Dafür hasse ich ihn - Teil 2

Autor: Wolfskatze
veröffentlicht am: 22.01.2014


Als ich das Mädcheninternat erreiche, in dem ich wohne, ist es schon fünf Minuten vor sechs. Wenn ich mich noch duschen und umziehen würde, käme ich zu spät zum Abendessen. Das wäre schon das dritte Mal diesen Monat. Also schön, dann musste ich halt so bleiben, wie ich war.
"Guten Abend Saphira, wie siehst du denn schon wieder aus?" Auch das noch. Warum muss ich ausgerechnet jetzt Frau Müller-Obermeyer begegnen? Unsere Schulleiterin ist zwar meistens ganz in Ordnung, aber sie hasst zu spät kommen und Ungehorsam. "Entschuldigen Sie bitte, aber ich habe keine Zeit." Bevor sie noch etwas antworten kann, bin ich auch schon die Treppe hoch geeilt und in der Tür des Speisesaals verschwunden.
Erleichtert sehe ich, dass an der Essensausgabe noch eine hungrige Schlange steht und mich niemand beachtet. Ich stelle mich hinten an und hole mir meine Portion Eintopf mit Brot ab. Schweigend setze ich mich zu meinen Mitschülerinnen an den Tisch. Während des Essens fällt es mir schwer ihre ablehnende Haltung mir gegenüber zu ertragen. Es macht keinen Spaß die Außenseiterin zu sein, aber was soll man da machen?
Sobald die halbe Stunde um ist, die wie sitzen bleiben müssen, mache ich mich auf in mein Zimmer. Eigentlich wohnen wir alle in Doppelzimmern, aber da das nicht aufgeht, habe ich glücklicherweise ein Einzelzimmer.
Während ich dusche, denke ich noch einmal über den heutigen Kampf nach. Fast hätte ich ihn gehabt, aber es ist so, als könnte ich ihn einfach nicht besiegen. Schließlich bleibt ein einzelnes Bild in meinen Gedanken hängen. Ein paar schwarze Augen, in denen man sich viel zu schnell verlieren kann. Finn´s schwarze Augen. Schnell verdränge ich das Bild. Schließlich ist er Schuld an meiner Situation. Ich bin die beste Kämpferin meiner Schule, aber gegen ihn konnte ich noch nie gewinnen. Dafür hasse ich ihn. Und nicht nur dafür, seine Familie ist Schuld am Tod meiner Eltern und meiner Brüder. Fünfzehn Jahre ist das nun her. Ich kann mich gar nicht mehr an sie erinnern, war ich doch damals erst zwei Jahre alt.
Aber es ist jetzt meine Aufgabe mich an ihnen zu rächen, doch dafür muss ich zuerst Finn besiegen.
Um die hartnäckigen Gedanken zu vertreiben, gehe ich runter in die Sporthalle und übe meine neuesten Kampftechniken. Erschöpft falle ich danach ins Bett und schlafe sofort ein.





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