Ist das alles? Teil 4

Autor: Dani
veröffentlicht am: 13.12.2007




Da war ich nun. Mutterseelenallein in dieser verdammten Stadt.
Ich lief einfach kreuz und quer durch die Straßen, und hoffte, dass ich irgendwann auf eine stoßen würde, die mir bekannt vor kam, doch irgendwie sahen sie alle gleich aus.
' Hey, Alice! Warte doch!', rief diese, mich so verwirrende, Stimme einige Meter hinter mir. Ich brauchte mich nicht umdrehen, ich wusste auch so, dass dort wieder Stefan stehen würde, mit seinem Grinsen im Gesicht.
Doch ich täuschte mich.
Als ich stehen blieb und mich umblickte, erkannte ich, dass er nicht grinste sondern, dass besorgte Züge sein Gesicht umspielten.
Mit wenigen großen Schritten erreichte er mich, packte mich mit beiden Händen an den Oberarmen und fragte: ' Alice… Sagst du mir warum du weggelaufen bist?'
Ich schüttelte nur den Kopf, unfähig zu sprechen, so fasziniert war ich von der Vorstellung, dass er sich anscheinend Sorgen um mich gemacht hatte.
Resignierend ließ er mich los und ging los in Richtung Hafen. Ich folgte einen halben Schritt hinter ihm. Während des ganzen Weges, der etwa 20 Minuten dauerte, sprachen wir nicht ein einziges Wort miteinander und ich hatte das nagende Gefühl, ihn enttäuscht zu haben.Am Schiff angekommen, kletterte Stefan zuerst hinunter und hielt mir anschließend seine Hand entgegen um mir zu helfen. Ich zögerte einen Moment, doch dann ergriff ich sie.Vorsichtig setzte ich einen Fuß auf die Reling und zog den anderen nach. Nun musste ich nur noch von der Reling auf das Deck klettern und es wäre geschafft, doch ich verlor den Halt und wäre beinahe kopfüber auf das Boot gestürzt, wenn da nicht Stefan gewesen wäre.Er reagierte schnell und fing mich auf. Es kam mir vor wie einige Minuten, wie wir dort eng aneinander gedrängt standen, obwohl es nur wenige Sekunden waren.
Die Schamesröte schoss mir ins Gesicht und ich ließ Stefan rasche los. Ich stammelte noch ein rasches 'Danke', bevor ich mich umdrehte und wieder unter Deck in meiner Kajüte verschwand.
Dort angekommen, strampelte ich mir meine Schuhe von den Füßen und legte mich auf mein Bett.
Ich dachte über den heutigen Tag nach, und vor allem über Stefan. Mochte ich ihn? Oder bildete ich mir das nur ein, weil er als einziger nett zu mir war? Und noch viel wichtiger, mochte er mich? Oder behandelte er mich einfach nur wie jede andere auch?
Fragen über Fragen schossen mir durch den Kopf und nach und nach vielen mir die Augen zu. Ich verschlief das Abendessen und wachte erst auf, als jemand an meiner Tür klopfte. Verschlafen murmelte ich 'Herein' und die Tür öffnete sich. Stefan steckte den Kopf durch den Spalt und fragte mich: ' Ich wollte nur fragen, ob mit dir alles in Ordnung ist? Hast du keinen Hunger?'
Etwas grummelig, weil ich geweckt worden war, entgegnete ich: ' Mir geht's gut und nein ich hab keinen Hunger!'
'Ok, ok… beiß mich nur nicht gleich!' und Stefan schloss die Tür wieder.
In dem Moment hätt ich mich am liebsten selbst geohrfeigt. Warum war ich gerade so unfreundlich zu ihm? Er wollte doch nur nett sein. Ich beschloss mich am nächsten Tag bei ihm zu entschuldigen, wenn sich die Möglichkeit ergab und drehte mich um, um weiter zu schlafen.
Am nächsten Morgen wachte ich recht früh auf, kein Wunder, denn ich war ja auch am vorigen Abend sehr früh ins Bett gegangen. Ich wusch mich und zog mich an, um ein wenig an Deck zu gehen, und den scheinbar schönen Morgen zu genießen.
Als ich die Luke über der Treppe leise auf schob, schlug mir wunderbar frische Morgenluft entgegen, die ich tief in meine Lungen sog. Es war schon recht warm, für diese Uhrzeit und es versprach ein schöner, nahezu wolkenloser, Tag zu werden.
Ich setzte mich auf eine Bank an der Reling und schaute dem glitzernden Auf und Ab der Wellen zu.
Ich versank so darin, dass ich gar nicht merkte, dass auch Stefan schon wach war, und etwa einen Meter von mir entfernt stand.
'Guten Morgen Alice.' Er schaute mich freundlich an. 'Ich gehe zum Bäcker um Brot fürs Frühstück zu holen… Hast du Lust mich zu begleiten?'
Verwundert sah ich ihn an. Warum war er bloß so freundlich zu mir? Warum ignorierte er mich nicht, wie die anderen? Ich zwang mich, ihm in die Augen zu sehen, um dort nach Antworten auf meine Fragen zu suchen. Doch der warme Blick aus seinen braunen Augen war unergründlich.
'Nun, was ist? Willst du mit, oder nicht?' Mit diesen Worten riss Stefan mich jäh aus meiner Träumerei und ehe ich noch länger nachdenken konnte, nickte ich und er zog mich von der Bank hoch in Richtung Steg.
Wir kletterten vom Boot hinauf und schlenderten nebeneinander in Richtung Stadt.Wir kauften drei Laibe Brot in der Bäckerei, nachdem wir auf dem gesamten Hinweg wieder einmal kein Wort miteinander gesprochen hatten.
Verdammt, warum musste ich so schüchtern sein? Mir fiel beim besten Willen kein Gesprächsthema ein.
Doch auf dem Rückweg hielt Stefan das ständige Schweigen wohl nicht mehr aus und begann einfach so von sich zu erzählen: 'Weißt du, eigentlich studiere ich Maschinenbau in der Fachrichtung Schiffbau, aber da ich gerade Semesterferien habe, helfe ich Jonas, der ein Freund meiner Eltern ist, auf dem Schiff. Wie du vielleicht schon bemerkt hast, habe ich eine Vorliebe für Schiffe und besonders liebe ich das Segeln. Zu Hause hab ich sogar ein eigenes kleines Segelboot. …'

Ich hörte ihm einfach nur zu und war froh, dass ich nicht reden musste, denn ich hätte höchstwahrscheinlich mal wieder kein Wort heraus gebracht.
Schließlich kamen wir wieder am Boot an und wir kletterten hinunter. Diesmal schaffte auch ich es, ohne den Halt zu verlieren.
Als wir nacheinander die Treppe zum Gemeinschaftsraum hinab stiegen, saßen meine Klassenkameraden schon allesamt am Tisch und warteten sehnsüchtig auf die Brötchen.Zwei der Mädchen, Susanne und Claudia, sahen von Stefan zu mir und wieder zurück. Könnten Blicke töten wäre ich in diesem Moment tot umgefallen. Es war offensichtlich, dass die beiden ein Auge auf Stefan geworfen hatten. Gegen die hatte ich ohnehin keine Chance, also nahm ich mir aufs Neue vor, Abstand zu ihm zu gewinnen.
Es wäre nicht klug gewesen, Susanne und Claudia in die Quere zu kommen, denn dann wäre mein Leben eine einzige Hölle, viel schlimmer als es ohnehin schon war.
Nach dem Frühstück steuerte Jonas das Boot wieder aus dem Hafen heraus, die Segel wurden hoch gezogen und wir wurden vom Wind in die Richtung unseres nächsten Ziels getrieben.

-Fortsetzung folgt-







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