Morgentau - Teil 5
Autor: Feder
veröffentlicht am: 31.03.2012
Sorry, dass ich erst jetzt wieder einen Teil einschicke! Aber dafür ist der Teil viel länger geworden;)
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~Kapitel 4 ~
Die Sonne brannte auf ihr Nacken, da sie ihr langes Haar zu einem strengen Knoten gebunden hatte. Ihre Hände hielten grob die Heugabel, das raue Holz fühlte sich unangenehm an. Hühner kamen von allen Seiten und protestierten laut gackern. Merle tastete mit ihrer freie Hand in einem Eimer, nahm eine Hand volle Getreide und schmiss sie nach hinten. Die Hühner rannten um die Wette und fingen an sich um den besten Korn zu streiten. Endlich konnte Merle in den stinkigen Hühnerstall reingehen, ohne nicht gleich eine Portion Federn in den Mund zu haben von den wildgewordene Hühner. Bevor sie anfing auszumisten, sammelte sie schnell alle Eier und legte sie vorsichtig in einem Korb. Der Mist stank bis zum Himmel, Merle unterdrückte einen Würgereiz. Im Sommer war es oftmals unerträglich den Stall zu säubern. Schweiß und Schmutz klebten an ihrer Stirn, endlich war der Stall fertig. Die Sonne hatte ihren höchsten Punkt erreicht. „Wie ich sehe kannst du eine Erfrischung gebrauchen“, ertönte eine vertraute Stimme hinter ihrem Rücken. Ein Lächeln umspielte Merle\'s Mund und ihre Augen strahlten. Schwungvoll drehte sie sich um und genoss seinen Blick. „Hallo Samuel“, flüsterte Merle. In seiner Hand hielt er ein Becher. Erst jetzt merkte Merle wie vertrocknet ihr Mund war. „Eine Erfrischung könnte ich wirklich gebrauchen“, antwortete sie auf seine Frage. Samuel grinste und drückte ihr den Becher in den Hand. „Warst du heute schon bei den Fremden?“, Samuel amüsierte sich, als Merle das Wasser mit einem Schluck alles austrank, dann seufzte sie erleichtert. „Nein, ich war noch nicht bei ihm und wie ich gesagt habe, momentan ist er nicht ansprechbar oder überhaupt in der Lage sich zu bewegen“, es ärgerte sie, dass er scheinbar nur gekommen ist um Informationen über den Fremden herauszufinden. „Ich muss wieder gehen“, Samuel schlenderte langsam zurück, wo er hergekommen war. „Vergiss den Becher nicht und beim nächste Mal musst du dir keine Mühe machen“, brummte Merle verstimmt. Er kehrte mit gerunzelte Stirn zurück: „Ist alles mit dir in Ordnung?“ „Natürlich. Es war nur anstrengend gewesen bei dieser Hitze auszumisten“, sie gab ihn den Becher zurück und lächelte gekünstelt. „Das stimmt“, verständnisvoll nickte Samuel.
Als er wieder aufwachte, war es bereits dunkel geworden. Diesmal saß eine jüngere Gestalt an seinem Bett. Er erinnerte sich an das ovales Gesicht: „Merle?“ Das Mädchen schaute zu ihm, ein kleines Lächeln erschien in ihrem Gesicht : „Ja?“ „Danke, dass du mich gerettet hast. Ich stehe in deiner Schuld“, sagte Aaron ernst. „Sag sowas nicht, jeder hätte das Gleiche getan“, Merle\'s Wangen färbten sich vor Verlegenheit. Aaron schüttelte langsam sein Kopf: „Nein. Das hätte nicht Jeder getan.“ „Hast du Hunger? Durst?“, fragte sie ihn. „Ich würde gerne etwas trinken“, antwortete er. „Hast du ein Namen?“, neugierig musterte sie ihn an und gab ihn was zum Trinken. Aaron grinste leicht: „Natürlich. Mein Name lautet Aaron.“ Die Beiden verfielen in einem anregende Unterhaltung, jedoch musste Merle feststellen, dass Aaron einige Fragen auswicht. Zum Beispiel woher er kam, wie es zu der Wunde kam, wer seine Familie war, was er machte und vor allem, was bedeutete Fre? Es war bereits stockduster als Merle mit eilende Schritte nach Hause gehen wollte. Ihre Augen glänzten ungewöhnlich, sie war glücklich. Die Freude durchströmte ihren Körper. Selbst das Gemecker ihrer Mutter konnte die Freude nicht trüben. Mit einem Lächeln wanderte Merle in das Land der Träume.
Von Weitem sah sie Aaron auf der Bank in den kleinen Gärtchen. Seine Augen waren geschlossen und sein Gesicht wurde von der Sonne gewärmt. Überrascht weiteten sich ihre Augen. Er sah schön aus. Wunderschön. Ein Lächeln bildete sich in seinem Gesicht: „Hallo Merle!“ Verwundert ging Merle auf ihn zu: „Hallo, Aaron. Wie hast du mich bemerkt?“ Bernsteinfarbene Augen funkelten wie die Sterne: „Es heißt nicht, wenn man Augen geschlossen hat, dass man nichts sieht. Lasst dich davon niemals trügen, diese kleine Tricks können verhängnisvoll werden.“ „Oh. Was für Tricks gibt es noch?“, wissensbegierig sah Merle ihn an. Er schmunzelte: „Es gibt der tote Schein.“ Seine Augen wanderten nach unten: „Was hat du da?“ „Ich habe für dich Süßbrot mitgebracht“, ihr fiel wieder ein, warum sie eigentlich hierhergekommen war. Schon früh am Morgen war sie aufgestanden und hatte eifrig in der Küche den Süßbrot gebacken. Für ihn. „Danke“, er freute sich darüber. „Ich bringe ihn schnell rein und dann erzählst du mir den Trick. Wie nennst du das? Den toten Schein?“, sie stand auf, brachte das Brot schnell weg und kehrte eilig zurück. „Ich erzähle dir über den toten Schein, wenn wir dabei einen Spaziergang durch das Dorf machen“, er richtete sich langsam auf, seine Beine fühlten sich etwas zittrig an. Zustimmend nickte Merle. „Also der tote Schein soll dazu dienen, dass man auf den Feind wie tot wirkt. Es gibt einen bestimmten Kraut, der den Puls langsamer schlagen lässt und dadurch spürt man den Puls fast gar nicht. Aber der Kraut ist nicht ungefährlich, wenn man zuviel Dosis nimmt kann es zu einem echten Tod führen und außerdem weiß man nie, ob der Feind zur Sicherheit in das Herz des scheintoten Körper zusticht“, erzählte Aaron. Unter den Füßen knirschte der Sand. Vögel zwitscherte fröhlich in den Bäume, deren Blätter leise raschelnd, durch den Wind, sich hin und her wiegten. Die Stille war angenehm. Aber etwas fehlte Aaron. Es war für ihn zu ruhig. „Wo sind die Kinder?“, er wendete sich zu Merle. Mitten auf dem Weg blieb sie stehen, das Gesicht wurde ausdruckslos. Das Glänzen in ihre Augen erstarben, sie wurden finster. Ihre Stimme war bitter, als sie antwortete: „Weg.“ „Wie weg?“, verwirrt runzelte Aaron die Stirn. „Vor ein halbes Jahr hat die königliche Gilde uns die Kinder genommen“, ihre Stimme zitterte. Tiefe Traurigkeit strahlte von ihr aus. Ihm wich das Blut aus dem Gesicht, Zorn brodelte in seinem Magen: „Diese Widerlinge!“ Eine Träne drang aus den Augenwinkel, kullerte der Wange hinunter und blieb kurz an ihrem Kinn hängen, bevor sie auf dem Boden fiel. Starke Arme zogen sie an seinem warmen Körper. Ein unbekannter süßer Duft stieg in ihre Nase. Nach wenige Minute hatte Merle sich wieder beruhigt, sie wirkte gefasster: „Lass uns weitergehen!“ Schnell befreite sie sich aus seiner Umarmung, Verlegenheit ließ ihre Ohren heiß werden. Aaron begann über irgendwas zu reden um sie auf andere Gedanken zu bringen, aber seine blieben bei den Kinder. „Ich muss morgen weiter“, unterbrach er Merle\'s Redeschwall, sie erklärte ihm gerade, wie das Dorf eine eigene Wirtschaft erschaffen hatte. „Was? Schon morgen?“, enttäuscht blickte sie ihn an. „Ja. Ich habe eine wichtige Aufgabe und die muss ich erfüllen“, sein Blick schweifte über die Hütten. „Was für eine Aufgabe?“, sie war neugierig. „Das kann und darf ich dir nicht erzählen“, antwortete er. „Du vertraust mir nicht“, bemerkte sie trocken. „Merle, ich vertraue dir. Ich weiß, in dir steckt ein gutes Herz. Aber ich kann dir nichts offenbaren, weil sie sonst eine Gefahr für dich werden können und das darf ich nicht zulassen!“, seine Hände streckten sichnach ihr aus und ruhten anschließend auf ihre Schultern. Die Antwort gefiel ihr nicht. Es bereitete ihr ein Unbehagen. Was für ein gefährliches Geheimnis verbarg er?
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Kommentare
Adriana | 31.03.2012 13:17:56 |
Die beiden sind sich anscheinend näher gekommen :) Freue mich schon auf den nächsten Teil :) | |
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