Do I Know You? Teil 1

Autor: Any
veröffentlicht am: 23.03.2008




So... Da es bei 'Black Tiger' im Moment nicht wirklich weiter geht habe ich wieder einmal eine neue Geschichte für euch! Ich hoffe sie findet gefallen und entschuldigt mich wegen meiner, ich würde mal sagen Unkreativität.

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„Wie konntest du mir das nur antun?!“, die Tränen liefen ihr über das hübsche Gesicht und ihre verletzten Augen suchten den Blick seiner.
Hilflos sah er sie an. „Versteh doch! Es ist… nur zu deinem Besten. Du bist in Gefahr, wenn du dich weiterhin mit mir triffst!“ Sie verstand ihn nicht. Sie hatten doch eine so schöne Zeit miteinander gehabt. Bedeutete ihm das denn gar nichts? War sie nur ein netter kleiner Zeitvertreib für ihn gewesen? Sie verstand die Welt nicht mehr. „Ich dachte, wir sind Freunde!?“
„Das sind wir auch! Und eben deswegen dürfen wir uns nicht mehr sehen!“, seine Stimme zitterte. Heftig schüttelte sie ihre langen glatten braunen Haare. „Ich verstehe das nicht! Du hast gesagt, dass du nicht willst, dass mich irgendjemand verletzt, dass du immer für mich da bist! Also warum können wir uns nicht mehr sehen?“
„Bitte versteh doch, Tiff! Es ist nur zu deinem Besten!“ Er umfasste ihre Schultern mit seinen großen Händen und fixierte sie mit seinem Blick. Tiff… So durfte nur er sie nennen. Jeder andere musste sie entweder Funny, oder Tiffi, nennen. Ihren vollen Namen `Tiffany´ hasste sie wie die Pest.
Seine dunkelgrünen Augen starrten sie lange an, während sie schluchzte.
„Aber wir sind doch beste Freunde! Bedeutet dir das denn nichts? All die gemeinsamen Erlebnisse?“
Benjamin zwang sich innerlich zur Ruhe. Ihm stiegen auch schon die Tränen in die Augen, aber er durfte nicht nachgeben. Das, was er tat, war das Richtige. Er musste sie schützen. Er ließ ihre Schultern los. „Hör zu! Wir werden uns nicht mehr sehen! Es wäre zu gefährlich! Und ich will dich nicht in Gefahr bringen!“
„Ich verstehe nicht, was so gefährlich daran ist, wenn wir uns treffen!?“
„Du musst mir glauben!“
„Ich kann dich nicht einfach so nicht mehr sehen!“
„Du musst aber!“
„Ich kann nicht!“, eine neue Welle von Tränen rann ihre Wangen hinab.
„Wieso kannst du nicht?“
„Verdammt, weil ich dich liebe!“ Verstört sah Ben Tiff an. Sie liebte ihn? Er griff sich an den Kopf und schloss die Augen. Die vorbeigehenden Passanten hatten argwöhnisch bei dem bisherigen Schauspiel zugeschaut. Es begann zu regnen und Bens schwarze Haare klebten an seiner Kopfhaut. Die Worte Tiffany´s hangen wie eine dunkle Gewitterwolke zwischen den vielen Regenwolken. Wieso musste sie alles so kompliziert machen. Ihre, sonst so warmen, Augen sahen ihn traurig an.
„Ich liebe dich, Ben.“, wiederholte sie noch einmal. Er stöhnte. Sie durfte ihn nicht lieben. Jetzt würde sie erst recht mit ihm kommen wollen, aber da wo er hinging, konnte sie einfach nicht mit. `Es tut mir so leid, Tiff…´
Das was er jetzt sagte, zerriss ihm, und ihr, das Herz: „Weißt du was!? Du gehst mir auf die Nerven! Ich hasse dich, verstehst du das nicht? Du bist mir eine Last… Ständig schwafelst du mich voll mit irgendwelchen deiner Probleme, die mich einen Dreck interessieren, und erwartest, dass ich dir mit Rat und Tat zur Seite stehe! Verpiss dich jetzt einfach!“
Den verletzten Ausdruck in ihrem Gesicht würde er nie wieder vergessen.
Sie klatschte ihm eine, drehte sich um und lief weg.
`Ich werde sie nie wieder sehen…´, ging es ihm durch den Kopf. Erst dann begann Benjamin Parker zu weinen.

Sieben Jahre später…

Müde ließ er sich auf die Couch in seinem Wohnzimmer sinken. Die Tasse Kaffee stellte er auf den Tisch vor sich, dann lehnte er sich zurück und schloss die Augen.
Paul Smith war ungefähr vor sieben Jahren von Berlin nach New York gezogen, um seiner Arbeit nachzugehen. Er war hier ein angesehener Kriminalist, der für das FBI arbeitete. Er vermisste das Leben in Berlin, dort gab es nicht so ein hektisches Treiben wie hier auf den Straßen und es stank auch nicht so schlimm. Aber am meisten vermisste er Tiffany Clear. Sie war seine beste Freundin gewesen, für ihn eigentlich noch viel mehr, aber er hatte sich nie getraut, es ihr zu sagen. Und dann, als es zu spät war, gestand sie ihm, dass sie ihn liebte. Am nächsten Tag war er aber schon in der Maschine nach Manhattan gesessen. Oft hatte er sich überlegt sie anzurufen, hatte aber immer wieder aufgelegt.
Hier hatte er eine geräumige Wohnung in einem angesehenen Viertel der Stadt und ließ es sich gut gehen. Sein wirklicher Name war Benjamin Parker, aber wegen seines Berufes musste er ihn geheim halten.
Sein Handy begann zu läuten. Auf dem Display wurde das Bild seines Arbeitskollegen Bill angezeigt. Müde hob er sich das Mobil Telefon ans Ohr und lauschte hinein.
„Paul?“, ertönte die Stimme Bills.
„Wer sonst?“, antwortete dieser mürrisch.
„Da ist aber jemand gut gelaunt.“
„Was willst du?“
„Ich wollte dir nur mitteilen, dass du mich los bist.“ Jetzt wurde er hellhörig. „Wie, ich bin dich los? Kündigst du?“ Ein Lachen war am anderen Ende der Leitung zu hören.
„Hättest du wohl gern, du Arsch! Aber nein, ich wurde befördert und wechsle nach Kalifornien.“
Überrascht keuchte Paul auf.
„Du gehst nach Kalifornien? Wann? Und wer wird dann mein neuer Partner? Doch nicht Thomas! Ich hasse diesen Kerl!“
„Nächste Woche bin ich weg. Und es ist eine Partnerin, mein Lieber.“ Verdutzt starrte er das Telefon an. Eine `sie´? Aber wer konnte das nur sein?
„Doch nicht Helene, oder?“ Allein bei dem Gedanken, dass sie seine Partnerin werden könnte, wurde ihm übel.
„Nein, Dummerchen! Ein Frischling. Morgen wird sie dir vorgestellt.“
„Weißt du, wer sie ist?“
„Nein. Ich habe keine Ahnung, aber in ein paar Stunden weißt du´s eh.“
„Mhm…“
„Na ja… Ich muss dann… Gibt noch viel zu tun.“
„Ja, mach mal… Tschüss.“
„Tschau.“ Ein `Klicken´ bestätigte, dass Bill aufgelegt hatte. Paul warf sein Handy achtlos neben sich auf die Bank. Eine neue Partnerin also… Er konnte sich schwer vorstellen mit einer Frau zu arbeiten, noch dazu, wenn er sie nicht kannte. Er würde sie gut im Auge behalten.

Der Wecker klingelte und Paul öffnete müde seine Augen. Mühsam stand er auf, machte sich frisch und zog sich an. Seine verwuschelten schwarzen Haare kämmte er einmal kurz durch, dann setzte er sich in sein Auto und fuhr zur Firma. Normalerweise erledigte er seinen Papierkram immer zu Hause und sonst war er im Außendienst unterwegs, aber da er heute seiner neuen Kollegin vorgestellt wurde, und Bill seine Abschiedfeier veranstaltete, musste er wohl oder übel dorthin.
Als er ankam und den großen Raum im Erdgeschoss betrat, hörte er schon die Musik und roch den Rauch der Zigaretten aus dem Zimmer, das für Veranstaltungen genutzt wurde.Paul holte noch einmal tief Luft und wanderte dann gemächlich zu dem Festraum.Als er ihn betrat begannen seine Augen zu Tränen von dem vielen Tabakrauch. Bill sah ihn und kam auf ihn zu. „Na? Wieder mal unpünktlich wie immer.“, seine zukünftiger Exkollege klopfte ihm auf die Schulter. Paul war so gut wie immer zu spät und war dafür auch schon sehr bekannt. Nur wenn es um Menschenleben ging war er immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort.
„Ich stell dir jetzt mal Claire Tielman vor, deine neue Partnerin.“ Mürrisch ließ er sich von Bill, der leicht angeheitert war, wegzerren. Einige seiner anderen Kollegen erkannten ihn und winkten ihm kurz zu, als er an ihnen vorbeigeschleift wurde.
„Das da vorne ist sie.“, Bill deutete auf eine, ungefähr 1,70 große, Frau, die sich angeregt mit Helene unterhielt. Er sah nur ihren Rücken und die braunen Haare, aber an ihren Bewegungen konnte er erkennen, dass sie sich gut mit seiner verhassten Kollegin unterhielt. `Also, wenn die jetzt auf beste Freundinnen machen, dann Gute Nacht…´, dachte er bei sich.
„Hey Claire! Das ist dein Kollege! Paul Smith.“, er deutete auf Paul. Sie drehte sich um und ihm stockte der Atem, gleichzeitig begann sein Herz schneller zu klopfen. Sie war bildhübsch, noch hübscher als damals, hatte einen sportlichen durchtrainierten Körper und noch immer die sinnlichsten Lippen, die er je gesehen hatte. Tiff…
Sie erkannte ihm im selben Moment, fasste sich aber schneller als er wieder. Er hatte den Hass in ihren Augen aufleuchten sehen. Das war es also, was sie nach all den Jahren für ihn empfand. Aus Liebe war Hass geworden und er konnte es ihr nicht einmal verübeln.Nun stand er vor ihr und spürte wie ihm ihr Geruch in die Nase stieg. Sie musterte ihn von oben bis unten. Verlegen schaute er weg, aber nicht lange, denn sein Blick wanderte wieder zu ihrem hübschen Gesicht zurück. Warum war sie hier? War sie ihm gefolgt?
Paul wollte sie nicht hier haben, es war zu gefährlich. Genau deswegen hatte er ihr nicht gesagt, wohin er ging. Und jetzt? Jetzt stand Tiffany als Claire vor ihm und streckte ihm die Hand entgegen. Verwirrt nahm er sie entgegen.
„Hallo Paul! Freut mich, Sie kennen zu lernen.“ Wieso siezte sie ihn? War die Vertrautheit von damals schon vergessen?
„Mich freut es ebenfalls… Claire.“, fügte er mit Nachdruck hinzu. „Ich würde gerne mit Ihnen draußen vor der Tür sprechen… unter vier Augen.“
„Wozu?“, ihre Stimme wurde schroff.
„Ich bitte Sie, wegen dem Job.“, und schon packte er sie an der Hand, wodurch sie ihm wohl oder übel folgen musste, wenn auch nur widerwillig.
Als sie draußen ankamen ließ er sie wieder los und musterte sie. Verlegen sah sie an ihm vorbei.
„Warum bist du hier?“
„Ich verstehe nicht.“ Er wurde wütend. „Ich habe keine Lust auf deine Spielchen!“„Welche Spielchen meinen Sie?“
„Verdammt noch mal, hör auf mich zu siezen! Wir müssen uns nicht wie Kleinkinder benehmen!“
„Hören Sie auf zu schreien! Ich habe keine Ahnung, was das Ganze hier soll!“ Fast schon mit hasserfüllten Augen sah Paul in Claires Augen. „Stell dich nicht dümmer als du bist, Tiffany Clear!“ Ein geschockter Gesichtsausdruck verdrängte den Trotz in ihren Zügen, dann verwandelte es sich in Wut. Sie schrie zurück: „Woher sollte ich denn wissen, dass du hier bist, Benjamin Parker?! Du hast nie etwas gesagt, hast weder angerufen noch sonst was!“„Du hättest mir nicht folgen sollen…“
„Ich dir folgen?! Ich bin dir nirgends hin gefolgt! Denkst du, dass ich, nach dem du mich so verletzt hast, dich wieder sehen will?! Und endlich habe ich einen guten Job gefunden, nach all den Jahren, der mir auch Spaß macht und habe mich schon auf meinen neuen Kollegen gefreut und muss feststellen, dass du derjenige bist? Ich hasse dich!“ Die letzten drei Worte klangen wie ein Echo in seinen Ohren nach. Auf einmal fühlte er sich verzweifelt und hilflos.„Aber ich habe dich doch nur so verletzt, damit du mir nicht folgst, dass du nicht in Gefahr kommst.“, sagte er schwach. Sie sah ihm in die Augen. „Und das soll ich dir glauben? Du hast mir das Herz gebrochen damals!“
„Es war für mich auch nicht gerade leicht, Tiff…“ Sie sah betroffen zu Boden. „Nenn mich nicht Tiff.“
„Tut mir leid.“ Irgendwie sah sie traurig aus.
„OK… also… ehm… Wir sollten wieder reingehen.“, durchbrach er die Stille, nachdem sie ihm unangenehm geworden war. Sie nickte nur geistesabwesend. Anscheinend hatte ihr plötzliches Wiedersehen nicht nur ihn sehr mitgenommen.
„Nein! Nein eigentlich können wir noch nicht reingehen… Ich muss noch mit dir reden.“, sagte Claire plötzlich entschlossen. Verwirrt sah er sie an. „So? Was gibt es denn noch?“Sie holte tief Luft. „Wie soll ich dich jetzt behandeln? Wie einen Freund, oder nur wie einen Kollegen… falls das klappt.“
Er zuckte mit den Schultern. „Als einen Freund.“
„Mir wäre es aber lieber, wenn wir nur Kollegen sind.“
„Warum fragst du dann?“
„Ich wollte dein Einverständnis.“
„Das bekommst du aber nicht!“
„Was?!“
„Na ja… Ich bin mit dieser Lösung des… Problems nicht zufrieden.“
„Warum nicht?“
„Ich bitte dich Tif-… Claire! Wir werden uns so gut wie jeden Tag sehen! Irgendwann müssen wir befreundet sein und da wäre es einfacher, wenn wir gleich reinen Tisch machen.“„Wieso müssen wir irgendwann befreundet sein?“ Sie sah ihm verständnislos in die Augen.„Na ja, weil jeder hier mit jedem befreundet ist… außer mit Helene Gruber und Thomas Law.“
„Wieso?“
„Weil sie ein billiges Flittchen ist und er ein Arsch.“, antwortete er trocken.
„Sie erschien mir aber ganz nett... Und diesen Law kenne ich noch nicht.“
„Ja ja… So ist Helene zu jedem am Anfang, aber du wirst schon sehen, dass das nur Fassade ist und was Thomas betrifft: Du tust gut daran ihn nicht zu kennen.“
„OK… Lassen wir das mit Helene und Thomas… Noch mal zum eigentlichen Problem: Also wir sollen allen sagen, dass wir uns schon von früher kennen und befreundet sind…“
„Ja… So stell ich mir das ungefähr vor.“
„OK… dann eben so.“, murmelte Claire leise in sich hinein, so dass Paul sie kaum verstand, wirkte dabei aber nicht gerade glücklich. Gerade, als er wieder in Richtung Party gehen wollte, hielt sie ihn noch einmal auf: „Benjamin?“
„Was denn noch?“, antwortete er ungeduldig.
„Warst du… Ich meine… Warst du die ganze sieben Jahre über hier?“
„Ja… Hier in New York.“
„Aber du warst damals gerade mal 18!“
„Ja und?“
„Du warst die ganze Zeit beim FBI?“
„Ja… Ein Problem damit?“
„Wieso konntest du mir das nicht sagen?“
Er wusste nicht, was er darauf hätte antworten sollen. Vielleicht war das mit dem `Freunde sein´ doch keine so gute Idee. Er musste die sich wieder aufbauende Vertrautheit zerstören. Paul atmete einmal tief ein.
„OK… Das funktioniert doch nicht so.“
„Was?“, sie sah ihn ein wenig verwirrt an.
„Du weißt, was ich meine… Claire… Ich werde dir jetzt die Wahrheit sagen, ob du sie nun glaubst oder nicht: Ich wollte weg von dir! Ich wusste, dass du mir hinterher reisen würdest, aber ich wollte ein Leben ohne dich! Und wo hätte ich das besser finden können, als auf der anderen Seite der Weltkugel?!“, er war schon immer ein guter Schauspieler gewesen, einer der Gründe, warum er es im FBI schon weit gebracht hatte, und starrte sie mit einem verächtlichen eisigen Blick an. Geschockt sah Claire zu Boden. Er sah ihre Wut, ihren Hass und ihre Trauer, die sich in ihren Augen wiederspiegelte.
„Weißt du was, Benjamin Parker? Ich habe keine Ahnung, wer du bist und was du aus meinem damals besten Freund gemacht hast, aber seitdem letzten Mal, an dem wir uns gesehen haben, bist du nicht mehr derselbe! Der Benjamin Parker, den ich kennen und lieben gelernt habe-...“
„Existiert nicht mehr!“, unterbrach er sie schroff. Aber diesmal waren es nicht nur so dahin gesagt Worte. Es war wahr. Er hatte sich verändert. Vielen Leuten war er unsympathisch, auch wenn sie ihn nur vom Sehen kannten, und er bemühte sich auch nicht sein Image aufzubessern. Er galt als kalt. Der Einzige, dem er sich halbwegs normal gegenüber benommen hatte, war Bill.
Verletzt sah Tiffany ihn an, dann drehte sie sich ohne ein weiteres Wort um und verschwand.An diesem Abend sah er sie nicht wieder.

Am nächsten Tag fuhr er mit der U-Bahn durch New York und machte die nötigen Einkäufe, denn heute hatte er frei. Paul würde erst morgen wieder arbeiten müssen. Oft schweiften seine Gedanken zu Tiffany, die so plötzlich wieder in seinem Leben aufgetaucht war, wo er doch so krampfhaft versucht hatte, sie zu vergessen. Immer wieder hatte er Beziehungen gehabt, aber sie waren alle an seinen noch immer bestehenden Gefühlen für sie gescheitert. Jede Woche eine andere… Ungefähr so war es bei ihm in den letzten Jahren abgelaufen. Die Einzige die es länger mit ihm ausgehalten hatte, war Sophie O´Neill gewesen, aber als sie ein Foto von Tiffany und ihm in einem alten Fotoalbum fand, verschwand auch sie.
Nun stand er da, in der einen Hand eine Saftpackung haltend und in der anderen den Einkaufswagen haltend. Er versuchte wieder einmal krampfhaft den Gedanken von Tiff abzuwenden, als er plötzlich ihr Lachen hörte. Das konnte nur ihr Lachen sein! Kein anderes war so Glockenhell und bereitete einem so eine Freude, wenn man es hörte. Er lauschte, aber er hörte weder noch einmal diese unverkennbare Lachen, noch ihre Stimme, oder sonst irgendein Zeichen, das deuten konnte, dass sie in seiner unmittelbaren Nähe war. Er seufzte. Wahrscheinlich hatte ihm sein Verstand einen Streich gespielt.
Er legte die Saftpackung in den Wagen und machte ein paar Schritte vorwärts, als er wieder stehen blieb. Da! Da war es schon wieder! Diesmal war er sich sicher, dass er sie gehört hatte. Und jetzt vernahm er ihre Stimme. Sie musste auf der anderen Seite des Regals sein. Er lauschte.
„Nein… Nein ich bin noch nicht soweit.“ Kurze Stille. Sie musste wohl telefonieren.„Ach Schatz… Können wir bitte ein anderes Mal darüber reden?“ Schatz?! Hatte sie etwa einen Freund? Wenn nicht sogar einen Ehemann? Ungewollt wurde er eifersüchtig. Er ballte seine Hände zu Fäusten.
„Ja… Mhm… Ist gut. Tschüss.“Das Gespräch war offensichtlich beendet. Paul war weitergegangen und bog um die Ecke. Er hatte sich nicht getäuscht. Da stand sie. Claire…
Sie hatte ihn noch nicht gesehen. Sie stand mit dem Rücken zum ihm und studierte gerade eine Fertiggerichtpackung. Er kam näher.
„Hallo.“, sagte er leise. Alles passierte ganz schnell. Sie ließ vor Schreck die Packung fallen, drehte sich blitzschnell um und ergriff seinen Arm, dem sie ihm schmerzhaft verdrehte. Er keuchte auf. Kraft hatte sie. Als sie erkannte, wer er war, sah sie geschockt auf sein schmerzverzerrtes Gesicht, das langsam zu einem Grinsen wurde. Die umstehenden Leute starrten sie an.
Ihr Gesicht war blass.
Paul räusperte sich nach einer Weile, nachdem er bemerkt hatte, dass die Leute zum Tuscheln anfingen.
„Ehm… Claire? Es wäre jetzt besser, wenn du mich loslassen würdest… Die Leute schauen schon so komisch und ich muss sagen, dass dieser Griff auch nicht gerade angenehm für mich ist.“
Sie wandte ihren Blick wieder ihm zu und sah abwechselnd von seinem grinsenden Gesicht zu seinem verdrehten Arm. Nach einer Weile registrierte sie, was sie da eigentlich gerade tat und ließ seinen Arm los, lief puterrot an und rannte weg, ohne ihre Einkäufe mitzunehmen. Verwirrt über ihr Verhalten folgte Paul ihr. Als er sie eingeholt hatte, war sie schon fast beim Ausgang des Geschäftes angekommen. Er packte sie am Handgelenk und zog sie zurück.„Lass mich los!“, zischte sie, sah ihn aber nicht an.
„Was sollte das denn eben?“ Er konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.
„Nichts sollte das… Du hast mich eben erschreckt.“
„Also erstens: Wenn du wirklich so schreckhaft bist, ist der Beruf beim FBI wohl nichts für dich, und zweitens: Du kannst nicht jedem halb den Arm brechen, wenn er mal `Hallo´ zu dir sagt.“
Jetzt sah sie ihn direkt an. „Du setzt wohl alles daran, das ich nicht in deiner Nähe bin, hm? Obwohl ich keine Ahnung habe, was ich dir überhaupt getan habe, aber weißt du was, ob es dir passt oder nicht: Ich bleibe! Das war mein Traum und endlich ist er in Erfüllung gegangen und ich werde ihn mir von dir nicht vermiesen lassen!“ Paul musste schmunzeln. „So… Das ist also dein Traum, dein Leben in Gefahr zu bringen?“
„Ja.“, antwortete sie stur.
„Dann kann ich wohl nichts machen…“, gespielt bedauernd zuckte er mit den Schultern. „So ist es.“
„Ach komm schon, Claire! Der Job ist nichts für dich.“
„So? Warum bist du überhaupt hier?“
„Auch ich brauche Lebensmittel um zu überleben.“, sagte er in gespielter hochnäsiger Stimme. Sie schnaubte verächtlich. „Wo wohnst du?“
Sofort wurde er wieder ernst. „Das werde ich dir nicht verraten.“
„Wieso nicht? Hast du Angst, dass ich auf die verrückte Idee kommen könnte, dich besuchen zu wollen?“
Er nickte. Entgeistert sah Claire Paul an. „Das ist doch albern!“
„Nein, ist es nicht. Das ist sicher… Bei so einem Job wie unserem muss man genau aufpassen, wem man etwas über seine Privatsphäre erzählt.“, sagte er belehrend.
„Ich bitte dich! Es ist ja nicht so, als ob wir uns gerade zum ersten Mal sehen… Früher waren wir beste Freunde und haben uns fast-“, bei diesem Wort sah sie ihn anschuldigend an. „alles verraten.“
„Ja… Aber das ist schon lange her… Wir haben nicht einmal mehr dieselben Namen wie damals.“
„Du bist kindisch.“
„Nicht weniger als du.“
Ungewollt stahl sich ein Lächeln auf Claires Lippen, das aber sofort wieder verschwand. „Also… sagst du mir jetzt wo du wohnst?“
„Nein.“, bestimmt sah er ihr in die Augen.
„Das kann doch nicht dein ernst sein!“
„Ist es aber.“
„Paul! Wir müssen jetzt für eine ganze Weile miteinander klarkommen und so geht das einfach nicht.“
„Muss aber.“
Sie schnaubte verächtlich. „Was ist dein Problem?“
„Du! Du bist mein Problem! Ich will nicht, dass du hier bleibst!“
Sie sah ihn eine Weile traurig an. „So sehr verabscheust du mich also, Benjamin Parker?“
Er raufte sich das Haar. „Nenn mich in der Öffentlichkeit nicht so!“
„Entschuldige…“, sie drehte sich um und lief hinaus. Diesmal hielt Paul sie nicht auf.

Sie arbeiteten nun schon seit einem Monat zusammen. Seit dem Vorfall im Supermarkt hatten sie nur noch das Nötigste miteinander besprochen und waren sich, wo es nur ging aus dem Weg gegangen, was bei diesem Job aber nicht gerade leicht war.
Paul saß gerade wieder einmal allein in seiner Wohnung als plötzlich sein Handy läutete. Am Display leuchtete Claires Bild auf.
„Was gibt’s?“, muffelte er unfreundlich ins Telefon.
Eine völlig aufgelöste Claire antwortete ihm: „Er… Er hat mich verlassen!“
Paul starrte verwirrt auf sein Telefon.
„Wer? Wer hat dich verlassen?“
„Daniel!“, sie schrie fast.
„Beruhig dich bitte!“
„Nein! Ich werde mich nicht beruhigen! Das ist alles nur deine Schuld!“ Entgeistert keuchte er auf. „Meine Schuld?!“
„Ja!“
„Wo bist du?“
„Geht dich einen Scheißdreck an! Du hast mein Leben ruiniert.“
„Wo bist du?“, er hatte seine Stimme bestimmend angehoben. „Ich komm jetzt zu dir und wir regeln das, klar?“
„Was gibt es da noch zu regeln?! Und du kommst ganz bestimmt nicht zu mir!“
„Tiffany! Ich warne dich!“
„Willst du mir drohen?! Und nenn mich gefälligst nicht so!“
„Ich nenne dich, wie ich will! Und jetzt sag mir verdammt noch mal wo du bist!“
„Zu Hause!“
„Und wo ist das?“
„Leck mich doch!“, dann legte sie auf.
Wütend startete er sein Notebook und suchte im Internet nach Claires Daten. Als er ihre Adresse gefunden hatte, stieg er in seinen Wagen und fuhr zu ihr. Immer noch außer sich klingelte er Sturm.
„Hallo?“, ertönte ihre Stimme.
„Du machst mir jetzt sofort die Tür auf.“, knurrte er in die Sprechanlage.
„Wer ist da?“
„Ti-… Claire mach die verdammte Scheißtür auf!“ Nun schrie er und ein paar der Passanten stoppten ihr hektisches Treiben und sahen dem Geschehen verwirrt zu.
„Nein!“
„Doch!“, er rammte gegen die alte Holztür des Hauses und sie sprang fast wie von selbst auf. Sie hatte in diesem Moment die Tür geöffnet. Er stolperte mehr, als er lief, die paar Stöcke zu ihr hinauf, da es ihm mit dem Lift zu lang dauerte, und hielt vor ihrer Tür an die gerade geöffnet wurde.
Sie stand vor ihm, in einem weißen Top und einen ebenso weißem Slip. Ihre Haare standen in alle Richtungen ab und ihre Augen waren verquollen vom vielen weinen. Und trotz allem sah sie umwerfend aus.
„Was willst du?“, zischte sie ihm entgegen. Paul nahm sie nur bei den Schultern und schob sie zurück in die Wohnung, hinter sich schloss er die Tür.
„Ich will wissen, was das soll? Woran soll ich Schuld sein?“ Hasserfüllt sah sie ihm in die Augen. „Wegen dir hat Daniel Schluss gemacht!“
„Wieso wegen mir?“
„Er hat dich einmal gesehen, als du mich nach Hause gebracht hast und denkt, dass wir mehr als nur Kollegen sind!“
„Wieso sollte er das bitte denken?“
„Er sagt, dass ich in der Nacht öfter deinen Namen sage und auch deinen… wirklichen Namen… Aber er weiß nicht, dass du das bist, und jetzt denkt er, dass ich ihn gleich doppelt betrüge.“
„Du träumst von mir?“, ungewollt schmunzelte er, wurde aber sofort wieder ernst.
Claire wurde rot, nickte aber leicht. „Ja… Von früher…“
„Ach so.“
„Aber was soll ich den jetzt tun? Ich will ihn nicht verlieren!“
„Dann erklär ihm doch alles!“
„Und wie? Soll ich ihm etwa sagen, wer du wirklich bist?“
„Stimmt… Das geht nicht.“, murmelte er und raufte sich, wie in jeder schwierigen Situation, die Haare. Sie sank indessen zu Boden und wieder rollte eine Welle der Tränen ihre Wangen hinab. Paul setzte sich neben sie und wischte sie ihr weg. „Liebst du ihn den wirklich so sehr?“ Er wusste nicht wieso er die Frage gestellt hatte, aber sie beschäftigte ihn seit er im Supermarkt mitbekommen hatte, dass sie einen Freund hatte.
Etwas verwirrt sah sie ihm in die Augen. „Ich wüsste nicht, was dich das anginge…“
„Es… Es geht mich sehr wohl was an!“
„Ach ja?“
„Ich… Tiff… ich…“, fast schon verzweifelt riss er sie an sich und küsste sie, sanft aber bestimmend. Er öffnete ihre Lippen und spielte mit ihrer Zunge. Ein leichtes Seufzen ertönte aus ihrer Kehle.
Seine Küsse wurden immer fordernder. Oh, wie lange hatte er gewartet? Die letzten Wochen waren eine Qual für ihn gewesen. Immer, wenn er versucht hatte sich zu konzentrieren musste er an sie denken.
Er hob sie langsam hoch und trug sie in Richtung Wohnzimmer, dort legte er sie auf die Bank. Seine Hände wanderten unter ihr Top und gingen auf Entdeckungsreise, während sie versuchte die Knöpfe seines Hemdes zu öffnen.
Plötzlich stieß sie ihn von sich.
„Was soll das?“, verwirrt sah sie ihm in die Augen. Auf einmal wurde ihm bewusst, was er da eigentlich gerade getan hatte.
„Claire… Tiff… Es tut mir so schrecklich leid.“ Ihre Augen zeigten eine Mischung aus Verachtung und Neugier.
„Ich verstehe dich nicht, Ben. Vor sieben Jahren habe ich dir gesagt, dass ich dich liebe und du hast mich verlassen. Ich habe es nicht verstanden, habe mir immer wieder eingeredet, dass du das nicht ernst gemeint hast und wieder zu mir zurückkehrst, aber dann habe ich begonnen dich langsam zu hassen. Nach Jahren treffe ich dich durch Zufall wieder und du denkst, dass ich dir absichtlich gefolgt sei und wirfst mir wieder an den Kopf, dass du mich nicht bei dir haben willst, aber es tut mir leid, ich werde hier bleiben und diesen gottverdammten Job nicht aufgeben, nur weil du damit nicht klarkommst!“
Schmererfüllt sah er sie an. „Tiff… Ich wollte dich nicht dabei haben, weil… ach verdammt!“

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LG Any







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