Wie es manchmal so kommt - Teil 4

Autor: dreamy
veröffentlicht am: 01.10.2014


Im Dunkeln versuchte ich das was auf meinem Handy stand zu entziffern. Aber das war nicht so einfach, vor allem wenn noch bunte Lichter abwechselnd eine Show boten. Der Raum wurde mit Musik übertönt und hin und wieder kam eine Sprechdurchsage eines Moderators. Es war ziemlich voll und das hatte ich nicht erwartet. Ani hatte die Idee in diese Bar zu kommen. An solchen Tagen gab es eine kleine Party und das sprach sich leider rum. Vor mir sah ich, wie sich jemand den Stuhl an dem Tisch schnappte.
„Hey, sorry, dass ich ein bisschen spät dran bin.“
Ich packte mein Handy weg und holte mir stattdessen die Karte.
„Kein Problem.“
Wir saßen an einem Tisch in einer Ecke. Trotzdem mussten wir nicht lange warten, bis ein Kellner auf uns aufmerksam wurde. Wir bestellten und dann wollte Ani so einiges mit mir besprechen.
„Wie wärs, wenn wir mal ein bisschen Wellness machen. Ich hab mich mal erkundigt. Das wird dich bestimmt ablenken. Diese Typen brauchst du erst mal nicht sehen.“
Ohje, welche Gedanken sie sich immer machte. Das hat aber auch seinen Reiz, nur dass das so groß aufgezogen wird.
„Ein bisschen übertrieben vielleicht? Ich hab mir eher vorgestellt so was zu machen, wenn ich Abstand von meinem Job brauche.“
Sie seufzte. Aber mir konnte man auch nichts Recht machen.
„Schau nicht so. Klar können wir das mal machen. Denk aber nicht gleich, ich bräuchte Hilfe.“
„Ja ist gut. Und die Betreiber würde es sicher auch freuen ein paar junge Leute dort zu haben.“
Unsere Drinks kamen und ich lehnte mich zurück.
„Die Jungs hier schauen auch nicht schlecht aus. Aber der Abend gehört uns.“
Wir stoßten an und dann wurde es auch ganz lustig. In letzter Zeit war ich oft unterwegs. Noch vor einigen Monaten habe ich gedacht, ich würde längst ausgezogen sein und würde irgendwas ganz tolles machen. Aber warum sollte dieses tolle nicht hier stattfinden? Aber dann war da ja Addy. Manchmal reizte er mich einfach so, obwohl ich eigentlich eine ruhige Persönlichkeit bin. Wenn ich Ani nicht hätte, hätte ich sonst noch was gemacht. Nachdem unsere Getränke ausgetrunken waren, blieben wir noch ein bisschen und machten uns dann auf den Weg. Es war ziemlich dunkel und ich musste mich erst orientieren. Dann ging ich ruhigen Gewissens die Straße hinunter. Plötzlich wurde ich sehr schnell nass. Irgendein ein Geschoss bekam ich zu spüren und jetzt stand ich begossen da. Jemand bewarf mich. Dennoch regte ich mich nicht auf. Ani lachte hinter mir.
„Man, ich kanns nicht fassen, was hier noch so alles passiert.“
Wir schlenderten weiter und redeten noch über den Abend. Ich kam dann spätabends zuhause an.
Ich horchte, ob noch jemand wach war und als ich nichts hörte, ging ich mein Zimmer und streifte mein Oberteil ab. Mit Schlafklamotten machte ich es mir bequem und setzte mich an meinem Laptop. Ein paar News wurden ausgetauscht und ich klickte mich ein wenig durch. Da aber niemand mit mir chattete, legte ich mich schlafen.
Ich hörte seit Tagen nichts mehr von Addy oder von den anderen Typen. Stattdessen planten Ani und ich unsere Wellnesssache. Mit meinen Eltern war auch schon alles abgesprochen. Irgendwie gefiel mir der Gedanke mehr und mehr. Aber noch war alles wie immer und ich bekam Lust wieder in den Park zu gehen. Mit einer Broschüre setzte ich mich abseits und ließ meinem Kopf freien Lauf. So viel Gelassenheit war ich dann auch wieder nicht gewohnt. Bald stand ein Volksfest an und die Vorbereitungen wurden schon getroffen. Ich erinnerte mich, wie viel achtsamer ich eigentlich war. Vielleicht sah ich alles nur zu kritisch. Ich sah auf den Rückweg viele lachende Menschen. War bei mir das anders? Ich meine, ich bin nicht deprimiert oder so, ich hab sogar große Freude an dem, was ich mache. Vielleicht überstürze ich auch nur etwas. Es war so gegen Abend als ich dann doch noch Bekanntschaft mit Addy machte. Er lief nur an mir vorbei und warf mir flüchtig einen Blick zu. Mehr hatte ich auch nicht erwartet. Seltsam wurde es nur, als ich später seine Gruppe sah. Es war abends und ich wusste sonst nicht, was sie so taten. Aber nun war mir das auch egal. Addy war auch dabei und stand ziemlich abweisend da. Ich stand ohne nachzudenken auf dem Gehweg, aber irgendwie schien es ihnen nicht zu gefallen, dass ich da war. Als einer mich auch noch anstarrte, kochte es in mir.
„Der Platz gehört nicht nur euch. Wenns dich stört, kannst du auch woanders hin gehen.“
Aber er lachte nur und scherte sich nicht weiter darum. Jemand anders interessierte sich viel mehr für meine Anwesenheit.
„Reicht dir nicht, dass wir sonst nichts miteinander zu tun haben? Was willst du eigentlich?“
Da war wieder dieser Ton. Ich kam noch ein paar Schritte näher.
„Was meinst du denn? Ich hätte sonst nichts zu tun, als hier rumzumaulen? Ich wollte eigentlich nur ein bisschen rumlaufen.“
Addy verzog keine Miene und blieb erstmal ruhig. Aber ich wusste da kam noch etwas.
„Ich weiß genau, du fühlst dich angegriffen, aber nimm das nicht persönlich. Warum lässt du nicht uns unsere Dinge machen und du machst deine?“
Ich zog eine Augenbraue hoch.
„Achso, verstehe. Aber mir ist es vollkommen egal was ihr so macht. Und warum meinst du, über mich Bescheid zu wissen?“
Addy schien zu überlegen. Ich war empfindlich, wenn sich jemand in mein Leben einmischte.
„Das merke ich. Wie du antwortest, verrät das.“
Hatte er auf einmal Interesse an menschliches Verhalten? Aber jetzt verstand ich, dass er eigentlich das nicht mehr wollte. Kein Rumgenerve. Keine Gespräche. War mich auch recht.
„Übrigens war nett, auch mal eine nette Seite von dir zu sehen.“
Das verwirrte mich. Ich hatte keine Ahnung, wie das gemeint war. Er koppelte sich von seiner Gruppe ab und lief auf mich zu.
„Von welcher Zeit sprechen wir jetzt?“
Er lachte kurz auf.
„Ich meine, dass du auch lachen kannst. Ich seh das doch. Aber wenn ich dabei bin, gehst du auf Schmollmodus. Ich weiß nicht, wie ich das erklären soll, aber ich dachte, du bist darüber hinweg. Ob du es glaubst oder nicht, mich regt es auch auf, wenn du so bist.“
Meine Muskeln spannten sich immer mehr an. Ich hätte beinahe losgeschrien. In diesem Moment kam ich mir so vorgeführt vor.
„Jetzt pass mal auf. Wer kommt immer mit dummen Sprüchen daher? Wer ließ nicht locker, auch wenn du es sehen konntest, wie angenervt ich war? Und jetzt meinst du, ich müsse einen Gang zurücklegen? Denk mal darüber nach, dass ich allen Grund hatte nicht auf Happy Laune zu machen, wenn du da warst. Oder wie du es nennst, zu schmollen.“
Ich merkte, die Anspannung in seiner Haltung.
„So ist das also. Dann haben wir uns nichts mehr zu sagen.“
Ich verstand nicht mehr, was da geschah. Ich war völlig außer mir.
„Es soll nur aufhören. Man, ich halte dich doch nicht für den schlimmsten Menschen.“
Ich setzte mich wieder in Bewegung und auch Addy ging zurück. Sie schlugen eine Richtung ein, die ich nicht kannte. Wir waren ziemlich in der Pampa. Völlig erschöpft kam ich zuhause an. Sowas kostete mir den letzten Nerv. Ich versuchte mich erstmal zu beruhigen. Ich lief in der Wohnung umher. Dann riss mich etwas aus meinen Gedanken. Meine Katze Snowwhite miaute. Ich streichelte kurz über ihr weißes Fell, das oben ein paar schwarze Stellen hatte und holte ihr dann Futter. Das lenkte mich ein bisschen ab. Dann griff ich zum Handy. Ich kam beim reden total in Fahrt und Ani war empört. Nach dem Gespräch war ich völlig verzweifelt. Alles in mir wollte das nicht. Warum ist das nur so schwierig? Am liebsten würde ich das erstmal vergessen wollen. Ich schaute aus dem Fenster. Einige Lichter waren zu erkennen. Es sah so friedlich aus. Etwas beschäftigte mich. Vielleicht brauchte ich nur jemanden zum reden. Ich legte mich in mein Bett. Es war still. Ich wusste nicht, ob ich einschlafen wollte. Stattdessen wollte ich mich aber bewegen. Ich fühlte mich allein. Aber nur, weil sonst niemand in der Wohnung war. Dann lachte ich. Eigentlich hatte ich keine Probleme. Ich musste nur Dampf ablassen. Dann waren einige Geräusche zu hören. Ich malte mir aus, woher sie kamen. Dann klingelte es. Das riss mich völlig aus meinen Gedanken. Ich wusste nicht, wer das sein sollte. Ich machte die Tür auf und mich hätte beinahe der Schlag getroffen. Da stand er. Total fertig und mit geknickter Haltung. Was machte er hier?
„Was willst du?“
Ich merkte, dass er mit sich rangte. Dann sah ich, dass er etwas in seiner Jacke versteckte. Es war eine Katze.
„Kannst du ihn bei dir aufnehmen? Bitte, tu mir diesen Gefallen. Ich weiß, dass kommt überraschend, aber ich flehe dich an.“
Ich war überfordert. Dann sah ich in sein Gesicht. Addys Augen waren total aufgeregt und sein Ausdruck so hilflos.
„Eins nach dem anderen. Woher kommt er und warum hast du es so eilig?“
„Bei mir kann er nicht bleiben. Ich hab ihn gefunden.“
Dass ich von ihm was annehmen sollte? Aber ich hatte ihn noch nie so gesehen.
„Wo denn?“
Er überlegte kurz und rückte dann mit der Sprache heraus.
„Bei dem Platz, wo wir vorhin waren. Da sollte man sich normalerweise nicht aufhalten, aber dann hab ich ihn gefunden und er war total ausgehungert.“
Ich nahm ihm den Kater ab und wandte mich ihm noch mal zu.
„Moment.“
Ich gab ihm zu verstehen, er könne an der Tür warten. Dann holte ich eine Futterschüssel heraus.
„So jetzt erzähl es mir genauer.“
Addy schien mir ausweichen zu wollen.
„Emi, es gab nur einige Diskussionen. Ich bin mir sicher, dass er gut bei dir aufgehoben ist. Pass auf Rocky auf.“
Ich fragte dann nicht weiter. Er verabschiedete sich dann wieder.
„Danke.“
Noch total überwältigt von den Eindrücken ließ ich Rocky futtern. Sein Fell war weiß-orange gemustert. Ich hatte keine Ahnung, wie alt er war. Aber er tat mir leid. Es war spätabends. Was machte er um diese Uhrzeit hier? Es gab noch so vieles, was ich noch nicht über Addy wusste. Ich war ziemlich müde. Irgendwann schlief ich ein.
Am nächsten Tag kümmerte ich mich um mein neues Haustier. Ich machte sein Fell sauber und achtete, dass er genug zu fressen bekam. Er erkundigte sich auch gleich bei meiner Mietze. Zum Glück verstanden sie sich. Als am Mittag meine Eltern heimkamen, wunderten sie sich auch über den Neuzugang. Aber ich versuchte es so gut, es ging zu erklären und sie hatten nichts dagegen. Trotzdem wollte ich nicht so tun, als wäre nichts geschehen. Ich musste noch mal mit Addy reden. Rocky war verschmust und ich schloss ihn in mein Herz. Meine Mutter wollte noch mit mir reden. Sie war der Meinung, wir könnten mal einen Ausflug machen. In letzter Zeit arbeitete sie so viel und sie hatte so viele Ideen. Mein Vater ließ meine Mutter ihre Sachen ausleben und war ziemlich unkompliziert. Jemand müsste dann auf die Tierchen aufpassen, aber zuerst wollte ich ein paar Tage verstreichen lassen. Meine Mutter war schon wieder damit beschäftigt die Küche aufzuräumen. Dann machte sie Essen. Ich blieb in mein Zimmer. Ich wühlte ein wenig in meinen Sachen herum, was mich beschäftigen sollte. Manchmal benahm ich mich albern, aber in meinem Zimmer konnte mich keiner dabei sehen. Irgendwann setzte ich mich und schloss die Augen. Einfach an etwas schönes denken. Ich tippte mit meinen Füßen hin und her und genoss, einfach nur dazusitzen. Es fühlte sich an, als würde eine Last von mir fallen. Ich hätte Stunden so verbringen können. Meine Eltern ließen mich in Ruhe und irgendwann merkte ich, dass es Abend wurde. Ich holte meinen Laptop heraus. Ich schaute mir diverse Seiten an, vergaß den Alltag und recherchierte ein paar Dinge. Ich tat, was ich schon längst tun wollte und hatte nun die Zeit dafür. Sogar ein paar Dankeschön Karten machte ich, die ich schon längst Personen, die es verdient hatten, schenken wollte. Man merkt gar nicht, wie man irgendwo verstrickt ist und dass man eine Pause davon nehmen sollte. Mir tat es gut, mal nicht irgendwo zu sein, wo viel zu viel los ist. Manche meinen, man verpasse etwas. Aber ich denke, wenn es ein Muss ist, kann man darauf verzichten. Und jeden Tag brauchte ich das auch nicht. Dann beschloss ich noch mir eine Liste zu machen, da ich einiges noch zu erledigen hatte.






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