In meinem Herzen - Teil 19

Autor: Joy
veröffentlicht am: 23.02.2012


In etwa fünf Minuten werden wir zuhause sein. Dann wird nichts mehr so sein wie vorher. Ich meine, dass es war es die letzten Tage auch nicht, aber jetzt wird es nochmal anderes sein.
Die ganze restliche Fahrt, sagte Oliver nichts weiter als ein paar Worte. Und es machte mich verrückt. Und wie!
„So, nun sind wir da, “ sagte ich.
Oliver nickte.
Ich parkte noch schnell das Auto und machte es dann aus. Ich stieg aus und nahm mir meinen Koffer, dann Olivers.
„Komm, ich mach das, “ sagte Oliver und nahm mir auch meinen Koffer ab. Er stelle sie vor die Haustür, welche ich anschließend aufschloss. Es roch hier ziemlich stickig. Das erste was ich machte, nach dem ich meinen Koffer ins Schlafzimmer stellte, war alle Fenster auf zu machen.
Auf dem Boden neben der Haustür war ein Haufen von Post. Ich nahm sie in die Hand und legte sie alle auf den Tisch. Zum Teil waren dort Rechnungen mit bei, doch zum größten Teil waren sie von meinen und Olivers Eltern.
Sofort schnappte ich mir Oliver und zog ihn mit aus der Haustür.
„Was ist denn jetzt los?“
„Wir werden jetzt zu deinen und zu meinen Eltern fahren.“
„Jenncy, “ stöhnte er herum. „Wir sind gerade herein gekommen.“
„Wir waren sehr lange Weg, weißt du was für Sorgen sie sich gemacht haben müssen!“
Anscheinend sah es Oliver ein, denn er sagte nichts mehr.
Schnell lies ich das Auto anspringen und fuhr sofort wieder los. Gerade dachte ich, ich sei sehr locker, doch im Gegenteil, ich hatte Angst. Denn wie werden sie wohl reagieren wenn wir auf einmal vor der Tür stehen würden? Was werden sie sagen, wenn sie erfahren, dass Oliver sehr krank ist? Nein, ich war alles andere, aber nicht locker.
Zu erst fuhren wir zu Olivers Eltern, die nur zehn Minuten von uns weg wohnten.
Ich parkte direkt vor der Haustür. Ich stieg als erstes aus dem Auto aus, bei Oliver dauerte es noch etwas. Dann schaffte er aber auch dies. Er ging hinter mir hier. Ohne zu zögern klingelte ich an der Haustür, denn das würde es noch schwerer machen. Ich hörte wie jemand zur Tür kam und den Schlüssel bewegte. Mein Herz fing wie wild an zu klopfen. Dann öffnete sich die Tür.
„Oh mein Gott!“ Tränen liefen Olivers Mutter die Wange herunter. Von dem lauten Schreien kam auch schnell sein Vater, der genauso geschockt war. Zuerst nahm sie Oliver für sehr lange Zeit in den Arm, dann mich.
„Wir haben uns solche Sorgen gemacht Kinder! Lieber Gott wo wart ihr denn nur?!“
„Können wir erst einmal herein kommen, Mama?“
„Aber Sicher, kommt kommt!“
Den beiden ging das Lächeln aus dem Gesicht nicht verloren. Sie konnten einfach nicht aufhören zu grinsen. Wir setzten uns auf das Sofa und ich hatte tierische Angst und zugleich Schuldgefühle. Denn wenn wir es ihnen schon gesagt hätten, wüssten sie es schon und bräuchten diesen Riesen Schreck nicht jetzt mitgeteilt zu bekommen.
„Mensch, jetzt erzählt doch, wo wart ihr?“
„Wir sind verreist.“
„Vereist?“ fragte der Vater sehr unglaubwürdig.
„Wir müssen euch etwas sagen.“ Seine Eltern sahen schon in unseren Gesichtern, dass es nichts gutes war. Oliver und ich schauten uns an, doch Oliver senkte seinen Blick umgehend wieder. Also fing ich an. Doch ich wollte gar nicht lange um den heißen Brei herum reden.
Ich atmete einmal tief ein und begann dann: „Wir sind verreist, weil wir für uns sein wollten. Oliver wollte nicht in ein Krankenhaus, noch nicht.“ Schon jetzt verzogen sich die Gesichter der beiden, vor allem sahen sie sehr verwirrt aus.
„Oliver ist schwer krank... Er hat ein Tumor im Kopf. Er wird es nicht überleben.“
Magda, seine Mutter, viel seinem Vater in die Arme und brach in Tränen aus. Der Vater starrte einfach nur die Wand an und konnte es vermutlich nicht glauben.

Nach ungefähr zwei Stunden haben sie seine Eltern wieder etwas beruhigt. Wir haben ihnen jede kleinste Einzelheit erzählt, auch, dass wir morgen ins Krankenhaus fahren werden. Sie konnten es einfach nicht fassen und wollten es auch gar nicht wahr haben. Jetzt ging es mir noch schlechter, denn nun gibt es noch mehr Menschen, die mit leiden.
Irgendwann verabschiedeten wir uns dann auch, denn wir wollten noch zu meinen Eltern fahren und auch ihnen alles erzählen. Ich hatte gar nicht die Kraft dazu, genau dasselbe jetzt nochmal zu wiederholen.
Wieder hielt Madga Oliver sehr lange im Arm.
„Oliver wenn du möchtest kannst du auch hier bleiben, ich werde dann alleine zu meinen Eltern fahren und dich danach dann wieder abholen.“
Erst überlegte er, doch als er sah wie seine Mutter weinte, konnte er einfach nicht von hier weg. Also blieb er hier.
Super, alles nochmal erzählen und dann noch alleine.
Schon die Fahrt bis hin zu meinen Eltern war zu Stressig. Denn ich machte so einen Stress. Die Fahrt dauerte in etwa zwanzig Minuten und als ich vor der dem Haus war, schluchzte ich deutlich zu hören. Langsam stieg ich aus dem Auto und meine Beine zitterten. Es waren doch nur meine Eltern?! Ich brauchte doch keine Angst zu haben?! Aber eigentlich war es auch weniger Angst, mehr Stress. Stress für mich selbst. Ich weiß auch nicht wieso. Es war einfach so.
Langsam drückte ich die Klingel, bis es läutete. Ich verschränkte meine Arme und wartete. Doch es schien niemand da zu sein. Noch einmal. Dann hörte ich jemanden kommen, und ich hätte mir gewünscht, nach dem ersten Mal klingeln weg zu gehen.
Mein Vater öffnete die Tür und sämtliche Gesichtsausdrücke erschienen nun in seinem Gesicht.
„Jenncy?“
„Ja..“
„Jenncy!“ Bei diesem Namen hörte ich wie meine Mutter auch sofort angerannt kam.
Beide nahmen mich zärtlich in den Arm und die Augen meiner Mutter füllten sich schon jetzt mit Tränen. Sie war eine sehr zerbrechliche Frau. Was es noch schwerer machen wird.
Sprachlos gingen wir ins Haus und setzten uns.
„Ich muss mit euch reden.“
„Allerdings. Wo wart ihr? Was war los? Seit ihr sauer?“ fragte meine Mutter ängstlich.
„Nein! Um Gotteswillen, wir sind nicht sauer!
„Was dann, Jenncy?“
Nun fing ich die ganze Geschichte noch einmal von vorne an. Und meine Eltern reagierten genauso wie Olivers. Beide weinten.
Doch ich war leer.





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Kommentare

mia

23.02.2012 12:47:54

Boah so scheiße Traurig ;(


Loveforever

23.02.2012 14:18:26

Traurig :'( :'( :'( :'(




Daiya

23.02.2012 19:45:24

Oh meine Güte, die Armen ='( Du schreibst sowas von realistisch! Weiter =)


S. Rose

24.02.2012 21:21:36

Soooooo unglaublich wunderschön


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