Königliche Brautschau

Autor: Feuerklinge
veröffentlicht am: 27.11.2003




Bruder Errin fühlte sich ein wenig unwohl. Nichts bereitete ihm körperlichesUnbehagen, es war sogar eher angenehm hier am Kamin zu sitzen, in dessen Innerem ein gewaltiges Feuer prasselte und diealten Knochen des Mönches wärmte. Auch dieAnwesenheit von Randulf, dem Befehlshaber der Leibwache des Königs versetzteihn nicht in Missmut. Es war eher dieFormlosigkeit und Ungezwungenheit, mit welcher der König sich zu ihnen vorden Kamin gesetzt hatte.

'Ich nehme an, es ist euch bewusst, warum ich euch habe rufen lassen.' DerSatz klang so sehr nach einer Frage, dass derMönch sich zu einer Antwort bemüßigt fühlte.
'Eure Majestät möchten sicher über die Zukunft Eurer jüngsten Tochterberaten?'

Der König lächelte, wobei er die Zahnlücke entblößte, die er seit demletzten Turnier stolz trug.
'Anscheinend hat dasNörgeln der Königin mittlerweile jedes Ohr am Hofe erreicht. Ja, meinejüngste Tochter sollte vermählt werden, und dies rechtbald. Ich bin in einem Alter wo es mich nach Frieden und Stille dürstet, undwenn dieser Wildfang noch weiter hier durch dieGemächer tobt, wird die Burg bald völlig im Chaos versinken.'

Über die Gesichtszüge Randulfs huschte die Andeutung eines Lächelns, wobeier hoffte, der König würde es nicht bemerkten. DieZukunft des Mädchens würde rasch zu klären sein. Sie war gerade achtzehngeworden und ihre Schönheit versetzte das Blut jedesHöflings, egal welchen Alters, solange er sich überhaupt für Fraueninteressierte, in Wallung. Die Prinzessin hatte einigevon ihnen bereits so sehr geneckt und herausgefordert, dass es fastübermenschlicher Anstrengungen bedurfte, Haltung zubewahren.

'Außerdem gibt es ja noch das Problem welches Prinzessin Britta darstellt.'Der Mönch entschied sich, dass es am Besten sei direkt den eigentlichenGrund für das Treffen anzusprechen.Seufzend nickte der König. 'Ja. Unglücklicherweise stellt Britta ein Problemdar. Mit neunzehn muss sie zuerst verheiratetwerden. Ein dummer Brauch, aber ich denke wir müssen uns daran halten.'Kopfschüttelnd fügte er hinzu. 'Bei ihrem Aussehenwerden wir sicher nicht mit vielen Bewerbern rechnen können.'Randulf fühlte sich verpflichtet etwas zu erwidern. 'Prinzessin Britta wirdunzweifelhaft eine sehr große Mitgift benötigen,Majestät.' Wenn er daran dachte, dass der Sold für seine Männer und ihn nursehr unregelmäßig ausbezahlt wurde, war ihm klarin welch argen Nöten die Finanzen des Königreiches sich befanden.'Es ist sehr traurig, dass Prinzessin Britta so wenig mit Schönheit gesegnetist, aber ...'

Der König unterbrach den Satz des Mönches. 'Wenig mit Schönheit gesegnet?Ihr müsst nicht so vorsichtig sein, Errin. Sie isteinfach häßlich. Talor hat recht. Wir können uns die Mitgift nicht leisten,derer es bedürfte, um einen passenden Ehemann zufinden. Das ist der springende Punkt. Wie können wir einen Ehemann fürunseren Wildfang finden, während Britta unverheiratetbleibt ?''Ein Kloster?' schlug der Mönch zögerlich vor.Der König schüttelte den Kopf. 'Ich habe darüber mit Britta gesprochen.Natürlich würde sie meinem Wunsch folge leisten, aberich weiß, dass wäre nichts für sie. Mein Vater hat mich zu genügendunangenehmen Dingen gezwungen, ich habe nicht vor, seineFehler zu wiederholen.' Er schwieg und schüttelte erneut den Kopf. 'Warumlegen Männer nur soviel Wert auf die Erscheinung,auf rosige Wangen und hübsche Lippen? So etwas hat mich nie gekümmert.'Randulf schaute verstohlen zu dem Mönch hinüber, dem es gelang ernst zubleiben. Beide wussten sehr wohl, was für einFrauenheld der König in seinen jungen Jahren gewesen war. Das Aussehen warihm in der Tat damals völlig unwichtig gewesen,es war nur wichtig, dass die Frau willig war.
'Prinzessin Britta hat viele Vorzüge und Fähigkeiten, Majestät,' sagte derMönch. 'Sie hat sich selbst das Lesen beigebracht,sie kann genauso gut auf Latein schreiben, wie irgendein Mönch. Sie hatHymnen komponiert und im Schach ist sie eineernstzunehmende Gegnerin.'

'Das ist überhaupt nichts wert - verglichen mit einem hübschen Gesicht.'bemerkte der König düster.

Der Mönch wußte, was für eine Antwort der König hören wollte, und soentschied er, es wäre an der Zeit, sie zu Gehör zubringen.'Es gibt keine Kirchenregel, die besagt, die älteste Tochter müssezuerst heiraten, also vielleicht ist die Lösungganz einfach. Ihr sucht einen Ehemann für eure jüngere Tochter und kümmerteuch nicht um die Tradition.'Der König nickte. 'Mir tut der arme Ehemann leid. Sie wird größereVerwirrung an seinem Hofe stiften als eine Feuersbrunst.Es sollte sie von einem Trupp Eunuchen umgeben, wie es die arabischenHerrscher tun. Ansonsten wird er sie wohl kaum zurRäson bringen können.' Er seufzte und fuhr fort. 'Warum Gott mir so einePrüfung gesandt hat, vermag ich nicht zu sagen. Meinältester Sohn Harold verbringt seine Zeit mit der Falknerei und hat genaudie richtige Menge Verstand, die er braucht um zuherrschen. Mein jüngerer Sohn Osbert, ist ein halber Heiliger. Auch Brittahat mir nie einen Grund zur Sorge gegeben. Aber,ihre Schwester...' er schüttelte den Kopf.Lächelnd antworte der Mönch. 'Mit allem gebotenen Respekt, Majestät. Gottkann wohl schwerlich für eure jüngste Tochterverantwortlich gemacht werden.'Der König zeigte erneut die Zahnlücke, als er gähnte. 'Du hast recht Errin.Da war wohl eher der viele Wein damals schuld unddas hübsche Gesicht der Königin. Zum Teufel mit der Tradition ! Wir braucheneinen Ehemann für meine jüngste Tochter! Hatirgendwer von euch irgendwelche Vorschläge ?''Prinz Ansgar aus Belugia,' sagte Randulf ohne zu Zögern. Der Mönch nicktezustimmend.'Meine Güte,' erwiderte der König lachend. 'Wir schauen aber nach ganz oben,was? Ich weiß, er ist ziemlich hübsch, sohübsch, dass man ihm königliche Prinzessinnen von nah und fern anbietet. DerReichtum seines Vaters kann mit dem von König Midas konkurrieren.'

Zum allerersten Mal war Randulf völlig entspannt. 'Ein Blick auf sie wirdreichen, damit er bedingungslos kapituliert.'Der König wandte sich an den Mönch. 'Könnt Ihr die erforderlichen Plänemachen ?''Natürlich. Ich kenne den Beichtvater des Königs von Belugia. Ich werde ihmheute noch einen Brief senden.''Es darf kein Wort bezüglich einer Heirat fallen.''Verstehe. Prinz Ansgar wird einfach zu einem Besuch eingeladen, sagen wirfür eine Woche. Es wird ein...einHöflichkeitsbesuch sein.'
Sich zu Randulf drehend, meinte der König. 'Ihr werdet persönlich für dieAngelegenheit verantwortlich sein. Es müssen stetsgenügend Hofdamen um die zukünftige Braut des Prinzen herum sein. Ich möchtekein Betasten der Ware vor dem Erwerb der Warewenn ihr versteht.'
'Vielleicht wäre es einfacher wenn ich mit einigen meiner Männer den Prinzenunter Beobachtung halte.'
'Nein! Ich will nicht, dass man ihm nachspioniert, und ganz sicher möchteich nicht,dass ihm auffällt, dass er unterBewachung steht. Wenn er mit den Hofdamen oder den Kammerzofen herumspielenwill, dann ist das sein Vorrecht als Ehrengast.Befehlt euren Männern ausdrücklich seine Gegenwart zu meiden und in eineandere Richtung zu sehen, falls sie ihm zufälligbegegnen sollten.'
Der König hielt inne und lächelte. 'Mit Ausnahme einerBegegnung mit seiner zukünftigen Frau kann er sichfrei am ganzen Hof bewegen - und von mir aus im gesamten Königreich, wennihm danach ist und soviele Frauen haben, wie erwill.'

Da ein großes Gefolge. welches dem Prinzen das Ehrengeleit hätte gebensollen, seine Schatztruhen noch weiter geleert hätte,beschloß der König, dass zur Begrüßung nur zwei seiner Gefolgsleute denPrinzen abholen sollten. Allerdings war die Stimmungam Hofe, hinter vorgehaltener Hand, eher von Enttäuschung, über dieseMaßnahme, geprägt. Ein großes Gefolge, welches welchessonst einen königlichen Besuch begleitete, hätte viel dazu beigetragen, diefestliche Stimmung noch zu erhöhen.Trotzdem herrschte eine Festtagsstimmung im Palast, in dem man bereits einenMonat vorher begonnen hatte, sämtlicheVorbereitungen für den königlichen Besuch zu treffen. Neben der Festhallegab es einen Raum, der dazu diente, denhohen Besucher zu empfangen. Dieser Raum war ganz besonders aufwendigdekoriert worden, in Erwartung des Gastes. Der Duft vonverstreuten Rosenblättern, gemischt mit dem Duft nach Zinnober erfüllte dieRäume und Hallen an diesem monumentalen Tag.

Als der Morgen schließlich anbrach, betrat Prinz Ansgar, begleitet von MönchErrin und Hauptmann Randulf, den Empfangsraum,wo sich die königliche Familie versammelt hatte, um den Gast zu begrüssen.Trotz all der Gerüchte, die sie gehört hatten, wardoch niemand darauf vorbereitet, was für eine stattliche Erscheinung derkönigliche Gast doch bot. Groß, schlank undunbeschreiblich schön, mit blitzenden, dunklen Augen und langem, schwarzenHaar, das ihm über die breiten Schultern floss -das ehrliche, offene Gesicht, welches ihnen ein Lächeln schenkte, zauberteauch auf ihre Gesichter ein Antwort gebendesLächeln, sogar auf das Gesicht von Osbert, welcher für einen Moment seinenRosenkranz vergaß.
Der König erwiderte die höfliche Begrüssung durch den jungen Prinzen undbetrachtete seine jüngste Tochter aufmerksam. IhrGesicht war knallrot geworden und der König konnte fast die sinnliche Wärmespüren, die plötzlich von ihr ausstrahlte. Erdrehte sich zu seiner Gemahlin herum, nur um erschrocken zu sehen, wie auchbei ihr, die Röte das Gesicht überzog. 'Hmm,'ging es ihm durch den Sinn, 'Ich glaube ich habe da wohl soeben denpassenden Bräutigam für meine Tochter gefunden.'Sich die anderen Mitglieder seiner Familie betrachtend, war er nichtüberrascht zu sehen, wie sich HaroldsBegrüßungslächelnin ein dümmliches Grinsen verwandelte, weil er wohl in Gedanken bereitswieder auf Falkenjagd war. Britta zeigte keinenbesonderen Gesichtsausdruck, ihren Blick züchtig gesenkt, betrachtete siedie Hände in ihrem Schoß. Osbert hatte wiederbegonnen geistesabwesend die Perlen seines Rosenkranzes durch die Fingergleiten zu lassen.

Zur Überraschung des Königs war Ansgar nicht nur ansehnlich, sondern hatteanscheinend auch einen ganz prächtigen Charakter,so dass der König schon ein wenig vom schlechten Gewissen gepiesackt wurde,wenn er daran dachte, was er für diesenangenehmen und wohlerzogenen jungen Mann im Sinn hatte.Die Woche verging schnell. Die Berichte, die der König erhielt warengemischt. Ja, seine Tochter wurde gut bewacht. Nein, esgab keine Anzeichen, dass der Prinz überhaupt die immer unruhiger werdendePrinzessin wahrnahm. Die Wachen hielten sich andie Anweisungen des Königs. Man berichtete ihm, der Prinz würde viel mehrInterese an der Büchersammlung von Bruder Errinzeigen, als an irgendeiner der Hofdamen, die unter seiner Anwesenheit wieBlumen im Frühling aufgeblüht waren.Das alles waren keine guten Anzeichen,wie der König im Stillen dachte.Vielleicht, trotz seines Aussehens, war der jungePrinz ja auch so etwas wie ein Eunuch aus dem Harem des Kalifen? Der Königzuckte mit den Schultern, das Beste hoffend, dasSchlechteste erwartend. Als der letzte Tag des Besuches anbrach, erbat derPrinz, wie es die Höflichkeit erbot, einePrivataudienz beim König.

Prinz Ansgar kam schnell auf den Punkt, der wie sie beide wußten, dereigentliche Grund für seinen Besuch gewesen war. 'EureMajestät,' sagte er, 'Ich möchte Euch aus tiefstem Herzen für EureFreundlichkeit und Gastfreundschaft danken, die Ihr mirerwiesen habt. Ich kann nur hoffen, dass Ihr mir einen letzten Wunschgewährt, der mich zum glücklichsten Mann auf Erdenmachen würde.'Der König verspürte erneut Mitleid mit dem jungen Mann, da er wußte, was nunkommen würde und sich lebhaft die düstereZukunft des bezaubernden jungen Mannes ausmalen konnte. Einen Moment langspielte er mit dem Gedanken, die Bitte, von der erwußte, sie würde nun gestellt werden, abzulehnen, aber dann beschloß er,dass man niemanden davon abhalten sollte, sich daseigene Grab zu schaufeln, wenn er es freiwillig tat. Ohne zu antworten, hobder König lediglich eine Augenbraue.Der Prinz sprach weiter. 'Ich möchte eure Tochter heiraten.'
'Habt ihr bereits mit meiner jüngsten Tochter gesprochen?' Obwohl das sichernicht nötig ist, dachte der König.
'Mit der ?' platzte der Prinz heraus. 'Die ist doch nichts anderes als eindummes, hohlköpfiges, flirtendes Ding.'
Der Satzwar kaum ausgesprochen, als sich sein Gesicht vor Scham rötete und erhinzufügte. 'Es tut mir leid, Eure Majestät. Ich habeohne nachzudenken einfach geredet!'

Der König lachte. 'Die Wahrheit zu sagen, ist keine große Sünde. Aber,verstehe ich Euch richtig? Ihr wollt Britta heiraten?''Oh ja, natürlich. Wir haben uns mehrmals unterhalten. Ich weiß, dass ichIhrer nicht wert bin, aber Prinzessin Britta hatzugestimmt meine Braut zu werden - vorausgesetzt natürlich, ihr gebt EuerEinverständnis. Ich flehe Euch an, es zu gewähren.'Noch ehe der König eine Antwort gab, begann der König bereits im Geiste eineListe der möglichen Bewerber für seineabgewiesene, jüngere Tochter im Geiste durchzugehen. Er hatte einigeSchwierigkeiten sich zu entscheiden, welchen seinerköniglichen Nachbarn er am wenigsten leiden konnte. Dann erhellte sich seinGesicht. 'Der verrückte Rugila,' sagte er sich imStillen.

'Natürlich! Dieser schwertrasselnde Neffe von ihm ist doch auf demHeiratsmarkt. Ja. Ja!
Der schwachköpfige Attilawird sich im Himmel wähnen, wenn man ihm die Hand von Edith anbietet.'









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