Liebeskummer ist Luxus - Teil 3
Autor: Parisienne
veröffentlicht am: 12.02.2012
3. Weihnachten
Es wurde Dezember und es wurde Weihnachten.
Dieses Jahr würde Mias Familie wieder bei uns feiern. Es war jedes Jahr das Gleiche, unsere Familien feierten den Heiligabend immer gemeinsam. An den Feiertagen allerdings trennten sich unsere Wege, da Mias Familie dann immer die Oma in irgendeiner nichtssagenden, kulturlosen Stadt in einem der alten Bundesländer besuchte.
An Heiligabend trafen sich unsere Familien bereits zum Mittagessen. Es gab den Klassiker, Bratwurst, Kartoffelbrei und Sauerkraut! Jedoch würde meinem Vater niemals einfallen, die Bratwurst in der Pfanne zu braten, das käme einem Frevel gleich! Er hatte im Garten den Sonnenschirm aufgespannt, den Grill vom Schnee befreit und grillte draußen zufrieden mit einer Flasche Bier in der Hand.
Nach dem Essen durften Mia, Lana und ich unsere Zimmer nicht mehr verlassen, denn dann begannen unsere Eltern schon mit den Vorbereitungen für die Bescherung. Normale Familien feierten die erst am Abend, aber Mia und ich hatten unsere Eltern immer so sehr genervt, dass es die Geschenke immer schon um fünfzehn Uhr gab, und das war bis heute so geblieben. Grinsend verzogen sich Mia und ich nach dem Essen freiwillig in mein Zimmer unter dem Dach. Lana war erst am Tag davor aus Heidelberg wiedergekommen, sie studierte seit diesem Jahr dort. Auch sie schob ihren Stuhl an den Tisch und schloss lächelnd die Tür hinter sich. Wir waren vielleicht alle älter geworden, aber die Ungeduld war die gleiche geblieben.
Mia und ich warfen uns auf mein heruntergewirtschaftetes Sofa, das an der rechten Wand stand. Wir legten die Füße wie immer auf den Tisch vor uns und Mia faltete die Hände über dem Bauch:
„Ich bin so voll. Es ist wie jedes Jahr, jedes Mal sitzen wir hier oder auf meinem Bett und schauen uns nach dem Essen einen stumpfsinnigen Film an oder spielen Playstation.“
Ich liebte Weihnachten. Weihnachten war immer etwas besonderes, es war eine solch gemütliche Atmosphäre. Und dieses Jahr erst! Ich war bis über beide Ohren verliebt und das Mädchen meiner Träume verbrachte diese Tage mit mir zusammen! Sie war hier, direkt neben mir.
Ich wandte mein Gesicht fragend Mia zu:
„Hast du keinen Bock drauf?“
Sie schüttelte den Kopf:
„Ach, natürlich habe ich Bock! Ich habe extra „From Dusk Till Dawn“ mitgebracht!“ Sie riss ihre grünen Augen mit einem gespielt übermütigen Gesichtsausdruck auf.
„Bitte… geht es nicht ein bisschen… weihnachtlicher?“ Theatralisch ließ ich mich tiefer in die Kissen rutschen. „Andere schauen sich Märchen an…“
„Ich möchte nichts anderes sehen, Vincie…“ Neckend.
Dann legte sie ihre Hand auf meine Schulter und lehnte sich an mich. Wusste sie was sie damit anrichtete??
„Es ist Tradition! Und vielleicht ist dir das neu, aber ich bin ein traditioneller Mensch!“
„Ja klar!“
„Doch, natürlich! Ich mag Familienfeste und so was! Und natürlich unsere Weihnachtstradition!“ Sie wedelte mit ihrem Zeigefinger zwischen uns herum und legte erwartungsvoll lächelnd ihren Kopf schief. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir beide das eines Tages nicht mehr tun werden.“
Mich durchzuckte sofort wieder dieser wohlige Schauer und ich konnte nichts anderes, als zurückzulächeln. Was machte sie nur mit mir? Aber ich würde deswegen noch lange nicht nachgeben. Ich hatte vor ihr mein Geschenk dann gleich zu geben, anstatt wie sonst immer unten, zusammen mit den anderen. Dieses Jahr hatte ich das erste Mal in meinem Leben etwas Selbstgebasteltes für sie, etwas, an dem ich stundenlang gesessen hatte. Ich konnte ihre Reaktion kaum noch abwarten. Denn ich hatte es ernst gemeint, dieses Jahr wollte ich nicht den üblichen, blutigen Film sehen, den wir uns sonst immer aus Trotz gegenüber dem Weihnachtskitsch reinzogen.
„Alles was ich jetzt nicht will, ist einen nervtötenden Splatterfilm zu sehen, Puppi.“ Schelmisch grinste ich sie an. Vincie, pah.
„Was dann?“ Sie setzte sich erstaunt auf und schaute mich mit großen Augen an.
„Ich bin nicht in Stimmung dieses Jahr. Schau doch mal!“
Mit diesen Worten sprang ich auf, schnappte mir ihre Hand und zog sie hinter mir her zu dem großen Fenster, das neben meinem Bett einen weiträumigen Ausblick bot.
„Schau dir an, wie schön es draußen ist!“
Es hatte zu schneien begonnen, große, dicke Flocken wirbelten zur Erde und hatten schon alles unter einer bezaubernden, weißen Schicht begraben.
„Weiße Weihnachten…“ seufzte ich glücklich.
Mia lächelte fast schon andächtig, auch sie liebte Schnee – im Gegensatz zu Regen.
„Es ist wunderschön, oder? Es ist immer so wunderschön!“
Wieder lehnte sie sich an mich, und ich legte einen Arm um ihre Schultern. Ich dachte darüber nach, wie wunderbar wir als Paar aussehen würden. Ich war einen Kopf größer als sie, also genau perfekt. Bei dem Gedanken, das Silvester nur noch eine Woche entfernt war, schlug mein Herz auf einmal schneller und Vorfreude durchströmte mich, ich hatte gar nicht gemerkt, dass Mia mich anschaute.
„Was denkst du gerade?“
Einen Moment lang hielt der Zauber des Augenblickes ihren Blick gefangen, ich konnte nicht wegschauen und auch nicht reden. Und ihr schien es ähnlich zu gehen, denn sie hielt meinem Blick stand. Ich wünschte, ich könnte ihr jetzt sofort sagen, wie sehr ich mich danach sehnte, ihr noch näher zu sein als jetzt gerade, ich wünschte mir nichts mehr. Aber letztendlich überzeugte ich mich selbst, dass es sicher besser wäre, am ursprünglichen Silvesterplan festzuhalten. Also behauptete ich:
„Ich freue mich so sehr auf Silvester!“
„Ich auch. Das wird super! Ich kann es kaum erwarten wieder auf dem Brett zu stehen.“
„Es wird bestimmt unvergesslich.“
Schließlich senkte ich meinen Blick wieder.
„Mia, ich habe etwas für dich. Ich würde es dir am liebsten schon jetzt gleich geben, jetzt sind wir noch ungestört.“
Ihre Augen wurden groß und strahlten. Sie liebte Geschenke.
„Ich hab auch was für dich! Warte ich gehe es holen.“
Sie hüpfte zum Sofa, wo ihre Tasche lag, und holte ein kleines, dunkelblau verpacktes Geschenk heraus. Ich hatte mein Geschenk schon aus der obersten Schublade meines Schreibtisches gezogen und auf den Fußboden zwischen Fenster und Bett gelegt, ich selber setzte mich auf den flauschigen Teppich daneben. Mia hielt triumphierend ihr Geschenk hoch und setzte sich zu mir auf den Boden.
„Du zuerst!“ bestimmte sie.
Ich wusste, dass Wiederworte zwecklos waren, Mia konnte sich besser konzentrieren, wenn sie nicht der Erwartung ausgesetzt war, wie ihr Geschenk bei dem anderen ankommen würde. Also zog ich vorsichtig an dem weißen Band, dass das Papier zusammenhielt. Ich schob es auseinander und zum Vorschein kam… eine kleine Digitalkamera. Ich starrte auf den kleinen Gegenstand in meinen Händen und brachte zu erst keinen Ton über die Lippen.
„Wie findest du sie?“
Über das ganze Gesicht strahlend schaute Mia mich erwartungsvoll an.
„Das ist… wow…“ stotterte ich und erwiderte das breite Grinsen.
„Sie ist von Lana und mir, muss ich dazu sagen. Wir haben zusammengelegt.“
„Sie ist toll! Ich kann es kaum erwarten unseren Urlaub damit zu dokumentieren!“
„Das habe ich auch gedacht, du kannst sogar kleine Filme damit machen…“
Und da konnte Mia nicht weiterreden, weil ich sie stürmisch umarmte. Ich schlang meine Arme um sie und drückte mein Gesicht an ihren Hals. Mia schnaufte, da lockerte ich meine Umarmung ein bisschen. Dann flüsterte ich ihr ins Ohr:
„Ich danke dir, Mia.“
Und dann konnte ich einfach nicht mehr widerstehen, ich konnte nicht anders, ich drückte meine Lippen ganz kurz und zart auf ihre Wange. Die Überraschung war ihr ins Gesicht geschrieben, sie starrte mich an und schien ein bisschen aus der Fassung geraten zu sein. Ich kicherte leise in mich hinein und sagte:
„Du bist dran!“
Ich hielt ihr mein Geschenk hin. Und schon war ihre ganze Aufmerksamkeit auf das längliche rote Etwas in meinen Händen gelenkt. Sie fackelte nicht lange und riss das Papier herunter, ein schwarzes Buch kam zum Vorschein. Sie klappte den Deckel auf und starrte auf das Bild, das auf der ersten Seite aufgeklebt war. Es war vor nicht allzu langer Zeit aufgenommen worden, im Sommerurlaub am Strand von Portugal. Mia und ich saßen in einem Café nebeneinander, im Hintergrund das Meer, ein wunderschöner Sonnenuntergang und ein paar Möwen am Himmel. Mia leckte gerade an einem Eis und versuchte trotzdem zu grinsen, ich hatte ihr einen Arm um die Schulter gelegt und lächelte schief in die Kamera, meine Augen waren unter der dunklen Sonnenbrille nicht zu erkennen. Sie trug einen bunten Rock und ein gelbes T-Shirt, ihre Haare waren noch ein wenig nass und standen in alle Richtungen ab. Es war ein perfektes Bild. Darunter, auf das vergilbte Papier des Albums, hatte ich das Datum der Aufnahme geschrieben. Ganz oben prangte in dicken, schwarzen Buchstaben der Schriftzug ‚Mia und Vince‘. Beim durchblättern der Familienalben war mir die Idee gekommen, ich hatte von den schönsten Bildern Abzüge machen lassen und ein schönes Album gekauft. Mia blickte auf:
„Du hast uns ein Album gebastelt?“
Ungläubig schaute sie mich an. Ich nickte nur und lächelte ganz leicht. Sie blätterte die Seite um, auf der nächsten gab es wieder Bilder, dieses mal aber sehr alte, Kinderfotos, und immer waren Mia und ich zu sehen. Und in einer eingeklebten Papierhülle steckte eine CD.
„Was ist da drauf?“
„Das sind Lieder, die wir beide in der jeweiligen Zeit gehört haben, oder die wir mit den Ereignissen auf den Bildern verbinden. Ich habe dir zu jedem Jahr einen Soundtrack zusammen gestellt.“
Ich grinste bei dem Gedanken, was ich alles für Musik aufgetrieben hatte.
„Du hast unserem Leben einen Soundtrack gegeben??“ Ungläubige, riesengroße Augen.
„So könnte man sagen.“
Verlegen senkte ich den Blick, als ich die Tränen bemerkte, die Mia in den Augen standen. „Hey, du brauchst doch nicht gleich zu weinen!“
Ich nahm sie in die Arme und sie schluchzte.
„Das ist das schönste Geschenk, das ich je bekommen habe. Wie viel Arbeit du dir gemacht hast! Es muss ewig gedauert haben, all die Fotos…“
Sie wischte sich mit dem Handrücken eine Träne ab. Ich hatte nicht mit einer solch heftigen Reaktion gerechnet. Glückseligkeit breitete sich in mir aus… Ich hatte ihr eine Freude gemacht!
Wir legten uns bäuchlings auf den Teppich und blätterten gemeinsam das Album durch. Es enthielt auch noch Konzertkarten, Kassenzettel und kleine Briefchen, die wir uns in der Schule geschrieben hatten. Einige der Bilder waren Mia völlig unbekannt und sie musste immer wieder laut lachen, als sie die verrückten Sachen sah, die wir schon erlebt hatten. Es gab viel zu sehen. Nebenbei hörten wir die CDs, es fiel ihr teilweise schwer die Interpreten und Titel zu erraten, doch wir waren erstaunt wie viele Erinnerungen wieder hochkamen, als die dazugehörige Hintergrundmusik lief. So merkten wir gar nicht, wie die Zeit verging. Auf einmal klopfte es an der Tür und meine Mutter schaute verwundert herein:
„Wollt ihr nicht runterkommen? Es ist schon nach 15 Uhr, ihr habt euch doch sonst schon immer heimlich im Flur versteckt und wart vor Aufregung ganz hibbelig…“
Wir tauschten einen Blick.
„Wir gucken später weiter.“ sagte Mia zu mir gewandt.
Ein seltsamer Ausdruck lag auf ihrem Gesicht, es war fast so, als wolle sie mir irgendwas sagen, ich wollte sie später fragen. Wir standen auf und folgten meiner Mutter nach unten in das riesige Wohnzimmer. In der Mitte stand ein noch riesigerer Weihnachtsbaum, dezent geschmückt aber mit umso mehr Lichtern. Alles glänzte im Kerzenlicht und die vielen Geschenke unter dem Baum waren so liebevoll drapiert, dass es fast schade war, sie zu öffnen. Draußen wurde es bereits dunkel, immer noch tanzten die Schneeflocken vor dem Fenster. Ich fragte Mia, was sie mir mit dem seltsamen Blick von vorhin hatte sagen wollen und sie lächelte und antwortete:
„Ich wollte dir irgendwie zeigen, dass ich die gemeinsame Zeit mit dir total genossen habe und deshalb sogar die Bescherung hinausgezögert hätte.“
Ich lächelte zurück, genau das hatte ich auch gefühlt.
Dann durfte einer nach dem anderen seine Geschenke öffnen. Jeder hatte für jeden der Anwesenden etwas besorgt. Mia und ich bekamen beide ein Snowboard von unseren Eltern. Die Vorfreude auf den bevorstehenden Urlaub wuchs immer mehr an, aber das Snowboard war nicht der Hauptgrund...
4. Erstens kommt alles anders... und zweitens als man denkt
Und dann ging es los. Wir und unsere Freunde Janosch, Marius und Alexander, und noch Nike, Linda, Tim plus ein neuer namens Nicholas packten unsere Sachen. Nicholas war erst vor wenigen Wochen in das Haus neben uns gezogen, er hatte sich sofort mit der Band angefreundet und kam auch mit in den Urlaub.
Es ging an einem Freitag los. Noch drei Tage bis Silvester. Ich konnte meine zärtlichen Blicke kaum noch von Mia abwenden, bald würde ich ihr gestehen müssen, was ich wirklich für sie empfand...
Ich hatte Mia von zu Hause abgeholt, Treffpunkt war bei unserem Haus, aber ich hatte schon geahnt, dass ich ihr mit dem Gepäck würde helfen müssen. Und dankbar lächelte sie mir entgegen angesichts ihres riesigen Koffers. Als wir die Straße herunterliefen sahen wir von weitem schon Janosch, Alex, Marius und Nike warten. Sie hatten ihr Gepäck auf einen Haufen geworfen und winkten wild. Nach und nach kamen dann noch die anderen an. Mit dem Bus fuhren wir zum Bahnhof und von da aus mit dem Zug sechs Stunden in Richtung Süden mit den Alpen als Ziel.
~*° Mia °*~
Ich freute mich total auf den Urlaub. Action von morgens bis abends, nur mit meinen Freunden und besonders mit Vincent! Meinem besten Freund. Ich genoss es so sehr, von ihm mit soviel Aufmerksamkeit bedacht zu werden. Die Jungs nahmen mich überall mit hin, ich war oft das einzige Mädchen, aber das machte mir nichts aus. Vincent sorgte dafür, dass es mir gut ging. Ich vertraute ihm in allen Dingen, er war meine beste Freundin! Ich konnte mit ihm über alles reden und es gab keine, die ich ihm vorgezogen hätte.
Die Fahrt war lange, aber es war nicht ungemütlich, wir hatten ein Abteil für uns allein und jede Menge zu lachen. Neben mir saß Vincent und mir gegenüber der neue in unserem Freundeskreis, Nicholas. Der Typ gefiel mir total... er hatte dunkles Haar, das ihm ins Gesicht hing, lange schwarze Wimpern umrandeten die dunklen, fast schwarzen Augen. Seine Statur war der von Vincent ähnlich, groß und athletisch gebaut. Er schien sehr nett zu sein, oft hatten wir uns noch nicht gesehen, aber jetzt würde ich ja Gelegenheit haben, ihn kennen zu lernen. Ich spürte schon ein kleines Kribbeln in der Magengegend, wenn sich unsere Blicke trafen, und ab und zu trafen sie sich. Dann lächelte er immer oder zwinkerte mir zu. Er war erst vor kurzem in die Stadt gezogen und hatte früher in München gewohnt. Was für eine Umstellung das wohl sein musste?! Von München in die Kleinstadt zu ziehen… seine Eltern arbeiteten beide für die Bundeswehr, die einen großen Stützpunkt außerhalb der Stadt hatte. Er konnte gut erzählen, ich hätte ihm stundenlang zuhören können. Er erschien mir sehr wortgewandt und der leicht ironische Unterton in seinen Worten war äußerst amüsant.
Ich war noch nie verliebt gewesen, deshalb konnte ich mir auch nicht so genau vorstellen, wie sich das anfühlte, aber ich war mir ziemlich sicher, dass es jetzt passieren könnte. Ich musste grinsen, gestern erst hatte ich meiner besten Freundin Nina versprochen, mich in niemanden zu verlieben, den sie nicht vorher in Augenschein genommen hatte. Leider konnte sie nicht mitkommen, ihre Eltern verbrachen Silvester mit der Familie auf einer Insel an der Ostsee. Nina würde wahnsinnig eifersüchtig werden, wenn ich ihr sagte, dass ich dabei war mich in Nicholas zu verlieben, sie fand ihn nämlich auch sehr interessant. Ich würde sie heute noch anrufen.
Am Ziel wurden wir von einem Busshuttle abgeholt, wir wurden noch etwa eine halbe Stunde durch die Berge kutschiert, es ging immer höher und wir fuhren eine Serpentine nach der anderen entlang. Auf einmal öffnete sich der dichte Wald zu einer großen Lichtung. In der Mitte war ein Weg vom Schnee befreit worden der direkt zu der doppelten Eingangstür des Hotels führte, der Fahrer hielt unmittelbar davor an. Wir schnappten uns das Gepäck und schleppten es in das Foyer des Hotels. Überall standen schon Snowboards und Skier herum, es roch nach Pommes und an der Rezeption stand eine kräftige, blonde Frau mittleren Alters, sie winkte herzlich. Jeder schrieb sich ein und hinterlegte die notwendigen Unterlagen. Es dauerte fast eine halbe Stunde, bis alle Formalitäten erledigt waren. Dann wurden wir auf unsere Zimmer geführt. Nike, Linda und ich bezogen ein Dreibettzimmer, die Jungs wurden ebenfalls in Dreier-Zimmern neben uns untergebracht. Es waren einfache Hostel-Zimmer ohne viel Schnickschnack, aber ordentlich und sauber.
Wenig später fanden wir uns alle im großen Speisesaal des Hotels ein, es gab verschieden große Tische und wir fanden noch einen freien Tisch, der groß genug für uns war.
„Ich habe einen solchen Hunger!“
Vincent hatte sich seinen Teller bereits mit einem Berg von Essen vollgeladen.
„Ich freue mich so auf Morgen, endlich auf die Piste!“ sagte er.
„Ich auch!“ Ich rutschte ungeduldig auf meinem Stuhl hin und her, „Dann können wir endlich unsere Boards ausprobieren!“
Ich schielte zu Nicholas, der sah mir direkt ins Gesicht und antwortete:
„Du bist also eine von den Boardern? Ich hoffe du sitzt nicht in jeder Kurve rum.“
Empört funkelte ich ihn an, ich war auf keinen Fall eine von den „Sitzern“!
„Ich wette mit dir, dass ich besser fahre, als man mir ansieht.“ Ich hoffte meine Stimme klang so frech wie ich beabsichtigt hatte.
„Da bin ich ja mal auf Morgen gespannt.“
Er grinste breit, mir wurde heiß und ich wurde rot.
Janosch hatte in einem Prospekt geblättert und knallte auf einmal mit der Faust auf den Tisch, ich erschrak total und schaute ihn wütend an.
„Hört euch das mal an, die veranstalten hier coole Sachen! Übermorgen zum Beispiel gibt es irgendeine Rafting-Tour auf einem Gebirgsfluss, da müssen wir mitmachen. Man muss sich heute noch anmelden, in Teams zu mindestens 5 Mann, seid ihr dabei?“
„Das klingt ja super! Ich bin dabei“
Vincent griff sich das Prospekt.
„Ich will auch mitmachen!“ juchzte Nike begeistert, „Aber was ist Rafting?“
„Wildwassertour mit dem Schlauchboot.“ erklärte Janosch.
Ich hatte auch Lust, so was aber auch noch nie gemacht. Irgendwie ahnte ich, dass es bestimmt nicht so gut für mich laufen würde und ich wollte mich gerade jetzt nicht vor Nicholas blamieren... also... mitmachen? Aber meine Abenteuerlust siegte.
„Ich will auch mitmachen!“ ließ ich verlauten.
„Soll ich uns alle mal schnell anmelden gehen? Bevor es zu spät ist?“
Man sah Janosch die Vorfreude an.
„Ich gehe mit dir.“
Tim stand auf, alle anderen bejahten begeistert. Ich schloss die Augen und genoss den Moment. Ich war hier mit meinen Freunden im Urlaub, wir würden endlich mal wieder Schnee unter die Bretter bekommen und jetzt schaute mich auch noch dieser süße dunkelhaarige Junge an. Ich öffnete meine Augen wieder und blickte geradewegs in Nicholas` Schokoladenfarbene. Er lächelte mich wieder an und ich merkte, wie die Röte in mein Gesicht zurückkam, und reflexartig lächelte ich zurück.
„Bist du müde?“ fragte er mich.
„Eigentlich gar nicht. Ich bin nur so glücklich hier zu sein. Ich freue mich wie wahnsinnig auf morgen.“
Ich war vor allem glücklich, dass er mich ab und zu ansprach! Konnte das schon ein gutes Zeichen sein?
„Ich auch. Das mit dem Rafting wird spitze.“
„Oh ja!“, Vince wandte sich uns zu, „So was wollte ich schon immer mal machen, auf einem richtigen Fluss und nicht solche Bächlein wie bei uns zu Hause.“
Und dann drehte sich das Gespräch um Bootszubehör und die verschiedenen Strategien bei dieser Art von Sport. Nike, Linda und ich warfen uns einen gelangweilten Blick zu und standen auf, um uns am Büffet etwas zu essen zu holen.
Später saßen wir alle dick angezogen und verpackt in Mützen und Schals auf dem Balkon an unserem Zimmer. Das Hotel bot noch weitere Aktivitäten an, wir beschlossen noch unbedingt bei einem Snowboard-Contest mit zu machen, solange das Wetter so schön sonnig blieb. Ich seufzte leise. Es war so gemütlich!
~*° Vincent °*~
Ich merkte auf und schaute Mia an:
„Was denkst du?“
Ich dachte an sie und an das, was in drei Tagen passieren würde.
„Es ist nichts, ich bin nur... ich genieße.“ antwortete sie mir gleich.
„Ich verstehe. Es ist wirklich cool hier! Wir haben uns lange darauf gefreut.“
Forschend schaute ich in ihre schönen Augen. Ich hatte das unbestimmte Gefühl, dass noch etwas anderes ihren Zustand beeinflusste, aber ich konnte es mir nicht erklären, woher das Gefühl kam. Ich wandte mich Nicholas zu, er war ein guter Freund geworden. Aber ich wurde das Gefühl nicht los, dass er ein Auge auf Mia geworfen hatte... Meine Mia! Ich wollte mir das nicht wirklich vorstellen... Aber ich hatte ihm schließlich auch nicht erzählt, dass ich so verliebt in sie war. Und ich besaß sie nicht, sie konnte nett sein zu wem sie wollte. Es machte mich traurig. Nicholas würde doch nicht... aber ich konnte den Gedanken nicht weiter denken, denn ich spürte sogleich, wie sich meine Traurigkeit in Mordlust umwandelte.
~*° Mia °*~
Ich lag später oben im Doppelstockbett. Unter mir lag Linda und in dem anderen Bett an der Wand Nike. Ich fragte sie:
„Und wie findet ihr die Typen hier so? Gefällt euch einer?“
Es war ein lahmer Versuch das Thema auf Nicholas zu bringen. Ich rechnete damit, danach ebenfalls gefragt zu werden.
Linda drückte mit ihren Füßen meine Matratze hoch und ich warf ein Kissen nach unten.
„Geht so. Hab mich noch nicht so richtig umgeguckt.“
„Ich auch nicht.“ bemerkte Nike. „Obwohl, da war einer in der Lobby, der sah süß aus!“
„Aber am hübschesten finde ich nach wie vor deinen Vincent!“ lachte Linda.
„Es ist nicht meiner!“ lachte ich zurück, „Aber ich muss zugeben, der gutaussehenste ist es...“
Ihre Reaktion war nicht wie beabsichtigt. Verdammt, musste ich also doch von selbst darauf zu sprechen kommen:
„... aber mir gefällt ja auch noch ein Anderer...“ gestand ich.
„Sooo? Wer?“
Linda klang sehr interessiert.
„Sag schon!“ forderte auch Nike mich auf.
Ich wagte es, mich zu offenbaren:
„Nicholas, Vince‘ neuer Kumpel... den find ich irgendwie sehr interessant...“
„Ach was!? Hast du dich in ihn verliebt? Das ist ja auch was ganz Neues bei dir, oder?”
Linda war aufgestanden und kletterte die Leiter nach oben zu mir.
„Wieso? Und verliebt kann man auch noch nicht so richtig sagen, ich sagte, ich finde ihn interessant!“ Ich streckte das Kinn nach vorn und setzte meinen trotzigen Blick auf. Zu Nike gewandt sagte ich:
„Was denkst du?“
„Na ja, ich an deiner Stelle würde mir ja Vincent schnappen...“
Nike zog die Augenbrauen hoch und die Beine an. Es war absolut nicht das, was ich hören wollte. Ich wollte ein bisschen plaudern, Bemerkungen analysieren und hören, dass sie schon bemerkt hatten, wie er mich anschaute... aber nein, sie mussten von Vincent anfangen. Was das für eine Katastrophe wäre, wenn ich mich in ihn verlieben würde, dann wäre es wahrscheinlich aus mit unserer besonderen Freundschaft! Ich hätte viel zu viel Angst ihm etwas Derartiges zu beichten und war heilfroh, dass ich meine Gefühle diesbezüglich halbwegs unter Kontrolle hatte. Ein Blick aus seinen tiefen blauen Augen verursachte schon mal eine leichte Desorientiertheit bei mir und die Art und Weise, wie er unter seinen Haaren hervor blinzelte und grinste konnte schon für ein komisches Gefühl in der Magengegend sorgen, dass konnte ich nicht leugnen. Aber um Himmels willen, ich wollte nicht alles aufs Spiel setzen, nicht ein einziges Mal hatte ich mir gestattet dem tiefere Bedeutungen beizumessen, ich brauchte seine Nähe und seine Freundschaft. Also bitte warum fingen die beiden jetzt DAVON an?!
„Bist du wahnsinnig? Wenn ich mich in ihn verlieben würde... oh man... das würde doch nicht gehen! Er ist mein bester Freund! Ich kenne ihn schon immer! Das würde bestimmt alles kaputt machen. Ich finde ja auch, dass er verdammt gut aussieht. Aber das geht nicht. Es ist nicht das, was ich will.“
Ich versuchte verzweifelt die richtigen Worte zu finden. Irgendwie fiel es mir schwer, das alles zu erklären. Früher hatten wir uns nicht immer rechtfertigen müssen, weil wir so viel Zeit miteinander verbrachten, heute witterte jeder immer gleich mehr hinter der Fassade.
„Na, dann sieh mal zu, dass du Nicholas rumkriegst, was?“
Linda schlug mir aufmunternd auf die Schulter und kicherte.
„Auuu!“ Ich schlug zurück. „Ich hab nicht vor, mich an ihn ranzuschmeißen. Aber wenn er anfängt, dann mach ich vielleicht mit.“
„Ich glaube er hat schon angefangen.“ Linda schaute mich wissend an.
„Wieso?“
Endlich nahm das Gespräch die Richtung ein, die ich beabsichtigt hatte. Nike und Linda versicherten mir, dass er mich den ganzen Abend über angestarrt hätte und ich konnte mir ein glückliches Lächeln nicht verkneifen. Mir wurde direkt warm ums Herz! Irgendwann legte sich dann doch bleierne Müdigkeit über uns. Nike gähnte bereits zum wiederholten Male und Linda krabbelte wieder nach unten in ihr eigenes Bett. Ich beschwor mir in Gedanken Nicholas` Gesicht herauf und schlief mit einem Lächeln auf dem Gesicht ein.
Ich verabschiede mich erst mal in den Urlaub! (Prüfungen alle geschafft yeeeeh) Also bis bald, ihr Lieben! :-*
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Kommentare
Sinette | 12.02.2012 16:08:04 |
Oh neiiiiin! Sie sucht sich einen anderennn! :-( Dann einen schönen Urlaub! Bis ganz bald hoffentlich | |
tammi | 12.02.2012 17:15:54 |
Jaaa endlich gehts weiter!! Oh man, das läuft alles mehr als kontraproduktiv für Vince, hm? Das Weihnachten von den beiden fand ich total süß! Ich bin so voller Angst, denn es ist ja wohl klar, dass die beiden zusammen kommen müssen!! | |
cinammongirl | 12.02.2012 21:18:14 |
Leider hatte ich keine Chance, die ursprüngliche Geschichte zu lesen & jetzt ist sie ja gelöscht... aber zumindest die Version hier finde ich natürlich wie alle anderen auch super guut!:) Nur Nicholas finde ich MEGA abstoßend -.- aber für den Verlauf muss er wohl sein. Aber Vince ist rundum klasse:) Naja, einen schönen Urlaub erstmal! | |
sanne | 13.02.2012 01:34:08 |
Heeey ich bin empört schnell weiter! | |
alli | 13.02.2012 06:36:40 |
Juhu es geht wieder weiter *_* Kann es sein, dass Vincent ein Traumtyp ist? ;-) Und Mia schnallts voll nich | |
Jenna | 14.02.2012 16:56:02 |
Aaaaaah wiesooo schnallt sie es nicht?? Warum tut er nichts?? | |
:D | 16.02.2012 22:30:03 |
halloooooh? kanns nich langsam mal weiter gehen? :DD | |
Marni | 18.02.2012 10:25:34 |
jaaa genau!! schnell wieder kommen! XDD | |
lira | 24.02.2012 18:35:12 |
Nicholas kotzt einen nur an! :-D | |
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