Der Brunnen

Autor: desertrose
veröffentlicht am: 28.06.2012


Die folgende Geschichte ist eine alte arabische Geschichte, die wirklich vor fast 100 Jahren in Basra, also die Stadt, in der ich geboren wurde passiert ist. Wenn jetzt jemand denkt, dass es jemandem von meinen Verwandten passiert ist, dann hat er Recht, weil damals alle in Basra verwandt waren.

Bei einigen Stellen werden viele von euch denken, dass diese Geschichte widerlich ist, usw. aber ich möchte jetzt schon sagen: Auch wenn vielen von euch die arabischen Traditionen so komisch und grausam vorkommen, bin ich trotzdem sehr stolz auf meine Abstammung. Die Geschichte ist es aber wirklich wert, gelesen zu werden ;)

Jetzt die Story :D
Viel Spaß beim lesen und bitte Kommis ;)

Eure desertrose
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Prolog
Sie stand hinter der Haustür und spähte auf die Straße. Ihr Kopftuch mit den schönen Mustern, die mit goldenen Fäden gestickt waren, bedeckte ihre langen glänzenden schwarzen Haare. Dort stand er. Hamad sah sie an. Sie war so hübsch, um die 14 Jahre. Sie gefiel ihm sehr. Er winkte ihr unauffällig zu. Huda winkte zurück. Er war ein kräftig gebauter Junge, 18 Jahre, schätzte sie ihn. Sie lächelte ihn schüchtern an. Er deutete ihr mit seinem Zeigefinger und seinem Mittelfinger, dass sie sich um zwei an ihrem gewohnten Ort treffen sollten. Der gewohnte Ort war das alte Fischerboot, das am Strand schon seit mehreren Jahren lag. Dort hatten sie beide schon seit sie Kinder waren immer gespielt. Auch als sie zusammengekommen waren trafen sie sich dort. Der Boot war ihr Geheimort. Keiner kannte ihn, weil alle dachten, dass sich inzwischen Tiere in diesem alten Boot eingenistet hatten.

„Ich werde meinem Vater sagen, dass ich dich heiraten will. Morgen kommen wir dann mit der Familie zu euch und bitten um deine Hand.“, flüsterte er ihr in ihr rechtes Ohr zu, während er sie fest an sich drückte. Sie schmiegte sich an ihn und lächelte ihr süßes Lächeln, das er so sehr liebte, weil sie an den Wangen immer kleine Grübchen bekam, wenn sie lächelte. „Ich erwarte dich dann.“, flüsterte sie zurück.
Sie wussten aber beide nicht, dass ihnen jemand in diesem Moment zuhörte. Abdallah hasste seinen Bruder von ganzem Herzen. Auch seine blöde Freundin hasste er. Hamad nahm ihm immer alles weg, sogar das hübscheste Mädchen in ihrem Viertel. Dabei war Hamad nur ein Jahr jünger als er. Jetzt kam die Zeit seinen Plan einzusetzen. Nein, er würde jetzt nicht zu seinen Eltern rennen und ihnen sagen, dass Hamad eine Freundin hat. Sonst würde Hamad nur für eine kurze Zeit Ärger haben. Nein, er wollte ihn für immer und ewig quälen. Abdallah lief los. Er rannte so schnell er konnte nach Hause. Ihr Haus war genauso wie alle anderen arabischen Häuser zu dieser Zeit. Ein großer Platz, der von oben nicht bedeckt war und rundherum die ganzen richtigen Zimmer. Dieser offene Platz war der Wohnzimmer, weil es hier immer sehr heiß wurde und die Menschen daher immer draußen saßen und manchmal sogar auch draußen schliefen. Hier befand sich auch ein großer Brunnen, aus dem die Frauen immer Wasser holten, um zu kochen. Jedes Haus besaß also einen eigenen Brunnen.
Abdallah lief zu seinem Vater, der mit seiner Frau gerade Tee trank. Er begrüßte seine Eltern und gab jedem von ihnen einen Kuss auf dem Kopf. Das musste jeder aus Höflichkeit tun. „Iumma (arabisches Wort für Mama), Iubba (Arabisches Wort für Papa) (Mama und Papa sagten damals nur die kleinen Kinder), ich will Huda, die Tochter vom Schreiber, heiraten.“ Sein Vater freute sich sehr. Er wollte schon immer seinen älteren Sohn heiraten sehen und jetzt kam die Zeit. Er hatte sich sogar das hübscheste und schlauste Mädchen im Viertel ausgesucht. „Gehen wir jetzt“, sagte der Vater. Er konnte es kaum erwarten seinen Sohn verheiratet zu sehen. Auch seine Mutter freute sich sehr. Sie zog ihre Abaya (ein langes schwarzes Kleid mit Kopftuch und Schleier, das ihr bestimmt schon einmal im Fernseher gesehen habt) an und lief schnellen Schrittes mit ihrem Mann und ihrem Sohn zum Haus des Schreibers. Dort wurden sie herzlich begrüßt. „Ihsan, wir kommen hierher und wollen um die Hand deiner Tochter bitten.“, sagte Abdallahs Vater. Genau in diesem Moment wurde die Tür geöffnet und Huda betrat das Haus. Sie sah Abdallah und seine Familie und wusste in diesem Moment wie ihr Schicksal sein wird. Sie schüttelte ihren Kopf und lief mit Tränen in ihren Augen in ihr Zimmer, nachdem sie alle höflich begrüßt hatte. Jetzt würde sie nie Hamad heiraten können. Entscheiden durfte sie auch nicht, obwohl sie vom Islam aus, das Recht dazu hatte zu entscheiden, wen sie heiraten möchte. Doch in dieser Zeit hat die arabische Tradition Vorrang gewonnen und der Islam wurde nur noch teilweise beachtet.

Zwei Wochen später saß sie in Abdallahs Zimmer in ihrem schönen roten Kleid und ihrem goldenen Kopftuch und ihrem ganzen schweren Goldschmuck. Bei den Arabern ist es eine Tradition, dass Mädchen echten Goldschmuck tragen müssen. Wenn ein Mädchen kein Goldschmuck trägt, dann bedeutet es, dass sie keine Ehre hat. Diese Regel gilt bis jetzt bei fast allen arabischen Familien.
Abdallah sah Huda an. Sie war so hübsch, trotzdem hasste er sie. „Wieso hast du das getan?“, fragte sie ihn wütend und weinte dabei. Er gab ihr eine Ohrfeige. „Er hat mir alles genommen, jetzt war die Zeit für Rache.“, sagte er. „Wie wagst du es nur mich zu schlagen? Ich werde es meinem Vater sagen und der wird dir die Kehle aufschneiden dafür, dass du ein arabisches Mädchen geschlagen hast!“, rief sie. Er zog einen Messer von seiner Tasche und hielt es an ihrer Kehle. „Wenn du auch irgendjemandem davon erzählst, was hier alles passiert ist und was passieren wird, dann, ich schwöre bei Allah, ich schneide dir dann die Kehle ab und werfe die in diesem Brunnen, sodass deine Geschichte für immer vergessen wird. Allen Leuten erzähl ich dann, du wärst von zuhause abgehauen und dann denken alle schlecht über dich. Du weißt, dann giltst du als ehrenlos.“, sagte er und grinste sie böse an. Man konnte seinen Hass gegen sie schon in diesem Grinsen sehen. In diesem Moment wusste sie, dass es kein Entkommen gab und dass ihre Zeit vorbei war und die schwere Zeit begann.
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Das hier war nur die Vorgeschichte. Die eigentliche Story fängt im nächsten Teil an, aber die Vorgeschichte ist wichtig, um den Rest zu verstehen.

KOMMIS nicht vergessen :D
Eure desertrose






Teil 1 Teil 2 Teil 3

Kommentare

talia

28.06.2012 13:06:13

Uha der Kerl ist ja brutal, aber es ist eine Hammergeschichte *_* interessiert mich total! und der Schreibstil ist auch klasse :D


Ai

05.07.2012 12:56:11

Wow, echt heftig ... aber echt interessant! Fremde Kulturen fand ich schon immer spannend ^^




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