Liebeskummer ist Luxus
Autor: Parisienne
veröffentlicht am: 20.02.2010
Dann kam dieser lang erwartete Abend unseres ersten Auftrittes. Es war ein Freitag in den Winterferien. Mia und ich hatten die letzte Woche wieder fast ununterbrochen gemeinsam verbracht, Nicholas war im Urlaub mit seiner Familie. Die Tatsache, dass ich heute Abend das erste Mal auf der Bühne stehen müsste und dem hoffentlich vorhandenen Publikum etwas vorsingen sollte, lenkte mich ganz gut ab. Ich war echt ziemlich nervös. Mia lachte mich aus, sie war, anders als ich, vollkommen davon überzeugt, dass es gut werden würde. Den Vormittag hatten wir in meinem Zimmer verbracht und am Nachmittag trafen wir uns mit Alex, Marius, Janosch und Arne im Probenraum. Die beiden sollten sich um die Technik kümmern. Wir brauchten gar nicht viel zu üben, es klang wirklich gut. Ich wurde etwas ruhiger. Und als wir dann im SUNSET ankamen warteten dort schon eine Menge Menschen, alle unsere Freunde waren gekommen, unsere Klasse, sogar Lana war da, Marius` Schwestern Maya und Maria und natürlich Nicholas und Marie. Ich fühlte mich auf einmal ziemlich gut, wirklich, ich konnte es kaum noch erwarten richtig los zu legen.
~*° Mia °*~
Vincent war auf einmal verdammt gut drauf, ich war so gespannt, wie unser erster Auftritt werden würde, und als ich sah, wie er Backstage immer munterer wurde, wusste ich, es würde super werden.
Und das wurde es auch. Ich hatte ein rotes Kleid angezogen und fühlte mich pudelwohl, Vince sah aus wie ein richtiger Rock´n´Roll-Star, er trug wie so oft sein schwarz-weißes Cap, ein weißes T-Shirt und eine schwarze Jeans und in der ersten Reihe vor uns standen nur Mädchen, die ihn ankreischten. Ich war wirklich überrascht, wie viele Leute gekommen waren, ich kannte sie gar nicht alle, aber sie gingen voll ab!
Wir spielten ungefähr eine Stunde, mehr Songs hatten wir nicht. Dann zogen wir alle mit einigen Freunden total euphorisch ab in den Bandkeller. Louis, der Chef des SUNSET hatte uns 300 Euro gegeben, wir waren total aus dem Häuschen. Er sagte auch, dass wir gern mal wieder spielen könnten. Ich konnte es nicht fassen, meine Band war richtig gut!Wir tranken alle ziemlich viel Bier, Janosch hatte noch eine Flasche Whiskey mitgebracht und ich merkte schon, dass es ein bisschen viel war, aber wir waren so ausgelassen und feierten unseren ersten super Auftritt. An diesem Abend brachte Arne das erste Mal seine Bon mit. Es war für fast alle von uns das erste mal, dass wir damit rauchten, aber es sollte nicht das letzte Mal gewesen sein.
Mit der Band ging es weiter aufwärts. Zu den Freunden kamen immer mehr Freundes-Freunde und deren Bekannte zu den Konzerten. Vincents Ansehen wuchs. Er hatte ein unglaubliches Gefühl für Style und mit jedem Tag schien er ein besserer Sänger zu werden. Er gewann Tag für Tag an mehr Beliebtheit. Bald spielten wir fast jedes Wochenende irgendwo.
Im Mai passierte dann etwas. Fünf Monate waren Nicholas und ich schon zusammen, ich war immer noch sehr glücklich mit ihm. Wir sahen uns in letzter Zeit nicht mehr so oft, da ich viel mit Dumbmachine unterwegs war und er nicht immer Zeit hatte, doch ich war überzeugt davon, dass wir beide super zusammen passten und noch ewig zusammen bleiben würden. An diesem Freitag im Mai hatten wir ein tolles Konzert vor hundertfünfzig Leuten gespielt, die sogar lauthals die Songs mitgesungen hatten. Es war ein Wahnsinns-Ereignis! Wieder mal feierten wir eine After-Show-Party, die sich gewaschen hatte. Nicholas konnte an diesem Abend nicht dabei sein, aber ich hatte gar keine Zeit ihn zu vermissen. Vincent und ich tranken in letzter Zeit gerne Tequila, und an diesem Abend tranken wir einen nach dem anderen auf uns. Es wurde sehr spät und irgendwann saß ich in Vincents Arm auf einer Couch und ich war schon ziemlich betrunken. Ich erinnere mich eigentlich noch gut daran, allerdings merkte ich sehr wohl, dass alles ein bisschen langsamer ging und ich manchmal ein leichtes Schwindelgefühl hatte. Ich wandte mich Vincent zu und fragte:
'Kann ich heute bei dir schlafen? Ich möchte nicht so weit laufen und bei dir hält der Bus direkt vor der Tür.'
'Klar. Dachte ich sowieso, habe ich meiner Mam schon so gesagt.'
Er schaute mich an mit seinen krassen blauen Augen und ein Schauer lief mir den Rücken runter. Oh man, er war heute so großartig gewesen. Er war echt witzig und die Leute kannten ihn schon überall, er galt als Entertainer. Ich war so stolz, seine beste Freundin zu sein.'Ich bin so stolz auf dich...'
Ich musste es ihm einfach sagen.
'Warum?'
Er schaute mich überrascht an.
'Weil du so super bist. Du könntest wirklich mal echt berühmt werden. Du hast ein absolutes Talent alle Leute auf deine Seite zu ziehen.'
Er lächelte nur leicht und sah mich irgendwie merkwürdig an.
'Was hast du?''Ach nichts.'
'Doch. Sag schon!''Ich dachte nur, dass ich das gerne aus deinem Mund höre, es bedeutet mir viel.'
'Du bedeutest mir auch viel.'
Das meinte ich ernst, er bedeutete mir alles. Dann stutzte ich in Gedanken, bedeutete er mir mehr als Nicholas? Nein. Oder? Schon wieder schaute er mich so seltsam an, ich konnte seinem Blick nicht standhalten. Er sah echt gut aus. Mich wunderte es nicht, dass immer mehr Mädchen zu unseren Konzerten kamen.
'Warum siehst du mich so seltsam an?'
Ich hielt es nicht mehr aus.
'Entschuldige. Ich bin auch stolz auf dich, meine kleine Gitarrenbraut.'
Ich grinste breit.
Das nächste was ich wusste, war, wie ich am nächsten Morgen in Vincents Bett aufgewacht bin. Ich blinzelte und wunderte mich. Ich wusste sofort, wo ich war, doch konnte ich mich nicht daran erinnern, wie ich hierher gekommen war... Vincent lag neben mir und schlief noch. Ich beobachtete ihn eine Weile, er lag auf dem Bauch, sein nackter Rücken guckte unter der Decke hervor. Seine zerzausten blonden Haare standen in alle Richtungen ab. Ich schaute unter die Decke. Ach du scheiße, ich war nackt! Also außer meiner Panty, die total verleiert war, trug ich nichts. Die Schuhe standen neben dem Bett und das rote Kleid lag ein Stückchen weiter vorn auf dem Boden. Der BH hing an der Nachttischlampe. OH MEIN GOTT!! Komisch, ich konnte mich echt an nichts erinnern! Außerdem hatte ich einen furchtbaren Brummschädel und ich fühlte mich schlapp. Wie würden doch nicht… ich wagte nicht, darüber nachzudenken. Nein, nein, nein, das durfte einfach nicht sein. Sowas würden wir doch nie tun, das wäre ja praktisch verboten, wir waren doch wie Geschwister! Außerdem wäre das schon allein deshalb nicht möglich, weil ich ja noch Jungfrau war. Nicholas und ich hatten es noch nicht so weit kommen lassen. Verdammte Scheiße! Ich wagte nicht Vince zu wecken, hübscher, niedlich zerzauster Vince, er sah total süß aus. Ob auch er… ich lupfte vorsichtig die Bettdecke an, um ihn nicht zu wecken, ganz wenig nur, aber genug um zu sehen, dass er eine Boxershort trug. Puh. Aber das bedeutete ja erst mal noch gar nichts. Es musste aber auch nicht gleich bedeuten, dass wir beide… nein, da wüsste ich ja wohl was davon! Ich hatte einen furchtbaren Kater und legte mich zurück in die Kissen. Ich würde Vince nicht wecken, einfach um den Moment der Wahrheit noch so weit wie möglich hinauszuzögern.
~*° Vincent °*~
Als ich erwachte, wusste ich, dass SIE hinter mir lag. Ich wusste auch genau, wie wir nach Hause gekommen waren. Und ich wusste auch, was passiert war. Der Abend war für mich wie ein Traum gewesen. Gestern hatte ich ein Glücksgefühl empfunden, dass ich nie mehr aufgeben wollte. Erst mal machte ich mich aber auf eine Riesenszene und viele Probleme gefasst, die nun die Folge dieses Abends sein würden. Ich drehte mich um und schaute in das verschlafene, wunderhübsche Gesicht von Mia. Ihre Augen waren schwarz gerändert, denn abgeschminkt hatte sie sich natürlich nicht gestern Nacht. Sie lächelte mich an und fragte auch gleich:
'Vince, ich kann mich gar nicht mehr dran erinnern, wie wir hierher gekommen sind?!'Ich war erstaunt. Ich wusste ja, wie gesagt, alles... blitzschnell überlegte ich, wie ich reagieren sollte. Erst mal sollte ich versuchen rauszubekommen, was sie überhaupt noch wusste:'Kannst du dich an gar nichts mehr erinnern?'
'Das letzte, was ich weiß, ist, dass wir auf den Couchen gehangen haben und jede Menge getrunken haben... und… ich habe nichts an…!'
Ihre Augen blickten mich leicht verschämt und gleichzeitig fragend an. Gott, bitte, das darf jetzt einfach nicht wahr sein!! Ich bemerkte wie sie sich die Bettdecke bis unter das Kinn gezogen hatte. Das brachte auch nichts, meine Fantasie war schon längst fleißig am arbeiten, außerdem war es gestern Nacht sowieso nicht das erste Mal gewesen, dass ich sie nackt gesehen hatte. Sie machte mich noch total verrückt! Konnte sie das alles wirklich unbewusst getan haben?! Wir waren uns gestern immer näher gekommen, immer wieder waren sich unsere Blicke begegnet und ich hatte gespürt, dass da irgendwas war. Sie hatte mir gesagt, dass ich ihr viel bedeuten würde, und ich hatte auf einmal überhaupt keine Lust mehr irgendwie auf Abstand zu gehen. Wenn sie schon anfing, was Besseres konnte mir doch nicht passieren! Es war eine absolute Spannung in der Luft gewesen, ich hatte jede verdammte Sekunde genossen, ich merkte wie sie auf meine intensiven Blicke reagierte, sollte ich mich wirklich so geirrt haben? Das war doch nicht möglich. Auf dem Rückweg im Bus hatte sie ihren Kopf auf meine Schulter gelegt, ich dachte schon, sie wäre eingeschlafen, da drehte sie mir ihr Gesicht zu, lächelte traumhaft süß und legte auf einmal ganz zart und langsam ihre Lippen auf meine. Alles um mich herum drehte sich. Ich wusste nicht, wie mir geschah! Ich dachte, ich sacke weg, mir war schwindelig und alles verschwamm, außer ihr Gesicht, sie sah mich zärtlich an. Ich wusste nicht ob ich träumte! Damit hatte ich nicht gerechnet. Klar, ich hatte oft davon geträumt, aber in Wirklichkeit war es noch so viel schöner gewesen. Ich hatte sie mit offenem Mund angestarrt und kein Wort rausgebracht. Aber sie war noch nicht fertig, sie legte eine Hand an meine Wange und küsste mich noch einmal, diesmal mit Nachdruck. Ich musste sie ebenfalls berühren um glauben zu können, was hier passierte. Mia drückte sich an mich, ich hatte Mühe zu kapieren, dass ich nicht wahnsinnig geworden war! Wir sagten nichts, wir waren beide total versunken. Als der Bus sich unserer Haltestelle näherte, hörten wir auf. Sie nahm meine Hand und zog mich hinter sich her. Draußen wollte sie mich wieder küssen, doch die frische Luft, die mir entgegen wehte, holte mich irgendwie aus meiner vorrübergehenden Unzurechnungsfähigkeit heraus und mir fiel ein: Da war doch noch was. So ein dunkelhaariger Kerl, den sie liebte. Angeblich. Ich sagte:
'Bist du dir sicher?'
Ich wollte es eigentlich gar nicht wissen, aber ich wusste, dass ich irgendwann wieder nüchtern und klar sein würde, und dann würde ich es bereuen, nicht gefragt zu haben. Also bangte ich ihrer Antwort entgegen, doch sie sagte nichts. Stattdessen reckte sie sich zu mir nach oben und küsste mich einfach am Hals, als hätte sie genau gewusst, dass sie mir damit jeden vernünftigen Gedanken raubte. Ich vergaß alles, was mich zurückgehalten hatte, was bitte hatte ich für ein Problem? Oh, ich hatte ja keine Ahnung gehabt, wie es war sie zu küssen. Mal davon abgesehen, dass es überhaupt das erste Mal war, dass ich irgendjemanden küsste, aber das war gar nicht so wichtig. Wichtig war, dass sie es war und das sie angefangen hatte. Ich hatte es mir tausendmal vorgestellt, wie es wäre, ihr Freund zu sein, sie küssen zu dürfen. Und nun hatte ich den lästigen Teil einfach verdrängt. Nicholas Name wollte mir nicht mal mehr einfallen. Wir stolperten mühsam zu mir nach Hause, es fiel uns schwer auf die Straße zu achten zwischen den ganzen Küssen. Die Treppen rauf in mein Zimmer war das schwierigste, wie sollte ich mich auch darauf konzentrieren, während sie mich an die Wand presste und ihre Zunge mit meiner Zunge 'Fange' spielte?! Sie hatte nichts gesagt, ich auch nicht. Ich nahm an, dass es zu viel war für den Moment und wir morgen, nüchtern, alles klären würden. Kaum hatte sich die Tür zu meinem Zimmer hinter uns geschlossen zerrte sie schon an meinem T-Shirt herum, und ich war wirklich nicht in der Lage ihr Einhalt zu gebieten, nein, definitiv nicht. Meine männlichen Triebe hatten schon seit der Busfahrt längst die Oberhand gewonnen, mehr noch, sie hatte sie erst aufgeweckt. Und damit hatte sie einen schlafenden Löwen geweckt, das hätte sie mal lieber nicht tun sollen. Was dann geschah war zumindest das Beste, was mir bis dahin in meinem Leben wiederfahren war. Es war das erste Mal Sex für uns beide, und noch dazu unglaublich, nahezu unfassbar, es war wie es sein sollte, wenn man verliebt ist. Ich war mehr als nur verliebt in sie, sie war mein Lebensinhalt. Ich genoss diese Nacht, ich kostete alles aus, was sie mir bot. Ihr nackter Anblick war sowieso schon mehr als umwerfend für mich, aber die Art wie sie mich ansah, während sie kurz eine Pause beim Küssen machte, um meine Jeans auszuziehen, und wie ihre braunen Haare ihr über die Schultern flossen, ließ mich schon glücklich sein.
Ich wusste, dass sie betrunken war, aber nicht, dass sie überhaupt nichts mehr merkte. Ich dachte, dass Mia sich vielleicht doch in mich verliebt haben könnte... ich war wohl ein wenig... naiv gewesen. Ich dachte, es würde mit Sicherheit Ärger geben, dass wir beide so weit gegangen waren, bevor sie mit Nicholas geredet hatte, ich dachte die ganze Zeit ich wäre am Ziel meiner Wünsche! Danach kuschelte sie sich an mich ran und schlief fast augenblicklich ein. Und jetzt der Schock, wie jetzt, sie wusste von nichts??
Mir wurde sofort klar, dass ich ihr nichts sagen würde. Nein, ich würde diesen ganzen wunderschönen Abend für mich behalten. Wenn sie es schon selber nicht mehr wusste, würde ich ihre Beziehung nicht zerstören. Innerlich nahm ich einen großen schweren Gegenstand und donnerte ihn mir gegen den Kopf. Wie konnte ich nur so... dumm gewesen sein!? Natürlich hatte sie mich nicht aus freien Stücken geküsst und weil sie sich danach gesehnt hatte, sie war schlicht und einfach betrunken gewesen. Woher sollte ich denn auch wissen, wie sie dann war, es war wahrscheinlich das erste Mal, dass wir so viel getrunken hatten. Ich würde das niemals wieder tun, nie wieder würde ich mich so gehen lassen. Ich hätte wirklich verdammt gern irgendetwas zerstört. Ich überlegte schon, ob im Garten irgendwo Holz zum hacken herum lag.
'Was war denn?' fragte Mia, sie blickte mich ungeduldig an, 'Jetzt sag schon!'
'Ach, nichts Besonderes.' log ich.
'Aber… warum bin ich halbnackt?'
'Weil du betrunken warst, mein Schatz.'
Ich staunte, dass sie mir diese wahnwitzige Lüge abnahm und gleichzeitig schämte ich mich. Irgendwann musste ich ihr davon erzählen. Aber ich wusste, ich würde unsere Freundschaft gefährden, wenn ihr die Wahrheit sagen würde. Und natürlich ihre Beziehung zu Nicholas zerstören. Und noch dazu war Nicholas ja auch mein Freund. Was passiert war, hätte niemals passieren dürfen, ich an Nicholas Stelle würde mich Krankenhausreif schlagen. Ich schämte mich dafür, dass Mia wegen mir ihren Freund betrogen hatte. Aber es war so was von umwerfend gewesen. Und egal, was in Zukunft noch zwischen uns passieren würde, ich hatte wenigstens diesen Abend, ich konnte davon erst mal zehren, auch wenn alle wilden Hoffnungen und Träume von letzter Nacht auf einmal wie Seifenblasen wieder zerplatzten. Das zärtliche Bild, wie sie in meinen Armen erwachen würde, verblasste langsam. Aber ich hatte auch eindeutig etwas gespürt, etwas wie Zuneigung? Sie hatte mich geküsst, nicht umgekehrt. Und sie hatte weitergemacht. Meine Hoffnung keimte wieder auf, ich konnte es nicht verhindern. Eines Tages würde ich mit ihr zusammen sein.
Ich dachte jetzt wieder viel mehr an sie. Meine Verliebtheit war wieder so intensiv geworden, dass ich den ganzen Tag mit einem Grinsen im Gesicht herumlief. Mein Blick war meistens träumerisch-verklärt und ich war ständig in Gedanken woanders. Alle meine Freunde merkten es spätestens jetzt, irgendetwas war anders mit mir. Alle, außer Mia.
~*° Mia °*~
In der letzten Zeit war irgendwas los mit Vince. Er war irgendwie... abwesend? Er antwortete auf Fragen immer erst verzögert und sah so gedankenverloren aus. Ich fragte ihn ständig, was in ihm vorging, doch nie sagte er etwas, dass ich ihm glaubte. Ich war schon fast verunsichert, wir sagten uns doch alles! Warum redete er jetzt nicht mehr mit mir? Ich hatte furchtbare Angst, dass ich zu wenig Zeit für ihn hatte und ihn vernachlässigte. An einem Abend, wir und ein paar Freunde waren alle wieder im Bandkeller, bekam ich die Antwort. Tim hatte Vince eine Frage gestellt. Zweimal, dreimal... erfolglos. Vince träumte Löcher in die Luft. Erst als alle laut lachten bemerkte Vincent, dass Tim versucht hatte, ihm etwas zu sagen. Janosch erklärte lachend:
'Mach dir nix draus. Vince ist eindeutig verliebt. Den erreicht nichts...'
Vincent funkelte Jan an. Aber er musste lächeln. Ich atmete scharf aus. Das war es also??Tim fragte:
'Wer ist denn die Glückliche, Vincent?'
'Denkt euch nur euren Teil...'
Die Art und Weise, wie Vince versuchte die Tatsachen zu verschleiern, machte es für mich zur Gewissheit. Er war verliebt! Und er wollte nicht, dass ich davon erfuhr, er brauchte meinen Rat nicht und wollte mich nicht dabei haben! Ich war unerklärlicherweise verletzt. Er musste mir ja nicht alles sagen, aber irgendwie hatte ich es gehofft. Aber ich musste ihm zugestehen, dass ich auch nicht sofort mit ihm über Nicholas geredet hatte, das ging alles so schnell, dass ich nicht mal Zeit gehabt hatte, mich selber damit auseinander zu setzen. Ich setzte mich weg, ans Klavier. Ich musste mich wieder einkriegen, bevor er merkte, wie ich drauf war. Also sang ich irgendetwas vor mich hin und klimperte ein bisschen dazu.
~*° Vincent °*~
Ich beobachtete, wie Mia am Klavier saß und mit ihrer süßen Stimme leise etwas sang. Mir wurde warm ums Herz und alles Andere um mich herum verschwand. Es war mir alles egal, egal, dass langsam jeder merkte, dass ich hoffnungslos verliebt war. Und in demselben Augenblick formten sich die Gedanken und Gefühle in meinem Kopf irgendwie zu Worten und die Melodie dazu kam wie von selbst. Sie ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Am selben Abend noch hatte den Song mit dem Titel 'I don`t care as long as you sing' fertig auf dem Papier vor mir liegen. Der Song war so was von anders, als alles, was ich je geschrieben hatte! Die Melodie war so dramatisch und schön... instrumentenmäßig hatte ich mir alles akustisch vorgestellt. Keine lauten, verzerrten Gitarren, sondern zarte Untermalung. Der Text war unglaublich süß, dafür, dass ich so was zum ersten Mal schrieb... und natürlich war alles auf Mia bezogen. Aber es war keine Liebeserklärung, es ging in dem Text darum, dass zwei Menschen eine schöne Zeit haben, ihr Leben leben und alles andere in den Hintergrund tritt, wenn sie zusammen sind. Ich träumte an meinem Schreibtisch vor mich hin, das fertige Notenblatt vor mir. Schon am nächsten Tag spielte ich Alex, Marius und Mia den Song vor, sie waren alle begeistert.
'Das klingt wirklich schön.' sagte Mia.
Ich grinste von einem Ohr zum anderen.
'Ja wirklich, das ist sehr schön.'
Auch Marius war zufrieden.
'Hast du Text dazu?' fragte mich Alex. Jetzt war ich gespannt, ich wusste nicht, ob sie den Text zu schnulzig finden würden.
'Ähem, ja. Aber seid ehrlich.'
Ich reichte ihnen mein Skript.
'Das ist total süß!'
Mia hob ihre grünen Augen und lächelte mich irgendwie... wissend (?) an. Innerlich zerriss sich alles in mir. Was wusste sie?
'Oh.' machte Marius nur.
'Naja, es passt kein anderer Text zu einer solchen Melodie.'
Alex war scheinbar einverstanden.
'Findet ihr es gut so?'
'Ich würde nichts daran verändern.'
Mia lächelte mich immer noch so an. Ich wurde noch wahnsinnig. Es musste bald irgendwas passieren, das wurde mir immer klarer, sonst würde ich irgendwann tot umfallen, gebrochenes Herz, haha.
Es wurde unser absolut bestes Lied. Bei jedem Konzert sangen die Leute den kompletten Text mit. Und ich sang mit voller Inbrunst, nur für Mia.
6. Der schlimmste Juni aller Zeiten
Im Juni geschah dann das Unfassbare.
Es war stockfinster draußen, als mein Telefon mich weckte. Verschlafen ging ich ran.
'Ja?'
'Vincent?'
Ich erkannte die Stimme sofort, es war Malin, Mias Mutter. Obwohl sie nur meinen Namen gesagt hatte, war ich sofort alarmiert und hellwach. Irgendwas war passiert, ich hörte es an ihrem Tonfall. Und da schluchzte es schon am anderen Ende der Leitung, mein Herz setzte ein paar Schläge aus.
'Vincent, wie gut, dass du wach geworden bist, du musst sofort herkommen!'
Sie weinte jetzt, ich verstand sie kaum.
'Was ist passiert?'
Ich brachte die Worte nur schwer heraus, so angespannt war ich. Das Blut pochte in meinen Ohren und ich machte mich auf das Schlimmste gefasst.
'Nicholas hatte einen Autounfall, er ist tot.'
Jetzt war es völlig vorbei mit ihrer Fassung, sie schluchzte laut und schmerzerfüllt und ich erstarrte für einige Sekunden. Ich wollte es nicht glauben, nicht fassen, was sie gesagt hatte. Das erste was ich klar vor meinen Augen sah, war Mia.
'Ich bin sofort da.' sagte ich nur und legte auf.
Innerhalb der nächsten 2 Minuten war ich bei ihrem Haus, ich hatte mir im laufen ein T-Shirt und eine Hose angezogen, hatte meine Eltern schnell geweckt und ihnen Bescheid gesagt, aber nicht abgewartet, was sie sagten. Dann war ich wie ein Wahnsinniger zu ihr gerannt.Das Haus war hellerleuchtet. Malin machte mir die Tür auf bevor ich überhaupt da war. Sie hatte total verweinte Augen und drückte mich zu erst wortlos an sich. Ich erwiderte die Umarmung. Dann schaute ich sie fragend an.
'Er war wohl auf dem Weg nach Hause, irgendwann in den letzten Stunden, er und sein Freund Michael, der fuhr. Jemand kam ihnen entgegen, er wollte wohl ausweichen, aber das Auto hat sie fast frontal erwischt, es muss sehr schnell gewesen sein. Der Fahrer und Nicholas waren sofort tot, Micha lebt, schwer verletzt.'
Ich sah sie entsetzt an.
'Sie braucht dich, Vince.'
Ich nickte nur schwach und rannte die Treppe rauf in ihr Zimmer. Ich klopfte gar nicht erst an, ging direkt rein und versuchte in der Dunkelheit etwas zu erkennen. Es war still. Ich ging auf ihr Bett zu, da erkannte ich sie schon, sie wandte mir ihr Gesicht entgegen. Ich erschrak zu Tode, sie sah schrecklich aus. Als sie mich sah begann sie sofort auf das schlimmste zu weinen, sie streckte mir ihre Arme entgegen und ich nahm sie auf meinen Schoß und drückte sie ganz fest an mich. Wir sagten nichts. Ich weiß nicht wie lange wir so saßen und sie weinte und weinte, aber es wurde immer heller draußen. Ich streichelte ihr sanft über den Kopf und wiegte sie wie ein Baby. Ich konnte nicht fassen, dass sie ein solches Leid erfahren musste. Ich dachte an Nicholas` Familie und wie schrecklich ein solcher Schicksalsschlag für sie war. Ich war völlig stumm, brachte kein einziges Wort über die Lippen, ich fühlte mich wie betäubt, ich nahm nichts um mich herum wahr. Irgendwann kam Malin herein, sie setzte sich neben uns, legte ebenfalls ihre Arme um uns und weinte mit Mia. Es mussten einige Stunden vergangen sein, ehe Mia ihr Gesicht hob und mich mit einem so schmerzverzerrten Gesicht anschaute, dass mein Herz sich in meiner Brust auf der Stelle in einen Eisklotz verwandelte. Sie atmete tief ein und setzte sich zwischen mich und Malin, diese legte ihr einen Arm um die Schulter. Wir sagten immer noch nichts. Ich senkte nur meinen Kopf, ich hatte noch nie ein solches Leid ertragen müssen, ich merkte wie ich zitterte, obwohl mir nicht kalt war, zumindest nicht äußerlich. Meine Schulter war total nass geweint, doch ich kümmerte mich nicht darum. Ich wurde unglaublich wütend, draußen schien die Sonne und ließ alles so freundlich aussehen. Wie konnte es nur sein, dass es ein schöner, normaler Sommertag wurde, wenn ein Mensch auf unerklärlich grausame Weise aus seinem Leben gerissen worden war? Ich war so wütend auf diese grässliche Ironie. Wir schwiegen immer noch, minutenlang. Das Telefon klingelte, Malin stand auf und ging runter, ich lauschte ihrer murmelnden Stimme.Mia begann wieder zu schluchzen, ich zog sie wieder an mich und erneut schüttelte sich ihr kleiner Körper an meiner Brust. Ich fühlte mich wie ein Stein, total bewegungsunfähig. Das Telefon klingelte in einer Tour und ich wurde mir wieder der großen Leere bewusst, die Nicholas in unser aller Leben hinterließ. So sehr ich ihm auch seine Freundin geneidet hatte, ich litt jetzt mit und trauerte um ihn, als wäre er mein Bruder gewesen, ich hätte nicht gedacht, dass der Tod eines Menschen so furchtbar sein könnte, klar war so was immer traurig, aber niemand kann das nachvollziehen, bevor man nicht selber einen Menschen verliert. Um wie viel schlimmer musste es für Mia sein und noch mal um ein vielfaches schlimmer für die Familie, die Eltern?
Es stürzte unsere ganze Familie, den gesamten Freundeskreis, alle die wir kannten in tiefe Trauer. Mia litt furchtbar, sie kannte kein Lächeln mehr. Niemand vermochte sie aus ihrem Zimmer rauszulocken, sie ließ niemanden an sich heran, außer mich. Ich verbrachte Tag und Nacht bei ihr. Irgendwann begann sie endlich zu reden, wir redeten die Nächte durch. Ich konnte nicht glauben, wie wir die furchtbare Beerdigung überstanden hatten. Ein Meer aus schwarzen Menschen durchzog den Friedhof, so viele Menschen hatte der Friedhof noch nie gesehen. Es vergingen 2 Wochen, ehe sie mir wieder in die Schule folgte, ich sorgte dafür, dass sie in Ruhe gelassen wurde. Zum Glück war es nicht mehr lange bis zu den Sommerferien.
Wochen vergingen. Wir kehrten langsam ins Leben zurück, es ging einfach jeden Tag erbarmungslos weiter und es sorgte dafür, dass solche Verluste überwunden werden konnten.Ich war jedes Mal erleichtert, wenn sie lachte. Ich hatte Geburtstag und wir veranstalteten eine große Feier, erleichtert, dass wir endlich einen Anlass zum Feiern hatten. Abends spielten wir wieder ein Dumbmachine-Konzert, das tat uns allen so unglaublich gut. Wir feierten bis früh in den nächsten Morgen.
In der darauffolgenden Woche fuhren wir mit unseren Eltern, Lana und ihrem Freund Andi in den Urlaub nach Schweden. Mia und ich lagen stundenlang in der Sonne herum und lasen, unterhielten uns und ließen die Beine im Wasser baumeln. Langsam verschwanden die Schatten unter ihren Augen, angestrengt beobachtete ich immer noch jede ihrer Gefühlsregungen. Ich liebte sie noch mehr.
~*° Mia °*~
Ich hatte nicht gewusst, wie schlimm es war, einen geliebten Menschen zu verlieren. Anfangs sah ich nichts als Dunkelheit, obwohl die Sonne schien. Ich fühlte nichts als Taubheit, obwohl Vincent mich fest umarmte. Ich hatte weder Hunger noch Durst, obwohl diese Bedürfnisse nicht verschwanden. Ich hatte nicht geglaubt, dass dieses Gefühl irgendwann besser werden könnte. Doch es wurde besser. Ich hatte die bestmöglichen Voraussetzungen dafür, eine Familie die mich liebte und einen besten Freund, der alles andere für mich in den Hintergrund stellte. Ich brauchte die Sommerferien und den Urlaub, um wieder einigermaßen normal zu werden. Und als wir im September wieder in die Schule gingen, konnte ich mich wieder normal verhalten, ich ließ Berührungen von anderen außer Vincent wieder zu, meine Freundinnen durften mich endlich umarmen und mir ihr Mitgefühl aussprechen. Ich konnte es endlich annehmen.
Meine Eltern waren die wundervollsten auf der Welt. Ich weiß, dass sie manchmal große Angst um mich hatten, weil ich nicht angerufen hatte oder nachts unterwegs war. Erst jetzt konnte ich das richtig nachvollziehen. Ich änderte mein Verhalten ihnen gegenüber, ich wusste jetzt, dass der Verlust einen geliebten Menschen oder sogar des eigenen Kindes, kaum zu ertragen war.
Janosch Kirchhoff, Alexander Kempinski und Marius Kastellani waren wahnsinnig gut für mich. Ich brauchte ihre unkomplizierte, witzige Art, ich schloss sie noch mehr in mein Herz und schätzte mich so glücklich, dass ich Menschen wie sie kannte. Mit unserer Musik lernte ich das Lachen wieder.
Linda Lambretta und Nike Neumeister, meine beiden Klassenkameradinnen, waren so gut zu mir, ich fühlte mich bei ihnen gut aufgehoben, weil sie wussten, dass sie mich nicht mehr wie ein rohes Ei behandeln mussten.
Nina Schiller und ihre beiden jüngeren Schwestern Linda und Sophie Mariet kamen mir noch viel näher als zuvor. Sie hatten vor Jahren ihren Bruder verloren und ich war dankbar für jedes Gespräch, dass wir führten und es tat mir sehr gut, mit jemandem zu sprechen, der so einen Verlust selber schon erlebt hatte.
Aber es gab einen Menschen, ohne den ich diesen Verlust wohl nicht überstanden hätte. Ohne ihn wäre ich so verloren gewesen, nicht bereit, weiter machen zu wollen, ich hätte mein Zimmer nicht so schnell wieder verlassen, wenn er nicht gewesen wäre. Vincent war der Mensch in meinem Leben, der es wieder geflickt hatte. Er hatte meine Wunden schneller verheilen lassen, er war so bedingungslos gut zu mir gewesen, so selbstlos hatte er mich getröstet und mir beigestanden, als ich ihn gebraucht hatte. Ich wüsste nicht, ob mir das so gelungen wäre. Ich würde es ihm im Leben niemals vergessen. Ich klammerte mich noch fester an ihn, als vor dem Unfall.
7. Kehrtwendung
Die Wochen vergingen. Mit der Zeit bemerkte ich eine Veränderung Vince gegenüber, irgendwie... wurde es anders. Ich begann ihn mit ganz anderen Augen zu sehen. Wenn er mich anlächelte, dann spürte ich freudige Erregung, wenn er mich besuchen wollte, konnte ich es kaum erwarten ihn zu sehen. Ich merkte, dass ich ein bisschen eifersüchtig wurde, wenn er mit einem anderen Mädchen redete und verstand nicht, warum ich so komisch reagierte. Mir fiel wieder ein, dass Vincent doch eigentlich in irgendjemanden verliebt gewesen war. Es war anscheinend nichts daraus geworden, das war total untergegangen. Ich schämte mich, ich war überhaupt nicht für ihn da gewesen! Ich wollte ihn aber irgendwie auch nicht darauf ansprechen. Warum traute ich mich nicht? Ich war eigentlich schon gespannt, welches Mädchen es nun geschafft hatte, ihn zu gewinnen. Ob es eine war, die ich kannte? Ich hatte aber nicht gemerkt, dass er zu irgendeinem Mädchen mehr als nur so freundlich wie immer gewesen wäre.
Es ging schon wieder auf Weihnachten zu, aus November wurde Dezember. Vincent holte mich immer noch jeden Morgen mit einem Becher Kaffee von zu Hause ab. Ich wachte morgens auf und wusste, bald würde ich ihn wiedersehen, wenn er nicht neben mir lag. Noch öfter als früher schlief ich bei ihm oder er bei mir, ich war nachts immer noch sehr ungern allein.
Mit der Band hatten wir den Herbst über viel gespielt, wir waren sogar in den Ferien einige Tage unterwegs gewesen, das hatte gut getan, es war Ablenkung gewesen, die jeder nötig gehabt hatte. Wir hatten vor, ein Demo aufzunehmen. Gerade sahen wir uns nach Finanzierungs- Möglichkeiten um.
Einmal hatte ich etwas total Seltsames erlebt, ich hatte Vince geküsst! In der stürmischen Freude eines tollen Auftritts hatte ich ihn mir danach einfach geschnappt und ihm einen Kuss aufgedrückt. Unter Freunden vielleicht nicht unbedingt so besonders, auch wenn ich das vorher nie getan hatte, aber ein Stromschlag war durch meinen Körper gezuckt...
unbeschreiblich... Vincents Lippen waren so weich und zart gewesen... er hatte seine Lippen leicht geöffnet und der Kuss war anders geworden, als er werden sollte. Er dauerte eine Millisekunde zu lange, dafür, dass er nur ein Freundeskuss sein sollte. Unwillkürlich hatte ich meine Augen geschlossen und als ich sie wieder geöffnet hatte, blickte ich direkt in Vincents klare, blaue Augen. Sein blondes Haar verdeckte ein Auge ein bisschen, es war zauberhaft gewesen, irgendwie unwirklich. Der Moment war eindeutig. Da war doch etwas in mir, ein Gefühl, dass stärker war als die, die ich immer schon für ihn gehabt hatte... Ich begann zu ahnen, was los war. Wie konnte das sein? Ich liebte Vincent schon immer, aber doch nicht so! Er stand mir näher als alle Anderen, sogar als meine Familie. Aber ich hatte ihn noch nie so geküsst... Und er hatte mich noch nie so angesehen... oder? Ich begann zu grübeln, Tag und Nacht. Klar, unsere Beziehung zueinander war schon immer intensiv und besonders gewesen, er war mir so nah. Ich hatte keinen Plan, seit wann meine Gefühle für Vince schon so anders waren. Ich hatte in der Zei
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