Ist das alles? Teil 18

Autor: Dani
veröffentlicht am: 26.10.2008




Die nächste Doppelstunde war Deutsch und zwar bei dem Lehrer, der die schicksalhafte Segelreise in Holland geleitet hatte. In der Pause blieb ich im Klassenraum sitzen und starrte aus dem Fenster ohne jedoch wirklich etwas wahr zu nehmen. Wieder einmal wanderten meine Gedanken zu Stefan. Kurze Szenen in denen er lachend auf mich zu kommt, in denen sich unsere Blicke begegnen und in denen wir uns küssen tauchen in meinem Kopf auf und ich meine seinen Geruch nach einem süßlichen After-Shave in der Nase zu haben. Beinahe hätte ich laut aufgeseufzt.
Wenige Minuten später läutete die grässlich laute und monotone Klingel zum Unterricht und meine Mitschüler quetschten sich einer nach dem anderen durch die Tür in den Raum, um sich dann laut grölend auf den Stühlen nieder zu lassen.
Ich ließ meinen Blick durch das Klassenzimmer schweifen, wobei mir auffiel, dass weder Susanne, noch Claudia oder Christian anwesend waren. Ich war natürlich erleichtert, aber dennoch fragte ich mich nach dem Grund für ihr Fern bleiben.
Dieser Umstand sollte nicht lange ungeklärt bleiben. Herr Baumann betrat den Klassenraum, stellte seine Tasche, wie zuvor unser Mathepauker Brock, auf das Pult und räusperte sich geräuschvoll. Nach und nach verstummte das Geflüster und die Schüler schienen sich bewusst zu werden, dass es nun spannend werden würde. Bei mir äußerte sich diese angespannte Atmosphäre in Herzrasen und schweißnassen Händen. Mein Mund fühlte sich trocken an, als Herr Baumann zu sprechen begann.
'Guten Morgen. Wie wohl jeder von euch mitbekommen hat, ist auf der Klassenreise in der vergangenen Woche ein unschöner Vorfall geschehen. Ich möchte hier und jetzt nicht näher auf das wie und warum eingehen, dennoch ist es meine Aufgabe, euch und dabei besonders Dir Alicia, mitzuteilen, dass Claudia, Susanne und Christian für die restlichen Schultage suspendiert sind, was unter anderem auf ihrem Abschlusszeugnis vermerkt wird und natürlich Folgen für ihre anstehenden Bewerbungen haben wird.'
Totenstille erfüllte die Klasse. Damit hatte keiner gerechnet und auch ich war überrascht, ja fast geschockt von dieser Nachricht. Natürlich würde ich das was Claudia und Susanne mir in Holland angetan hatten niemals vergessen, aber eine solche Strafe würde gravierende Auswirkungen auf ihre Zukunft haben. Zu meiner Verwunderung stellte sich aber nicht ein Gefühl, wie 'Das haben sie verdient!' ein, sondern ich verspürte eher Mitleid für die drei.Den restlichen Schultag erlebte ich wie in Trance und bald war es dann auch geschafft. Völlig erledigt schlich ich die Treppen vor dem Haupteingang hinab und machte mich auf in Richtung zu Hause.
Eine halbe Stunde später kramte ich in meiner Tasche nach dem Haustürschlüssel. Er klirrte, als ich mit zitternder Hand versuchte, ihn im Schlüsselloch unter zu bringen. Schließlich war es geschafft und ich konnte unsere große hölzerne Eingangstür mit den dunklen Glaseinsätzen öffnen. Ich lehnte mich von innen dagegen und schloss die Augen. Nach angestrengtem Lauschen konnte ich kein Geräusch ausmachen, also war wohl einmal mehr keiner zu Hause.Erleichtert stieß ich mich von der Tür ab und lief, immer zwei Stufen auf einmal nehmend, die Treppe in mein Zimmer hinauf. Schwungvoll öffnete ich die Tür und pfefferte meine Schultasche unter dem Schreibtisch um mich anschließend rückwärts auf mein großes, weiches Bett fallen zu lassen. Seufzend starrte ich an die makellos weiße Decke auf der die Sonnenstrahlen, die durch das große Fenster herein fielen ein schönes Muster zauberten.

Wie automatisch wanderte meine Hand zu meiner Nachttischschublade, in der sich mein Tagebuch mit Stefans Telefonnummer befand. Fast ehrfürchtig strich ich das zerknitterte Papier glatt und flüsterte die Ziffern der Reihe nach vor mich hin. Hatte ich wirklich den Mut die Zahlen in mein Handy zu tippen, dem nervenaufreibenden 'Tut-tut' zu lauschen und anschließend endlich Stefans Stimme zu hören? Ich zitterte vor freudiger Erwartung bei dem Gedanken daran, aber gleichzeitig tauchte die altbekannte Unsicherheit im Umgang mit Menschen in mir auf. Würde er da sein? Würde er überhaupt mit mir sprechen wollen? Was sollte ich sagen? Würde ich überhaupt ein Wort heraus bringen?
Fragen über Fragen fluteten mein Gehirn und auf keine einzige fand ich eine gute Antwort. Aber war es nicht gerade Stefan gewesen, der mich gelehrt hatte, dass man manchmal über seinen Schatten springen musste, um sein Glück zu finden? Bisher war die Initiative immer von ihm ausgegangen und er war er auch, der mir seine Nummer zugesteckt hatte. Wenn er also keinen Kontakt wollen würde, hätte er das doch nicht getan, oder?
Meine Güte, immer mehr Fragen… ich muss unbedingt damit aufhören, sonst werde ich noch verrückt!!!
Mit der freien Hand zerrte ich mein Handy aus der engen Hosentasche. Nun hielt ich den Zettel mir Stefans Nummer und das Telefon in jeweils einer Hand.
Unter Aufbringung meines gesamten Mutes tippte ich die Ziffern ein und drückte mit zitternden Fingern auf die Taste mit dem grünen Telefonhörer. Schnell hielt ich das kleine Gerät an mein Ohr und wie erwartet, musste ich dem langsamen 'Tuuuuut…tuuuuut… tuuuuut' lauschen. Mein ganzer Körper zitterte vor Aufregung, während ich auf das erlösende Klicken in der Leitung wartete, welches die Aufnahme des Gesprächs ankündigen würde.'Hoffmann. Mit wem spreche ich?', erklang im nächsten Moment eine Frauenstimme. Halt, Stopp! Eine Frauenstimme? Hatte ich mich etwa verwählt?
'Ähm… H-hallo. H..hier ist Alicia Kramer… I-ich würde gerne mit Stefan sprechen?'. Der letzte Satz klang mehr nach einer Frage, als nach einer Bitte, denn mit solch einer Situation hatte ich im Leben nicht gerechnet!
'Klar, einen Moment, ich hole ihn ans Telefon!', antwortete derweil die Frau am anderen Ende. 'Haaaaase, Telefon für dich!', hörte ich noch, ehe sich die Stimme entfernte.Hase? War die Frau am Telefon etwa Stefans Freundin? Ja, so musste es sein, denn warum sollte sie ihn sonst 'Hase' nennen? Oh Gott, wie naiv war ich eigentlich? Hatte ich wirklich geglaubt, das ein Mann wie Stefan Single war und dazu noch mich, die schüchterne Alicia, mochte?
Meine Gedanken wurden von Stefans warmer, dunkler Stimme unterbrochen.
'Hi Alicia! Du hast meinen Zettel also gefunden…'. Er hörte sich fröhlich und entspannt an, was man von mir überhaupt nicht behaupten konnte.
Meine Stimme war nicht mehr, als ein Flüstern, als ich die Worte sprach, die mein Leben aufs Neue verändern sollten: 'Ja, das habe ich und es war der größte Fehler meines Lebens!'Damit legte ich auf, warf das Handy mit aller Kraft gegen die Zimmerwand und brach weinend auf meinem Bett zusammen.

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