Zauber der Sommernächte Teil 3

Autor: Felia
veröffentlicht am: 03.03.2008




Sie stand im Zimmer und schaute hilflos auf ihre Mutter.
Von der jugendlichen Freude und der Aufregung, die ihr Gesicht zum strahlen gebracht hatten war nichts mehr zu sehen. Stattdessen saß eine alte, gebrechliche Frau im Sessel, die gerade einen Schicksalsschlag erlitten hatte.
Ja, nun wusste Magali, was sich in dem Paket befand, sie wusste, was es für ein flacher, großer Gegenstand war.
Plötzlich fühlte sie eine leichte Berührung an der Hand, müde hob sie die Augen und nahm wie durch einen Schleier die Gesichter ihrer Enkelkinder war. Chiara hielt ihre Hand und musterte besorgt ihr Gesicht, hinter ihr standen Pico und Carlo, die von einem Bein aufs andere traten, sie hofften inständigst, dass nicht sie der Anlass der tiefen Traurigkeit in Magalis Gesicht waren.
Sie liebten ihre Großmutter und machten sich langsam ernsthaft Sorgen, da sie sich nicht erinnern konnten, dass Magali je so traurig ausgesehen hatte.
Hinter allen anderen stand Ricarda und beobachtete die Szene aus sicherer Entfernung, sie hatte schon immer ein wenig Angst vor ihrer alten Großmutter, was wahrscheinlich daran lag, dass diese manchmal etwas barsch mit ihr umging, da Ricarda ein ziemlich verwöhntes Mädchen war.

Im Hintergrund hörten sie Franceskas aufgeregte Stimme: 'Rosa! Rosa! Ruf bitte Dr. Berlios an und sag ihm, dass es Mutter nicht gut geht, er möge bitte sofort kommen!'
Aufgeregt wirbelte Franceska zurück ins Zimmer und verscheuchte die Kinder. Sei half ihrer Mutter auf die Couch.
'Es wäre gar nicht nötig gewesen den Arzt zu rufen, das war nur ein vorübergehender Schwindelanfall. Du hattest es recht, in meinem Alter sollte man es lassen mit dem Laufen', versuchte Magali ein Lächeln zustande zu bringen, was ihr aber völlig misslang. Sie hörte sich erschöpft an. Sie hielt immer noch den Briefumschlag fest umklammert, sie hatte Angst davor, was darin stehen mochte. Sie konnte sich nur allzu gut an seien letzten Worte erinnern: 'Wenn ich nicht mehr sein soll, werde ich sie dir alle schicken, mit einem Brief. Das wird mein Abschiedsgeschenk an dich sein meine Kleine, egal, wo du dich da zu dem Zeitpunkt befinden wirst, es wird dich erreichen!'

Nachdem der Arzt wieder gegangen war wurde Magali von Rosa die Treppe rauf in ihr Zimmer begleitet, an einer enttäuscht dreinblickenden Chiara vorbei, sie hatte sich so sehr auf den Ausflug gefreut, doch anscheint wurde nichts mehr draus. Sofort bekam das Mädchen schlechtes Gewissen, wie konnte sie nur so egoistisch denken, da es Magali so schlecht ging?Vorsichtig schlich sie in das Zimmer ihrer Großmutter, die friedlich im Bett lag. Es hatte den Anschein, als würde sie tief schlafen, pure Neugierde trieb Chiara voran, eigentlich wollte sie Magali Gesellschaft leisten, doch da diese schlief konnte sie sich nach dem Paket umsehen.Sie hatte es schon vorhin, im Wohnzimmer bemerkt, doch da waren zu viele Leute. Danach hatte Magali gebeten es in ihr Zimmer raufbringen zu lassen.
Und da die Großmutter nun schlief, konnte sie sich alles genau angucken.
Sie sah das Paket unter dem Tisch liegen. Es schien nur darauf zu warten von ihr geöffnet zu werden. Vorsichtig riss sie das Papier, ihr würde nachher schon etwas einfallen, was sie erzählen könnte, und zum Vorschein kam eine DinA3 große Mappe zum Vorschein, die mit den verschiedensten Mustern und Bildern kunstvoll verziert war. Vorsichtig zog Chiara an der Schleife, die die Mappe fest verschlossen hielt, sie war nicht darauf vorbereitet, dass sich darin lose Zettel befanden und so flogen sie in einem kleinen Wirbel aus der Mappe und verteilten sich unordentlich auf dem Boden.
Mit ihren Ptaschehändchen griff Chiara nach einem Blatt und vor Verzauberung blieb ihr der Mund offen stehen. Wie gebannt starrte sie auf die junge Frau auf dem Bild. Sie hatte ein smaragdgrünes Abendkleid an und irgendwas an den Zügen dieser Frau schien ihr so vertraut.Sie hatte lange schwarze Haare, die zu einem Knoten hochgesteckt waren und sehr feine Gesichtszüge, die Augen konnte man nicht erkennen, da ein Schatten sie verdeckte und auf den roten Lippen lag ein verträumtes Lächeln.
Die Frau war wunderschön und Chiara wünschte sich so sehr mal genau so zu werden wie sie.Sie griff nach einem anderen Blatt und wieder blickte sie auf diese Frau, doch hier sah sie jünger aus, die Haare waren geöffnet und umspielten fließend ihr Gesicht. Die Frau oder eher gesagt, das junge Mädchen trug ein leichtes Sommerkleid und saß auf einer Wiese unter einer Birke, doch auch hier, lagen die Augen im Schatten.
Chiara war verzückt und erschreckte sich zutiefst, als sie plötzlich die Stimme ihrer Großmutter wahrnahm. 'Wunderschön, nicht wahr? Aber wie auch auf allen anderen Bildern sind die Augen nicht zu sehen, Vlad hat sich immer beschwert, dass man den Ausdruck meiner Augen nicht einfangen könnte. Er hat es nie geschafft sie zu zeichnen, deshalb werden sie meist von einem Schatten verdeckt, doch umso mehr brachte er immer meine Lippen zur Betonung, als Ausgleich', ein wehmütiges Lächeln machte sich auf Magalis Gesicht breit.Verständnislos blickte Chiara zu ihr auf. 'Wovon sprichst du? Wer ist Vlad? Und wer ist diese Frau?'
Magali entfuhr ein trauriges Lachen:' Bin ich etwa so alt und hässlich geworden, dass man mich nicht mehr erkennt?'
Ungläubig starrte das Mädchen erst auf die Zeichnung, dann auf ihre Großmutter, ohja, jetzt war ihr klar, wieso ihr die Gesichtszüge so vertraut waren. Doch mit dem ganzen Rest konnte sie nichts anfangen, sie war noch viel zu klein, um das alles zu verstehen.
Magali bemerkte die Ratlosigkeit und versuchte die Aufmerksamkeit ihrer Enkelin auf etwas anderes zu lenken: ' So, gib mir jetzt mal den Mantel, ich glaube ich verspüre Hunger. Leistet du mir Gesellschaft in der Küche, wir können ja auch die anderen fragen, ob sie Lust hätten mit uns was zu essen, ich habe gehört, dass Rosa heute ihre berühmten Plätzchen gebacken hat, hoffen wir mal, dass Pico und Carlo nicht schneller als wir gewesen sind!'Sofort waren die Bilder vergessen und Chiara sprang freudig auf, doch dann hielt sie mitten in der Bewegung inne: 'Aber der Doktor hat gesagt, du sollst heute im Bett bleiben!' 'Ach was, mittlerweile fühle ich mich pudelwohl, und es wäre doch zu schade, nichts von den leckeren Plätzchen abzubekommen.'
Nach einem kurzen Zögern gab sie Magali den Mantel und sie gingen vorsichtig und langsam die Treppen runter.
Als Franceska ihre Mutter erblickte, wollte sie gerade wieder mit ihr schimpfen, da sie trotz Bettruhe runtergekommen war, als plötzlich die Türglocke laut schellte.
Diego und Carla kamen aus dem Urlaub zurück.
Ungestüm stürzte sich Chiara auf ihre Eltern, die sie seit 2 Wochen nicht gesehen hatte, wie sehr sie sie doch vermisst hatte.
Ein Lächeln breitete sich auf Magalis Gesicht als sie ihre jüngere Tochter betrachtete, sie sah genau so aus wie er.
Stürmisch kam Carla auf ihre Mutter zugerannt! Es tat so gut sie wieder in den Armen zu halten.
Für diesen Abend hatte sich Magali fest vorgenommen, die Zeichnungen und den Brief, der auf ihrem Tisch lag, zu vergessen, sie hatte momentan noch zu große Angst davor ihn zu öffnen, sie wollte den Abend nur noch genießen.
Ihre Augen erlangten wieder einen kleinen Teil des Leuchtens zurück, dass sie an diesem Morgen besessen hatten, bevor sies o plötzlich und unerwartet von ihrer zugleich schönen, doch sowohl auch schmerzhaften Vergangenheit konfrontiert wurde.







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