Die letzte Träne...

Autor: Esma
veröffentlicht am: 10.10.2008




Milos wusste seit dem er Sina das erste Mal auf 'ihrer Brücke' gesehen hat, dass sie die Frau seines Lebens sein würde. Er hatte sie bei seinem wochenendlichen Joggen aus Versehen fast zu Boden gerissen, als sie träumerisch den Fluss unter der hohen Brücke beobachte. Nach diesem 'zusammentreffen' dauerte es nicht lange, bis sie ein Paar wurden.Sina musste nicht lange überlegen ob er der richtige war. Sie wusste es einfach, sie spürte es, ihr Herz sagte es ihr regelrecht. Bei Milos war es nicht anders. Sie erfüllte sein Inneres mit Frieden, ihre Anmut bezauberte ihn.Die Brücke wurde von da an 'ihr Ort'. An jedem Jahrestag trafen sie sich auf dieser Brücke und wiederholen ihren Liebesschwur den sie mit einem langen, zärtlichen und unvergesslichen Kuss besiegelten.Egal womit sie in dem Moment beschäftigt waren. Egal wie das Wetter war. Egal wo sie sich gerade befanden. Egal ob sie zerstritten oder sauer aufeinander waren. Sie sprachen nicht einmal vorher darüber oder verabredeten sich. Nein! An ihrem Jahrestag zog eine Magie sie zu dieser Brücke.Sina liebte Milos. Das war auch der Grund, warum sie über so viele seiner Fehler hinweg sah. Sie liebte ihn so sehr, dass sie weit über ihre Grenzen ging. Immer mit der Hoffnung, das er sich irgendwann bessern würde.Milos liebte Sina auch. Aber er wollte das Leben genießen, so lange er noch jung war, dachte er sich immer. Er feierte und vergnügte sich eben gerne, ob mit oder ohne Sina. Sie wird ihm eh immer alles verzeihen, egal was er anstellte, dass wusste er ganz genau.Sina war sein Ruhepol. Ihr verdankte er seinen Seelenfrieden. Nach vielen durchzechten Nächten und Wochenendausflügen mit seinen Kumpels freute er sich auf sie. Statt ihm Vorwürfe zu machen, war sie sanft und gutmütig. Er konnte zwar in ihren Augen lesen wie enttäuscht sie war aber dass konnte er ja später immer noch gutmachen, dachte er sich.Sina hoffte einfach nur. Sie hoffte, dass er das flirten mit anderen Mädchen lassen würde. Sie wusste, dass er niemals fremdgehen würde aber trotzdem störte es sie. Sie hoffte, dass er öfter der romantische, gefühlvolle, verträumte Milos war. Hätte er nicht diese fesselnden Seiten, die sie so faszinierten, wäre sie nicht länger bei ihm geblieben. Und hätte er nicht diese fesselnden Seiten, hätte sie ihm nicht so viel verziehen. Aber bis wohin verzeiht man, ohne sich selbst aufzugeben???Sina wusste, dass Milos wieder das ganze Wochenende unterwegs sein würde und fuhr übers Wochenende zu einer Freundin. Am Samstagabend geschah es. Sie fühlte sich nicht wohl. Es waren keine Schmerzen. Sie war auch nicht krank. Aber etwas geschah in ihrem Inneren. Als würden sich ihre Lungen zuschnüren. Daher fuhr sie eher als gedacht nach Hause.Nach anderthalb Stunden fahr stand sie nun vor ihrer gemeinsamen Wohnung und dieses flaue Gefühl nahm immer mehr zu. Sie schloss die Tür auf und hörte Stimmen. Sie wunderte sicht weil Milos an einem Samstag, um diese Uhrzeit so gut wie nie zu Hause war. Sie ging in das Wohnzimmer und hatte das Gefühl tausend Tode zu sterben. Milos und eine ihr unbekannte Frau saßen auf dem Sofa und waren fast entkleidet. Milos bemerkte sie und war wie vom Blitz getroffen. Sina sagte nichts drehte sich um und ging. Sie ging die Straße entlang. Sie wollte so weit gehen bis ihre Füße sie nicht mehr tragen konnten. Sie wollte weit weg…Tage später klingelte sie an ihrer Wohnungstür und bat Milos nach draußen zum kommen. Sie konnte nicht mit ihm in einem Raum reden. Aber sie musste mit ihm reden. Sie brauchte es, um so schnell wie möglich, für immer abzuschließen. Sie konnte nicht mehr! Sie wollte nicht mehr!Als er vor ihr stand sprach die Enttäuschung die sich über die Jahre in ihr aufgestaut hatte, ihre verletzte Seele, ihre innere Wut. 'Danke! Ich danke Dir, dass Du mir die Augen geöffnet hast. Das Du mit gezeigt hast, dass Du es nicht wert bist auf Dich zu warten.
Er versuchte ihr zu erklären, dass er es nicht wollte. Er war betrunken und die Frau wollte ihm zur nach Hause helfen. Es sei auch gar nicht so weit gekommen. Er würde sie niemals,
wirklich niemals richtig betrügen.
Müde lächelnd wiegte sie ihren Kopf: 'Du hast meine Hoffnungen zerstört Milos. Ohne die Hoffnungen hat es mit uns keinen Sinn mehr. Es tut verdammt weh. Ich weiß auch, dass es lange Zeit wehtun wird. Aber ich muss anfangen an mich zu denken. Und dass kann ich nicht wenn ich mit Dir zusammen bin!'
Sie drehte sich um und ging. Sie ging ohne noch einmal nach ihm zu schauen…und ging.

Er konnte nichts sagen. Er konnte nicht weinen. Noch nicht. Er wusste dass es vorbei war, dass sie niemals zu ihm zurückkehren würde. Dass es ihr ernst war, konnte er aus der Entschlossenheit Ihrer Augen sehen. Es hatte ihm die Augen geöffnet aber es war nun zu spät.Jedoch ein ganz kleiner Hoffnungsschimmer brachte ihn dazu nicht vollends
zusammenzubrechen.

Ihr Jahrestag!
Er stellte sich auf die Brücke und wartete. Den ganzen Tag. Wenn sie nur ein bisschen Hoffnung übrig hatte würde sie kommen. Nun hoffte er! Er hoffte aus seinem tiefsten Inneren. Er betete und hoffte.
Als die Sonne langsam unterging wusste er, dass sie nicht kommen würde. Heute nicht und in Zukunft nicht. Nie wieder! Er weinte, er schrie seine ganze Verzweifelung heraus. Die Tränen strömten im über sein Gesicht. Sein Körper schmerzte ihm. Seine Seele brannte. Er wird sie nie wieder lachen sehen, nie wieder berühren, nie wieder ihren Atem in seinem Gesicht spürend einschlafen, nie wieder durch ihre zärtlichen Worte Ruhe finden.
Was hatte er getan. Was hatte er ihr über die Jahre angetan. Was hatte er sich angetan; wie konnte er ohne sie leben….ein Leben ohne sie….war es lebenswert….?
Er stellte sich auf das Brückengelände, schrie weinend ihren Namen und schloss die Augen.

Irgendwann weint jeder seine letzte Träne, bevor der Tod die Schmerzen beendet…









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