Wer bist du wirklich? - Teil 25

Autor: Nancy
veröffentlicht am: 10.07.2012


Instinktiv schloss ich meine Augen, wartete auf einen Schmerz doch nichts geschah. Ich hatte Angst, Angst was mich erwarten würde, wenn ich nun meine Augen öffnen würde aber irgendwann musste ich meine Augen öffnen, schließlich konnte ich nicht Stunden so da stehen. Also fasste ich all meinen Mut, den ich in mir finden konnte zusammen und schlug die Augen auf. Das Bild welches sich mir bot überraschte mich, all diese Vampire schwebte in einer riesigen Luftblase, feine Fäden führten zu meiner Hand und ich konnte diese fliegenden Teile nach Lust und Laune hin und her wirbeln. \'Das ist die Gabe mein Kind.\', ertönte eine tiefe Stimme und verschwand nach zwei Sekunden wieder ohne ein weiteres Wort. Meine ´Gefangenen` hatten einen verstörten Ausdruck auf dem Gesicht, Angst und Verzweiflung spiegelte sich wieder und ich fragte mich, ob das was ich tat richtig war. Natürlich war es richtig, es war richtig die Welt zu retten, es war richtig diese Wesen hier zu bestrafen. Verdammt es war richtig! Und mit diesem Gewissen streckte ich meine Arme nach vorne, ließ die Kraft nach vorne zischen und in die Blasen gleiten. Vor Schmerz schrien sie auf und wandten sich in der Hoffnung sie könnten sich befreien, ich hatte keine Ahnung woher ich es wusste, aber ich wusste das es richtig war was ich tat. Binnen Sekunden zerfielen sie zu Staub und der Staub fiel zu Boden. Ich dachte es wäre vorbei, doch ich hatte diese Dinger unterschätzt, der Staub wirbelte herum und verformte sich zu einer einzigen Bestie, eine unrealle Bestie, die es nicht mal in Märchen gab. Ein Monster so groß wie eine Giraffe mit dem Fell eines Zebras, Hasenohren und die Krallen glichen der eines mächtigen Raubtieres. Ich wusste nicht was es war, geschweige wie ich es besiegen sollte. Wieso kam jetzt keine Hilfe? Wo waren überhaupt die anderen? Tz, mich die ganze Drecksarbeit machen lassen. Schön! Dieses Spiel konnten auch mehrere spielen, doch zuerst einmal musste ich dieses Ding hier besiegen und heil raus kommen. Ich horchte tief in mich hinein, durchforstete mein Gehirn nach irgendwelchen brauchbaren Hinweisen. Null, nichts, absolut gar nichts. Es war wie verhext und dieses Tier bleckte die messerscharfen Fangzähne, sie erinnerten mich an Grady, meinen treuen Gefährten. Es war ewig her, seit wir uns das letzte mal sahen und vielleicht war es auch das letzte mal. Es war das letzte Mal, egal wie diese Sache jetzt ausgehen würde, ich würde gehen. Weg von hier und einfach ein neues Leben aufbauen, mehr über mich, meine Familie und diesen ganzen anderen Quatsch erfahren war das einzige, was ich im Moment mehr wollte als alles andere. Dan war abgeschrieben, nie wieder wollte ich in seine wunderschönen grünen Augen sehen oder betrachten wie der Wind sein rabenschwarzes Haar sanft umspielte, nie wieder zu denken wie es sein würde, wenn sich seine vollen Lippen verschmolzen, wie er mich überall sanft berührte und einfach nur mein war. Niemals würde ich diese Erfahrung machen, ich konnte nicht, er und die anderen hatten mein Vertrauen missbraucht, es eiskalt ausgenutzt und waren darauf rumgesprungen. Ein höllischer Lärm, eine Art bellen unterbrach meine Gedanken, dieses merkwürdige Tier stieß diesen Laut immer wieder aus und plötzlich durchzuckte eine Art Stromschlag meinen ganzen Körper, ich sah dieses Tiergemisch und ein anderes Tier, ein Pferd mit pechschwarzem Fell, Mähne und Schweif aus Feuer sowie die majestätischen Flügel, je einen Meter lang und das mystische Horn auf der Stirn wurde ebenfalls von einem loderndem Feuer umhüllt, erschrocken riss ich die Augen auf, doch ich war kein Mensch, nein, ich stand auf vier Hufen und war das Ebenbild dieses wunderschönen Tieres in meiner Vorhersage, konnte man es eine Vorhersage nennen? Ja, schließlich war es ein Blick in die Zukunft und zeigte mir die Möglichkeit zum Sieg. Ich stieß ein Gemisch aus Wiehern und Schnauben aus, spannte die Feuerflügel und hob in die Luft. Es war als hätte ich alles über dieses Wesen, welches es galt zu stürzen, gelernt. Ich kannte seine Stärken und Schwächen, seine Strategien und seine Schwachstelle. Kleine Feuerstöße flackerten aus den Nüstern und plötzlich schoss schwarzes Licht aus meinem Horn und traf dieses Wesen seitlich am Bauch. Er schrie vor Schmerzen und schoss ebenfalls auf mich, ich wich gekonnt aus und umkreiste seinen Kopf, stach ihn mit meinem Horn oder verbrannte ihn mit meinem Feuer, plötzlich wuchs ein Drachenschwanz aus seinem Rücken und feuerte Stacheln auf mich, Stacheln mit seinem giftigen Blut, es traf mich und ich krachte gegen eine Wand, ich fiel zu Boden und fand mich neben Tatjana\'s Leiche wieder. Angeekelt versuchte ich wieder auf die Beine zu kommen, doch mein Bein schmerzte und knickte immer wieder weg. Ein triumphierendes Geräusch der Bestie erfüllte die inzwischen total abgefackelte Trainingshalle. \'Es ist ein Spiel.\', dachte ich. All dieses Getue hält dieses Monster für ein Spiel, ein Spiel, welches er verlieren würde. Helles Licht loderte um mein schmerzendes Bein, es zog und brannte und doch wusste ich, dass es binnen Sekunden vorbei war. Und tatsächlich, mein Bein war heil und zum ersten Mal dankte ich dieser Gabe für die Selbstheilung. Ich grunzte zufrieden, hievte mich auf meine vier Beine und sah entschlossen auf. Ein Lufthauch umhüllte mich sodass meine Feuermähne wild flackerte, der Schweif peitschte hin und her und das Feuer meiner Flügel wurde immer größer und stärker, ich senkte den Kopf, berührte mit meinem Feuerhorn den schwarzen Boden und sprach innerlich einen Art Zauberspruch auf und dann stand da kein Feuerpegasus mehr, nein ich war ein Pegasus der sich aus allen Elementen zusammensetzte. Die Mähne und der Schweif aus Metall, das Fell aus Wasser das Horn aus Holz meine Hufe aus Feuer und in meinen Augen spiegelte sich das Licht wieder, ich fühlte mich stark, stärker als jemals zu vor und nutzte dies aus. Ich warf mich in die Luft, stimmte die Elemente aufeinander ab und formte sie. Ich formte sie zu einem Element wartete auf eine Gelegenheit und diese ließ nicht lange auf sich warten, ich flog näher feuerte meinen Elementeball ab und stieß mein Horn in sein Herz. Das Wesen gab röchelnde Laute von sich, ich sah zu, wie es langsam aber sicher starb, merkte wie es von innen heraus verkohlte und schließlich unter lautem Geschrei zusammenbrach und sich nicht mehr bewegte. Nachdem ich sicher war, dass es jetzt vorbei war verwandelte ich mich zurück und ruhte mich kurz auf dem Boden aus. \'Mein Gott du tust so als wärst du gerade was weiß ich wie viele Kilometer an einem Stück gerannt.\', meckerte es schon wieder in mir. „Ach halt doch deine blöde Klappe, deine Meinung interessiert mich sowieso nicht.“, zischte ich und atmete tief ein und aus, es war vorbei und ich wusste, dass es Zeit war. Es war Zeit alles hier zu lassen, diese Zeit einfach aus meinem Leben zu streichen und von neuem Beginnen, in einer neuen Welt, als Vampir. Ein Leben als Vampir kam mir viel einfacher vor als dieses lästige Leben als Mensch, es war unkomplizierter, wenn man nicht gerade gegen solche abscheulichen Dinger kämpfen musste um die Welt zu retten, wer hatte sich diesen Mist eigentlich ausgedacht? Total überflüssig das ganze, aber mich fragt ja sowieso keiner. Ich stand auf, meine Knie wackelten wie eingeweichte Gelatine und ich dachte, ich würde jede Sekunde auf die Schnauze fallen, doch meine beiden Beine hielten tapfer durch und so schleppte ich mich in mein Zimmer, wo ich mir eine dicke Decke, ein Kissen und etwas Kleidung hinein stopfte, anschließend holte ich die Zahnbürste, etwas Deodorant, Seife und eine Bürste aus dem Bad und brachte es ebenfalls in meinem riesigen Rucksack unter. Man konnte alles und damit meine ich wirklich alles hinein tun, irgendeine Magie, was auch sonst. Ich machte einen kurzen Abstecher in die Küche, warf alle Flaschen die ich fand hinein und nahm mir noch etwas zum Essen mit. Etwas sehr viel Essen, aber das war egal, Blut brauchte hier sowieso keiner mehr und ich konnte noch ein weiteres Jahr mit menschlicher Nahrung leben. Ich warf also meinen mintgrünen Rucksack auf mein Bett und duschte noch einmal, zog mir anschließend eine lange Jogginghose von Adidas und ein T-Shirt an, darüber noch eine schwarze Weste und meine geliebten Turnschuhe. Mit schnellen Schritten eilte ich die Gänge entlang zum Hinterausgang, wo ich ein X-beliebiges Fahrzeug auswählte, meine Sachen im Kofferraum verstaute und einen letzten Blick auf das riesige Schloss warf. Seufzend setzte ich mich auf den Fahrersitz, startete den Motor und drehte einen Rocksong auf volle Lautstärke. Ich bretterte die Straßen entlang und wusste, wohin meine Reise gehen würde, wie lange ich an diesem Ort bleiben würde würde sich noch herausstellen. Ich griff ins Handschuhfach und zog eine schlichte, schwarze Sonnenbrille hervor. Mein Zeitgefühl war gleich Null, aber es musste Nachmittag sein, es war schwül und die Sonne verbrannte unserer Erde. Mit diesen Gedanken sauste ich immer weiter, ein Stück näher an mein Ziel.




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