Gefährliche Leidenschaft

Autor: Elvira3
veröffentlicht am: 14.03.2010




Ich schrie ihn an und widerstand nur schwer den Drang ihm ins Gesicht zu spucken. Kristian schaute ihn an und dann mich mit einem besorgten Blick. Er versuchte mich wegzuschieben doch ich bewegte mich keinen Millimeter. Nicholas packte mich an meinem Handgelenk und es gelang mir nicht, ihm diese zu entreißen. Er ging schnellen Schrittes zum Ausgang. Kristian schien hin und hergerissen, aber sein Beschützerdrang schien am stärksten. Er schlug Nicholas ins Gesicht und riss mich aus dem Griff.
'Es freut mich auch, dich wieder zu sehen.' Er nuschelte die Worte, sah aber nicht halb so fröhlich aus. Aber auch nicht schuldbewusst oder sonst in der Richtung, was meine Wut größer werden ließ.
'Na, hast du nach einem neuen Opfer gesucht?'
'Immer noch die spitze Zunge?' entgegnete er.
Ich musterte ihn genauer und erkannte erst beim zweiten Blick das er zitterte. 'Ob er wütend war?' fragte ich mich. 'Warum? Hatte ich etwa ins schwarze getroffen?'
'Du weißt, dass es nicht meine Schuld war.' flüsterte er leise.
'Wem versuchst du das zu beweisen? Mir oder dir?' Ich schickte ihm meine ganze Verachtung entgegen. Ich fragte mich beim besten Willen, warum ich mich mit einem Mörder unterhielt. Vielleicht weil ich ihm gerne mit meinen Worten in den Wahnsinn treiben wollte? Möglich. Aber die Erinnerungen waren viel zu kalt um ihn jetzt dafür ungeschoren entkommen zu lassen. Ich bemerkte erst jetzt, dass er immer noch nicht geantwortet hatte. Und wie es aussah, hatte er das auch nicht vor.
'Rosalia, ich glaube du steigerst dich zu sehr hinein.'
'Wag es ja nicht meinen Name aus zu sprechen.' Das brachte mich zum überlaufen. Ich stürzte mich auf ihn und gab meine letzte Kraft für den schlag ins Gesicht aus. Doch immer noch sah er alles andere als schuldbewusst aus. Ich konnte diese Gleichgültigkeit kaum ertragen.
'Und wenn ich ihn ausspreche, was tust du dann?' fragte er spitz. Die Frage vor der ich mich gefürchtet hatte. Ich schluckte und überlegte fieberhaft. Ein bitteres Lächeln umschmeichelte sein Gesicht.
'Du machst dein Leben schwer, indem du so voller Hass brodelst.' Lächerlich, das ich dies ausgerechnet von ihm hörte. 'Lebe einfach dein Leben. Du bist jung.' Auch dies hatte ich schon einmal gehört. 'Vergiss mich, als hätte ich nie existiert. Ich schulde dir auch keine Rechenschaft. Was früher passiert ist war einmal, nun ist es Vergangenheit. Ich habe versucht es ungeschehen zu machen. Aber es sollte nicht sein.'
Seine kalten Worte trafen mich. Es aus seinem Mund zu hören machte mich stutzig. Wie konnte er das nur so gefühlskalt sagen? Er hatte meiner Mutter ewige Liebe geschworen. Sie war gestorben. Er hatte nichts unternommen, egal was er sagte. Wie konnte er jetzt nur so leicht damit umgehen?
'Verschwinde! Raus, oder du kannst dich auf etwas gefasst machen du Macho- Mörder!'Ich tat nichts. Und doch regte sich etwas in meinem Inneren. Ich spürte geistige Kraft in mir aufwallen. Und bevor ich wusste was geschah, knallte Nicholas gegen die gegenüberliegende Steinwand. Er flog wortwörtlich meterweit gegen die Wand. Er riss überrascht die Augen auf.'Rosalia- nicht! Beruhige dich.' hörte ich Kristian neben mir flüstern. Doch ich kannte nur noch den Hass der mich aufzufressen drohte. Und wieder flog Nicholas gegen eine Wand.'Du darfst das Böse in dir nicht die Macht verleihen! Du kannst die Kraft kontrollieren. Schau mich an Rosalia. Schau mich an verdammt! Gut und nun beruhige dich. Atme ein und aus. Gut so. Nicholas hau ab bevor sie dir ernsthaft schadet. Sie ist gerade in einem nicht labilen Zustand. Du weißt wovon ich spreche. Sie ist die Legende. Also zisch ab, Alter.'Als Nicholas abgehauen war, beruhigten sich meine Sinne. Auch die wohltuende Kraft in mir legte sich. Als ich sie nur noch als Schatten spürte brach ich zusammen.

Ich spazierte am gleichen Abend draußen rum. Ich hatte Kristian gebeten mich alleine gehen zu lassen. Es war spät. Dunkelheit umgab mich. Nachdem ich aufgewacht war, den besorgten Herr Butler um mich, entschied ich mich spontan für einen Spaziergang. Noch immer verspürte ich die Nachwirkungen von meinem sensationellen Talent. Und Fragen bohrten sich in meinen Kopf. Aber die konnten warten. Die Worte von Nicholas schwirrten um mich herum. Ich wusste schon immer, dass er anders war. Schon das sein Körper immer jung blieb, war verstörend. Aber ich hatte mir nie darüber Gedanken gemacht. Warum auch? Er spielte keine Rolle in meinem Leben. Nicht mehr. Aber seine Worte beunruhigten mich. Ich lief durch den Schneematsch. Ich atmete frische Luft ein. Gleichzeitig fühlte ich mich beobachtet. 'Wie kommst du auch darauf, spätnachts im Park rumzulaufen?' fragte ich mich. Kälte schlich meinen Rücken rauf. Ein Rascheln ließ mich zusammenfahren. 'Einbildung' formte mein Gehirn in Worte um. Aber ich wusste, dass ich mir nichts einbildete. Wieder ein Rascheln. Ein Keuchen. 'War das Rascheln aus dem Gebüsch gekommen?' Ich wusste die Antwort nicht. Obwohl alles in mir schrie umzukehren, ging ich mit langsamer Vorsicht auf den Busch zu. Ich vernahm ein wimmern. Ich umfasste meine Hosentasche und war beruhigt das kleine Mobiltelefon unter meinen Fingern zu spüren. Ich war keine Armeslänger mehr von dem Gebüsch entfernt. Ich schielte rüber und schrie entsetzt auf. Ich wich zurück, mit an mein Gesicht gepressten Hände. Alles kam mir auf einmal vertraut vor. Wie vor Jahren. Ich fühlte mich in die Zeit zurück versetzt im Jahre 2000. Wie mein Vater um Hilfe geschrien hatte, als meine Mutter in seinen Armen gestorben war. Das leise wimmern, welches aus ihrem Mund entstiegen war. Ich die weg rennen und Hilfe holen wollte, aber fest gehalten wurde. Ich hatte geschrien und um mich getreten. Aber es war zu spät. Nicht mal mein Vater wurde verschont. Ich fiel in mich zusammen und wartete auf den eisigen Todesschlag, der auch mich erlösen sollte. Aber er kam nicht. Ich hob mein Gesicht, reckte trotzig das Kinn heraus. Es war ein Reflex gewesen. Und dann sah ich in das Gesicht von Nicholas. Er stand weit versteckt in einem Busch. Er schaute mich an und kehrte uns dann den Rücken zu. Anfangs dachte ich, er hätte Hilfe holen wollen. Aber eine andere Erkenntnis traf mich härter. Er hatte uns verraten. Und so saß ich weinend vor meinen zerfetzten Eltern, das Blut floss in Lachen. Alles verschwamm vor meinem Auge und dann war ich wieder in der Gegenwart.







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