Spiel für mich

Autor: !Pupuce!
veröffentlicht am: 17.10.2009




Bitte um Komms, und glaubt ihr was Annabelle hat?

Ich lebte mit meiner Mutter, Annabelle Gaultier, in derselben Strasse in der sich auch meine erste Schule befand. Diese Wohnung war klein und hell, meine Mutter pflückte oft Blumen und legte sie irgendwohin in eine Vase. Alles war immer voll davon. Wenn meine Großmutter oder Cora, meine Tante, zu Besuch kamen stellte sie die Blumen in mein Zimmer und holte sie erst wieder heraus wenn sie weg waren. Sie meinte immer, die Beiden mochten diese Blumen nicht, deshalb versteckte sie sie. Wenn ich groß würde, würde sie mir erklären warum Cora und Großmutter sie nicht mochten, dass hatte sie mir versprochen. Mutter und ich hatten manchmal solche 'Großengespräche' in denen ich ihr sagte was ich werden wollte wenn ich erwachsen war. Sie sagte dann würde ich ein richtiger Mann sein und sie genau verstehen, und heute als Vierundzwanzigjähriger weiß ich dass ich sie immer noch nicht ganz verstehe, später vielleicht. Ich würde sehr klug sein, sagte sie, und andere Menschen würden mich sehr beneiden, ich sollte darauf aber nicht acht geben. Na ja, ob ich so klug geworden bin weiß ich nicht, aber ich lege keinen Wert auf die Urteile Anderer. Sie tat es auch nicht. Bei solchen 'Großengesprächen' sagte sie mir dass sie mir später viel erzählen müsse. Ich bettelte dann immer dass sie es mir schon sagte aber da lachte sie nur und kitzelte mich zur Strafe am Bauch.
Mutter ging fast jede Woche aus, deshalb gehörte meine Freundin Kathy auch zur Familie für mich, sie war damals Im Gymnasium und passte jeden Samstag auf mich auf. Machte mit mir Hausaufgaben, sah mit mir fern, später bastelten wir dann etwas für Mutter, immer was Neues, niemals das Selbe. Kathy wollte ich später heiraten denn für mich war sie wunderschön, damals waren Mädchen noch blöd, vielleicht lag es daran, dass ich diese damals so junge Frau liebte. Ich hatte ihr das mal verraten, aber sie antwortete sie sei viel älter als ich und deshalb sei das nicht möglich, ich war ein bisschen traurig aber dieser kleine erste Liebeskummer war nicht so schlimm wie gedacht, und sehr schnell wieder vergessen, sie ist immer noch meine Freundin geblieben, bis heute. Mutter war auch richtig hübsch, aber die wollte ich nie heiraten.
Mama ging oft mit Freundinnen ins Theater oder auf Konzerte. Als sie jung war hatte sie Theater und Musik studiert. Sie sagte wenn sie am Wochenende nicht weg gehen würde, würde sie die Woche nicht überstehen. Ich wusste nicht genau warum, sie arbeitete im Büro eines Steuerberaters und ich glaube ihr Chef mochte sie nicht, ich dachte immer es läge daran. Das machte ihr aber nichts, sie mochte ihn nämlich auch nicht, sagte sie dann. Sie ließe sich nichts vormachen sagte sie immer wenn sie wieder Probleme mit ihm hatte, ins Telefon zu einer ihrer Freundinnen, oder Oma oder Cora. Und das stimmte, meine Mutter verteidigt sich oft, und mich auch. In der Schule hatte ich mal einen ziemlich heftigen Streit mit einem Mitschüler weil er unbedingt zu mir nach Hause wollte um meinen Vater zu sehen, ich weiß bis heute nicht warum dieses Thema mich bereits in der Grundschule irritierte, aber ich reagierte wohl sehr abweisend. Ich konnte ihm so oft sagen dass er sich zur Hölle scheren solle wie ich wollte, er folgte mir den ganzen Tag über, fast bis nach Hause. Der Streit endete mit einer blutenden Nase meinerseits und eine Platzwunde an seiner Stirn. Meine Nase hatte wohl schlimm geblutet denn Mama fuhr mich ins Krankenhaus um zu sehen ob sie nicht gebrochen war, aber das war nicht der Fall. Mama hatte die Eltern meines Stalkers angerufen, und ich erinnere mich noch dass sie sehr laut geworden war. Sie drohte mit einem Anruf beim Direktor und einer Anzeige. Seit diesem Tag ging ich auf eine andere Schule. Privatschule. Ich verstand noch nicht weshalb sie so viel Geld zahlte, nur 'damit ich meine Ruhe hatte'. Das musste eine sehr gute Schule sein, aber für mich war sie nichts anderes als die Alte. Immer hänselten mich sehr viele Klassenkameraden, und nicht selten ging es um meinen völlig abwesenden Vater, ich wusste wirklich nicht weshalb. Meinen Vater hatte ich nie gesehen. Mama hatte mir erzählt er sei viel auf Reisen und könne mich deshalb nie besuchen. Er schickte mir auch nichts zu Weihnachten oder zum Geburtstag. Aber das war damals noch egal, Mama schenkte mir immer die tollsten Sachen, als wollte sie ausgleichen was mir sonst fehlte. Sie hatte mir einmal eine Gitarre gekauft, die hatte sie für mich anfertigen lassen, sie war auf meine Größe angepasst und hatte meine Lieblingsfarbe Blau. Ich hatte Mama gefragt ob ich nicht lieber ein Schlagzeug haben könnte, weil ich lieber auf Dinge einschlug als leicht an einem Seil zu zupfen. Aber Mama hatte wütend 'Nein' gesagt, und geschimpft ich sei undankbar und würde immer zu viel verlangen. Ich war ganz erschrocken denn es sah Mama nicht ähnlich mich zu schimpfen. Ich dachte dann es würde ihr zu viel Krach machen, denn damals sagte sie oft Krach würde ihr das Herz brechen. Ich glaubte dass Mamas Herz war wie die Wände. Wenn Musik zu laut war wackelten die Wände, dann wackelte auch Mamas Herz und ging kaputt.
Aber Mama war nicht wie andere Mütter. Sie weinte immer sehr schnell. Und ich versuchte immer sie zum lachen zu bringen. Doch manchmal ging das leider nicht so gut wie erhofft. Am Muttertag hatte ich in ihrem Zimmer mal einen Zeitungsausschnitt von einer Musikgruppe gesehen. Ich dachte sie mochte sie und bat Kathy ihr Album zu kaufen, ich gab ihr dafür mein ganzes gespartes Taschengeld: 12 Euro und 51 Cent. Wahrscheinlich hatte Kathy den Rest gezahlt ohne es mir zu sagen.
Als Mama das Geschenk öffnete, war sie erst sprachlos und ich dachte ich hätte es geschafft, sie war glücklich. Doch dann fing sie wieder zu weinen an. Sie legte die CD ein, hörte sich jeden Song, auf dem Sofa zusammen gesunken, an und hörte den ganzen Abend nicht auf zu weinen.
Ich durfte niemals Freunde mit nach Hause bringen, aber darauf legte ich auch niemals Wert, denn ich hatte fast keine. Ich spielte lieber auf meinem Instrument dass eben kein Schlagzeug sein durfte. Aber ich lernte sehr viel auf der Gitarre, bald konnte ich Songs von Mamas CD selber spielen, doch irgendwie wusste ich dass sie das nicht sehen sollte, sonst würde sie wieder traurig.
Heute weiß ich natürlich wieso Mama damals so war, doch damals war es für mich unlogisch. In diesem Alter stellt man sich einfach nicht genug Fragen, hätte ich es damals gewusst, ich wäre ein ganz anderes Kind gewesen. Ich hätte sie mehr geliebt. Mehr unterstützt und versucht weniger Ärger in der Schule zu machen. Ich hätte nicht mehr nach meinem Vater gefragt.







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