Dafür hasse ich ihn - Teil 8

Autor: Wolfskatze
veröffentlicht am: 17.02.2014


Sommerferien. Seit vorgestern Abend bin ich nun ganz alleine im Internat. Momentan bin ich auf einem Streifzug durchs ganze Gebäude. Vom Keller bis zum Dachboden kenne ich vom letzten Jahr alle Zimmer und Abstellkammern. Jetzt schaue ich nach, was sich in der Zeit verändert hat. Und ich schaue in meinem Geheimversteck nach, ob mein Schatz noch da ist. Auf dem Dachboden habe ich vor vielen Jahren in einem Balken ein kleines verstecktes Fach gefunden. Jetzt stehe ich davor. Nach kurzem Zögern gebe ich mir einen Ruck und greife hinein. Erleichtert stelle ich fest, dass mein Schatz noch da ist. In meiner Hand liegt nun eine Halskette mit einem ungewöhnlichen Anhänger. Es ist ein altes Familienerbstück und das einzige, was mir von meiner Familie geblieben ist. Niemand außer mir weiß, dass es noch existiert.
Ich nehme die Kette mit nach draußen um sie genauer zu betrachten. Die Kette an sich ist eine echte, aber sehr schlichte Silberkette. Nichts besonderes. Das Besondere ist der Anhänger. Er ist etwa drei Zentimeter hoch und zwei breit. Er besteht ebenfalls aus Silber, ist aber sehr filigran und hat viele Schnörkel. Ich habe keine Ahnung, was sie darstellen sollen.
In der Mitte ist ein großer Saphir eingelassen. Gruseligerweise hat er genau die selbe Farbe wie meine Augen. Das macht mir ein bisschen Angst. Schließlich ist er schon mehrere Hundert Jahre alt. Glaube ich zumindest.
Doch das Ungewöhnlichste an dem Anhänger ist seine Form. Oben ist er halbrund und unten eher spitz. Und eigentlich ist der Rand schön glatt und wohlgeformt, aber nicht überall. An der linken Seite ist er unregelmäßig und fast scharfkantig. Auch die Ornamente sehen merkwürdig aus. Fast so, als wäre da ein Stück abgebrochen.
Da niemand da ist, der mich sehen könnte, lege ich mir die Kette an. Irgendwie fühlt sie sich wunderbar an. Ich schweife schon wieder in irgendwelche Tagträume ab.
Um so größer ist der Schreck, den ich bekomme, als ich plötzlich hinter mir ein Geräusch höre. Panisch verdecke ich den Anhänger mit der Hand und drehe mich um.
Aber es ist nur Minusch, die Schulkatze. Sie ist schneeweiß und hat grüne Augen. Während der Schulzeit bekommt man sie selten zu sehen, weil sie sehr schüchtern ist, aber in den Sommerferien leistet sie mir gelegentlich Gesellschaft. Ich nehme sie auf den Arm und gehe mit ihr durch den Garten, bis sie sich losmacht und im Gebüsch verschwindet.
Kurze Zeit später fängt es an zu regnen. Deshalb beschließe ich vor dem Abendessen noch ein wenig zu trainieren. Wobei das Training alleine nicht so effektiv ist, wie mit einem Partner. Aber es gibt nur zwei Menschen, die mir das Wasser reichen können: Regina, meine Trainerin, und Finn. Dafür hasse ich ihn.





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