Morgentau - Teil 12
Autor: Feder
veröffentlicht am: 11.04.2012
~Kapitel 11 ~
Das Warten quälte sie und der Rücken war nicht barmherziger. Merle knabberte aufgeregt an ihre Nägel. Rohan hatte in der wartende Zeit hingesetzt und pfiff leise eine Melodie, die jedoch sehr falsch klang. In der Dunkelheit tanzte plötzlich ein kleiner Lichtball, Merle vernahm Schritte. Viele Schritte. Sie krabbelte schnell nach vorne, dabei schürfte sie ihre Handflächen auf. Jetzt wurde Umrisse vieler Gestalten deutlicher. Bernsteinfarbene Augen trafen auf mondgraue Augen. Merle sprang auf: „Aaron!“ Ihr Rücken knackste leise, als er sich wieder aufrichten konnte. Gregor drängelte sich an den Alesiden vorbei und schob das Gitter zur Seite. Merle flitzte auf Aaron zu und fiel voller Freude in seine Arme: „Ich bin froh, dass du hier bist!“ Ein Lächeln umspielte seine Lippen: „Merle.“ Ihr Namen aus seinem Mund klang wunderschön, wie eine Melodie. Seine Hand streichelte zaghaft ihren Rücken, während der freie Arm sie umschlang. Der vertrauter und sogleich fremder exotischer Duft wanderte in Merle's Nase. Ihr Blick wanderte über seine Schulter, ihre Gesichtszügen entglitten, sie wurden starr. Aaron merkte ihre verkrampfte Haltung: „Was ist los?“
Merle machte sich frei und funkelte wütend: „Was macht er hier?!“ Ihre Finger deutete auf Samuel, der mit großen Augen sie anstarrte: „DU bist die weibliche ALESIDEN?!“ „WAS macht ER hier?“, wiederholte sich Merle, dabei wurde ihre Stimme schrill. „Beruhige dich Merle, er hat sich uns angeschlossen“, antwortete der verwirrte Alesiden. „Mich beruhigen? SEIN Vater hat unser Dorf verraten, er ist ein Späher und somit ist Samuel auch ein Verräter“, ihre Stimme bebte. Ehe Aaron darauf reagieren konnte, hatte Gregor bereits Samuel auf dem Boden geschmissen und mit seinem Gewicht drückte er Samuel auf dem Boden. Samuel ächzte schmerzvoll auf und wagte sich nicht zu bewegen, seine Stimme war jedoch noch kraftvoll: „Ich bin kein Verräter!“ „Soll ich ihn für immer zum Schweigen bringen?“, Gregor's Blick ruhte auf Merle. Sie wirkte schockiert. Sie sollte entscheiden was mit Samuel geschah? Völlig überfordert von dieser Situation sagte sie leise: „Erstmal nicht, vielleicht können wir einige Informationen herausfinden. Speer ihn ein.“ „Merle, ich bin wirklich kein Verräter“, beteuerte Samuel. Gregor riss ihn unsanft auf die Beine und schlug in sein Gesicht: „Wage nicht noch mal zu sprechen, es sei denn wir befehligen dir, dass du sprechen sollst. Hast du das kapiert?“ Samuel's Kopf dröhnte, unter den Schmerzen nickte er benommen. Aus der Nase begann es zu bluten. Merle war fassungslos über diese Brutalität. Aaron legte sanft seine Hände auf ihre Schultern: „Komm, wir gehen zu Sehona.“ Sie ließ sich von ihn führen, ihre Gedanken konnten keine klare Sätze bilden.
Sie saßen alle in der große Halle, auch die ganze Männer. Nur zwei fehlten um Samuel zu überwachen. Sehona lag neben Merle, ihre misstrauische Augen wanderte wachsam umher. Juruk dagegen wirkte entspannt im Gegensatz zu Aaron, der immer wieder besorgt einen Blick auf Merle warf. Merle wusste einfach nicht, wie sie damit umgehen sollte. Sie war ausgelaugt von den Ereignisse der letzten Tage. Waldur, ein gebrechlich aussehender Mann, aber voller Stärke ausstrahlte, zupfte an seinem grauweißen Bart: „Wir haben hier versammelt um uns zu überlegen wie wir die Herrschaft von Kato beenden können.“ Gregor stand auf: „Wir müssen die anderen Rebellen finden und dann können wir uns als eine Armee aufbauen. Frauen dürfen bei den Aufstand mitmachen, je mehr wir sind, desto mehr Druck hat Kato. Durch unseren Aufstand können wir die Leute, die unter seine Herrschaft leiden, dazu bringen uns anzuschließen!“ Ein anderer Mann stand auch auf: „Ihr wisst doch, dass Kato die Menschen anlügen, dass wir gefährliche Kriminelle sind. Außerdem haben sie zu viel Angst einen Widerstand zu leisten, denn wer uns anschließt wird auf dem Todesliste gesetzt.“ Gregor sah ihn verärgert an, aber die Worte stimmten. Aaron räusperte leise, aber jeder hatte das gehört: „Ich habe noch mehr von meiner Art gefunden, wir wollen mit euch verbünden. Da wir das gleiche Ziel haben.“ Waldur nickte: „Ja, wir sollten wirklich mit den Alesiden verbünden.“ „Aber nicht jeder Alesiden ist vertrauenswürdig“, rief wieder ein Mann. Aaron sah ihn kühl an: „Unsere Heimat wurde zerstört, Frauen und Kinder wurden getötet und die Natur. Wir wollen uns das zurücknehmen, was uns Kato genommen hatte. Ihr wollt auch das zurücknehmen, was Kato euch gestohlen hat. Vergiss nicht, dass wir Fähigkeiten besitzen die für uns alle ein Vorteil werden können. Vergiss vor allem nicht, dass Kato einer der letzten 5 Älteste ist, eine kleine Armee aus Dunkelelben hat und andere schreckliche Kreaturen.“ Die Halle erfüllte sich von zustimmende Murmeln. Älteste? Dunkelelb? Merle verstand davon nichts. Sie wusste nur einige Sorten von Kreaturen: Die Feuervögel, die Furie....Waldur hob seine Hand, es herrschte wieder Ruhe: „Aaron hat Recht, wir brauchen die Unterstützung der Alesiden. Es wird nicht leicht sein, Kato von dem Thron zu stoßen. Er ist sehr mächtig und verfügt über dunkle Magie, vor allem kann man ihn nicht einfach so töten.“ Gregor hob wieder seine Stimme: „Laut der Legende gibt es ein Schwert, namens Calibaer, wenn man sie durch das Herz eines Älteste sticht, dann stirbt er sofort.“ „Das Schwert existiert doch gar nicht“, sagte der Mann. „Das magische Schwert existiert, aber er ist gut in seinem Versteck verborgen und nur wer das reine Herz besitzt, kann das Schwert führen“, erwiderte Aaron. „Und wo ist das Schwert?“, spöttisch sah der Mann ihn an. „Das weiß niemand, nur der rechtmäßigen Besitzer kann das Schwert finden“, antwortete Aaron daraufhin. „Woran erkennt man den Besitzer?“, fragte Gregor. „Er hat auf der linke Schulter eine Träne, die auf dem Griff des Schwertes wiederzufinden ist“, erklärte der Alesiden. „Und es ist egal ob man Alesiden ist oder Mensch?“, hackte Gregor nach. „Ja, denn das Schwert sucht seinen Besitzer selber aus“, nickte Aaron.
Merle war wohl eingenickt, denn als sie die Augen öffnete lag sie auf eine dünne Matte. Jemand hatte eine Felldecke über sie gelegt, neben ihr stand eine Öllampe und das Licht schimmerte schwach. Sehona lag vor ihre Füße, ihr Atmen war gleichmäßig, ein Zeichen, dass sie schlief. Sie richtete sich auf, der Ort war ihr unbekannt. Panik ergriff sie, sie befand sich in eine fremde Höhle. Aufeinmal raschelte etwas neben ihr, erschrocken drehte sich Merle um und erblickte in das schlafende Gesicht von Aaron. Ihr lautklopfendes Herz beruhigte sich langsam. Wenigsten war sie nicht alleine. Sein Gesicht wirkte völlig entspannt und sanfte Züge kamen deutlich zur Vorschein. Ihr Herz wurde warm bei diesem Anblick. Aaron öffnete schläfrig die Augen: „Was ist los?“ Blut schoss in Merle's Gesicht, sie fühlte sich ertappt. Verlegen schaute sie hinunter: „Ich...ich kann nicht mehr schlafen, es ist alles so fremd hier.“ „Keine Angst Merle, du bist hier sicher und wir passen auf dich auf“, murmelte Aaron leicht verschlafen. „Danke“, erwiderte Merle, dann legte sie sich wieder hin und versuchte einzuschlafen.
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Kommentare
Adriana | 11.04.2012 13:06:12 |
Deine Geschichte ist einfach PERFEKT! Ich liebe sie! Das Wiedersehen zwischen Aaron und Merle war sehr schön! :) Hach, ich bin jetzt schon hin und weg von Aaron! :D Bin gespannt, wer der rechtmäßige Besitzer dieses Schwertes ist. Schreib schnell weiter! *_* | |
talia | 11.04.2012 14:37:48 |
Dein Schreibstil wird immer besser und deine Story auch ;D mach weiter so ;D | |
Ice Princesse | 11.04.2012 18:14:19 |
Das Schwert Calibear interessiert mich sehr. Wer ist der rechtmäßige Besitzer des Schwertes?! Merle kann sich glücklich schätzen, wenn Aaron sie aus der gegenwärtigen Gefahr errettet hat, um sie vor Härterem zu beschützen. Wer weiß, vielleicht werden sich die beiden mehr auf der Reise kennenlernen. Ich habe den Teil regelrecht verschlungen, weil er so spannend angefangen hat. Weiter! Los! | |
Feder | 11.04.2012 18:49:03 |
Vielen Dank für eure Kommi's, das motiviert mich echt:) Übrigens weiß ich momentan selber nicht wer der Besitzer ist, die Idee mit den Schwert kam ganz spontan:D | |
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