Bill Wyman

Bill Wyman alias William Perks, wie sein richtiger Name lautet, trat den Rolling Stones 1962 bei. Er war bereits 25 Jahre alt, hatte das Militär besucht und war verheiratet.

Zwei Welten prallten aufeinander. Auf der einen Seite die rüpelhaften Stones und er, der eher bürgerliche Typ. Anfangs interessierte sich weder Mick Jagger, Brian Jones noch Keith Richards für ihn, bis sie von seinem Verstärker erfuhren. Dieser kostete damals ein Vermögen und war genau das, was die Rolling Stones suchten. Wyman wurde Mitglied der Band und das nur wegen dem Verstärker!

Vielleicht waren es die Gegensätze die ihm zum Einstieg bei den Stones bewegten, vielleicht aber auch die Möglichkeit etwas aus seinem bürgerlichen Leben auszubrechen. In gewisser Weise fühlte er sich zu ihnen hingezogen, trotzdem die Stones den schwarzen Rhythm & Blues spielten und er den weißen Rock'n Roll, wie den der Everly Brothers, bevorzugte. Aber Wyman konnte das, was viele Bassisten nicht konnten. Er spielte präzise, konnte den Takt halten und wurde somit fester Bestandteil der Rhythmusgruppe der Band. Bill Wyman war eher mit Charlie Watts und Ian Stewart zu vergleichen, als mit Jagger, Jones und Richards.

Während sich die Frontgruppe der Band mehr oder weniger in Szene setzte, bewegte sich Wyman kaum. Er stand stur wie ein Fels auf der Bühne und zupfte unnachahmlich den Bass. Er bewegte dabei die ganze Zeit keine Miene und trieb dieses Spiel immer bewusster fort. Sein Spielweise war vielleicht nicht spektakulär, dafür aber sehr effizient und Keith konnte sich blind auf ihn verlassen.

Wer jedoch denkt Wyman könnte kein Wässerchen trüben, der liegt falsch. Der Begriff Groupie wurde von ihm geprägt. Er führte ein Tagebuch, das bereits nach den ersten Jahren Eintragungen von mehreren hundert Frauen hatte, die mit ihm geschlafen haben. Trotz seiner Ehe konnte er niemanden des weiblichen Geschlechts widerstehen, was sogar so weit lief, das er sie von seinem Hotelzimmer aus zu sich bestellen ließ. Damit war er der Aufreißer Nummer eins der Band - vor allen anderen.

Schon früh erkannte er, das Mick Jagger und Keith Richards niemanden neben sich dulden würden. Ihnen obliegen die Autorenrechte an den Rolling Stones Liedern. Zum Anfang ihrer Karriere gab es noch Gemeinschaftsproduktionen unter den Namen Nanker, Phelge. Später rissen Jagger und Richards die Kompositionsrechte an sich, egal ob noch andere daran beteiligt waren oder nicht. Einspruch half nichts. Er kam auf die Idee bei "19th Nervous breakdown" den Bass falsch zu zupfen. Der Riff von "Jumpin' Jack flash" entsprang ebenso wie "In Another Land" (das einzige Lied, bei dem er als Autor erwähnt wurde!) seiner Feder. Deswegen orientierte er sich früher als jeder andere Stone zu einer Solokarriere.

Sein Solokarriere, die er 1974 mit dem Album "Monkey grip" begann, konnte mit der Karriere der Rolling Stones natürlich nicht mithalten. Wyman' Lieder waren eher weich gespielt, anstatt hart und rau wie die Lieder der Rolling Stones. Trotzdem verfolgt er diesen Weg bis heute weiter!

Wer mehr über Bill Wyman' frühe Jahre bei den Rolling Stones (bis 1969) erfahren möchte, der sollte sich seine Biographie "Stone alone" zulegen, in der er minutiös mit seinen gesammelten Notizen, Zeitungsartikeln, Fotos etc. sein Leben als Rolling Stone darbietet.

Nach der riesigen Tournee 1981/1982 kam langsam Eiszeit bei den Stones auf. Jagger und Richards hatten sich nur noch wenig zu sagen. Bill tat das, was er immer tat. Er hielt sich so gut wie es ging heraus. Als dieses Kapitel endlich abgeschlossen war und die Band sich wieder gefangen hatte startete (1989 - 1990) die Steel Wheels bzw. Urban Jungle Tour. Spätestens jetzt wurde ihm klar, das er das alles nicht mehr wollte. Er war in den Schlagzeilen, nachdem er seine langjährige Freundin Mandy Smith heiratete - als sie 18 wurde! Er war mit ihr schon seit Jahren zusammen! Diese Ehe sollte nicht lange halten. Auf der Tour bekam er seine Flugangst nicht mehr in den Griff und fuhr die meiste Zeit mit dem Auto von Konzertort zu Konzertort. Er beschloss aufzuhören und den Rolling Stones den Rücken zu kehren. Während Keith Richards vehement auf ihn einredete zu bleiben, da ein Rolling Stone nur im Sarg die Band verlassen kann und Mick Jagger ihm nachträglich noch Vergütungen zukommen lassen wollte, hatte er endgültig genug und zog einen Schlussstrich unter diesen Teil seines Lebens. Trotzdem er vor jeder Tour gefragt wird, bleibt er bis heute konsequent bei seinem nein.

Bis heute treibt er seine Solokarriere weiter voran und führt nebenbei das in den 80er Jahren eröffnete Restaurant "Sticky Fingers".


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