Dream Teil 2

Autor: Dani
veröffentlicht am: 30.04.2007




Zwei Jahre lang war ich nun in diesem tiefen Loch… Doch heute, ja genau heute, sollte damit Schluss sein, was ich natürlich noch nicht wusste.

An diesem Tag im Sommer also ritt ich mit meinem Pferd in einem flotten Galopp durch den Wald um mir mal wieder richtig den Wind um die Nase wehen zu lassen. Nur in solchen Momenten konnte ich mich entspannen und alles düsteren Gedanken von mir wegschieben.Genau dieser eine Ausritt, war etwas ganz, ganz besonderes.
Als ich endlich auf meiner Lieblingsstrecke angekommen war, die schnurgerade durch den Wald lief, schloss ich für einen Moment die Augen um die Kraft meines Pferdes unter mir ungehindert zu spüren.

Dadurch bekam ich natürlich auch nicht mit, dass mir von vorne ein anderer Reiter entgegenkam. Erst als dieser begann laut 'Vorsicht!' zu rufen, konnte ich reagieren und unterbrach den Galopp. Och jedoch, als ohne das ich es bemerkt hatte, rannen mir die Tränen über das Gesicht, wie so oft in letzter Zeit.
Trotzdem begrüßte ich den anderen Reiter, der mich , nachdem er gesehen hatte, dass mein Gesicht tränenverschmiert war, bat einmal anzuhalten. Verwundert erfüllte ich seine bitte und als er abstieg, tat ich das auch. Er stellte sich als Marco W. vor, und sagte er sei gerade erst hergezogen.

Wir begannen uns nett zu unterhalten, doch als er fragte, warum ich geweint hatte, war sie wieder da, die Sperre in meinem Kopf, die mir das Leben in den letzten zwei Jahren so schwer gemacht hatte.
Ich schüttelte kaum merklich mit dem Kopf, doch Marco verstand und fragte nicht weiter.Also gingen wir mit unseren Pferden am Zügel eine Weile schweigend nebeneinander her.Er nahm mir dann noch das versprechen ab, morgen mit ihm auszureiten.

Zu meiner großen Verwunderung merkte ich am nächsten Tag, dass ich mich richtig auf den ausritt mit Marco freute. Dieses Gefühl durfte ich schon so lange nicht mehr erleben, dass ich schon vergessen hatte, wie schön es ist, sich auf etwas zu freuen.
Als ich am verabredeten Treffpunkt ankam, wartete er schon auf mich. Während des Ausrittes erfuhr ich, dass er, wie ich, 17 Jahre alt ist und seit einer Woche mit seinen Eltern auf den, bis dahin leer stehenden, Hof im Ort gezogen ist. Außerdem habe er noch einen Bruder, der jedoch nur an den Wochenenden nach hause kommt, weil er mitten im Studium steckt.
Er erzählte viel über sich und sein Leben bisher und ich war froh, dass er nicht nach meinem fragte.

So kam es, dass wir oft zusammen ritten oder ich ihm im Stall half, wo mittlerweile auch meine Pferde standen, da der Stall der Familie W. zum einen groß genug war und zum anderen viel dichter als der Reitstall. Marco und ich verstanden uns gut und ich taute langsam auf. Er schaffte es sogar, mich zum lachen zu bringen, worüber alle froh waren, doch am glücklichsten war ich selbst! Endlich konnte ich wieder leben, ohne jederzeit an Dominik zu denken. Er war eine zeit lang der wichtigste Mensch in meinem Leben und ich spürte, dass ich nun akzeptieren konnte, dass diese Zeit endgültig vorbei ist. Dennoch wird er immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben!

Doch dann im Herbst, an seinem Todestag, kam alles wieder hoch …trotzdem ging ich, wie jeden Tag, in den Stall um meine Pferde zu versorgen. Anschließend verkroch och mich auf den Heuboden, der direkt über dem Stall war und wie so oft tauchten Bilder von Dominik in mir auf. Unaufhaltsam begannen Tränen über mein Gesicht zu rinnen und ich gab mir auch nicht die leiseste Mühe sie zurückzuhalten.
Ich weiß nicht wie lange ich dort oben alleine saß, vielleicht eine Stunde , vielleicht aber auch drei oder vier. Ich verlor jegliches Zeitgefühl.
Plötzlich jedoch polterte jemand die Treppen zum Heuboden hinauf und ich beeilte mich mir die Tränen aus dem Gesicht zu wischen.
Sekunden später traten Marco und sein älterer Bruder Ben ein, um Heu für die Abendfütterung in den Stall zu schaffen.
Ich sprang auf und bot ihnen meine Hilfe an, wobei ich versuchte so normal wie möglich zu klingen. Doch die beiden nahmen mir meine Schauspielerei nicht ab und setzten sich ins Heu.Marco deutete auf den freien Platz zwischen ihnen und ich setzte mich. Immer wieder aufs Neue begannen Tränen über mein Gesicht zu laufen, doch die beiden legten nur tröstend die Arme um mich und warteten, bis ich bereit war zu erzählen.
Merkwürdigerweise war es in diesem Moment wirklich so, dass ich all das, was geschehen war jemandem erzählen musste.Ich erzählte ihnen alles, vom ersten kennen lernen, bis hin zu Dominik´s tragischem Tod. Sie waren gute Zuhörer und nachdem ich mir das alles von der Seele geredet hatte, ging es mir tatsächlich besser.

Wir saßen noch eine Zeit lang schweigend beisammen, doch dann rafften wir uns auf und fütterten die hungrigen Tiere. Ich hatte, ohne es zu bemerken, den ganzen tag auf dem Heuboden verbracht.
Da es draußen schon Dunkel war, bot Ben mir an, mich nach Hause zu bringen. Dieses Angebot nahm ich dankbar an. Vor meiner Haustür verabschiedete ich mich mit einer kurzen Umarmung und dankte ihm noch einmal fürs zuhören. Er lächelte nur und antwortete, dass ich immer zu ihm kommen könne, wenn ich was auf dem Herzen habe.

Auch in den nächsten Wochen verbrachte ich viel zeit mit Marco und Ben, der jedoch nur noch selten da war, weil er ja in der Uni zu tun hatte.

Es wurde Winter…

- Fortsetzung folgt -







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