Elendes Erwachen

Autor: Abril
veröffentlicht am: 04.09.2008




Die Geschichte begann als man noch glaubte, dass Menschen hinter dem Mond leben konnten und in der die Technik noch nicht ganz so ausgeklügelt war wie heute. Etliche Jahre war das alles her, die Geschichte so undefinierbar und unerklärbar wie damals. Niemand wusste genau was aus den beteiligten Personen geworden war, doch über eines waren sich alle Menschen in dem Dorf nahe Massachusetts sicher, nämlich dass die Geschichte ob damals oder in dieser Zeit das gleiche elende und für das Dorf verhängnisvolle Ende hervorbringen würde. Die Abenddämmerung die Marisa Larsen von der Veranda ihres Hauses erblickte, erinnerte sie an ihre Jugend. An Gutes und Schlechtes das ihr widerfahren war und ihre Gedanken schweiften ab. Dorthin wo sie das letzte Mal glücklich war, dorthin wo sie das letzte Mal ein Kind sein durfte. Nachdenklich schloss sie ihre Augen und ein sanftes Lächeln umspielte ihre Lippen. Dieses Dorf verbarg ihre Vergangenheit und alles mitsamt ihr. Ihr Leiden, Lieben und ihr Sehnen. Wie oft war sie damals in die Stadt zu Fuß gelaufen, wartend am Dorfplatz auf ihre Freundin und immer mit lauter Vorfreude an den heutigen Tag. Die ganzen Träume die sie mit ihrer Freundin teilte und all die Stunden die sie miteinander verbracht hatten. Wie ihr Herz sich zurück in die Zeit ihrer Jugend sehnte und wie es sich plötzlich verkrampfte als sie sich erinnerte an jene letzten furchtbaren Tage, die ihre Geschichte für immer versiegelten und unvergessen machten. Unentschlossen darüber was der Tag ihr brachte und was sie vom nächsten zu erwarten hatte. Nur sie wusste das was die anderen Leute im Dorf vermuteten. Sie allein war die Hüterin des Geheimnisses das dieses Dorf besaß. Eine Gänsehaut breitete sich in ihrem ganzen Körper aus. Eine unkontrollierte und erschütternde Wahrheit trug sie wie eine Last überall herum und zeigte niemanden dass was sie ausmachte. So viele Tränen wurden damals vergossen und so viel Schmerz hatte sie sehen müssen, dass es ihr für dieses Leben reichte. Traurig schüttelte sie den Kopf, nichts ahnend von der Person die sich auf ihr Haus zu bewegte. Unwissend von der Erinnerung die sie sogleich bei dem Anblick hochkommen spüren würde. Ihre Veilchenblauen Augen sahen starr auf den Himmel gerichtet hinaus und verloren sich im Horizont. Der Himmel war von der rötlichen Nachmittagdämmerung beleuchtet und ihr Blick versank in diesem Panoramabild. Ihre Geschichte begann sich vor ihrem Inneren Auge zu wiederholen, sie seufzte kurz auf, lies sich von ihren Erinnerungen überwältigen und schloss die Augen.

Sie erinnerte sich daran, als wäre es erst gestern gewesen. Draußen war es kalt und eisig. Schneeflocken fielen sacht auf die Erde, und nur selten sah man Menschen die Straße überqueren. Der Winter war mitsamt seiner Pracht noch immer vorhanden und die Sonne wagte es nicht sich dem zu widersetzen, so konnte man annehmen, wenn man davon ausging, dass es bereits März war. Marisa Larsen sah aus ihrem Elternhaus das Licht brennen, dass sich wie ein Strahlen in der Dunkelheit der kalten Märznacht ausbreitete. Schleppend bewegte sie sich darauf zu, denn sie hatte keine Lust nach Hause zu gehen. Marisa liebte den Schnee, es war ihre Lieblingsjahreszeit, neben Sommer natürlich. Ihre braunen schulterlangen Haare wippten bei jedem Schritt und ihre dumpfen stampfenden Schritte, echote man bereits aus einigen Metern Entfernung. Aber da sie wusste, dass ihre Mutter nie auf sie wartete und sich nie Sorgen machte, war es ihr gleichgültig ob man sie kommen hörte oder nicht. Ihre Eltern waren seit sie ein Baby war geschieden und sie vermisste ihren Vater nicht. Marisa brauchte und vermisste niemanden, dass war die erschreckende Wahrheit. Was auch immer vorgefallen war, hatte sie stets überraschend gut überwunden und ignoriert. Nie machte sie sich um dergleichen Sorgen, nie wollte sie so werden wie all die anderen Erwachsenen und nie hatte sie vor sich zu verlieben. Wozu auch? Ihr guter Vorsatz lautete, dass jemanden zu vertrauen nur eine weitere Einladung zu noch mehr Schmerz war. Wenn man sich so etwas leisten konnte war all das vielleicht nicht schlecht, aber sie war eben anders. Marisa Larsen wollte etwas Außergewöhnlicheres als ihr Leben, dass sie unter erbärmlichen Umständen führte. Der Himmel über ihr verdunkelte sich zusehends und sie beschleunigte ihre Schritte. Heute hatte sie keine Lust mehr klatschnass zu sein. Es reichte ihr, dass die Jungen aus ihrem Dorf sie windelnass eingerieben hatten und ihr niemand zur Hilfe geeilt war. Sie war ganz allein gewesen. Auch jetzt beim Heimweg war sie ganz für sich. Sie hörte sich selbst durch den Zentimeter hohen Schnee stampfen. Am Himmel sah sie wie der zunehmende Halbmond von schwarzen Wolken allmählich verdeckt wurde. Ein Kribbeln in ihrem Nacken zeigte ihr wie unsicher sie sich fühlte. Seufzend kämpfte sie sich vorwärts. Die Dunkelheit um sie herum, die bedrohlichen Schatten und das Flüstern der raschelnden Bäume beunruhigte sie zutiefst. Sie begann, so weit es ihr möglich war, zu rennen. Ohne Anzuhalten und ohne zu
verschnaufen lief sie die verschneite Wiese hoch.









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