Französische Gefühle

Autor: Ewig
veröffentlicht am: 17.10.2009




Französische Gefühle

Mein Telefon nervte schon wieder. Ich erkanne den Klingelton, den ich mir für diese nervtötende Person zugelegt hatte. Ich stöhnte auf, zog das Handy aus meiner Tasche, die neben meinem Bett lag. Dann drückte ich weg. Das war vielleicht nicht die feine Englische Art, aber ich konnte sein Gesabbel nicht mehr hören. 'Ich liebe dich, warum redest du nicht mit mir, ich habe dir nichts getan...' Bla, bla bla...
Simon nervte mich seit einer Ewigkeit. Ich wusste schon lange, dass er was von mir wollte. Doch dann kam´der Abend, an dem er mich betrunken machte. Und da begann ich eine ngroßen Fehler. Er gestand mir seine Gefühle. Und was tat ich? Ich küsste ihn. Na toll. Und nun stalkte er mich, weil er nicht damit zurecht kam, dass mein Kuss nicht ehrlich war.. Sicher, das war auch doof für ihn, aber er könnte mich doch wenigstens eine Stunde schlafen lassen! Ich erhaschte einen Blick auf die Uhr. 2 Uhr morgens. Ich verdrehte die Augen, mir war schlagartig schlecht. Ich ließ mich in mein Kissen zurückfallen und schloss die Augen. 'Hurensohn.' Stieß ich aus. Ich war wach. Fluchend kroch ich aus dem Bett und schlatete meinen Computer an. Er brauchte wie immer weig, bis er hochfuhr, aber immerhin schaffte er es. Ich betrachtete meinen Bildschirmhintergrund. Ein Bild von mir und Simon. Ich begriff jetzt erst, dass er immer noch meinen Hintergrund schmückte. Ich öffnete meine Bildergalerie und suchte nach einem anderen Bild, als mein Messenger aufleuchtete. Colin. Ich klickte auf den orange leuchtenden Balken und las seine Nachricht:
'Salut princesse. Kannst du auch nicht schlafen?'
'Nein, kann ich nicht.. Der Stalker bringt mich noch um.', antwortete ich und wie immer antwortete er schnell.
'Vergiss diesen Jungen. Es gibt viele Jungs, die sich die Finger nach dir lecken.'
Ich grinste über seine übertriebene Reaktion.
'Du ewiger Schleimer!', antwortete ich ihm.
'Wie auch immer. Sag mal, hast du Samstag wieder Zeit?', schrieb er. Ich überlegte kurz, achtete auf mein schneller schlagendes Herz und antwortete dann:
'Ja, da habe ich Zeit.'
'Super, du bist offiziell zum Kino eingeladen. Wir treffen uns 17:40 am Hauptbahnhof.'Ich grinste und mein Herz machte nun wirklich Luftsprünge. Colin.. Colin war 17, recht klein (was mit ziemlich gelegen kam, da ich selbst minimal groß war.), hatte wundervolles kinnlanges, blondes Haar, Augen zum versinken und das beste an ihm, war sein Akzent. Er war Franzose und ich liebte seinen Akzent.
Irgenwann wurde ich dann müde, ich verabschiedete mich und ging noch einmal schlafen.

Donnerstag Morgen. Es verlief wie immer. Ich schlug meinen Wecker, verschlief, raste mit meinem Fahrrad zur Schule, gab den üblichen Leuten einen Kuss, oder eine Umarmung und hörte mir den Unterricht an. Meldete mich, so oft es ging, quatschte ein wenig. Sehr unspecktakulär. Dann kam endlich der letzte Block und auch der ging zu Ende. Ich kramte meine Sachen zusammen und verließ den Klassenraum. Ich freute mich schon auf mein Mittagessen zu Hause und überlegte, ob ich mir Spiegelei oder Suppe machen sollte.Doch dann wurde mein Gedankenweg durch ein Augenpaar zerschmettert. In Scherben lagen meine Gedanken an das Essen, ich sah ihm in die Augen und der Schreck saß so tief. Ich hoffte, dass er mich nicht mehr gesehen hätte. Ich zog meine Müzte ins Gesicht und versuchte in der Schülermasse unterzugehen, doch zu spät. Simon hatte mich schon längst gesehen. Er kam nicht ehrlich an meine Schule! Er wohnte total weit weg! Er konnte hier nicht einfach auftauchen! Er war Stalker mit Leib uns Seele.
Ich versuche mich aus dem Foyer zu schleichen, aber er war geschickt. Er versperrte mir den Weg.
'Hi.', sagte er.
'Was willst du?!'
'Ich wollte fragen, wie es dir geht.'
'Du kommst den ganzen beschissenen Weg hierher um zu fragen, wie es mir geht? Mir geht es fabelhaft, so jetzt weißt du's!'
Ich war zickig, wie noch nie. Aber ich musste sein Gesicht nur sehen und ich bekam schlechte Laune.
'Du meldest dich ja nicht.'
'Weil ich mich nicht melden will, okay? Ich habe es dir doch schon gesagt!'
'Ich wollte noch fragen, wie das jetzt mit uns beiden weitergeht. Ich meine, exestiert unser 'wir' noch?'
Ich stutzte. Was? Wir???
'Zwischen uns läuft nichts. Und pass mal auf, ich brauche keinen Babysitter.'
Mit diesen Worten drehte ich mich um und ging.
Es tat mir leid, ihn so abzuservieren. Aber ich hasste ihn dafür, dass er mich nicht in Ruhe ließ. Ich hasste das.
Tränen stiegen mir in die Augen. Ich hatte Angst vor diesem Jungen. Zitternd schloss ich das Fahrrad ab und fuhr los. Es schüttelte mich. Viele können sich nicht vorstellen, wie es ist, wenn eine Person absolut verliebt in Jemanden ist, doch diese Liebe zerdrückend und gezwungen ist...
Das ist schrecklich.
Ich grübelte noch eine Weile, stand nun an einer Ampel und wischte mir die letzten Tränen aus den Augen.
Ich hatte es schon wieder falsch angegangen. Ihm war noch immer nicht ganz klar, dass ich ihn nicht sehen wollte.. Er begriff es nicht, egal was ich sagte. Vielleicht musste ich es ihm auf eine andere Art und Weise versuchen.
Dann vibrierte mein Handy in der Jackentasche und ich zog es heraus.
'Hallo?', sagte ich, mit belegter Stimme. In dem Moment schaltete die Ampel grün und ich schob mein Fahrrad rüber.
'Hey, Süße ich bins.' Colin. Oh dem Himmel sei dank!
'Colin! Er war schon wieder da! Ich bin noch total aufgewühlt!', laberte ich drauf los. Colin konnte man so etwas antun. Stunden lang reden, er hörte willig zu.
'Oh nein. Meine Güte, der ist echt verknallt in dich, was!', sagte er.
'Ja veradmmt. Aber ich habe total Angst! Wie macht man euch Jungs so was klar, dass man von euch nichts will?', sagte ich.
'Du, er ist, wenn ich das mal so behaupten darf, das Gegenteil von mir. Wie du es ihm klarmachst, weiß ich nicht.'
'Du hast recht.'
Eine kurze Pause entstand. Ich beruhigte mich langsam. Es tat gut, ihn einfach nur zu hören. Und ich musste nur kurz an unser Date denken, da ging es mir echt besser.
'Warum rufst du an, my french friend?', sagte ich.
'Ähm.. Um ehrlich zu sein. Ich habe keine Ahnung. Ich hatte gerade so das Bedürftnis, dich anzurufen.'
Ich musste lächeln.
'Du bist erste Sahne!', sagte ich in den Hörer. Wir redeten noch lange, bis mein Akku leer war und ich zu Hause ankam.
Ich schloss auf, schob meine Schuhe aus und stieg die Treppe hoch in mein Zimmer.Ich machte meine Hausaufgaben. Es war ein ganz üblicher später Nachmittag. Bis eine SMS kam.
Absender? Simon. Verdammt. 'Hey. Heute war ja nicht so toll! Ich würde gern mal mit dir allein sein. Ich liebe dich, ich hoffe das weißt du.'
Ich warf mein Handy einfach hinter mein Bett.
Es war eine gemeine Nacht. Ich träumte davon, dass eine orangefarbene Paprika mich jagte und mich zwang, sie zu essen. Ich hasste Paprika. Ich hasste orange. Ich hasste Zwang.

Der Freitag verlief ganz normal. Ganz normal für ein Mädchen, dass ein Date am folgenden Tag hat. Mit einem wunderbaren, gutaussehenden Jungen, der auch noch einen äußerst charmanten Akzent hatte.
Ich laberte den ganzen Tag meine Freundinnen voll, war aufgeregt, fragte, was ich anziehen solle, was ich in Notfallsituationen tun sollte. Die Mädchen waren äußerst gernervt. Das war mir aber egal, ich war so lang nicht mehr so Energiegeladen gewesen!
Die schönsten Momente sind Momente, in denen man unglaublich aufgeregt ist. Der schnelle Puls, den man hauptsächlich im Magen spürt, der Kopf, der wärmer wird, die brennenden Ohren, der schnelle Atem, die verschärften Sinne. Dieses Gefühl hatte ich 24 Stunden lang.Ich saß gerade auf der Bank. Die anderen hatten Sport, nur ich nicht. Und Mark auch nicht. Ich saß also auf der Bank und dachte an meinen bevorstehenden Samstag.
Dann spürte ich etwas Wärme neben mir. Ich wandte meinen Kopf in die Richtung und neben mir saß Mark.
'Hey..', sagte ich.
'Warum bist du von deiner alten Schule gegangen?', fragte er und sah mir ernst ins Gesicht.Meine alte Schule. Ich wollte daran nicht erinnert werden. Das war meine härteste Zeit im Leben.
Ich war die kleine, dumme Maria. Ich hatte das alles nie verstanden. Ich hatte schlechte Noten, ja. Aber das machte mich ja noch nicht minderwertig. Gerüchte kamen auf und jeder begann mich zu hassen. Irgendwann wurde ich nur von der Seite angeguckt und bei jeder Bewegung, die ich machte, bei jedem Wort, das ich sagte, drehten sich alle um und redeten über mich. Ich hatte das Gefühl, ich sei ein Fehler für die Menschheit. Dumm. Immer wieder wurde mir dieses Wort an den Kopf geknallt. 'Du bist so dumm. Du kannst gar nichts.'Und dann kam meine eigentliche Rettung. Schulwechsel. Vom ersten Tag an hatte ich da Freunde, gute Noten, für mich ging eine neuse Sonne auf. Doch jedesmal, wenn mich Jemand fragte, wieso ich gewechselt hätte, musste ich schlucken. Aber ich erzählte es immer. wieder:'Ich hatte Preobleme.. Mit meiner Klasse. Ich hatte schlechte Noten und sie wurden immer schlechter. Na ja und dann kam der Zeitpunkt, an dem mich Niemand leiden konnte.', ich fasste es kurz. Es war nur Mark. Ein netter Kerl, aber er war nur der beste Freund meines Ex-Freundes. Ich hatte nicht viel mit ihm zu tun.
'Warum mochten sie dich nicht?', frage er.
'Man hat Gerüchte erzählt. Ich weiß auch nicht.'
'Bist du sicher?' ich sah in sein Gesicht und ich konnte seinen Blick nicht ganz deuten. Es war ein wenig Wissen darin, Sorge und auch Fragen. Fragen, ungestellt, unbeantwortet.'Äh - ja...? Wieso?'
'Nur so...', wich er aus.
'Mark! Wer hat dir was erzählt?', sagte ich streng. Dieser Tonfall zog immer. Bei Jedem. Das war etwas, worauf ich echt stolz war.
'Christoph hat's mir erzählt, und der hat's von Annemarie.'
'Was?!', ich wurde jetzt echt streng.
'Dass Du von deiner alten Schule geflogen bist, weil du kiffst und rauchst.'
'Was?!' Ich war sehr wütend.
Das durfte einfach nicht wahr sein! Annemarie?! Sie gehörte mal zu meinen besten Freundinnen. Doch dann kam eine Veränderung in mir.. Und ich musste Abstand von ihr und der ganzen Clique nehmen. Seitdem mochten sie mich aus irgendeinem Grund nicht. Das war mir auch in einer gewissen Weise egal.
Aber dass sie solchen Mist über mich erzählte, war mir nicht egal.
Ich stand auf und zog mein Handy aus der Tasche. Suchte wild Annemaries Nummer.Sie stand ganz oben in meiner Anrufliste. Wie pracktisch. Ich drückte den linken KNopf - anrufen. Die Nummer wählte. Tuut... Tuuut... Tuuuuut... 'Hallo Maria?'
Annemaries Stimme war herausfordend, spöttisch und klang wissend, dass sie eigentlich schon verloren hatte.









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