Liebe-so dunkel wie der tot

Autor: Elvira3
veröffentlicht am: 21.03.2010




Er schaute mich an. Doch diesmal ertrug ich es nicht. Ich schaute weg. Und wiederholte meine Frage noch mal.
'Was willst du von mir?'
Sein Gesicht verkrampfte sich.
'Ich kann es dir nicht erklären. Es ist kompliziert. Ich kann es mir selber nicht mal erklären. ''Versuch es.' Meine Stimme brach. Ich fürchtete mich vor seiner Antwort. Minuten verstrichen. Immer noch Stille.
'Ich hätte nicht mit dir herkommen sollen. Ich hätte dich einfach sterben lassen sollen.' Seine Stimme klang eiskalt und er machte Anstalten zu verschwinden.
'Eric warte!' schrie ich aus voller Kehle.
Er blieb wie angewurzelt stehen. Seine Augen rissen sich vor Schreck weit auf.
'Wie hast du mich genannt?' fragte er mich kehlig.
'Du weißt wie ich dich genannt habe.' flüsterte ich. Immer noch verharrte er in seiner Bewegung.
'Ich bin nicht Eric. Ich weiß nicht wer ich bin.'
'Du musst es sein. Deine Bewegungen, dein Charakter, deine Vertrautheit. Du musst es sein! Ich hatte tagelang das Gefühl, dass ich dich kenne. Ich konnte mir keinen Reim daraus machen- bis heute.' Er schien mit sich zu ringen. Sein Gesicht veränderte sich. Er schien verwirrt und überrascht. 'Warum ist er überrascht? Verwechselte ich ihn wirklich? Das kann nicht sein! Ich weiß es. Er spürt es auch. Die Verbindung zwischen uns. Er muss es einfach sein.' Meine Gedanken schlugen um mich. Aber ich spürte es wieder- diese Gewissheit.'Ich bin nicht Eric. Es gibt vielleicht Ähnlichkeiten und….-'
'Warum erinnerst du dich nicht mehr an dich?'
'Durch Sicherheitsgründen werden uns unsere Erinnerungen genommen. Wir sollen keinen Kontakt mehr mit unseren alten Bekannten machen. Ich kann mich nur noch schwach an mein vorheriges Leben erinnern.'
'Du kannst mich doch nicht vergessen haben!' Ich stand auf und warf mich ihm um den Hals. Dieses Zeichen überraschte uns beide. Warum war ich mir nur so sicher, dass er der war den ich mir erhoffte. Doch Liebe kannte keine rationalen Erklärungen.
'Ich kann mich an ein Mädchen erinnern. Mit geflochtenen Haaren. Fröhliches Mädchen, starke Ähnlichkeiten mit dir.' Ich widerstand nur schwer ihm an den Kopf zu werfen, dass ich nicht nur Ähnlichkeiten mit dem Mädchen hatte, sondern vermutlich das Mädchen war. Ich sah eine Erkenntnis in seinen Augen aufflammen. Dann brauste der Wind stark um uns herum. 'Filmreich' dachte ich beeindruckt. Blätter und Blumen wirbelten um uns herum und wir standen in der Mitte und schauten uns an. 'Als ob wir uns das erste mal sehen würden.' dachte ich betört. Dann küsste er mich. Und keine Minute später lagen wir auf der Decke.

Ich räkelte mich der untergehenden Sonne entgegen. Meine nackte Haut war erwärmt und glitzerte. Neben mir wälzte sich jemand herum. Ich schaute auf diesen jemand und mein Herz zog sich sanft zusammen. 'Wie lieblich er dort lag.' Sein sonst so verhärtetes Gesicht war einem sanften fast zärtlichem Gesichtsausdruck gewichen. Seine Augen waren geschlossen. Sanft streichelte ich seine Wange. Er ergriff meine Hand schmerzvoll und öffnete erprobt die Augen. Als er mich erkannte, wurde er wieder sanfter und küsste meine Handinnenfläche.'Er hüllt dich ein in den Sturm der Liebe.' flüsterte ich.
'Was?' Er schaute verdutzt drein.
'Ich hatte ein Gedicht gelesen. Und dieser Satz ist passend was unsere Beziehung betrifft, findest du nicht? Der Sturm kann angenehm und wunderschön sein aber auch negativ ausarten. Und zurzeit wütet ein ziemlich unangenehmer Wind, was die rachesüchtigen Wesen betrifft.' Ich lächelte ihn schräg an. ' Nicht so wichtig.'
'Alles was dich betrifft ist für mich wichtig, Liebes. Und übrigens Guten Morgen..äh ich meine Guten Abend.' er lächelte mich herzerweichend an.
Ich drückte meine Nase an seine Wange. Er lachte.
' Mit dir kann man nur in einen schönen Abend starten. Und du hattest Recht mein Liebling! Es war tatsächlich der schönste Tag meines Lebens.' trällerte ich.
Er lächelte, doch seine Miene wurde wieder einmal ernst.
'Ich danke dir! Du hast mir wieder einen Sinn im Leben gegeben. Nicht zu vergessen, dass du mir wieder meine Erinnerungen zurück gegeben hast. Aber…-'
'Warum wurdest du zu so etwas?'
'Du meinst zu einem Himmelbegleiter? Weil ich verbittert war. Keinen Sinn mehr gesehen habe, in gar nichts mehr. Und da passte ich doch bestimmt perfekt in so etwas hinein. Man darf kein Mitleid mit den Sterbenden haben, sonst würde die Arbeit umsonst sein. Und ich hatte kein Mitleid mit den Menschen, die mir so viel genommen hatten.
Tatsache ist, dass ich nicht ungeschoren entkommen kann. Ich habe die Kreaturen der Finsternis verraten.' Seine Stimme klang düster.
'Was meinst du damit? Werden sie dich…-'
'Genau! Sie werden mich verfolgen, bis ich meine Strafe erhalten habe.'
'Haben diese- wie hast du sie noch mal genannt?- nichts besseres zu tun, als dich zu verfolgen? Tatsache ist doch, dass du glücklich bist. ' Ich lächelte naiv. Als ich die Worte ausgesprochen hatte, fiel mir selber auf, wie dumm ich doch war. Eric nahm mein Gesicht in seine Hände.
'Es geht hier nicht nur um mich, Liebes. Du bist auf der Todesliste. Ich werde dich bestimmt nicht sterben lassen. Aber es ist dein Schicksal. Sie werden kommen, kommen und dich mir wegnehmen wollen. Aber das lasse ich nicht zu. Nicht noch einmal.'
'Ich habe keine Angst vor dem Tod. Und auch wenn, man kann sein Schicksal doch selbst in die Hand nehmen.'
Er lachte bitter auf. 'Ihr naiven Menschen.' Und schüttelte leicht den Kopf. 'Gar nichts könnt. Ihr seid wie Marionetten, eurer Leben wird schon bestimmt, bevor ihr einen Fuß auf die Erde setzt.'
'Bitte sprich nicht so mit mir. Es verletzt mich, dich so bitter zu hören!'
Er schaute mich an. Er nickte.
'Du hast Recht, es tut mir leid. Nun zieh dich an, wir müssen uns vorbereiten auf heute Nacht.'
'Schatz eins noch. Eine Beziehung basiert darauf, dass man Kompromisse schließt. Du kannst mir nicht immer etwas befehlen und denken, dass ich damit klarkomme herumkommandiert zu werden.'
Ich zog meine Sachen an und störte mich daran, dass die Kleidungstücke nicht frisch waren. Aber darüber konnte ich mir später Gedanken machen. Eric hatte Recht. Sie würden kommen und uns trennen. Für alle Lebzeiten der Welt.


Ich schloss die Augen. Wie wunderschön er im Mondlicht aussah. Wie seine Schwarzen Haare herumwirbelten, als wenn jede einzelne Haarsträhne ein Eigenleben führen würde. Wie Gebildet und kraftvoll er dort auf dem hohen Berge stand. Kampfesmutig glitzerten seine Augen. Er lächelte mich an. Sieg und Liebe vermischten sich in diesem Lächeln. Er zwinkerte mir leicht zu. Aber seine Furcht war mir trotzdem nicht entgangen. Auch ich verspürte Angst. Angst auf die Zukunft. Doch Eric gab mir Kraft. Seine Liebe verscheuchte meine Furcht. Kein Mensch konnte je schöner sein, als dieser Mann. Äußerlich noch innerlich. Und ich hatte mich in ihn verliebt. In den Mann der mich hätte zum Grabe begleiten sollen. In den Tot.







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