Das bittere Ende

Autor: Flocke
veröffentlicht am: 15.02.2007




Sie dachte noch oft an ihn. Dann wenn sie wie jetzt in diesen viel zu warmen und viel zu fröhlich wirkenden Wartezimmern saß. Sie musste daran denken wie er ihr einmal, als sie eine Erkältung hatte, einen kühlen Lappen auf die Stirn gelegt hatte und bei ihr geblieben war bis sie eingeschlafen war. Wie er sie küsste, wie er ihr die Haare aus dem Nacken strich damit er ihr die Halskette anlegen konnte die er ihr zum Jahrestag geschenkt hatte, wie er sie anlächelte, wie friedlich er aussah wenn er schlief, wie er geweint hatte als sie ihm sagte das sie ihn nicht mehr liebte.

Sie liebte ihn doch immer noch. Aber was hätte sie tun sollen, was hatte sie sagen sollen?Sie konnte seine Augen vor sich sehen, in die sie sich damals verliebt hatte, diese großen traurigen Augen. Und sein zweifellos mutloses Lächeln wenn er im Krankenhaus sitzen würde. Sie schob den Gedanken weg, dachte an ihre Familie. An ihre Mutter die nur noch weinte und immer zu sagte 'Du bist doch erst neunzehn!'.
An ihren Vater. Der sie gar nicht mehr ansah, ein gebrochener Mann der versuchte das plötzliche Schicksal dass über seine Familie herein gebrochen war zu
verkraften. Manchmal konnte sie ihn murmeln hören 'Mein kleines Mädchen, mein kleines Mädchen.'

Sie war wegen Kopfschmerzen bei ihrem Hausarzt gewesen.
Dann kam die Diagnose. Wie ein Schlag ins Gesicht.

Krebs... ...im Endstadium.

Sie konnte sich in Gedanken fragen hören: 'Wie viel Zeit? Wie viel Zeit bleibt mir?Der Arzt hatte ihr geantwortet, 'Vier vielleicht sieben Monate.' Doch sie hörte ihn nicht mehr, sie verstand nicht mehr. Sie war doch gesund! Ja ab und zu hatte sie Kopfschmerzen aber... deswegen stirbt man doch nicht? Sie hatte ihr ganzes Leben noch vor sich, sie hatte einen Freund den sie liebte, eine Arbeit die ihr Spass machte und sie wollte im Herbst von zuhause ausziehen und dies konnte sie nicht wegen Kopfschmerzen?

Erst als sie die Reaktion ihrer Familie und Maike, ihrer besten Freundin sah, da erst wurde ihr bewusst, dass sie im Herbst nicht mit Andre zusammen ziehen würde, das sie nicht die Lehre beendigen konnte, da wurde ihr klar das sie sterben musste.
Diejenigen die von ihrer Krankheit wussten behandelten sie wie ein rohes Ei, vorsichtig weil es kaputt gehen könnte, kaputt gehen würde.
Sie konnte diese Blicke nicht ertragen, sie sagten alle' Das wird schon wieder.' Doch in ihren Augen lag eine andere Wahrheit.

Genau diesen Blick wollte sie bei einem Menschen nicht sehen. Andre, ihrem Freund. 'Ich will das er mich in Erinnerung behält, so wie ich bin! Ich will nicht das er ansehen muss wie ich sterbe.' Es gab nur eins was sie tun konnte um ihm all dies zu ersparen.

Beinahe hätte sie geweint als er vor ihr stand, sie war kurz davor gewesen ihm von den vergangenen Tagen zu erzählen doch dann musste sie an die Krankenhäuser denken und die vielen schlaflosen Nächte die er haben würde wegen ihr.' Es ist aus ich liebe dich nicht mehr.' Er fing an zu weinen, 'Das soll also das Ende sein?' nach einer Weile dann schrie er': Du lügst! Du lügst, WARUM??? Warum um Gotteswillen lügst du mich an?'

Sie dachte daran wie sie weggelaufen war, sie konnte es nicht, sie konnte nicht mit ansehen wie sein Herz entzwei brach. Sie lief vor ihm davon damit er nicht spüren konnte das sie ihn anlog, dass er nicht merkte das sie ihn immer noch liebte. Sie rannte ohne zu wissen wohin.

Dies war drei Wochen her, 'eine Ewigkeit in meinem Fall' murmelte sie zu sich.In den vergangenen drei Wochen hatte sie ihn kein einziges Mal gesehen, er hatte lautlos einen Karton mit ihren Sachen vor die Haustür gestellt. Sie hätte ihn so gerne angerufen sie hätte so gern in seinen Armen gelegen...'Du kannst jetzt nach Hause gehen. Wir haben alles.' Die Krankenschwester riss sie aus den Erinnerungen und Wünschen. Die Krankenschwester lächelte, ein Schwesternlächeln wie sie es nannte, auf den ersten Blick mitfühlend aber im nachhinein distanziert.

Als sie die Haustür aufschloss stand er plötzlich vor ihr.
'Andre? Plötzlich rannten ihr Tränen über die Wangen, wollte er seine Sachen abholen? Der Boden unter ihren Füssen begann sich zu drehen.
Er nahm sie in den Arm. 'Ich weiß Bescheid und ich werde bei dir sein. Ich liebe dich.'Sie weinte in sein T-Shirt. Das erste Mal seit sie wusste das sie Krebs hatte weinte sie .Weinte, in den Armen des Menschen den sie liebte.









Kommentar abgeben

Du bist nicht eingeloggt, somit kann dein Beitrag nicht deinem Profil zugeordnet werden!



Name:


Dein Kommentar:


Spamschutz:
Bitte "rockundliebe" eintragen:




© rockundliebe.de - Impressum / Datenschutz