Dafür hasse ich ihn - Teil 6

Autor: Wolfskatze
veröffentlicht am: 04.02.2014


Gedankenverloren streife ich durch die Schule. Dieses Mal hatte das Turnier bei uns stattgefunden. Ich achte nicht sonderlich auf meine Umgebung als ich eine verhasste angenehm weiche Stimme höre. "Gut gekämpft, Kleines." Finn. Ich drehe mich zu ihm um. "Du auch. Was willst du?" Ich bin ziemlich unfreundlich, aber er hat es auch nicht anders verdient, wie er da lässig an der Wand lehnt und mir zugrinst. "Warum so schlecht gelaunt?" neckt er mich weiter. Warum hat ER eigentlich immer so gute Laune? "Weil ich mich mit Leuten wie dir angeben muss."
Ich mache auf dem Absatz kehrt und gehe davon. Entkommen. Dachte ich. Nach wenigen Schritten hat er mich eingeholt und mir den Weg versperrt. "Lauf doch nicht davon, ich will doch nur mit dir reden." Ich schaue ihn mit hochgezogener Augenbraue skeptisch an. "Wirklich." beteuert er, "Was hast du eigentlich gegen mich?" - "Das weißt du genau." Meine Stimme ist fast ein Fauchen und ich drehe den Kopf weg. Um ihn nicht ansehen zu müssen. Und mich nicht wieder in seinen Augen zu verlieren.
Das hätte ich nicht tun sollen. Ganz sanft legt er seine Hand in mein Gesicht und dreht meinen Kopf so, dass ich ihn ansehen muss. Die Berührung kribbelt angenehm auf meiner Haut und ich erstarre. Ich bin unfähig mich zu bewegen. Unfähig mich aus der Situation zu befreien.
Ich schaue ihm direkt in die Augen. Seine schwarzen Augen sind genauso außergewöhnlich wie meine saphirblauen. Auf seinem Gesicht liegt ein warmes Lächeln und ich verliere mich in seinen Augen. Mal wieder.
Meine Gefühle fahren Achterbahn und plötzlich breitet sich eine tiefe Traurigkeit in mir aus. Seine zärtliche Berührung ist zu viel für mich. Nach dem Tod meiner Eltern bin ich ohne Liebe aufgewachsen. Ich kann mich nicht einmal an eine Umarmung erinnern. Normalerweise meide ich jede Form von Körperkontakt - außer im Kampf. Die Zeit im Heim war schrecklich. Und hier auf dem Internat wurde es nur wenig besser. Aber inzwischen habe ich mich damit abgefunden Außenseiterin und unbeliebt zu sein.

"Saphira? Alles in Ordnung? Saphira?" Er klingt ziemlich besorgt, als ich aus meinem Tagtraum aufwache. Ich brauche eine Sekunde um zu erkennen, dass er immer noch vor mir steht und ich ihn anstarre. "Was ist los mit dir? Warum weinst du?" Scheiße. Erst jetzt fällt mir auf, dass mir tatsächlich Tränen über die Wangen laufen. Wie peinlich. Ich heule hier wie ein kleines Mädchen.
Er streckt seine Hand aus um die Tränen wegzuwischen, doch ich schlage sie beiseite, sage wütend "Ach lass mich doch in Ruhe!" und laufe davon.
Als ich mir sicher bin, dass ich alleine bin, setze ich mich auf den Boden und denke nach. Finn brachte mich einfach jedes Mal aus dem Konzept. Und dieses Mal zum weinen. So eine Pleite, wie konnte ich nur vor meinem Erzfeind so eine Schwäche zeigen? Dafür hasse ich ihn.





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Kommentare

Alexandra

04.02.2014 20:13:34

Ich finde dieser Teil ist wie jeder einfach großartig. Ich liebe diese Geschichte einfach und finde sie sehr mitreißend. Ich freue mich schon sehr auf den nächsten Teil. LG Alexandra


Wolfskatze

06.02.2014 16:51:14

Ich freue mich über all eure Kommentare. Ich hätte nach Teil 4 fast aufgehört zu schreiben, aber ihr habt mich ermutigt doch weiter zu machen. Danke dafür!




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