Fortuna ist nicht die Einzige, die dir Glück schenkt

Autor: Aurora
veröffentlicht am: 25.01.2007




'Erklär mir das mal genauer!', sagte der kleine Engel Gabriel zu den anderen Engel Zavebe.'Weißt du, das ist so. Wenn einer auf der Erde stirbt und in den Himmel kommt, wird er zu einem Engel. Schau mal nach da oben. Siehst du sie? Jeder Stern, steht für einen von uns, damit die Menschen uns auch sehen können. Unsere Aufgabe ist es, die Menschen, die wir lieben zu beschützen. Wenn uns das gelingt, funkelt unserer kleiner Stern besonders hell.''So ist das. Also hatte ich auch einen Engel?'
'Aber natürlich.'
'Aber du hast gesagt, die Engel beschützen uns. Warum bin ich dann gestorben? Hat mein Engel nicht aufgepasst?'
'Aber Gabriel, jeder Mensch muss irgendwann nun mal sterben. Der Eine früher, der Andere später. Den Zeitpunkt können wir nicht bestimmen. Wir Engel wachen über die Menschen, bewahren sie so gut wie möglich vor schlechten Erlebnissen und schenken ihnen unsere Liebe.'
'Wie bewahren wir sie denn davor?'v'Wir stehen ihnen bei. Wir schenken ihnen wieder Mut. Sie dürfen nämlich nicht aufhören an das Gute zu glauben. Wir versuchen sie auf den rechten Weg zu führen, aber für ihr handeln sind sie selbst verantwortlich.'
'Ja ich verstehe. Wir kämpfen also gegen das Böse. Zavebe, das ist eine wichtige Aufgabe. Ich verspreche dir mein Bestes zu geben, ich werde so gut wie es geht über sie wachen, damit auch mein Stern ganz hell funkelt.'
Las seine Mutter aus dem Buch vor, klappte es zu und gab ihren Sohn einen gute Nacht Kuss.

25 Jahre später.

Felicitas wurde von dem lauten Klingeln ihres Weckers wach. ^Schrecklich diese Nacht. Wann hört das endlich auf?.^
Erschöpft stand sie auf und öffnete ihr Fenster. Warme Luft strömte ihr entgegen.Mit einem nachdenklichen Blick beobachtete sie die Vögel auf dem Baum. Menschen liefen lachend an ihrem Haus vorbei und am Himmel war keine Wolke zu sehen.
Nach dem Duschen verbrachte sie wie jeden Morgen, Minuten damit, ihre Augenringe zu überschminken, bis sie dann endlich Richtung U- Bahn laufen konnte.
^Und täglich grüßt das Murmeltier.^
Zuerst kam ihr Sandra entgegen. Sandra war ein kleines Mädchen, die ihr damals im Park einen Lutscher geschenkt hatte, als Felicitas traurig auf einer Bank saß. Sie begrüßte sie freundlich, so wie jeden Morgen, als auch schon Mrs. Cat, so nannte Felicitas sie, ihre Kissen am Fenster ausschüttelte, dabei saß immer eine ihrer Katzen auf der Fensterbank. Mrs. Cat deswegen, weil sie mehrere Katzen hatte, die sich immer bei der morgendlichen Zeremonie abgewechselt haben mit dem sitzen. Wie viele Katzen sie nun wirklich hatte, wusste Felicitas nicht. Irgendwann hatte sie aufgehört zu zählen.vAbschließend folgte dann Mr. Jefferson. Ein alter Mann, der immer mit seinen kleinen Hund Gassi ging. Felicitas hat es sich zur Routine werden lassen, ihn jeden morgen ein Leckerchen zugeben. Als sie vor einem Jahr beim Shoppen eine Probepackung davon bekam, gab sie diese Spike (der Hund), er hatte sich wahnsinnig darüber gefreut und schnüffelte jeden morgen an ihr, als sie dann keine mehr hatte. Felicitas hatte also die Wahl: Entweder sich jeden Morgen von Spike voll sabbern zu lassen oder ihn ein Leckerchen zu geben.Genervt ging sie die 38 Stufen zur U- Bahn hinunter. Diese hatte sie einmal gezählt, um sich von ihren Gedanken abzulenken.
^37,…achtund…so ein Mist^. Wie eine wahnsinnige fing sie an zu rennen, doch die Bahn fuhr an ihrer Nase vorbei. Immer noch fluchend, sah sie aus dem Augenwinkel, wie ein junger Mann, sich über sie lustig machte.
'Heyyyy, was lachen Sie denn so?'
'Ich?', unschuldig zeigte er auf sich.
'Ja genau Sie.' 'Arroganter Affe', murmelte sie. Wieder fing er an zu lachen.
'Wissen Sie. Genau deswegen nehme ich immer eine Bahn früher. Für den Fall der Fälle. Schließlich möchte ich ja nicht zu spät zur Arbeit kommen, ' bemerkte er besserwischerisch und zwinkerte ihr zu.
'Klugscheißer', flüsterte sie.
Entschlossen stellte er sich vor ihr und hielt ihr eine Hand hin.
'Ich bin Leon. Ich bin neu hierhin gezogen, weil ich unerwartet ein tolles Jobangebot hier bekam.'
'Schön für Sie', bemerkte sie uninteressiert und schaute auf ihre Uhr.
'Hm, da ist wohl heute eine mit dem falschen Fuß aufgestanden wie? Nagut, ich dachte nur, wir könnten uns solange die Zeit vertreiben, bis die nächste Bahn kommt,' Leon zog wieder seine Hand weg, da Felicitas nicht darauf eingegangen war und stellte sich direkt neben sie.Nur ein paar Sekunden später fing er an hin und herzuschaukeln. Immer wieder von der Hacke zu den Spitzen. Die Hände in den Hosentaschen gesteckt und pfiff dabei 'A happy day'.
Felicitas rollte mit den Augen.
'Sie können auch über nichts lachen oder?'
Sie schwieg.
Endlich kam die Bahn. 'Ladys First!'
Also stieg Felicitas in die Bahn ein und setzte sich am anderen Ende hin. Weit, weit weg von diesem Mann.
Den ganzen Weg über schaute sie aus dem Fenster, auch wenn nicht wirklich viel zu sehen war, doch sein Pfeifen hatte sie selbst noch auf diesen Platz in den Ohren.

Felicitas war Sekretärin einer Anwaltskanzlei. Sie liebte ihren Job. Hier wurde sie nicht gequält von Erinnerungen. Jeden Tag, wenn sie dann auf die Uhr schaute und sah, dass sie gleich frei hatte, suchte sie sich noch Arbeit, um Überstunden machen zu können. Doch heute gelang ihr das nicht, also ging sie noch einen langen Einkauf machen.
Zu Hause angekommen machte sie sich etwas zu essen und schaute fern. Jeden Donnerstag rief ihre Mum an, um sich nach ihr zu erkundigen. Sehen konnten sie sich nur selten, meistens an Feiertagen, da sie 600km entfernt wohnte.
Freitags ging sie dann immer mit ihren zwei besten Freundinnen Julia, Sarah und ihren schwulen Freund John aus.
Da heute erst Montag war, verbrachte sie den restlichen Abend mit fernsehen.

Am nächsten Morgen ging dann alles wieder von vorne los.
^36, 37,…..nicht schon wieder.^ Wieder begann Felicitas an zu rennen und schaffte es gerade noch so einzusteigen. Völlig außer Puste setzte sie sich auf den ersten freien Platz den sie sah.'Guten Morgen schöne Frau. Sie sollten sich an meinen Plan halten, dann haben sie einen viel entspannteren Morgen.'
^Diese Stimme. Bitte nicht^
Langsam bewegte sie den Kopf zu dem Platz gegenüber und der junge Mann vom Vortag saß da und lachte sie mit einem breiten, übertriebenen Grinsen an.
'Oh, wie ich sehe freuen sie sich richtig mich zu sehen', bemerkte er ironisch.
'Hm…Ähm, darf ich Sie um einen Gefallen bitten?'
Verwundernd und neugierig schaute er sie an. 'Na klar, um was geht es?'
'Könnten Sie bitte nur solange, bis ich aussteige leise sein?'
Leon nickte ihr nur zu und musste sich das Lachen verkneifen, aber er folgte ihrer Bitte und beide schauten aus dem Fenster.
^Man Felicitas, sei nicht immer so unfreundlich.^ Schimpfte sie mit sich selbst und bekam ein schlechtes Gewissen. ^Eigentlich ist er ja ganz nett und gut sieht er auch aus.^ Langsam wagte sie einen Blick und wurde dabei etwas rot. Sie musste feststellen, dass sie mit ihrer Aussage nicht ganz richtig lag. Er sah nicht nur gut aus, er sah mehr als gut aus.
Leon hatte kurze Braune Haare und die schönsten grünen Augen, die sie je gesehen hatte. Er trug immer einen Anzug, also musste er einen höheren Job haben.
Schnell bevor er es merkte schaute sie wieder nach draußen.
'Felicitas ist mein Name.'
Verwundert schaute er sie an. 'Angenehm', antwortete Leon und grinste.
Dann schaute sie wieder zu Leon und beide mussten Lachen.

Mittwoch stand Felicitas etwas früher auf und lief einen Schritt schneller zur U- Bahn.^35, 36, 37…^ Felicitas schielte mit einem Auge Richtung ihrer Haltestation und sah keine Bahn.
Fröhlich grinsend und vor allem entspannt lief sie die letzte Stufe hinunter.
^und….38.^
'Na, sind Sie doch meinem Rat gefolgt', fragte Leon siegreich.
'Nein! Ich war heute nur etwas früher fertig', log sie.
'Oh, heute mal ein paar Schichten Make- Up weggelassen?', fragte er provozierend.Mit offenem Mund stand sie da und starrte ihn an. ^Komm schon Felicitas, lass dir einen Spruch einfallen.^
'Nein, ich habe kein Make- Up nötig wissen sie, ich sehe nämlich auch so atemberaubend aus. Aber was ist mit Ihnen, ist das da oben an ihrer Stirn etwa ein Pickel?', fragte sie, zeigte an ihrer Stirn an die Stelle und verzog die Mundwinkel.
Leon lachte nur, jedoch als die Bahn kam, ließ er sie wieder voran gehen und fühlte verzweifelt seine ganze Stirn ab.
'Als was arbeiten Sie?'
'Ich bin Sekretärin in einer Anwaltskanzlei. Und Sie?'
'Ich bin Anwalt', Leon lachte.
'Sie scheinen ja kein besonders guter zu sein, wenn Sie täglich mit der Bahn zur Arbeit fahren müssen.'
'Ich bin im Moment gezwungen mit der Bahn zu fahren.'
'Aha. Wer zwingt Sie denn dazu? Ihre Frau?' ^Sehr unauffällig Felicitas.^
'Wenn Sie wissen wollen, ob ich vergeben bin, fragen Sie doch einfach?' ^Erwischt.^
'Das wollte ich gar nicht, ich dachte nur…'
'Nein ich bin Single', unterbrach er sie. 'Und?'
'Was und?'
'Wie sieht es mit Ihnen aus?'
Pause.
'Ich bin verheiratet.'
'Achso.'
'Warum sind Sie gezwungen mit der Bahn zu fahren.'
'Komische Geschichte ist das.'
'Das habe ich mir schon gedacht?'
'Wie meinen Sie das?'
'Ach schon gut.'
'Also, ich habe zufällig einen Brief von der Kanzlei hier bekommen, dass sie noch einen Anwalt brauchen und das obwohl ich mich dort gar nicht beworben habe. Da das Angebot sehr verlockend war, gab ich meine alte Wohnung auf und zog hier hin…' 'Nimmt die Geschichte auch ein Ende?'
'Jetzt hetzen Sie mal nicht, oder haben Sie hier noch andere Männer mit denen Sie flirten müssen?'
'Waaasss? Wer flirtet denn hier? Ich bin verheiratet.'
'Ja das sagten Sie bereits. Wenn ich dann fort fahren darf. Jedenfalls parkte ich direkt vor meiner Tür, als ein durchgedrehter mir nachts mit voller Wucht in mein Auto fuhr. Totalschaden. Also bin ich jetzt erst einmal auf die Bahn angewiesen. Ende. Was macht ihr Mann denn beruflich?'
'Mein Mann?'
'Ja, Sie wissen schon, der, mit dem Sie verheiratet sind.'
'Der ist Informatiker.'
'Aha. Ein Computerfreak also.'
'Nennen Sie meinen Mann nicht Freak! Haben Sie verstanden?', meckerte Felicitas.'So war das doch nicht gemeint', versuchte Leon sich zu entschuldigen.
Wütend schaute sie aus dem Fenster.
'Tut mir leid Felicitas. Wirklich, ich wollte Sie nicht verletzten!'
'Schon gut.'

Als Felicitas am nächsten Morgen pünktlich an der U-Bahn stand war von Leon keine Spur.^Ob er wohl heute früher gefahren ist, um mich nicht sehen zu müssen? Warum hab ich ihn gestern nur so angemeckert? Vielleicht hat er sich ja auch wieder ein Auto gekauft und fährt jetzt immer damit zur Arbeit. Oder er ist einfach nur krank.^
Gelangweilt stieg sie in die Bahn ein.
^Hoffentlich ist ihm nichts passiert.^

Nach der Arbeit machte sie sich wieder etwas zu essen und schaute fern. Eine Minute vor sieben stellte Felicitas sich neben ihr Telefon und um Punkt sieben rief ihre Mutter dann an. So wie jede Woche.
Nachdem sie ihr dann ihre Woche schilderte und hundert Mal versicherte, dass es ihr wirklich gut ginge und sie auch regelmäßig essen würde, beendete sie das Gespräch und widmete sich wieder ihren Fernseher.

Freitagmorgen stand sie viel früher auf, nur um sicher zu gehen, dass Leon nicht doch eine Bahn früher nimmt, um ihr aus dem Weg zu gehen.
'Sie sind aber heute über pünktlich', sagte Leon.
Felicitas grinste, irgendwie war sie doch froh, dass ihre Vermutungen anscheint nicht stimmten und er wieder da ist.
'Ja. Wo waren Sie denn gestern? Sie haben doch nicht etwa die Bahn verpasst?'
'Ich? Niemals.' Leon lachte. 'Ich hatte mir frei genommen, weil meine neuen Möbel gekommen sind.
Wieso, haben Sie mich vermisst?'
'Sicher nicht!'
Leon und Felicitas stiegen in die Bahn ein.

'Das ist übrigens der letzte Tag an dem ich mit der Bahn fahre.'
'Wieso?', fragte sie erschrocken.
'Heute kann ich mein neues Auto abholen.'
Beide schwiegen und schauten aus dem Fenster.
Felicitas sah man an, dass sie über irgendetwas anstrengend nachdachte. Irgendetwas störte sie.
'Felicitas? Ist das nicht ihre Haltestelle.'
Verwirrt sah sie sich um.
Langsam stand sie auf. Man sah ihr an, dass sie mit dem, worüber sie nachgedacht hatte, zu keinem Entschluss gekommen war.
'Vielleicht sieht man sich ja mal wieder', sagte Leon.
Sie nickte nur und stand auf.
Leon schaute auf dem Sitz, auf dem Felicitas gerade saß und entdeckte ihre Handtasche. Schnell sprang er auf und wollte sie noch rufen, doch die Bahn fuhr weiter.

'Nein, ich habe meine Tasche verloren, so eine…'
Wütend ging sie zur Arbeit und danach zur Bahninformation, um zu fragen, ob sie jemand abgeben hatte, doch keine Spur von ihrer Tasche.

Zu Hause angekommen ging sie gestresst und genervt unter die Dusche. Die Suche nach ihrer Tasche hatte ihren ganzen Zeitplan durcheinander geworfen.
Gerade fertig mit der Dusche, klingelte es auch schon.
'Heyyy, ihr seid viel zu früh.' In Unterwäsche rannte sie zur Tür, drückte sie auf und lief gestresst durch ihre Wohnung. Als sie dann die Tür knacken hörte fing sie direkt an zu erzählen, während sie schnell alles vom Boden aufhieb, was sie gerade in Eile hingeworfen hatte:
'Hiiiii. Ihr seid viel zu früh. Ich brauch noch ein paar Minuten, ich muss noch eben, auuuuu.' Felicitas war gerade über ihre Schuhe geflogen und landete auf ihren Po. Sprang sofort wieder auf und sammelte fleißig weiter. 'Ihr glaubt gar nicht, was mir heute passiert ist. Also, ich fahr heute Morgen mit der Bahn zur Arbeit und dieser gut aussehender Typ, über den erzähl ich euch später noch alles, saß mir gegenüber. Da hab ich beinnahe meine Haltestelle verpasst und dann die Krönung, da hab ich meine…'
'Handtasche in der Bahn liegen lassen und dieser gut aussehende 'Typ' hat sie mir dann nett, wie er doch ist, nach Hause gebracht!' Starr blieb Felicitas mitten im Raum stehen, als sie sich nur sehr langsam traute zur Tür zu gucken. 'Sieeeee?'
'Nette Aussicht', sagte er breit grinsend und schaute an ihr hinunter.
^Hä?^ Dann sah sie, dass sie noch immer in Unterwäsche da stand. Knallrot rannte sie ins Schlafzimmer und zog sich an.
'Woher wussten Sie, wo ich wohne?'
'Ausweis', sagte er kurz und schaute durch die Wohnung.
'Danke! Das ist echt nett von Ihnen. Noch immer stand sie gerötet da, so etwas Peinliches hatte sie noch nie erlebt.
'Ähm, möchten Sie vielleicht etwas trinken?'
'Nein danke, ich muss auch wieder los', antwortete Leon und ging. 'Danke, noch mal', rief Felicitas noch hinterher. Ganz kurz überlegte sie noch einmal nach. Dann rannte sie zum Fenster riss es auf und schrie zu Leon: 'Leon?' Er wollte gerade in sein Auto einsteigen und schaute verwirrt zum Fenster hoch.
'Haben Sie vielleicht einmal Lust etwas trinken zu gehen?'
'Gerne', antwortete Leon, grinste sie an und fuhr weg.
Das Telefon klingelte.
'Felicitas Lewis.'
'Wann?'
'Bitte?'
'Wann möchten Sie ausgehen?'
'Leon? Woher haben Sie meine Telefonnummer?'
'Tasche. Wann?'
'Ähm, wie wäre es mit morgen?'
'Ich hol sie um sechs ab. Bis morgen.'
Und schon hatte Leon aufgelegt.

Dann klingelte es wieder an der Tür. Dieses Mal ging sie sicher, dass sie angezogen war und öffnete ihren Freunden die Tür. Sie gingen spanisch Essen, Felicitas erzählte Ihnen kein Wort von Leon. Sie hätten sicherlich gefragt, ob sie an ihn interessiert war und auf solche Fragen kannte sie noch keine Antworten.

Felicitas sprang aus ihrem Bett. Es war gestern noch recht spät geworden, als sie erschöpft in ihr Bett fiel und vergas ihren Wecker zu stellen.
^Was soll ich nur anziehen? Was soll ich nur anziehen?^
Nach einer Stunde in den Schrank starren, machte sie sich erst einmal Frühstück. ^Er hat ja auch nicht gesagt, wo wir hingehen, wie soll ich denn so etwas passendes Aussuchen?^ Schnell unterbrach sie ihr Frühstück und suchte weiter.
Lange, lange später entschied Felicitas sich dann für ein weißes Top, einen schwarzen Faltenrock und weiße Ballerinas.
Nachdem sie geduscht hatte, wollte sie gerade ihre Augenringe wegschminken und musste feststellen, dass sie verschwunden waren. Stimmt schon, sie hatte die letzten Nächte sehr gut geschlafen.
Ihre Haare ließ sie offen. Ihre langen Locken hingen locker hinunter.
Um Punkt sechs klopfte es an ihrer Tür und Leon stand davor mit einer roten Rose in der Hand.
^Wie gut er aussieht! Aber was ist das….?^ Panik zeigte sich in ihren Augen, als sie sah, dass er einfach nur ein rotes T-Shirt und eine Jeanshose an hatte.
'Oh nein, ich bin falsch angezogen. Ich geh eben schnell mich umziehen, dauert auch nicht lange.
Du hast mir aber auch nicht gesagt, wo wir hingehen. Sie meine ich.'
Leon hielt sie grinsend am Handgelenk fest. 'Du siehst gut so aus! Lass uns gehen.'
'Wo fahren wir denn hin', quengelte sie, doch Leon ignorierte ihre Frage und grinste wie immer nur.
'Etwas trinken?'
'Nein.'
'Essen?'
'Kino?'
'Nein.'
'Sag schon. Bitte, bitte.'
'Was krieg ich denn dafür, wenn ich es dir sage?'
'Ha! Das hättest du wohl gerne. Dann wart ich eben, bis wir da sind, ' sagte sie und verschränkte die Arme vor der Brust.

'Gehst du gerne auf die Kirmes?'
'Ja;' antwortete sie laut lachend.

Als sie dort die ganzen Stände mit dem Essen sah, fing ihr Magen an zu knurren. Schließlich hatte sie so gut wie nichts gegessen, da sie viel zu sehr mit der Klamottenwahl beschäftigt war.
'Hast du Hunger?'
'Ja, total.' Leon holte ihr auf Wunsch ein Crepe mit Nutella.
'Leon?'
'Ja?'
'Ich muss dir was gestehen.'
'Ok.'
'Ich hab dich angelogen. Ich bin gar nicht verheiratet.'
'Ich weiß.'
'Woher weißt du das denn?'
'Kein Ring, kein Bild im Portmonee, an deiner Klingel steht nur F. Lewis und keine Spur von einem Mann in deinem Haus. Warum hast du mich angelogen?'
'Hab ich eigentlich gar nicht. Ich konnte nicht anders. Ich war verheiratet, aber mein Mann ist letztes Jahr gestorben.'
Er blieb stehen und schaute Felicitas in die Augen. 'Das tut mir leid', kaum hatte er das ausgesprochen, fing er an zu lachen.
Sauer schaute sie ihn an. 'Ich lach nicht über den Tod deines Mannes. Sorry, aber du hast da…, darf ich einmal?!'. Dann begann Leon Felicitas Nutella beschmiertes Gesicht sauber zu machen, so dass sie auch lachen musste. Da war dieser Moment, wo sie da standen und sich in die Augen schauten. Sie bekam eine Gänsehaut und in ihrem Bauch fing es wahnsinnig an zu kribbeln, bis eine laute Stimme sie aus diesen tollen und zugleich für Felicitas unheimlichen Moment raus riss.
'Die nächste Runde! Zwei weitere Plätze frei. Ihr Beide, wie wäre es mit euch?' Schrie der Mann vom Riesenrad, als Leon sie schon dahin zerrte.
'Nein Leon, ich hab Höhenangst.'
'Ach, ich bin doch bei dir', antwortete er und schon saßen sie da drin.
Die Aussicht war wunderschön, man konnte die ganze Stadt sehen. Felicitas war der Meinung, sie könnte ihr Haus sehen, aber das war bei den ganzen beleuchteten Häusern schwer zu bestätigen.
'Weswegen ist dein Mann gestorben?'
'Er hatte einen schweren Motorradunfall. Er wurde von einem Autofahrer nicht gesehen und ist sofort gestorben.'
'War er deine große Liebe?'
'Ja', antwortete Felicitas und schwebte gerade in Erinnerung, als ihr Abteil anfing zu wackeln.
'Ahhh was ist das?' Sie schnappte sich Leons Hände vor Angst.
'Das ist normal. Nur der Wind.' Wieder schauten sie sich in die Augen. Wieder dieses Kribbeln und diese Gänsehaut.
Plötzlich kam Leon näher und küsste sie ganz vorsichtig und gefühlvoll. Sie fühlte sich seit langem wieder richtig wohl und doch wurde sie für den Rest des Abends ruhiger und nachdenklicher.
Als sie dann Beide wieder vor ihrer Tür standen, war es eine merkwürdige Situation. Felicitas machte nicht den Anschein, als ob sie noch einen Abschiedskuss haben wolle, was Leon sofort merkte.
Also gab er ihr nur schnell einen Kuss auf die Wange, stieg in sein Auto und fuhr los.Er wusste, dass ihr das ganze wohl etwas zu schnell ginge. Leon wollte sie zu nichts zwingen, er versprach
sich selbst, nichts zu überstürzen, schließlich hatte sie ihren Mann verloren.

Am nächsten Tag gingen sie zusammen Essen und redeten über alles Mögliche. Über die Arbeit, über ihre Schulzeit, Hobbys und Familie.

'Sag mal Felicitas, fehlt dir dein Mann noch sehr?', fragte er ängstlich.
Ein paar Sekunden schaute sie einfach nur schweigend auf ihren leeren Teller, bis sie antworten konnte.
'Ja. Ich denke jeden Tag an ihn.'
'Wie heißt er denn?'
'Maik.'
'Schöner Name', sagte er aufrichtig.
'Danke', sagte sie lächelnd.
Dann schwiegen sie längere Zeit.
'Was war er denn für ein Mensch?'
Misstrauisch schaute Felicitas Leon an. 'Warum fragst du mich das alles?'
Verlegen schaute Leon auf dem Tisch und spielte an seiner Servierte.
'Ich interessiere mich eben sehr für dich. Für dich und dein Leben und da gehört dein Mann nun mal dazu. Aber wenn du nicht darüber mit mir reden möchtest, versteh ich das natürlich.'Tränen schossen ihr in die Augen. 'Er war ein toller Mensch. Ich hab ihn damals über meine Freundin Julia kennen gelernt. Es war sozusagen, Liebe auf dem ersten Blick. Er war total lieb und hat mich immer zum Lachen gebracht. Regelmäßig gehe ich ihn auf dem Friedhof besuchen oder ich gehe in den Park.'
Man sah Leon seine Betroffenheit an. Er wollte sie jetzt nicht auch noch fragen, aus welchem Grund sie oft in den Park geht, denn dann hätte er vermutlich angefangen zu weinen, denn die Tränen konnte er sich jetzt schon schwer verdrücken.
'Naja, lass uns mal wieder über etwas anderes reden', sagte sie.

Auch die Nächsten Tage trafen sie sich. Das Thema Maik sprach Leon aber nicht mehr an. Sie gingen ins Kino, Spazieren, ins Cafe und Leon lernte ihre Freunde kennen. Er hatte aber auch nicht mehr versucht sie zu küssen, er tat alles, um es ihr leichter zu machen. Es kam Leon aber so vor, als würde Felicitas jeden Tag fröhlicher werden. Sie lachte mehr und sah viel besser aus, als an dem Tag, wo er sie kennen gelernt hatte. Das Einzige, wovor er tierische Angst hatte, war, dass sie in ihm nicht mehr als ein Freund sehen würde. Das hätte ihn wahrscheinlich das Herz gebrochen.

Felicitas kam nach der Arbeit nach Hause, öffnete ihren Briefkasten und ging die Post durch, während sie die Stufen hoch lief durch.
^Werbung, Werbung und Werbung.^ Genervt schmiss sie die Post auf ihren Tisch und machte sich etwas zu Essen.
Ihre Augen visierten einen Flyer, der bei der Post dabei lag.

´Worauf warten Sie noch?
Das Leben kann so schnell zu Ende sein und dann werden Sie es bereuen, nicht das gemacht zu haben, worüber Sie solange nachgedacht haben. Denken Sie nicht soviel, sondern handeln Sie.
Schauen Sie nicht zurück, sondern nach vorne, denn das Glück liegt in ihren Händen!´

^Das Glück liegt in meinen Händen? Ich soll nicht immer zurückschauen, sondern auch in die Zukunft?
Aber was will ich denn?^
Plötzlich sah sie Bilder in ihren Gedanken von Leon. Wie er wippend da stand und gesungen hat, wie er sie immer wieder blöd von der Seite angemacht hatte, sie geküsst hatte. Sie merkte, wie ihr warm wurde, ihr Gesicht lief rot an und ihre Hände zitterten.

^Was ist nur los mit mir? Ich hab mich doch nicht etwa in ihn verliebt? Maik….was soll ich nur machen?^ Nachdenklich nahm Felicitas ein Bild von Maik in die Hand und schaute es sich an.
^Maik, du weißt, dass ich dich immer lieben werde oder? Egal, was passiert, du bleibst immer in meinem Herzen, verstehst du?^
Dann klingelte es. Als Felicitas die Tür öffnete und Leon da stehen sah, wusste sie es, sie war bis über beide Ohren in ihn verliebt. Sie fiel ihn in die Arme und gab ihn einen leidenschaftlichen Kuss.
Verwirrt stand Leon vor der Tür, als Felicitas sich schon ihre Jacke geschnappt hatte und ihn nach draußen zog.

'Wo gehen wir denn hin?', fragte er und wusste gar nicht was los war. Erst passierte Tagelang nichts zwischen ihnen, dann küsste sie ihn und jetzt zog sie ihn im Dunkeln durch die Straßen.
'In den Park?' Würde er jetzt erfahren, was zwischen ihr und Maik da passiert ist?

Nach langem Laufen setzten sie sich auf eine Bank im Park, als Felicitas auch schon anfing zu erzählen.
'Leon, ich hab mich total in dich verliebt. Ich habe lange gebraucht, damit mir das klar wurde. Ich hatte die ganze Zeit ein schlechtes Gewissen Maik gegenüber, aber ich denke, er würde mir es so wünschen. Ich möchte nur noch ein einziges Mal hier sitzen, mit dir zusammen.'
Berührt und zugleich überglücklich schaute er sie an. 'Was ist denn hier passiert?''Maik und ich waren an diesem Zeitpunkt schon länger zusammen.
'Wir hatten uns hier im Park verabredet. Bis zu diesen Zeitpunkt hatten wir uns noch nie geküsst, doch als ich ihn da so stehen sah, musste ich es einfach tun. Also lief ich auf ihn zu…'

…Sie kam auf mich zu. Sie hatte ein weißes Sommerkleid an. Ihre Locken bewegten sich mit dem Wind. Als sie mich anschaute, grinste sie mich an. So ein wunderschönes Lachen...Ihre großen braunen Augen fesselten meinen Blick.
Bei jedem Schritt, den sie näher kam, schien mein Herz einmal mehr zu schlagen.Sie feuchtete ihre Lippen an, diese Lippen. Ich hätte alles dafür gegeben, sie nur einmal berühren zu dürfen. Eine Gänsehaut legte sich auf jede Stelle meines Körpers.
Ich starrte sie noch immer an. Meine Augen wurden schon ganz trocken. Ich wollte einfach nicht zwinkern, dann würde ich sie, auch wenn nur für eine tausendstel Sekunde aus den Augen verlieren.
Bis zu diesen Zeitpunkt hatte ich an die große Liebe nie so wirklich geglaubt. Kribbeln im Bauch, Herzklopfen, schwitzige Hände, dass kannte ich alles nicht, bis zu den Zeitpunkt, an dem ich Felicitas kennen lernte.
Als sie dann vor mir stand, brachte ich keinen Ton heraus. Auch Felicitas sagte kein Wort. Engelsgleich stand sie einfach nur vor mir und wir schauten uns in die Augen.
Ich hätte ewig so stehen bleiben können. Ihre langen Wimpern und ein kleines Muttermal neben ihrer kleinen Nase machten sie noch süßer.
Dann nahm sie ihre Hand und strich mir mit ihren Fingern so sanft über die Wange, als würde sie eine Feder in der Hand haben. Wie wundervoll sich das anfühlte. Ich kann es gar nicht in Worte fassen.
'Felicitas...', murmelte ich.
'Psst', flüsterte sie leise. Ich folgte ihren Worten.
Dann kam sie ganz langsam meinem Gesicht mit ihrem entgegen. Es schien als würde es in Zeitlupe geschehen und so konnte ich jeden Moment viel mehr genießen. Ich spürte schon ihren warmen Atem in meinem Gesicht, als sie ihre Augen schloss. Ich machte ihr es nach.Felicitas kam immer näher. Jeden Zentimeter den sie näher kam, genoss ich ihre Wärme mehr.
Dann legte sie ihre Lippen ganz sanft auf meine. Sie berührten sich kaum und doch war es eines der schönsten Gefühle, die ich jemals erlebt habe. Mein ganzer Körper bebte.Als sie ihre Lippen dann etwas fester auf meine presste, vergaß ich alles. Ich bekam die Menschen um uns nicht mehr mit. Das Vögelzwitschern, die Sommerbrise, die mir bis gerade noch um die Nase wehte, den Grasgeruch. alles weg. Nur Felicitas und ich.
Erschrocken stand Raphael von seiner Wolke auf.
'Das ist so schön. Aber warum hast du das dann getan? Das Jobangebot, der Wagen, die Tasche, der Flyer. Wieso schickst du ihr den Mann?'
Kopfschütteln und grinsend sagte Maik zu Samuel:
'Versteh doch,... ich wache über ihr Glück,
....denn ich liebe sie doch so sehr!'

'… Sieh mal Leon, wie hell dieser Stern leuchtet, ' sagte Felicitas und deutete auf einen Stern im Himmel.









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