Der Traum

Autor: Demre
veröffentlicht am: 22.01.2010




Zuerst zögerte ich, sollte ich wirklich klingeln? Aber ich wollte ihn sehen, und das war ziemlich dumm von mir.
'Ding, ding.'
Ich wartete, und nach ein paar Minuten, wurde die Tür von einem schläfrigen David geöffnet. Er hatte eine bequeme Jogginghose an und darüber ein graues T-Shirt. Er sah angespannt aus und mein Lächeln, geriet ins Wanken.
' Hey.', begrüßte ich ihn.
' Hallo.', murmelte er. Er schaute sich verwirrt um. Hatte er die Verabredung vergessen?'Physik?', fragte ich unsicher. Plötzlich veränderte sich sein Gesichtsausdruck und er strarrte mich mit weit aufgerissen Augen an.
' Oh man, stimmt. Mist! Tut mir leid ich hab voll verpennt. Warte kurz.' Er stürzte ins Haus und ließ mich draußen allein. Nach mehreren Minuten kam er zurück und zog mich gleich am Arm zum Flur. Er hatte sich umgezogen, trug jetzt eine dunkele Jeans und ein Blaues Hemd, das seine Augen toll betonte.
' Das tut mir wirklich leid, ich hab das voll vergessen.' Unschlüssig blieb er vor einer Tür stehen.
' Kein Problem, ich kann auch wann anders kommen.'
' Nein, nein. Komm.' Sanft zog er mich am Arm in das Zimmer, das zwar schlicht eingerichtet war, aber gemütlich aussah. Die Wände hatten eine Creme Farbe und ein Riesen Bett. Neben der Kommode war ein Schreibtisch mit einem PC und wunderschönen roten Rosen.
' David!', erklang eine weiblich, melodische Stimme, und mechanisch zuckte ich zusammen.' Hier!', rief er zurück und gleich darauf, erschien an der Tür ein Blondes Mädchen. Misstrauisch musterte ich sie, und sie mich ebenfalls. Sie war groß, ein paar Zentimeter größer als ich. Ihre Blonden Haare waren elegant hochgesteckt und Strähnen hingen ihr perfekt ins Gesicht. Sie hatte braune Augen, die am Rand ins grüne übergingen. Sie trug eine weiße Bluse und ein schwarzen Minirock. Sie sah aus, als wäre sie einem Modekatalog entsprungen.
' Hey Alyssa.' Sie wandte sich von mir ab und gab David ein Kuss auf die Wange. Oh Gott, war das die Freundin?
Bei dem Gedanken versetzte es mir ein Stich ins Herz, doch eigentlich sollte es mir egal sein. Verdammt, und jetzt stiegen schon Tränen in meine Augen.
' Das ist Josi. Ein Mädchen aus meiner Klasse. Josi, das ist Alyssa.' Die Träne drohte zu fallen, als er sie Vorstellte. Schnell tat ich so, als hätte ich was im Auge.
' Meine Cousine.' Nicht, das ich beinah laut aufgelacht hätte, als so starke Erleichterung mich durchflutete, als ich das hörte. Oh man, nur die Cousine, Cousine, Cousine. Was war ich den auch für ein Idiot? Es sollte mich gar nicht kümmern, und doch hätte ich beinah losgeheult. Ich war doch so erbärmlich.
' Und? Was macht ihr heute so schönes?'
' Hausaufgaben.', murmelte ich, David grinste
' Na dann, viel Spaß. Davi, ich geh dann mal. Ruf mich später an. Wegen Morgen.' Sie gab ihm erneut ein Kuss auf die Wange und ging zu Tür.
' Komm.', sagte David, als die Haustür ins Schloss fiel. Er zog mich sanft am Arm, in seiner anderen Hand hielt er eine Tasche und führte mich zur einer Glastür, die zu einem Traumhaften Garten führte. Überall waren Blumen eingebettet, Rote Rosen ragten an einem kleinen Wasserspeier empor. Eine Hollywood Schaukel schaukelte sanft im Wind hin und her. Es sah aus wie in einem Film. So Traumhaft schön.
David bemerkte meinen unlaugwürdigen Blick und lächelte schief. Meine Knie drohten nach zu geben.
' Komm.' Er zog mich zu der Schaukel, wir setzten uns hin und er begann leicht hin und her zu Schaukeln.
' Woher kommst du eigentlich?', war seine erste Frage, als wir saßen. Ich senkte meinen Blick auf meine Hände, die immer an irgendetwas rumfuchteln mussten.
' Ich hab vorher auch in Santa Monica gelebt, nur war ich auf einer Schule, weiter weg. Ich war nicht so oft draußen, war eher ein Stubenhocker. Meine Mutter wollte das ich die Schule wechsele.'
Er antwortete nicht, sein Blick war ebenfalls auf seine Hände gerichtet.
Nach ein paar Sekunden fragte er eine andere Frage. ' Deine Eltern? Woher kommen die?'Tolles Thema, meine Eltern.
' Meine Mutter hat sich von meinem Vater getrennt, als ich elf Jahre alt war. Dieser ist dann nach Spanien gezogen. Damals war es eine schwere Zeit für mich.', murmelte ich geistesabwesend. ' Ich hab ihn seit drei Jahren nicht gesehen, drei lange Jahre.'Es wunderte mich selbst, wie frei ich das alles erzählte. Bei anderen wäre ich bei diesem Thema pingeliger.
' Also lebst du mit deiner Mutter. Vermisst du ihn sehr?', fragte er und ich hätte beinah über diese absurde Frage gelacht. Ob ich ihn vermisste? Natürlich, wer würde das nicht?'Schon.', murmelte ich. ' Es ist schwer, nicht zu sagen, dass es nicht so wäre. Ich denke mir, wie toll es wäre, wenn er bei mir wäre, zum Beispiel bei Schulaufführungen, wenn der Vater der Tochter Mut macht, oder ihr Fahrrad fahren beibringt, oder sich in den Arm nimmt, wenn du dir weh getan hast.' Ich merkte die Träne nicht mal, die mir still die Wange runterrollte, bis David sich vorbeugte, 'Tut mir leid.', murmelte, und mir die Träne wegküsste. Seine Lippen, die sich auf meine legten und dort zwei Sekunden verweilte, fühlte sich an wie eine sanfte, weiche Feder und doch fuhr mir dieser Kontakt durch Haut und Knochen, sodass ich nicht fähig war, etwas zu tun, erstarre starrte ich ihn an, als er sich wieder entfernte.' Es… tut mir leid.', murmelte er. Sein Wangen waren leicht gerötet und Gott das sah so süß aus.
' Schon Okey.' Ich seufzte tief.
' Wie wär's, lass uns einfach Physik machen.' Seine Stimmte hörte sich rau an, betroffen, von seiner Reaktion eben, nahm er seine Tasche und holte die Aufgaben raus.

Nach ungefähr sehr vielen weiteren Stunden, die ich kaum wahrnahm, waren wir fertig und saßen Schweigend auf der Schaukel. Es wurde bereits dunkel. Dunkele Wolken durchzogen den Himmel, und der Garten war von kleinen Lampen und Kerzen beleuchtet.
Das sah alles so romantisch aus.
' Josi.', ich zuckte zusammen, als er meinen Namen so sanft aussprach, als wäre ich eine erschrockenes Reh, das er trösten wollte. Er schaute mir einfach nur tief in die Augen und ich ertrank in diesem wunderschönen blau. Er hob eine Hand und strich mir eine Strähne aus dem Haar. Augenblicklich erstarrte ich aus meiner Starre und lehnte mich zurück, mir war klar, wie falsch das alles war.
' Ich sollte gehen.', flüstere ich, stand auf und drehte mich weg.
' Soll ich hinter dir hinterherfahren? Es ist dunkel draußen, nicht das du dich verfährst.' Er stand ebenfalls auf.
' Nicht nötig. Ich verfahr mich schon nicht.' Er erwiderte nicht, brachte mich zum Auto und verabschiedete sich.

Auf dem Heinweg konnte ich keinen klaren Gedanken mehr fassen. Ich durfte bei David nichts empfinden, nicht nach gerade Mal ein paar Tagen, seitdem ich ihn kannte. Das war alles so was von verkehrt!!!
Ich musste doch mein Versprechen, niemanden mehr zu lieben einhalten! Ich musste doch aufhören so zu empfinden. Nicht nach dem Tyler mich so verletzt hatte.
Tyler der auf meine alte Schule ging. Tyler, der beliebteste, gut aussehende Schüler der Santa Monica High, deren Freundin ich war. Ich hatte wie andere Mädchen für ihn geschwärmt, war sogar verliebt in ihn und war so glücklich, als er mir sagte, dass er mich liebte. Gott, ich war so naiv und hatte ihm geglaubt. War mir sicher, er würde nie etwas tun, was mir weh tat. Bis er mich betrog. Bis ich ihn erwischte, wie er mit einem Mädchen aus der Nachbar Klasse, knutschte. Hinter der Schule. Wenn das nicht schon genug war, wenn das nicht schon bewies, was für ein Drecksschwein er war, dann die Tatsache, dass das Mädchen halb nackt auf seinen Schoß saß, als ich bei ihm auftauchte, um ihn zu Überraschen. Doch ich würde Überrascht und das gewaltig.
Es kam mir so vor, als würde ich zerbrechen, als würde mein Herz zerreißen. Ich schrie Tage lang durch mein Zimmer, weinte wegen diesen unerträglichen Schmerzen, die einfach nicht normal waren. Ich wollte nicht stark sein. Ich wollte sterben. Doch ich lebte, leblos und deprimiert, tat ich alles Normale. Ging zu Schule, aß ab und zu was, machte Hausaufgaben und ich ging sogar aus, doch abends lag ich nur im Zimmer und schrie.

Ich merkte gar nicht, dass mir Tränen die Wangen runter rangen, bis sie mir die Sicht nahmen. Verschwommen merkte ich, dass mir die Gegend fremd war. Eine Landstraße, umgeben von Bäumen. Ich wischte mir die Tränen weg, merkte jedoch zu spät, wie schnell ich fuhr. Etwas Schwarzes tauchte vor meinen Wagen auf, ich versuchte zu bremsen doch es war zu spät. Einen Riesen Baumstamm stellte sich mir in den Weg und rammte gegen mich. Das letzte was ich wahr nahm, war ein heftiger Schmerz, bevor die Dunkelheit mich Willkommen hieß.







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