Skiurlaub und andere Katastrophen - Teil 9

Autor: blaine_chick
veröffentlicht am: 24.04.2012


Kapitel 9
„Und das sagst du mir jetzt?“ „Du hast mich ja nicht gefragt!“ gab sie zitternd zurück. Jake wusste erst nicht ob er lachen oder weinen sollte – dann fiel ihm ein das er sie in diese Situation gebracht hatte: „Süße, man das mir Leid – ist es so schlimm? Er griff nach ihren Händen und löste sie nach einigem Hin und Her von ihrem starren Griff um den Bügel. Wutschnaubend sah sie ihn schließlich an. „Nenn mich nicht Süße, du Schwerenöter!“ Ok, das hatte er nun nicht kommen sehen. Abschätzend schaute er sie an. Ihre Augen blitzten und waren starr auf ihn gerichtet. Einige Strähnen ihrer wilden Mähne lugten unter ihrer Mütze hervor, das Gesicht leicht gerötet von der Aufregung. Aus irgendeinem Grund schien sie sauer auf ihn zu sein, aber anscheinend lies sie ihre Wut ihre Angst vergessen – was nur zu seinem Vorteil war. „Was meinst du denn jetzt damit?“ „Ach gar nichts – aber mit Mir kann man es ja machen...“ Die letzten Worte waren kaum hörbar. Ihr Blick wanderte zurück Richtung Boden und eine neue Welle von Panik überkam sie. „Oh Gott, wann ist das hier endlich zu Ende?“ „Ich wollte doch nur einen ruhigen Urlaub verbringen.“ In ihrer Stimme schwang ein leichtes Zittern mit. Jake konnte sich auf ihre Worte beim besten Willen keinen Reim machen – ihre Hände in seinen waren immer noch eiskalt obwohl seine Großen ihre kleinen Finger ganz umschlossen. Kathy hatte jetzt die Augen fest zugepresst und schien etwas ruhiger. „Erzähl mir irgendwas.“ Jake schaute sie fragend an. „Du hast mich in diese Situation gebracht, also lenk mich bitte ab, bis es vorbei ist!“ „Was willst du denn wissen?“ „Keine Ahnung irgendwas.“ Kathy überlegte krampfhaft, hier und jetzt eine Diskussion über das Monique-Thema anzufangen erschien ihr nicht allzu klug. „Ähh, zum Beispiel wer ist Raquel? Und warum hast du seit dem Anruf heut morgen so eine beschissen gute Laune?“ Kathy hätte sich am liebsten auf die Zunge gebissen. Woher kam denn das jetzt? Normalerweise war sie nicht so direkt. Aber da es jetzt sowieso raus war... Vorsichtig öffnete sie ihre Augen und sah ihn forschend an.

Jake rutschte unruhig auf seinem Sitz hin und her. Damit hatte sie voll ins Schwarze getroffen, es war ihm nicht so bewusst gewesen, dass es so offensichtlich war, wie ihn dieser Anruf erleichtert hatte. Aus allen Themen suchte sie sich ausgerechnet das Thema über das er am wenigsten reden wollte. Aber schließlich hatte er sie ja in diese Situation gebracht, da war es nur fair wenn er ihr diese Frage beantwortete Er überlegte was er ihr erzählen könnte, ohne zuviel zu verraten. „Also Raquel ist eine ähh Freundin von mir. Ihr Freund Pablo liegt mit einer Kopfverletzung im Krankenhaus und es standen noch ein paar Untersuchungsergebnisse aus, die besagen sollten, ob er bleibende Schäden davongetragen hat oder nicht. Aber das hat sich zum Glück heute morgen nicht bestätigt.“ „Ohh das ist gut, ich meine ich freue mich das zu hören...“ Die Antwort kurz abschätzend fragte sie weiter „Haben seine Verletzungen etwas damit zu tun wie du zugerichtet bist?“ Kathy versuchte ihm in die Augen zu schauen – aber Jake starrte nur gedankenverloren in die Ferne, der nächste Satz klang verbittert. „Das könnte man nett ausgedrückt so sagen.“ Kathy wartete auf eine weitere Erläuterung aber Jake schwieg. Gerade als sie versuchte sich aus seiner Aussage einen Reim zu machen überwand die Gondel eine Bergkuppe und unter ihnen tat sich eine kleine Schlucht auf. Sofort überkam Kathy die Panik wieder in heißen Schüben. Ihre Hände schlossen sich krampfhaft um Jakes Finger und ihr Atem ging nur noch stoßweise. „Wwas machst du da???“ Jake hatte sich in der Gondel bewegt, so dass diese in Schwingung versetzt wurde und nun langsam hin und her schaukelte. „Oh Gott Jake hör auf damit, wir stürzen noch ab!!“ Voller Panik schloss Kathy die Augen – Wenn sie den Abgrund nicht sehen konnte, vielleicht könnte sie sich dann auch einbilden, dass er überhaupt nicht da wäre! Noch bevor sie überprüfen konnte ob ihre Taktik funktionierte merkte sie wie sich Jake erneut in der Gondel bewegte. Es war ihr als wäre er noch näher an sie ran gerückt. Plötzlich merkte sie seine Hand an ihrem Nacken. Mit ein wenig Nachdruck drehte er ihr Gesicht in seine Richtung und im nächsten Moment spürte sie seine Lippen auf den ihren. Zuerst war sie so perplex, dass sie gar nicht reagieren konnte, Damit hatte sie nicht gerechnet! Aber wie bei ihrem ersten Kuss schien sich ihr Kopf in Sekundenschnelle verabschiedet zu haben, und als sie seine Zunge an ihren Lippen spürte öffnete sie intuitiv ihre Lippen um ihm den Zugang zu erlauben. Der Kuss war - wie schon die vorherigen – anders als alles was Kathy bis dato erlebt hatte – was bei genauerer Betrachtung nicht viel war. In ihrer Magengrube breitete sich eine Wärme aus, die langsam von ihrem ganzen Körper Besitz ergriff. Selbst wenn sie gewollt hätte – es war ihr unmöglich sich seinem Kuss zu verwehren. Wie immer wenn er sie küsste wurde Zeit ein relativer Begriff und sie wusste nicht genau wie lange sie so auf der Gondel saßen, sein Mund fest auf ihrem, ihre Vernunft zum Teufel gejagt, alle Gedanken über Gondeln, Höhenangst und Monique verpufft wie Schall und Rauch. Fast abrupt kam es ihr vor als er sich plötzlich jedoch wieder etwas von ihr entfernte, mit einem sanften aber bestimmten letzten Kuss. „Siehst du Hasenfuss, so schlimm war das ganze doch gar nicht! Man muss sich nur zu beschäftigen wissen.“

Verdattert öffnet sie die Augen und die Bergstation tauchte in ihrem Blickfeld auf. Kathy konnte es nicht fassen, sie hatte es doch tatsächlich überstanden. Ihre Gute Laune verflog jedoch sofort als sie sein selbstgefälliges Grinsen sah. Er hatte sie also nur geküsst um sie von ihrer Höhenangst abzulenken – und sie dumme Kuh hatte war auch noch voll drauf reingefallen! Schon wieder hatte er mit ihr gespielt, sie an- und ausgeknipst wie es ihm gerade beliebte. Und das alles obwohl er eben noch auf Schmusekurs mit Monique gewesen war! Ihr Kopf fing wie fieberhaft an zu arbeiten und plötzlich erinnerte sie sich an ein kleines Detail, was ihr unten an der Talstation schon aufgefallen war, jedoch im Zuge ihrer Panik wieder in Vergessenheit geraten war. Woher wusste Monique, dass Jake sie Hasenfuss nannte? Kathy merkte wie die Wut wieder langsam in ihr hoch kochte. Siedend heiß wurde ihr klar, dass Monique diesen „Kosenamen“ nur von Jake haben konnte. Vor den anderen nannte er sie nie so! Auf einmal raste ihr Verstand und sie vergaß fast dass sie gleich aussteigen sollte. „Er hat mit Monique über mich geredet! Sich wahrscheinlich über Mich lustig gemacht. „Die kleine dumme Kathy, der kleine Hasenfuss.“ Die anderen hinter ihnen in den Gondeln hatten wahrscheinlich auch noch mitbekommen wie er sie geküsst hatte - und würden sich später hinter ihrem Rücken königlich darüber amüsieren, was Jake hier für ein Spiel mit ihr abzog. Was Monique dazu sagen würde wollte sie lieber nicht so genau wissen – totlachen würde sie sich wahrscheinlich. Sie merkte wie ihr die Schamesröte ins Gesicht schoss. Zum Glück war die Bergstation nicht mehr fern und sie brauchte all ihre Energie um nicht loszuschreien und die Tränen die in ihre Augen schossen zu bekämpfen. Froh das sie endlich der Gondel – und damit auch Jakes Nähe entfliehen konnte – die ihr trotz steigender Wut deutlich bewusst war, zog sie ihre Hände demonstrativ aus Jake Umklammerung und sagte mit bebender Stimme: „Danke für deine Hilfe, aber du brauchst mir nicht mehr Händchen zu halten, den Rest schaffe ich alleine.“ Jake betrachtete sie stillschweigend. Ihr Blick war wieder starr nach vorne gerichtet, die eben noch so willigen Lippen starr aufeinander gepresst, ihre Wut ins Gesicht geschrieben. „Sag mal Hasenfuss was meintest du eigentlich eben im Tal damit als du gesagt hast »Mit Dir kann man es ja machen?«“ Er schaute sie fragen von der Seite an. „Was hab ich seit heut morgen angestellt, dass du eben so sauer auf mich warst und es jetzt wieder bist?“ „Heut morgen war ich nicht ganz zurechnungsfähig - genauso wie eben - aber zu deinem Glück hat mich die Realität gerade wieder eingeholt. Du musst dir also keine Sorgen darüber machen – wie gesagt: Mit mir kann man es ja machen!“






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