konnten wir gehen. Da fällt mir ein, ich hätte mich dafür bedanken sollen!' Ich musste auf einmal laut lachen, die starke Tante Cora spielt einen Ohnmachtsanfall vor, unglaublich! Mama grinste auch, aber ganz so fröhlich lachen wie ich konnte sie nicht. 'Ich habe Angst dass sie uns deshalb gesehen haben.' Dann stand sie auf und rieb sich die Stirn. 'Das war etwas viel heute, ich werde versuchen zu schlafen.' Sie küsste mich auf die Stirn und wünschte mir eine gute Nacht. Kurz bevor sie die Tür schloss setzte ich mich noch mal auf 'Mama? Meinst du, er würde mich kennen wollen, wenn er von mir wüsste?' Mama lehnte sich an den Türrahmen. 'Naja, früher wäre er wahrscheinlich in das nächste Auto gesprungen und wäre hergeeilt, aber ich habe ihn schon so lange nicht mehr gesehen. Was er heute sagen würde weiß ich nicht. Er ist vielleicht ziemlich wütend auf mich.' 'Naja egal, gute Nacht Mama.' 'Nacht mein Liebling.'Aber nichts war egal. Ich wusste dass ich das so nicht auf sich sitzen lassen konnte. Morgen musste ich noch mal mit ihr sprechen. Trotz meiner dreizehn Jahre wusste ich eines mit Sicherheit: ich musste James kennenlernen.







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